Insectenfressende Pflanzen/Neuntes Capitel

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aus: Insectenfressende Pflanzen
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von: Charles Darwin
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Neuntes Capitel.
Die Wirkungen gewisser alkoloiden Gifte, andrer Substanzen und Dämpfe.

Strychninsalze. – Schwefelsaures Chinin unterbricht nicht bald die Bewegung des Protoplasma. – Andere Chininsalze. – Digitalin. – Nicotin. – Atropin. – Veratrin. – Colchicin. – Thein. – Curare. – Morphium. – Hyoscyamus. – Das Gift der Cobra beschleunigt dem Anscheine nach die Bewegungen des Protoplasma. – Campher, ein kräftiges Reizmittel, seine Dämpfe narcotisch. – Gewisse ätherische Öle erregen Bewegung. – Glycerin. – Wasser und gewisse Lösungen verzögern oder verhindern die spätere Wirkung des phosphorsauren Ammoniaks. – Alkohol unschädlich, sein Dampf narcotisch und giftig. – Chloroform, Schwefel- und Salpeter-Äther, ihre reizenden, giftigen und narcotischen Eigenschaften. – Kohlensäure narcotisch, nicht schnell giftig. – Schluszbemerkungen.

Wie im letzten Capitel will ich zuerst meine Versuche mittheilen, und dann eine kurze Übersicht der Resultate mit einigen Schluszbemerkungen geben.

Essigsaures Strychnin. – Halbe Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser wurden auf die Scheiben von sechs Blättern gelegt, so dasz jedes 1/960 Gran oder 0,0675 Milligr. erhielt. In 8 Stunden 30 Minuten waren die äuszeren Tentakeln auf einigen Blättern eingebogen, aber in einer unregelmäszigen Weise, manchmal nur auf einer Seite des Blattes. Am nächsten Morgen, nach 22 Stunden 30 Minuten, hatte die Einbiegung nicht zugenommen. Die Drüsen auf der mittleren Scheibe waren geschwärzt, und hatten aufgehört abzusondern. Nach 24 Stunden schienen alle mittleren Drüsen todt zu sein, aber die eingebogenen Tentakeln hatten sich wieder ausgebreitet und erschienen ganz gesund. Es scheint daher die giftige Thätigkeit des Strychnins auf die Drüsen, welche es aufgesaugt haben, beschränkt zu sein; demungeachtet senden diese Drüsen den äuszeren Tentakeln einen motorischen Impuls zu. Kleine Tropfen (ungefähr 1/20 Minim) derselben Lösung an die Drüsen der äuszeren Tentakeln gehalten, verursachten gelegentlich eine Einbiegung. Das Gift scheint nicht schnell zu wirken, denn nachdem gleiche Tropfen einer eher stärkeren Lösung, von einem Theil auf 292 Theile Wasser, an [180] mehrere Drüsen gehalten worden waren, verhinderte dies nicht, dasz sich die Tentakeln bogen, als ihre Drüsen nach einer Pause von ein Viertel bis drei Viertelstunde, durch Reiben oder dadurch, dasz man Ihnen Stückchen Fleisch gab, gereizt wurden. Ähnliche Tropfen einer Lösung von einem Theil auf 218 Theile Wasser (2 Gran auf 1 Unze) schwärzten schnell die Drüsen; einige wenige so behandelte Tentakeln bewegten sich, während andere es nicht thaten. Nachdem jedoch die letzteren später mit Speichel angefeuchtet, oder ihnen Stückchen Fleisch gegeben worden waren, wurden sie eingebogen, aber mit auszerordentlicher Langsamkeit; und dies beweist, dasz sie verletzt worden waren. Stärkere Lösungen (aber die Stärke wurde nicht ermittelt) unterbrachen manchmal jede Fähigkeit der Bewegung sehr schnell; so wurden Stückchen Fleisch auf die Drüsen mehrerer äuszerer Tentakeln gelegt, und so bald sie sich zu bewegen anfiengen, wurden sehr kleine Tropfen der stärkeren Lösung hinzugefügt. Sie fuhren einige Zeit fort sich einzubiegen, und standen dann plötzlich still; andere Tentakeln an demselben Blatt, mit Fleisch auf ihren Drüsen, aber nicht mit dem Strychnin befeuchtet, fuhren fort sich zu biegen und erreichten bald die Mitte des Blattes.

