Textdaten
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Autor: Karl Siebel
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Titel: Mama
Untertitel:
aus: Die zehnte Muse. Dichtungen vom Brettl und fürs Brettl. S. 303–304
Herausgeber: Maximilian Bern
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Otto Eisner
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Erscheinungsort: Berlin
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Originalsubtitel:
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Quelle: Commons = Google-USA*
Kurzbeschreibung:
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Die zehnte Muse (Maximilian Bern).djvu
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[303]

Mama.

Durchs grün umrankte Fenster blickt
Die Sonne ins Gemach.
Grossmutter sitzt und nickt und strickt,
Sie nickt den ganzen Tag.

5
Ihr Haar ward weiss; es grub die Zeit

Viel tiefe Furchen ein.
Zu ihren Füssen tändelnd kniet
Ihr jüngstes Enkelein.

„Was nickst du denn so immerzu?“

10
Die kleine Unschuld spricht;

„Grossmutter! gar nicht schön bist du!
Dein Haar gefällt mir nicht –

[304]

Und überm Auge auf der Stirn
Die grosse Falte da!

15
Es ist Mama viel schöner doch!

Wie schön ist doch Mama!“

Grossmutter sieht den Liebling an:
„Schönheit vergehet bald!
Das Alter hat’s mir angetan,

20
Und auch Mama wird alt!“

„Mama!?“ – Des Kindes Aug’ umzieht
Ein Hauch von Kümmernis –
„O nein! Mama bleibt immer schön,
Das weiss ich ganz gewiss!“


Karl Siebel.