RE:Aristomenes 1

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,1 (1895), Sp. 947–948
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Aristomenes (Ἀριστομένης). 1) Anführer und Held der Messenier im Kriege gegen Sparta und zwar nach der gewöhnlichen Erzählung im zweiten messenischen Kriege. Sein Vater hiess nach einigen Pyrrhos, nach andern Nikomedes, seine Mutter Nikoteleia; nach einer dritten Version ist er von einem Gott erzeugt worden. Er war aus Andania gebürtig (Steph. Byz. s. Ἀνδανία) und brachte die durch den ersten messenischen Krieg geknechteten Messenier zum Abfall von den Spartanern, wobei er sich zugleich des Beistandes der Argiver und Arkader versicherte (Ol. 23, 4 = 685 v. Chr., Paus. IV 14, 7f. Diod. XV 66, 3). Nachdem er sich in der ersten Schlacht bei Derai sehr hervorgethan hatte, wollten die Messenier ihn (er gehörte dem königlichen Geschlechte der Aipytiden an) zum Könige wählen; er aber begnügte sich mit dem Amte eines Oberbefehlshabers (Paus. IV 15, 4). Im nächsten Jahre (683 v. Chr.) gewannen die Messenier durch seine Tapferkeit einen grossen Sieg über die Spartaner (Paus. IV 15, 7f.). Einige Jahre später war die Schlacht am grossen Graben, wo die Messenier durch den Verrat des Aristokrates völlig besiegt wurden. A. gab den Widerstand im Felde auf und beschränkte sich auf die Festung Eira, die im Norden Messeniens nahe an der arkadischen und eleischen Grenze am Flusse Neda lag. Elf Jahre lang soll er sich hier behauptet und durch viele Streifzüge sich den Spartanern furchtbar gemacht haben (Paus. IV 17, 2f.). Ausser andern Heldenthaten (Paus. IV 15, 5. 16, 8f. 18, 1. 19, 1. Polyaen. II 31, 4) wird erzählt, dass er dreimal die Hekatomphonia geopfert, also 300 Feinde erschlagen habe (Paus. IV 19, 3. Plut. Rom. 25; quaest. conv. IV 1. Polyaen. II 31, 2. Plin. n. h. XI 185). Dreimal fiel er in die Hände der Feinde, zweimal gelang es seiner List und Gewandtheit, zu entkommen, das dritte Mal blieb er in der Gewalt der Spartaner, die ihn aufschnitten und ein behaartes Herz fanden (Polyaen. II 31, 2. 3. Plin. n. h. XI 187. Valer. Max. I 8 ext. 15. Steph. Byz. s. Ἀνδανία). Auch Pausanias kennt seine dreimalige Gefangennahme (Paus. IV 17, 1. 18, 4. 19, 4), lässt ihn aber nicht den Feinden in die Hände fallen, sondern giebt ihm einen ganz andern [948] Ausgang. Bei der Eroberung von Eira, die A. voraussieht, zieht er ab (Ol. 28, 1 = 668 v. Chr., Paus. IV 21, 11). Nachdem ein Versuch, Sparta zu überfallen, abermals am Verrate des Aristokrates gescheitert ist, lehnt er es ab, an der Colonie nach Zankle teilzunehmen (Paus. IV 22, 3. 23, 2). Seine Schwester und zwei Töchter vermählt er nach Phigaleia, Lepreon und Heraia; dann geht er nach Delphi, wo er seine dritte Tochter mit dem Könige Damagetos von Ialysos vermählt, dem Stammvater der rhodischen Diagoriden. Auch A. geht nach Rhodos; er hat die Absicht, sich an König Ardys von Lydien und Phraortes von Medien zu wenden, stirbt aber vorher und soll in Rhodos bestattet sein (Paus. IV 24).

Die Geschichte des A., wie wir sie vornehmlich aus Pausanias kennen, ist jung und ganz unbeglaubigt; auch in ihren ältesten Teilen ist sie erst nach der Wiederherstellung Messenes (370/69 v. Chr.) entstanden. A. genoss später in Messene heroische Ehren und auch anderswo zeigte man Reliquien von ihm (Paus. IV 14, 7. 16, 7. 32, 3. 6), und es ist möglich, dass sich Familien des späteren Messeniens von ihm ableiteten. Zuerst ward er, soviel bekannt, von Kallisthenes erwähnt (Polyb. IV 33); dann hat ihn etwas später der Dichter Rhianos von Benna zum Mittelpunkte seiner Dichtung (Μεσσηνιακά) gemacht. Etwa zu derselben Zeit erwähnte ihn Myron von Priene; nach diesem war er Zeitgenosse des Aristodemos und erschlug kurz vor dem Tode desselben den lakedaimonischen König Theopompos (Paus. IV 6, 2f. Plut. Agis 21). Darnach würde er nicht dem zweiten, sondern dem ersten messenischen Kriege angehören, und dieser Version folgt offenbar Diodor, bei dem vom Wettstreit des A. mit Kleonnis um den Preis der Tapferkeit erzählt wird, worin A. den Sieg davonträgt, s. Diod. frg. VIII 12. XV 66, 3f. Dagegen Polybios IV 33, 5 setzt den A. allem Anschein nach in den zweiten Krieg, und diese Version ist in der ausführlichen und auch chronologisch wohl gegliederten Erzählung des Pausanias zum Ausdruck gekommen.

Vgl. Grote Hist. of Greece II 422 (cap. 7). Busolt Griech. Gesch. I 151f. Duncker Gesch. des Altert. (3.–5. Aufl.) VI 102f. Niese Hermes XXVI 16. 27f.