Citronensaures Strychnin. – Halbe Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser wurden auf die Scheiben von sechs Blättern gelegt; nach 24 Stunden zeigten die äuszeren Tentakeln nur eine Spur von Einbiegung. Stückchen Fleisch wurden dann auf drei dieser Blätter gelegt, aber in 24 Stunden trat nur unbedeutende und unregelmäszige Einbiegung ein, was bewies, dasz die Blätter stark verletzt worden waren. Bei zweien der Blätter, welchen kein Fleisch gegeben war, waren die scheibenständigen Drüsen trocken und sehr verletzt. Kleine Tropfen einer starken Lösung von einem Theil auf 109 Theile Wasser (4 Gran auf 1 Unze) wurden dem Secret um mehrere Drüsen hinzugefügt, aber brachten keine auch nur annähernd so deutliche Wirkung hervor, wie die Tropfen einer viel schwächeren Lösung des essigsauren Salzes. Stückchen des trocknen citronensauren Salzes wurden auf sechs Drüsen gelegt; zwei derselben bewegten sich ein Stückchen nach der Mitte hin und standen dann still und waren ohne Zweifel getödtet. Drei andere bogen sich viel weiter nach innen und hielten dann an; nur eins erreichte die Mitte. Fünf Blätter wurden, jedes in dreiszig Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser getaucht; so dasz jedes 1/16 Gran erhielt; nach ungefähr 1 Stunde wurden einige der äuszeren Tentakeln eingebogen und die Drüsen waren sonderbar gefleckt mit schwarz und weisz. Diese Drüsen wurden in von 4 bis 5 Stunden weiszlich und undurchsichtig und das Protoplasma in den Zellen der Tentakeln war ordentlich zusammengeballt. In dieser Zeit waren zwei von den Blättern bedeutend eingebogen, aber die drei andern nicht viel mehr, als sie vorher waren. Demungeachtet waren zwei frische Blätter nach einem Eintauchen von beziehentlich 2 und 4 Stunden in der Lösung nicht getödtet; denn als sie 1 Stunde 30 Minuten lang in einer Lösung von einem Theil kohlensauren Ammoniaks auf 218 Theile Wasser gelassen worden waren, wurden Ihre Tentakeln mehr eingebogen und es trat reichlich Zusammenballung ein. Die Drüsen zweier andrer Blätter wurden nach einem 2 Stunden langen Eintauchen in eine stärkere Lösung, von einem Theil des [181] citronensauren Salzes auf 218 Theile Wasser, undurchsichtig blasz rosa, welche Färbung nach kurzer Zeit verschwand, so dasz sie weisz blieben. Bei einem dieser zwei Blätter waren die Scheiben und Tentakeln bedeutend eingebogen; bei den anderen überhaupt kaum; aber das Protoplasma in den Zellen beider war bis hinunter zu den Basen der Tentakeln zusammengeballt, und die kugligen Massen in den Zellen dicht unter den Drüsen geschwärzt. Nach 24 Stunden war eins dieser Blätter farblos, und augenscheinlich todt.

Schwefelsaures Chinin. – Etwas von diesem Salze wurde zu Wasser hinzugefügt, welches, wie man sagt 1/1000 Theil seines Gewichts auflöst. Fünf Blätter wurden, jedes in dreiszig Minims dieser Lösung, welche bitter schmeckte, getaucht. In weniger als 1 Stunde waren bei einigen derselben einige wenige Tentakeln eingebogen. In 3 Stunden waren die meisten der Drüsen weiszlich, andere dunkel gefärbt und viele sonderbar gefleckt. Nach 6 Stunden war bei zweien der Blätter eine gute Menge Tentakeln eingebogen, aber der sehr mäszige Grad von Einbiegung nahm niemals zu. Eins der Blätter wurde nach 4 Stunden aus der Lösung genommen und in Wasser gelegt; am nächsten Morgen hatten sich einige wenige der eingebogenen Tentakeln wieder ausgebreitet, was bewies, dasz sie nicht todt waren; aber die Drüsen waren noch immer sehr entfärbt. Ein andres Blatt nicht in der oben erwähnten Gruppe mit inbegriffen, wurde nach einem Eintauchen von 3 Stunden 15 Minuten sorgfältig untersucht; das Protoplasma in den Zellen der äuszeren Tentakeln und der kurzen grünen auf der Scheibe war stark zusammengeballt bis hinunter zu ihren Basen; und ich sah deutlich, dasz die kleinen Massen ihre Stellungen und Formen ziemlich rapid veränderten; einige verschmolzen mit einander und trennten sich wieder. Ich war über diese Thatsache überrascht, weil man sagt, dasz Chinin alle Bewegung in den weiszen Blutkörperchen aufhält; aber da, nach Binz[1] dies Folge davon ist, dasz sie nicht mehr von den rothen Blutkörperchen mit Sauerstoff versehen werden, konnte ein solches Aufhalten der Bewegung bei der Drosera nicht erwartet werden. Dasz die Drüsen etwas von dem Salz aufgesaugt hatten, war augenscheinlich nach der Veränderung ihrer Färbung; aber ich glaubte zuerst, dasz die Lösung nicht die Zellen der Tentakeln hinunter gegangen sein könnte, wo das Protoplasma in lebendiger Bewegung zu sehen war. Diese Ansicht ist jedoch, wie ich nicht bezweifle, irrig, denn ein Blatt, welches 3 Stunden lang in die Chinin Lösung eingetaucht gewesen war, wurde dann in ein wenig Lösung von einem Theil kohlensauren Ammoniaks auf 218 Theile Wasser gebracht; und in 30 Minuten waren die Drüsen und die oberen Zellen der Tentakeln intensiv schwarz, und das Protoplasma bot eine sehr ungewöhnliche Erscheinung dar; es war nämlich zu netzförmigen trübgefärbten Massen zusammengeballt, mit abgerundeten und winkligen Zwischenräumen. Da ich diese Wirkung nie durch das kohlensaure Ammoniak allein habe hervorbringen sehen, musz es der früheren Einwirkung des Chinins zugeschrieben werden. Diese netzförmigen Massen wurden einige Zeit beobachtet, aber veränderten ihre Form nicht, so dasz das Protoplasma ohne [182] Zweifel durch die vereinigte Wirkung der beiden Salze getödtet worden war, trotzdem es ihnen nur kurze Zeit ausgesetzt war.

