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Martin Pumphut in der Lausitz und der General Sybilski

Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Martin Pumphut in der Lausitz und der General Sybilski
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 2. S. 245–249
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort: Dresden
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
Kurzbeschreibung:
Siehe auch Pumphut
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[245]
841) Martin Pumphut in der Lausitz und der General Sybilski.
Gräve S. 83 sq. cf. S. 88. sq. Taschenb. f. d. Lausitz. Görlitz 1855. I. S. 105. Haupt Bd. I. S. 185. 218. fgg.

Der uns aus dem Voigtlande (Bd. II. S. 65) schon bekannte Martin Pumphut spielt in der Lausitz eine große Rolle. Man erzählt von ihm, daß er gleich nach seiner Geburt, die nach der Terminologie der Müllerburschen anno Toback in dem Dörfchen Spuhla bei Hoyerswerda stattfand, auf rätselhafte Art aus seiner Wiege verschwunden sei, und an seiner Stelle eine riesige Ringelnatter darin gelegen habe, als nun aber seine verzweifelten Aeltern nach ihm gesucht, sei er plötzlich von selbst frisch und gesund wieder gekommen. Wie er sechs Jahre alt war, zog eine Zigeunerhorde durch das Dorf seiner Geburt und ein Mitglied derselben stellte ihm das Prognosticon, er werde weit in der Welt herumkommen, zwar im untern Stande bleiben, jedoch Reichthümer erwerben, viel Aufsehen erregen, jedoch endlich durch ein Frauenzimmer ums Leben kommen. Der Knabe wuchs nun heran, lernte außer seiner Muttersprache, dem Wendischen, auch deutsch, und zeichnete sich vor andern Knaben seines Alters höchstens durch größere Schlauheit und Neigung zu lustigen Streichen aus. Nachts, wenn er schlief, will man sonderbare Gestalten über seinem Haupte schweben gesehen haben, und wenn er bei Nachtzeit ausging, wollen Viele ein Flämmchen in Kegelgestalt vor und [246] hinter ihm bemerkt haben. In gereifteren Jahren erlernte er die Müllerprofession, trat seine Wanderzeit an, wo man ihm wegen seines hohen, spitzen, breitgerandeten Hutes jenen Spitznamen beilegte, allein von wem und wo er seine Teufelskünste gelernt, davon schweigt die Geschichte. Er war überall und nirgends. Bald segelte er in einem papiernen Nachen über die Saale, Elbe und Mulde, bald ritt er auf einer großen Heuschrecke durch die Luft, hier zerschnitt er einen Mühlstein (z. B. in Budissin in der großen Mühle, wo man denselben noch sehen kann), dort setzte er (bei Dresden) auf einmal alle Windmühlen in Bewegung, indem er nur durch ein Nasenloch bließ. Zu Volkmarsdorf, wo man eine Mühlenwelle bereitete, bemerkte er im Vorbeigehen, daß sie zu kurz sei, man lachte ihn aus: da er zurückkehrte, überzeugte man sich von der Wahrheit und bat um seine Hülfe. Er dehnte sie wie Bretzelteig aus und setzte so die fehlende Elle zu. Zu Heiligenbeil[1] schleuderte er seine Axt an den Kirchenthurm, wo sie einhieb und noch heutigen Tages zu sehen ist. In Leipzig, im Gasthofe zum goldenen Siebe ließ er am hellen Tage eine Menge Hasen aus dem Kacheltopfe heraus- und wieder hineinspaziren. Hier leitete er die Saale aus ihrem Bette und wieß ihr einen andern Lauf an, damit die Müller, die ihm kein Geschenk gereicht hatten, nicht mahlen konnten, indeß andern, die ihn freundlich aufgenommen, das Wasser zu keiner Zeit mangelte, wodurch sie zu Vermögen gelangten. Bald verwandelte er die Pferde eines betrügerischen groben Roßhändlers, der ihm, dem Ermüdeten, einen Sitz auf dem Handpferde verweigert hatte, in Strohwische, bald ließ er bei eingetretenem Mißwachs einem Bauer, der ihn bei einer Krankheit gepflegt, eine überreiche Ernte sammeln, bald machte er den Adjutanten des Generals Sybilski in Teufelskünsten.

