Mund zu! Ein Rathschlag für den Winter

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Titel: Mund zu! Ein Rathschlag für den Winter
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aus: Die Gartenlaube, Heft 46, S. 788
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[788] Mund zu! Ein Rathschlag für den Winter. Die Natur hat alles weise eingerichtet und uns zu unserem Nutzen mit vielen Schutzmitteln gegen allerlei Gefahren ausgerüstet. Ein solches Schutzmittel ist die Nase, denn sie ist keineswegs nur ein Riechorgan, sondern dient noch anderen wichtigen Zwecken. Zur Aufnahme fester und flüssiger Speisen ist uns der Mund beschert worden, zur Aufnahme der Luftspeise dient die Nase. Die Luft, die wir athmen, soll zuerst diesen Respirator durchlaufen und wird in ihm vorgewärmt, wenn sie zu kalt ist; feucht gemacht, wenn sie zu trocken sein sollte, und außerdem vom Staub gereinigt. Leider unterlassen viele, diese natürliche Athmungsvorrichtung zu benutzen, und gewöhnen sich das Athmen durch den Mund an. Diese Gewohnheit ist nicht schön und auch nicht für die Gesundheit förderlich. Wer darunter zu leiden hat, das ist der Rachen oder der Hals, wie man zu sagen pflegt. Es ist leicht erklärlich, daß ein kalter Luftstrom, der plötzlich den erhitzten Rachen trifft, Katarrhe zur Folge haben kann, und abgesehen von Staub und unnöthiger Verweichlichung dürfte der „schlimme Hals“ oft auf jenes unvernünftige Athmen zurückgeführt werden.

Der Rachenkatarrh ist an und für sich etwas Lästiges, er wird leicht chronisch, d. h. dauernd, geht dann auf den Kehlkopf über und verdirbt die Stimme; er ist schon darum ernst zu nehmen. Für die Kinder ist er aber noch von besonderer Bedeutung. Es steht fest, daß ein gesunder Hals ein treffliches Schutzmittel gegen die fürchterliche Diphtheritis bildet, da die gesunde Schleimhaut keinen günstigen Boden für die Aufnahme des Ansteckungsgiftes bietet, während die erkrankte ihm keinen Widerstand entgegenzusetzen vermag. Aus diesem Grunde ist es dringend geboten, im frühen Alter der Entstehung von Halskatarrhen vorzubeugen.

Das Halstuch, von dem früher ein so übertriebener Gebrauch gemacht wurde, ist heutzutage auf das richtige Maß der Anwendung zurückgeführt worden. Wünschenswerth wäre es nun, daß man auch der Nasenathmung mehr Beachtung schenken wollte. Die Gefahr der Erkältung ist namentlich bei dem schroffen Uebergang aus der warmen in die kalte Luft vorhanden, und vergrößert wird sie noch, wenn der Hals durch Sprechen und Singen vorher angestrengt worden ist. Wir sollten darum beim Verlassen des warmen Zimmers wenigstens die erste Zeit im Freien nur durch die Nase athmen und das Sprechen unterlassen. Das thun aber die Schulkinder in der Regel nicht.

„Mund zu beim Verlassen der Schule!“ ist darum ein gesundheitlicher Wink, den wir der Beachtung der Lehrer in kälteren Jahreszeiten empfehlen möchten, ebenso wie die Eltern darauf halten sollten, daß die Kinder frühzeitig sich die Nasenathmung angewöhnen. Daß man auch vermeiden sollte, die Singstunde während der Wintermonate als die letzte Unterrichtsstunde anzusetzen, ist im Interesse der Erhaltung der Stimme der Schulkinder gleichfalls zu wünschen. *