Ein anderes Blatt wurde nach einem Eintauchen von 24 Stunden in die Chinin-Lösung etwas schlaff und das Protoplasma war in allen Zellen zusammengeballt. Viele der zusammengeballten Massen waren entfärbt und boten ein körniges Ansehn dar; sie waren kuglig oder länglich, oder bestanden noch gewöhnlicher aus kleinen gebogenen Ketten kleiner Kügelchen. Keine dieser Massen bot die geringste Bewegung dar, und ohne Zweifel waren alle todt.

Halbe Minims der Lösung wurden auf die Scheiben von sechs Blättern gebracht; nach 23 Stunden hatte eins alle seine Tentakeln, zwei einige wenige, und die andern keinen eingebogen, so dasz die scheibenständigen Drüsen, wenn sie durch dieses Salz gereizt werden, keinen irgendwie starken motorischen Impuls den äuszeren Tentakeln zusenden. Nach 48 Stunden waren die Drüsen auf den Scheiben aller sechs Blätter augenscheinlich sehr verletzt oder ganz getödtet. Es ist klar, dasz dieses Salz in hohem Grade giftig ist [2].

Essigsaures Chinin. - Vier Blätter wurden jedes in dreiszig Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser getaucht. Die Lösung wurde mit Lackmus-Papier versucht, und war nicht sauer. Nach nur 10 Minuten waren alle vier Blätter bedeutend, und nach 6 Stunden ungeheuer eingebogen. Sie wurden dann 60 Stunden lang in Wasser gelassen, aber breiteten sich nie wieder aus; die Drüsen waren weisz und die Blätter augenscheinlich todt. Dieses Salz ist viel wirksamer als das schwefelsaure in Bezug auf das Herbeiführen von Einbiegung, und wie jenes Salz ist es bedeutend giftig.

Salpetersaures Chinin. – Vier Blätter wurden jedes in dreiszig Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser getaucht. Nach 6 Stunden war kaum eine Spur von Einbiegung da; nach 22 Stunden waren drei der Blätter mäszig und das vierte leicht eingebogen; so dasz dieses Salz, obgleich ziemlich langsam, gut ausgesprochene Einbiegung hervorbringt. Nachdem diese Blätter 48 Stunden lang in Wasser gelassen worden waren, breiteten sie sich beinahe vollständig wieder aus, aber die Drüsen waren sehr entfärbt. Es ist daher dies Salz nicht in irgend welchem hohen Grade giftig. Die verschiedene Wirkung der drei vorstehend erwähnten Salze des Chinins ist eigenthümlich.

