Der Cotta’sche Musenalmanach für das Jahr 1900

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Titel: Der Cotta’sche Musenalmanach für das Jahr 1900
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aus: Die Gartenlaube, Heft 26, S. 836
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1899
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[836] Der Cotta’sche Musenalmanach für das Jahr 1900. Wieder ist ein Band des schon in seinem Aeußeren so anmutenden Büchleins eingetroffen, dessen frühere Jahrgänge unter dem deutschen Christbaum einen bevorzugten Platz gefunden haben und dem das Verdienst gebührt, die Lyrik wieder in den Salons und Boudoirs zu Ansehen gebracht zu haben. Auch der neue Jahrgang weist neben den Poesien sechs höchst ansprechende Kunstbeilagen auf: das schöne italienische Landschaftsbild „Vor Amalfi“ von R. Püttner (vergl. die Abbildung Seite 832), den interessanten „Studienkopf“ von Fritz Reiß, das stimmungsvolle „Waldeinsamkeit“ von Alfred Enke, das rührende Genrebild „Heimatlos“ von R. E. Kepler, das lebendig gruppierte Tierbild „Gemsen“ von J. v. Pausinger und die „Heilige Nacht“ von A. Zick, das uns himmlische Verklärung und andächtige Hirten zeigt und das sich nach der Farbenglorie der italienischen Meister zu sehnen scheint. Was die Dichter betrifft, so haben sich die Getreuen der früheren Jahrgänge, die Veteranen sowohl wie auch die strebsamen Jünger, wieder eingestellt, und daneben taucht auch manch neuer Name auf. Von den Erzählungen in Prosa ist „Mater dolorosa“ ein stimmungsvolles Lebensbild mit tragischem Abschluß. H. Keller-Jordan schildert ein wahrhaft ergreifendes Mutterschicksal. Desto heiterer ist die zweite Erzählung „Das stumme Klavier“ von Ernst Muellenbach. Die Liebe des Professors zu seiner Hörerin ist mit vielem Humor geschildert und die Rolle, die das stumme Klavier dabei spielt, sehr ergötzlich. Die Dichtungen in metrischer Form beginnen mit zwei größeren Cyklen. „Hans Habenichts“ von Prinz Emil von Schönaich-Carolath behandelt die Sage von einem tapferen Ritter, dem ein Bürgermädchen untreu wird und der gegen die Geldsäcke in den Städten tapfer sein Schwert zückt; es ist in einer volkstümlich derben Tonart gedichtet und reich an Bildern von markiger Anschaulichkeit. Der „Gast der Einsamkeit“ von Max Haushofer hat zum Gegenstand eine Alpenwanderung, welche uns schöne Bilder vorführt. Die Führerin ist eine lebensvolle Gestalt, keine nüchterne allegorische Figur. In drei Balladen besingt Albert Möser die Lady Cecil Richmond, die bis ins höchste Alter um ihren Tänzer in Brüssel, den Herzog von Braunschweig, trauert, der bald nach jenem Tanz bei Quatrebras fiel. Heinrich Vierordt pflegt wieder mit Glück die moderne Ballade: „Ein Schwabenritt“ ist eine Episode aus dem Kriege von 1870, „Der treue Gumbiller“ knüpft an den Selbstmord des Königs Ludwig II von Bayern an. „Die beiden Selbstmörder“ von Ernst Eckstein ist ein ernstes, desselben „Frühlingsmorgen“ ein heiteres Stimmungsbild. Unter den Balladendichtern sind noch Albert Matthäi, Martin Beerel, Bernhard Hofmann vertreten; unter den Verfassern lyrischer Gedichte Martin Greif, E. Paulus, C. Weitbrecht, Karl Woermann, Isolde Kurz, Wilhelm Hertz, Hans Hofmann, H. Bulthaupt, J. Rodenberg, Ernst Ziel, Rudolf v. Gottschall, Albert Geiger u. a. Hermann Linggs Muse ist diesmal dem Preis des Erfindergeistes und der Naturkräfte zugewendet, die wie die Elektricität das Leben neugestalten. Wilhelm Jordan führt wuchtige Hiebe gegen thörichte moderne Stichwörter, wie das Epigonentum; ein schwunghaftes patriotisches Lied ist der Beitrag „Unsere Schiffe“ von Max Hartung. Die „harmlosen Sonette“ von Julius R. Haarhaus haben sehr scharfe satirische Spitzen. Die Reimsprüche von Ernst Ziel und Julius Grosse enthalten viel Sinniges und Treffendes. †