Dieser königlich polnische und kurf. sächs. General Johann [247] Paul Sybilski von Wolfsberg (geb. 1677 gest. 1763) war ebenfalls ein arger Zauberer. Den Tag vorher, als er bei Zehren und Lommatzsch (13. Dezember 1745) die preußische Arrieregarde total schlug, und dabei keinen Mann verlor, ließ er sein Regiment zu drei Mann über einen schwarzen Mantel marschiren und rief ihnen zu: „Burschen, wenn Ihr in’s Gefecht kommt, vergeßt nur meinen Namen nicht, es bleibt kein Mann, der Feind verliert einen Großen (den General von Röhl)!“ Vor der Schlacht bei Kollin am 18. Juni 1757 soll er allemal beim neunten Mann jedes Gliedes einige unverständliche Worte gemurmelt und seinen Leuten den Sieg versprochen haben. Der glückliche Erfolg bewahrheitete es, denn sein Regiment erbeutete 9 Fahnen. Da er noch als junger Officier in Polen stand, fand einst in Dresden ein glänzender Maskenball Statt, worüber einer seiner Kameraden äußerte, wie er von Herzen gern demselben beiwohnen möchte, allein es fehle ihm an Geld, auch sei, da der Ball übermorgen beginne, die Zeit zu kurz, selbst wenn man Dr Faust’s Mantel besäße, um zur rechten Zeit daselbst einzutreffen. Sybilski, der es gehört, nahte sich und raunte ihm in’s Ohr: „Geld ist’s wenigste, vertraue mir, Kamerad. Uebermorgen Nachmittags um drei Uhr stelle Dich vor dem Thore bei der großen Fichte ein, wir brechen auf, und sind noch vor dem Beginn der Redoute in Dresden!“ Verblüfft sah ihn der Balllustige an, wollte sprechen, allein Sybilski gebot ihm Stillschweigen und entfernte sich. Zur bestimmten Zeit und Orte erschien der Krieger und fand bald Sybilski, der in seinen rothen Mantel gehüllt angeschritten kam, er schlang selbigen um ihn, befahl ihm, weder rück- noch vorwärts zu blicken, und nun gings fort durch die Luft, als flögen sie davon. Abends Schlag fünf Uhr befanden sie sich in Dresden, hatten noch Zeit genug sich zu sammeln und einen Maskenanzug zu wählen, worauf sie mit jugendlichem Frohsinn der Redoute beiwohnten, am andern Morgen um 9 Uhr Dresden verließen und auf dem Mantelfuhrwerke Mittags um 11 Uhr auf dem Paradeplatz in Warschau probemäßig gekleidet [248] eintrafen. In Großsärchen bei Hoyerswerda soll er den vorbeifließenden Bach – um ihm eine andere Richtung zu geben – umgeackert haben, da ihm aber der vorgespannte polnische Ochse scheu geworden, so habe der Bach seinen noch gegenwärtig krummen Lauf erhalten. Nach Dresden fuhr er von Särchen aus in unglaublich kurzer Zeit, lenkte die Pferde und befahl dem Kutscher, sich hinten in dem Wagen schlafen zu legen. Endlich wachte der Kutscher auf, sah sich um und bemerkte mit Staunen, daß ihre Reise nicht auf der Erde fort, sondern durch die Luft ging. Im ersten Schreck schrie er laut auf und wollte aufstehen, allein sein Herr bedrohte ihn hart und hieß ihn sich ruhig niederlegen, indem sie sonst beide unglücklich sein könnten. Während des Gesprächs waren sie auch wirklich schon in Gefahr gekommen, indem sie aus Unachtsamkeit des Herrn sich nicht hoch genug gehalten, daher der Wagen an der Thurmspitze der Camenzer Hauptkirche angefahren und sie gebogen habe, in welchem Zustande sie sich auch noch bis zum 15. Jänner 1791, wo der Blitz in den Thurm schlug und die Haube desselben bis auf die Mauer abbrannte, befand. Einst kam nun der verrufene Pumphut, welcher nachher sein treuer Begleiter war, zu ihm und prieß ihm seine Künste an. Sybilski warf schwarze Haferkörner in den Kacheltopf, welche sich sofort in Fußvolk verwandelten, herauskletterten, sich auf dem Schloßhofe versammelten, manövrirten, sich zurück in ihre kupferne Caserne begaben, und wieder als schwarze Haferkörner darinnen lagen. Pumphut langte nun aus einer am Fenster stehenden Mulde einige Erbsenkörner heraus und warf sie ebenfalls in den Kacheltopf, welchem flugs völlig equipirte Reiter entfliegen. Allein da er Sybilski’s Worte nicht wußte, vermochte er sie nicht wiederum in den Kacheltopf zu bringen, vielmehr setzten sich ihre Klingen auf seinem Buckel in unangenehme Bewegung, und nur Sybilski’s Machtworten gehorchten sie. Einst soll derselbe Sybilski dem Pachter auf dem Ostravorwerk bei Dresden die Schafe in Schweine verwandelt haben, wobei derselbe natürlich nichts verlor. Was [249] Martin Pumphut anlangt, so soll derselbe auch früher noch zu Hildesheim sich als der Geist Hütchen gezeigt, auch dem Herzog von Friedland, Albrecht v. Wallenstein als graues Männchen wesentliche Dienste geleistet haben, und endlich mit einem reizenden Frauenzimmer unter Hinterlassung jenes curiosen Hutes aus einem Gasthofe zu Paderborn zu Ende des 7jährigen Krieges verschwunden sein. Wenigstens hat man seit gedachter Zeit von seinem Thun und Treiben nichts mehr vernommen.


  1. Nach der preußischen Volkssage war aber ein Wunder des Bischoffs und Heidenbekehrers Anselmus die Ursache des Namens Heiligenbeil. S. Bechstein, Deutsches Sagenbuch. S. 204. u. mein Preuß. Sagenb. Bd. II. Nr. 584, S. 367.