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Titel: Octavio Piccolomini
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aus: Die Gartenlaube, Heft 16, S. 269–270
Herausgeber: Ernst Ziel
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[269] Octavio Piccolomini. In der Gallerie geschichtlich bedeutender Namen, welchen durch die Dichtungen Schiller’s Unsterblichkeit verliehen wurde, nimmt der Name Octavio Piccolomini nicht den letzten Platz ein. Wer erinnert sich des gewaltigen Wallenstein, ohne auch zugleich an jenen Mann zu denken, der wie ein böses Fatum an seiner Seite wandelte und zu seinem Sturze wesentlich beitrug, an ihn, dem der große Feldherr nächst den Sternen am meisten vertraute und der ihn nächst den Sternen am meisten betrog? Wer vermag das Schiller’sche Drama aus der Hand zu legen, ohne eine nachhaltige Bitterkeit gegen jenen Mann zu empfinden? Und wer wird ihn nicht noch lange nachher im Gedächniß behalten, wie er mit nach oben gerichtetem Blicke dasteht und den kaiserlichen Brief in der Hand hält, der ihm als Lohn des Verrathes an Wallenstein seine Erhebung in den Fürstenstand anzeigt?

Schiller hat diese Erhebung unmittelbar nach dem Tode Wallensteins eintreten lassen; in Wirklichkeit erfolgte sie viel später. Wir sind in der Lage, das Schreiben, in welchem der Kaiser dem Reichskammergerichte zu Speyer die Standeserhöhung des Grafen notificirte, seinem Wortlaute nach mittheilen zu können. Dasselbe wird gewiß für keinen Leser der „Gartenlaube“ ohne Interesse sein. Wie in der Zeit, so weicht auch in Bezug auf die Ursache dieser Standeserhöhung die Dichtung Schiller’s von der Geschichte ab, denn jedenfalls hatte der Graf die ihm zu Theil gewordene Ehre nicht ausschließlich seiner Betheiligung am Sturze [270] Wallenstein’s zu danken; sie war vielmehr der Lohn für seine ausgezeichneten Dienste als kaiserlicher Rath und noch mehr als kaiserlicher General, am meisten aber vielleicht für die Geschicklichkeit, mit welcher er als kaiserlicher Principal-Bevollmächtigter im Jahre 1648 den Westphälischen Frieden zu Stande bringen half. Der Graf hatte sich zwar im Jahre 1651 mit Maria Benigna Franziska, einer Tochter des Herzogs zu Lauenburg, vermählt, aber seine Ehe war kinderlos geblieben, sodaß auch die sympathische Person des „Max“ ihre Entstehung ausschließlich dem Dichtergenius Schiller’s zu verdanken hat. Octavio Piccolomini starb zu Wien am 10. August 1656. Das obenerwähnte kaiserliche Schreiben aber lautet:

„Ferdinandt der Dritte von Gottes gnaden Erwölter Römischer Kaiser zu allen zeitten Mehrer des Reichs. Hochgeborner Lieber Vetter und Fürst, auch Wohlgeborn, Edel, Ersamb, Gelehrte vnd liebe getrewe, Wir geben Dr. Liebden vnd Euch hiermit gnädiglich zu vernehmen, daß Wir Unsern geheimben Rath, Cämmerer, General-Leutenandt, Hartschierhaubtmann und bestellen Obraten Octavium Grauen Piccolomini de Arragona, Duca de Amalfi, Herrn zu Rachott, Ritter des guldenen Flüß und seine künftige Männliche Eheliche Leibs- oder in mangel derselben einen anderen Erben aus seinem Geschlecht, welchen er künfftig namhaft machen würd, wegen seiner Uns und dem heyl. Reich, vermittelst Verrichtung ansehnlicher Commissionen vnd Legationen eröffnung seines hochvernünfftigen treven Raths in den wichtigst vnd gebeimbsten Sachen vnd zu Fortstellung Vnser, deß hayl. Römischen Reichs vnd Vnsers Hochlöblichsten Erzhauß Oesterreichs, derselben Erbkönigreich vnd Ländern Hochheit vnd Wohlfahrt gedeyende Geschaffen vnd sonst in andere mehrvag gelaisteten getrewesten und hochersprießlichen Hof- vnd Kriegsdienste, auch uhralten Geschlechts vnd Fürstl. Qualiteten vnd Aigenschaften, in den Reichs Fürstenstandt mit allen dazu gehörigen Praerogativen dergestalt erhebt, daß alzeit der Elteste des Geschlechts der Grauen Piccolomini de Arragona Duca d’Amalfi den Fürstl. Nahmen und Stand allein führen solle, wie Vnser Kayserl. hierüber gefertigtes Diploma mit mehrerem außweißet.

Alß haben wir Deiner Liebden vnd Euch solches zu notificiren für ein nothdurfft erachtet, mit dem gnädigsten gesinnen vnd Begehren, Sy wollen bey Vnsers Kayserl. Cammergerichts-Cantzley die Verordnung thuen, damit Ihme Fürsten Piccolomini hinfüro in allen Expeditionibus der gebührliche Fürstl. Titul wann in Vnserem Nahmen an Ihn geschrieben oder decretirt würde, neben dem Praedicat Vnserm lieben Oheimb vnd Fürsten mit Dr. Liebd. gegeben werde, Verbleiben Dr. L. vnd Euch etc. mit Kayserl. Gnaden vnd allem guetten wohlbeygethan. Geben in Vnser Statt Wienn den achten October Anno sechtzehnhundertvndfünfzig, Vnserer Reiche des Römischen im Vierzehenden, deß Hungarischen im Fünfvndzwanzigsten vnd des Böheimbischen im Dreyvndzwanzigsten. Ferdinand.“

J. L.