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Textdaten
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Autor: Unbekannt
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Titel: Maienfest in Florenz
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aus: Die Gartenlaube, Heft 16, S. 275
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[265]
Die Gartenlaube (1888) b 265.jpg

Maienfest in Florenz.
Nach dem Oelgemälde von Jacques Wagrez.
Photographie im Verlage von Ad. Braun u. Komp. in Dornach (Vertreter Hugo Grosser in Leipzig).


[275] Maienfest in Florenz. (Mit Illustration S. 265.) Unter allen Völkerschaften Italiens rühmen sich die Florentiner, noch in unserer nüchternen Zeit am meisten Sinn für Festfreude zu besitzen. Wie viel mehr war dies in den schönen Tagen der Fall, wo die Menschheit sich noch unbefangener an der Farbenpracht des bunten Lebens erfreute. Wie ein Hauch von Poesie weht es uns aus den Schilderungen der alten Florentiner Maienfeste entgegen. An einem solchen Maitag war es ja, daß der neunjährige Dante seine Beatrice zum ersten Mal erblickte, und aus dieser Begegnung entsprang ein neuer Quell der lautersten Dichtung, der noch heute seine Wunderkraft bewahrt.

Der Brauch der Maienfeste hat sich in Toskana viele Jahrhunderte hindurch erhalten. Die jungen Landleute pflanzten vor der Thür der Geliebten den Maien (majo), der mit Kränzen, Orangen und Zuckerwerk behangen war, wie es noch heute in vielen Gegenden Deutschlands üblich ist, führten Tänze aus und sangen die bekannten Maienlieder, während die städtische Jugend beiderlei Geschlechts in festlichen Scharen mit Blumenkränzen im Haar und blühende Zweige in den Händen vor die Thore der Stadt zog, um durch Spiele und Aufzüge aller Art die Einkehr des holden Lenzmonats zu feiern, welcher der Jugend und der Liebe angehört.

Ein solches Spiel haben wir auf unserem Bilde vor Augen. Es ist ein Liebeshof, wo Amor das Scepter fuhrt. Auf dem alten Festplatz vor der Port’ alla Croce hat sich alles, was jung und schön ist, in Feierkleidung versammelt, zwischen Pfeilern und Bäumen schwanken schwere Blumengewinde nieder und lustig flattern die bunten Banner dazwischen. Der schöne Jüngling im Vordergrund, der auf dem reichgestickten Gewand das Wappen der alten Familie Rucellai trägt und also einem der edelsten florentinischen Geschlechter entstammt, überreicht der Lieblichsten von allen den Preis der Schönheit und Reinheit, die Lilie, die hier zugleich als Sinnbild der Stadt Florenz gedacht ist und somit eine doppelte Bedeutung gewinnt. Die lächelnden Gespielinnen scheinen der Wahl neidlos zuzustimmen, indeß Trompetengeschmetter weithin den Ruhm der schönsten Lilie des Arnothals verkündet.