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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 21002101
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Ἀναξυρίδες (der Name persisch), σαράβαρα (skythisch?), σκελέαι, scherzhaft θύλακοι, braccae (keltisch), auch braces (Ed. Diocl. 7, 42. Not. Tiron. bei Gruter p. 157. Hesych.), Beinkleider, waren den klassischen Völkern bekannt als Tracht teils der Perser und benachbarter Völker (Herod. VII 61ff.; die Tracht galt als ursprünglich medisch, 62), teils der nordischen Barbaren: Kelten, Germanen, Sarmaten. In der Kunst (namentlich auf Vasen) werden dann auch die Amazonen, Troer, Lykier, überhaupt die Orientalen, mit ἀ. ausgestattet, obgleich diese Tracht gerade den kleinasiatischen Völkern fremd gewesen zu sein scheint (Herod. VII 72ff.). Die Perser trugen in ihren ursprünglichen, einfachen Zuständen lederne ἀ.; Vornehme hatten sie bunt und reich verziert. Xen. An. I 5, 8; das Mosaik der Alexanderschlacht. Overbeck Pomp.⁴ 614. Auf Bildwerken erscheinen die ἀ. der Orientalen bald mehr oder weniger faltig (Fries von Phigaleia, Ancient marbles IV 18; Amazonensarkophag Robert II 27), bald tricotartig anliegend, so namentlich häufig auf Vasen. Namentlich diese letztere Gattung (auf den Vasen Millin II 25. Tischbein II 8 als Pelzwerk charakterisiert) ist meistens Teil einer am ganzen Körper, auch an den Armen, eng anliegenden Kleidung, über der ein ärmelloser Chiton getragen wird, Mon. d. Inst. IV 30. 46. V 11. 23. VI–VII 46. IX 32–33. 38. 50–51. X 28; ohne Chiton VIII 6. 44. Ein solches über den ganzen Körper eng anliegendes Untergewand zeigen auch einige Darstellungen der komischen und tragischen Muse, Gall. Giustiniani II 114. Montfaucon Ant. expl. I 61, 2. 3; weiteres bei Wieseler Satyrspiel 107. Dies, sowie die ähnlichen Gewänder auf den Phlyakendarstellungen (Wieseler Denkm. d. Bühnenw. IX) stammen wohl als orientalische Tracht aus dem bakchischen Kultus. S. über alles dies Wieseler Satyrspiel 92ff. Die Hosen (bracae) der nördlichen Völker waren nach den zahlreichen Darstellungen (z. B. auf der Traianssäule) sackartig weit (laxae Ovid. tr. V 7, 49) und am Knöchel zugebunden. Römer, die sich lange im Norden aufhielten, nahmen diese Tracht an, so Caecina, Tac. hist. II 20; doch fiel dies in Italien als barbarum tegmen auf. Unter den feminalia und tibialia des Augustus (Suet. 82) sind Binden zu verstehen; vgl. Quint. XI 3, 144. Hor. sat. II 3, 254. Petron. 40. Dig. XXXIV 2, 25, 4. Doch wurden spätestens zur Zeit des Traian kurze, wenig über die Kniee reichende Hosen üblich; sie erscheinen nicht nur auf der Traianssäule, sondern auch auf den aus traianischer Zeit stammenden Reliefs des Constantinsbogens, Ant. Denkm. d. Inst. I 42. 43; diese konnten femoralia oder feminalia heissen, Hesych. Suid. s. φιμινάλια. Isid. orig. XIX 22. 29. Hist. Aug. Alex. Sev. 40, 11 wird das Tragen der braccae als etwas gewöhnliches [2101] bezeichnet; Arcadius und Honorius verboten es in Rom, Cod. Theod. XIV 10, 2.

[Mau.]