RE:Antesignani

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 2355–2356
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Antesignani. In der Zeit der Manipulartaktik bezeichnen die A. das erste Treffen des zur Schlacht geordneten Heeres, die hastati (Liv. IV 37, 11. VIII 11, 7. 39, 4. IX 39, 7. XXII 5, 7. XXIII 29, 3. XXIV 16, 2. XXVII 48, 10. XXX 33, 3, auch Varro sat. bei Nonius p. 553). Die anderen Erwähnungen bei Livius II 20, 10. IV 47, 2. VI 8, 3. VII 33, 9. X 27, 9. XXXIII 36, 9 fügen sich dieser Bedeutung bis auf XXVII 18, 2 und XXXVIII 22, 9, wo vielmehr der hinter den velites marschierende Teil der Marschcolonne, aber auch dann die hastati gemeint sein müssen (vgl. Polyb. VI 40). Nach Marquardts Ansicht (St.-Verw. II² 355f.) führen die hastati diesen Namen, weil die Signa ihrer Manipeln hinter dem ersten Treffen standen. Die Schwierigkeit, auf welche die Durchführung dieser Ansicht stösst, habe ich in Die Fahnen (Wien 1885) 10–12 erörtert und vorgeschlagen, in den signa hinter der ersten acies die fünf Legionssigna der vormarianischen Legion (Plin. n. h. X 16) zu sehen. Auch in der Zeit der Cohortentaktik hatte der Adler, welcher seit [2356] Marius allein von den fünf alten Legionssigna beibehalten wurde, noch immer seinen Platz hinter dem ersten Treffen der normalen acies triplex (Tacit. hist. II 43). Mommsen Arch.-epigr. Mitt. X 6 hat sich für Marquardts Ansicht erklärt, gestützt auf Livius XXX 33, 1 (vgl. über diese Stelle Die Fahnen 10, 3). Vielumstritten ist die Frage nach der Bedeutung der A. in Caesars Heer (die verschiedenen Ansichten, sowie die Litteratur bei Franz Froehlich Das Kriegswesen Caesars, Zürich 1891, 29–32). Jede Legion hatte eine Abteilung antesignani (Caes. b. c. I 43, 3. 44, 5) und zwar sind sie eine auserlesene Truppe (Caes. b. c. I 57, 5), die wiederholt zusammen mit der Reiterei kämpft (b. c. III 75, 5. 84, 3) und zwar, wie einmal hervorgehoben wird, mit leichteren Waffen (III 84, 3). Da sie Cicero ausdrücklich den in den Manipeln dienenden Legionaren entgegenstellt (Philipp. V 12 20 antesignanos et manipulares), so kann der Name nur davon kommen, dass sie regelmässig, wie dies in allen Fällen bei Caesar geschieht, ausserhalb der acies verwendet wurden. Ein Legionar mit der leichten Bewaffnung der Velites ist dargestellt auf dem Grabstein aus Tiberius Zeit, Brambach CIRh 923 = Lindenschmit Altertümer I 9 Taf. IV. Er ist mit der parma und der hasta ammentata bewaffnet. Demnach wird Caesar diese leichterbewaffneten Legionare entweder neu eingeführt oder im Bürgerkrieg zu einer besonderen Elitetruppe ausgebildet haben, um der Übermacht seiner Gegner an Reiterei und leichtem Fussvolk das Gleichgewicht zu halten. Aus dem oben genannten Grabsteine können wir schliessen, dass diese Einrichtung auch in der ersten Kaiserzeit noch bestand.