Digitalin. Halbe Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser wurden auf die Scheiben von fünf Blättern gebracht. In 3 Stunden 45 Minuten hatten einige derselben ihre Tentakeln und eins seine Scheibe mäszig eingebogen. Nach 3 Stunden waren drei der [183] selben gut eingebogen; das vierte hatte nur einige Tentakeln eingebogen, und das fünfte (ein altes Blatt) war durchaus gar nicht afficirt. Sie blieben zwei Tage lang in beinahe demselben Zustand, aber die Drüsen auf ihren Scheiben wurden blasz. Am dritten Tage schienen die Blätter sehr verletzt zu sein. Demungeachtet wurden die äuszeren Tentakeln, als Stückchen Fleisch auf zwei derselben gelegt wurden, eingebogen. Ein minutiöser Tropfen (ungefähr 1/20 Minim) der Lösung wurde an drei Drüsen gehalten, und nach 6 Stunden waren alle drei Tentakeln eingebogen, aber hatten sich am nächsten Tage beinahe wieder ausgebreitet, so dasz diese sehr kleine Dosis von 1/28800 Gran (0,00225 Milligr.) auf einen Tentakel einwirkt, aber nicht giftig ist. Es scheint nach diesen verschiedenen Thatsachen, dasz Digitalin Einbiegung verursacht, und die Drüsen, welche eine mäszig grosze Menge aufsaugen, vergiften.

Nicotin. – Die Absonderung um mehrere Drüsen wurde mit minutiösen Tropfen der reinen Flüssigkeit berührt, und die Drüsen wurden augenblicklich geschwärzt; die Tentakeln wurden in wenig Minuten eingebogen. Zwei Blätter wurden in eine schwache Lösung von 2 Tropfen auf 1 Unze oder 437 Gran Wasser getaucht. Als sie nach 3 Stunden 20 Minuten untersucht wurden, waren nur ein und zwanzig Tentakeln an einem Blatt dicht eingebogen, und sechs unbedeutend am andern; aber alle Drüsen waren geschwärzt oder sehr dunkelfarbig, das Protoplasma in allen Zellen aller Tentakeln bedeutend zusammengeballt und dunkelfarbig. Die Blätter waren nicht ganz getödtet; denn als sie in ein wenig Lösung von kohlensaurem Ammoniak (2 Gran auf 1 Unze) gebracht wurden, wurden noch einige weitere Tentakeln eingebogen; auf die übrigen aber wirkte während der nächsten 24 Stunden die Lösung nicht ein.

Halbe Minims einer stärkeren Lösung (2 Tropfen auf 1/2 Unze Wasser) wurden auf die Scheiben von sechs Blättern gebracht, und in 30 Minuten wurden alle diese Tentakeln eingebogen; ihre Drüsen hatten wirklich die Lösung berührt, was durch ihre Schwärze bewiesen wurde; aber kaum irgend ein motorischer Impuls wurde nach den äuszeren Tentakeln hingesendet. Nach 22 Stunden schienen die meisten Drüsen todt zu sein; aber dies kann nicht der Fall gewesen sein, denn als Stückchen Fleisch auf drei derselben gebracht wurden, wurden einige wenige der äuszern Tentakeln in 24 Stunden eingebogen. Daher hat Nicotin eine grosze Neigung, die Drüsen zu schwärzen und Zusammenballung des Protoplasma hervorzurufen; aber ausgenommen, wenn es rein angewendet wird, hat es nur in sehr mäszigem Grade die Fähigkeit, Einbiegung hervorzurufen, und noch weniger Fähigkeit, einen motorischen Einflusz von den scheibenständigen Drüsen nach den äuszern Tentakeln zu übermitteln. Es ist mäszig giftig.

Atropin. – Ein Gran wurde zu 437 Theilen Wasser gethan, aber es wurde nicht alles aufgelöst; ein andrer Gran wurde zu 437 Gran einer Mischung von einem Theil Alkohol auf sieben Theile Wasser hinzugefügt; und eine dritte Lösung wurde gemacht durch Hinzufügen eines Theils von valeriansaurem Atropin auf 437 Theile Wasser. Halbe Minims dieser drei Lösungen wurden in jedem einzelnen Falle auf die Scheiben von sechs Blättern gebracht; aber durchaus keine Wirkung wurde hervorgerufen, ausgenommen, dasz die Drüsen auf den Scheiben, welchen das [184] valeriansaure Atropin gegeben war, gering entfärbt wurden. Den sechs Blättern auf welchen Tropfen der Lösung von Atropin In verdünntem Alkohol 21 Stunden lang gelassen worden waren, wurden Stückchen Fleisch gegeben, und alle wurden in 24 Stunden ziemlich gut eingebogen, so dasz Atropin keine Bewegung erregt, und nicht giftig ist. Ich versuchte auf dieselbe Weise das Alkaloid, welches als Daturin verkauft wird von dem man aber glaubt, dasz es von Atropin nicht verschieden ist, und es brachte keine Wirkung hervor. Dreien der Blätter, auf welchen Tropfen dieser letzteren Lösung 24 Stunden lang gelassen worden waren, wurden gleichfalls Stückchen Fleisch gegeben, und sie hatten im Lauf von 24 Stunden eine gute Menge ihrer halbrandständigen Tentakeln eingebogen.

