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Instinct oder Ueberlegung? (Die Gartenlaube 1878/16)

Textdaten
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Titel: Instinct oder Ueberlegung?
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aus: Die Gartenlaube, Heft 16, S. 270
Herausgeber: Ernst Ziel
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Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[270] Instinct oder Ueberlegung? Einen Beitrag zur Beantwortung dieser Frage dürfte folgende von mir gemachte Beobachtung liefern: In einer landwirtschaftlichen Oekonomie war der Hühnerstall über dem Kuhstall in der Weise angebracht, daß eine Oeffnung des Hühnerstalls sich in dem Kuhstall befand. Die Hühner konnten nun sowohl durch diese, wie auch durch die andere nach dem Hofraum führende Oeffnung aus ihrem Stalle und hinein gelangen. Der regelmäßige Eingang der Hühner fand durch die nach dem Hofe angebrachte Oeffnung statt, weil hier den Hühnern, die bekanntlich sehr schlecht und namentlich unsicher fliegen, eine Leiter gebaut war. Nur der Hahn machte eine Ausnahme, indem er fast regelmäßig, sofern er den Kuhstall offenstehen fand, den Weg zu seinem Nachtquartier durch die im Kuhstall angebrachte Oeffnung nahm. Hier war nun keine feste Leiter angebracht, denn die Oeffnung diente nur dazu, damit die Bewohner des Hauses den Hühnerstall revidiren konnten, und wurde zu diesem Zwecke jedesmal eine Leiter erst angesetzt. Der Hahn pflegte nun, weil die Oeffnung für seine Flugfähigkeit zu hoch lag, regelmäßig auf den Rücken der unter der Oeffnung stehenden Kuh zu fliegen und von da weiter in die Oeffnung hinein. Stand die Kuh in diesem Augenblicke, so erreichte der Hahn sein Ziel. Hatte sich indeß die Kuh niedergelegt, so bemerkte er jedenfalls gleich, daß es ihm bei dieser Sachlage nicht möglich wurde, die Oeffnung zu erreichen. In diesem Falle nun trat der Hahn regelmäßig an die Kuh heran und pickte derselben mit seinem Schnabel so lange in das Fleisch, bis die Kuh dieses Pickens überdrüssig wurde und aufstand. Alsdann nahm der Hahn sofort den Rücken der Kuh in Besitz, um von dieser erhöhten Stellung zu seinem Volke zu gelangen.

Ein andermal bemerkte ich, wie zwei benachbarte Hähne sehr oft feindlich, vielleicht aus Eifersucht, an einander geriethen. Der eine Hahn wurde nun von dem andern stets von ein und derselben Seite angegriffen. Mir schien diese Kampfesweise mit Recht auffällig, und ich bemühte mich deshalb den Grund hierfür zu erforschen. Die Frage war für mich gelöst, als ich von dem Besitzer des Hahnes ganz zufällig in einem Gespräche erfuhr, daß sein Hahn auf einem Auge blind sei. So hatte sich der eine Hahn die von ihm bemerkte Schwäche seines Gegners zu Nutze gemacht.

A. Pf.