Packträger, Omnibus und Schiebkarren

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Titel: Packträger, Omnibus und Schiebkarren
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aus: Die Gartenlaube, Heft 11, S. 176
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1870
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[176] Packträger, Omnibus und Schiebkarren. Es ist eine alte Erfahrung, daß die Erfinder gerade derjenigen Dinge, die wir täglich gebrauchen, und die Urheber gerade derjenigen Einrichtungen, die wir als mit uns geboren ansehen, am leichtesten vergessen werden; daß es des Scharfsinns der geistvollsten Männer bedurfte, um das eine oder das andere jener ganz gewöhnlichen Instrumente herzustellen, dessen sich heute jede Hand gedankenlos bedient und dessen Erfindung sich heute schließlich jeder Handwerker zutraute – wenn es nämlich nicht schon erfinden wäre – davon lassen sich nun gar die Wenigsten etwas träumen. Welche Stadt mit regem Verkehr und lebhaftem Gewerbebetrieb möchte heute noch das Institut der Packträger, Dienstmänner, Expreßcompagnien etc. entbehren? Keine. Wer aber erinnert sich noch Desjenigen, dessen speculativem Kopf zuerst der Gedanke entsprang, an die Straßenecken in seinem Dienst stehende Leute zu postiren und deren Arme und Beine dem Publicum für eine gewisse Entschädigung zu Gebot zu stellen? Es war niemand Geringerer als Paul Scarron, der geistreiche Komödiendichter, der liebenswürdige Verschwender, der erste Mann der nachmaligen Frau von Maintenon und Geliebten Ludwig’s des Vierzehnten, in dessen Hause sich die gewählteste Gesellschaft begegnete, und der, um seine zerrütteten Finanzen aufzubessern und seiner Frau, deren glänzende Zukunft damals noch Niemand ahnte, ein Vermögen zu hinterlassen, mitten unter den unerhörten Schmerzen eines schweren Krankenlagers jenen eines Industriellen unseres Jahrhunderts würdigen Gedanken ausheckte.

Einem Landsmann von ihm und zwar einem weit berühmteren verdanken wir ferner ein Instrument, das überall Verbreitung gefunden hat und das heute nicht der niedrigste Taglöhner entbehren möchte: es war der Mathematiker Pascal, den wahrscheinlich seine aufopfernde Liebe und Neigung zu den Armen auf den Gedanken brachte, das schwere ermüdende Tragen durch ein leichtes billiges Fahrzeug zu verdrängen. Und es glückte ihm! Der Schiebkarren hat die freundlichste Aufnahme und Verbreitung in der arbeitenden Welt gefunden. Ebenso sein Omnibus! Kein kleinerer Geist als Pascal hat das System der Gesellschaftswägen erdacht und zuerst in Paris mit Hülfe einer industriellen Brüderschaft in gelungener Weise durchgeführt, und wieder mochte ihn hierbei die Idee getrieben haben, es solle auch der Mittellose weite Strecken ohne Mühe und große Kosten zurücklegen können! Ob Pascal’s Geist noch heute über dem Pariser Omnibus schwebt oder ob das organisirende centralisirende Talent der Franzosen daran schuld ist, die Thatsache steht fest, daß das Pariser allgemeine Verkehrswesen musterhaft ist. Vom Omnibus zum Vélocipède ist kein großer Sprung und Jedermann weiß, daß auch dieser neueste Sport, der seine Reise um die Welt nunmehr schon vollendet haben wird, in unseren Tagen gleichfalls von Paris ausgegangen ist. Trotzdem war es Niemand anders als der große Newton, der im Laufe seines thatenreichen Lebens die verschiedensten Beweise von der mechanischen Fertigkeit und Geschicklichkeit seiner Hand abgelegt und schon vor zweihundert Jahren einen Wagen erfunden hat, den der darin Sitzende ohne äußere Hülfe in’s Fahren bringen konnte. Er also ist so ganz eigentlich der Vorkämpfer des Vélocipèdes.