Nikolaustag in den Niederlanden

Textdaten
<<< >>>
Autor: A. T.
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Nikolaustag in den Niederlanden
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 26, S. 836
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1899
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

[836] Nikolaustag in den Niederlanden. (Zu dem untenstehenden Bilde.) Er ist ein würdiger Herr, der heilige Nikolaus, wenn er, mit Mitra und dem brokatbesetzten Mantel angethan und den Bischofsstab in Händen, in den Niederlanden von Haus zu Haus zieht und sich Bericht erstatten läßt, wie sich die Kinder betragen haben. Ganz ungerechtfertigter Weise legt ihm der „Struwwelpeter“ ein großes Tintenfaß zu, in das er die Kinder stecken soll. Der Volksglaube weiß davon nichts.

Die Gartenlaube (1899) b 0836.jpg

Nikolaustag in den Niederlanden.
Nach einer Originalzeichnung von J. Gehrts.

Noch ist es nicht völlig Abend, da lauschen die Kleinen schon bei jedem Geräusch, bei jedem lauten Schritt, ob wohl der Nikolaus naht. Kein Spiel kommt zustande, so gern sie sich die Zeit kürzen möchten. Endlich klopft es an die Thür. Es ist der Gefürchtete. Alles horcht ängstlich auf. Seine ernsten Worte schüchtern ein, und ein lebhafter Schreck prägt sich auf den frischen Gesichtern aus. So schlimm indessen, wie ihn die Mutter macht, um die losen Buben zur Folgsamkeit anzuhalten, ist er doch nicht. Er verspricht ihnen sogar etwas, wenn sie heute abend noch recht gut folgen!

Jetzt ist er glücklich wieder hinaus. Die Kinder atmen auf und haben keine Ruhe, bis die Schuhbürste nebst der Wichsschachte! herbeigeholt ist. Nun geht es an ein Putzen der Schuhe, bis die kleinen Hände pechschwarz sind und auch die Gesichter bedenkliche Spuren der eifrigen Thätigkeit ausweisen – denn Nikolaus giebt ja bekanntermaßen etwas auf blankes Schuhwerk. Endlich sind alle fertig. Darauf zieht man nach der Eßstube, auf deren großem Tische bald fünf Paar glänzend schwarzer Schuhe stehen. Ein Schuh wird mit Hafer, ein anderer mit Heu gefüllt, und in einen dritten kommt ein Stück Mohrrübe, alles für den Esel des Nikolaus. Dann wird die Stube sorgfältig verschlossen, und der Vater muß feierlich geloben, ganz gewiß keine Menschenseele hineinzulassen.

Aber der Nikolaus ist eben kein gewöhnlicher Mensch. Trotzdem auch das Schlüsselloch verstopft ist, findet er einen Weg nach dem Heiligtume. Und sogar der Esel muß Eingang gefunden haben; denn wer hätte sonst alle sieben Stühle umwerfen und die halbe Tischplatte ausheben sollen?

Voll Ungeduld warten die Kinder am Morgen, bis auch der Vater am Kaffeetisch erscheint; noch ehe er den Morgenimbiß zu sich genommen hat, muß er in Gegenwart des gesamten Haushaltes das Zimmer öffnen. Die Kinderschar stürmt hinein und fällt beinahe über die vielen Stuhlbeine, die den Weg versperren. Aber doch gelangt jedes glücklich zum Tische! Und – o Wunder! – trotz der verschlossenen Thüren sind die Schuhe mit Zuckerwerk gefüllt! Hafer, Heu und Mohrrübe sind verschwunden, der Esel muß sehr hungrig gewesen sein. Allerdings liegt auch eine Rute auf dem Tuch. Aber deren Lage ist so vieldeutig, daß keins der kleinen Blondköpfchen auf sie Anspruch erhebt, sondern jedes behauptet, bei seinen Schuhen habe sie nicht gelegen. Nächstes Jahr muß Nikolaus mit seinen Winken deutlicher sein. A. T.