Veratrin, Colchicin, Thein. – Lösungen dieser drei Alkaloide wurden so bereitet, dasz ein Theil zu 437 Theile Wasser gethan wurde. Halbe Minims wurden in jedem einzelnen Fall auf die Scheiben von wenigstens sechs Blättern gebracht, es wurde aber keine Einbiegung verursacht, ausgenommen vielleicht ein sehr leichter Grad durch das Thein. Halbe Minims eines starken Aufgusses von Thee brachten, wie vorher angegeben, keine Wirkung hervor. Ich versuchte auch ähnliche Tropfen eines Aufgusses von einem Theil des von Apothekern verkauften Extracts von Colchicum auf 218 Theile Wasser; die Blätter wurden indesz 48 Stunden lang beobachtet, ohne dasz eine Wirkung hervorgebracht worden wäre. Den sieben Blättern, auf welchen Tropfen des Veratrins 26 Stunden lang gelassen worden waren, wurden Stückchen Fleisch gegeben, und nach 21 Stunden waren sie gut eingebogen. Diese drei Alkaloide sind daher ganz unschädlich.

Curare. – Ein Theil dieses berühmten Giftes wurde 218 Theilen Wasser zugesetzt, und drei Blätter in neunzig Minims der filtrirten Lösung getaucht. In 3 Stunden 30 Minuten waren einige der Tentakeln ein wenig eingebogen; wie die Scheibe des einen nach 4 Stunden. Nach 7 Stunden waren die Drüsen wunderbar geschwärzt, was bewies, dasz Substanz irgend welcher Art aufgesaugt worden war. In 9 Stunden hatten zwei der Blätter die meisten ihrer Tentakeln halb eingebogen, aber die Einbiegung nahm im Laufe von 24 Stunden nicht zu. Eins dieser Blätter wurde, nach einem 9 Stunden langen Eintauchen in die Lösung, in Wasser gebracht und hatte sich am nächsten Morgen zum groszen Theile wieder ausgebreitet. Die andern zwei wurden nach einem 24 Stunden langen Eintauchen gleichfalls in Wasser gebracht, und waren in 24 Stunden beträchtlich wieder ausgebreitet, obgleich ihre Drüsen so schwarz wie je waren. Halbe Minims wurden auf die Scheiben von sechs Blättern gebracht, und keine Einbiegung erfolgte; aber nach drei Tagen schienen die Drüsen auf den Scheiben ziemlich trocken zu sein, doch waren sie zu meinem Erstaunen nicht geschwärzt. Bei einer andern Gelegenheit wurden Tropfen auf die Scheiben von sechs Blättern gebracht, und bald war ein beträchtlicher Grad von Einbiegung bewirkt worden; aber da ich die Lösung nicht filtrirt hatte, so können kleine herumschwimmende Theilchen auf die Drüsen gewirkt haben. Nach 24 Stunden wurden Stückchen Fleisch auf die Scheiben von dreien dieser Blätter gebracht, und am nächsten Tage wurden Sie stark eingebogen. Da ich zuerst dachte, das Gift [185] könnte in reinem Wasser nicht aufgelöst sein, wurde ein Gran zu 437 Gran einer Mischung von einem Theil Alkohol auf sieben Theile Wasser gesetzt und davon halbe Minims auf die Scheiben von sechs Blättern gebracht. Diese wurden gar nicht afficirt, und als ihnen nach Verlauf eines Tages Stückchen Fleisch gegeben wurden, waren sie in 5 Minuten leicht und in 24 Stunden dicht eingebogen. Es folgt aus diesen verschiedenen Thatsachen, dasz eine Lösung von Curare einen sehr mäszigen Grad von Einbiegung bewirkt, und dies mag vielleicht Folge der Gegenwart einer minutiösen Menge von Eiweisz sein. Es ist sicher nicht gütig. Das Protoplasma in einem der Blätter, welches 24 Stunden lang eingetaucht gewesen und gering eingebogen worden war, hatte einen sehr geringen Grad von Zusammenballung erfahren, nicht mehr als oft nach einem Eintauchen von dieser Dauer in Wasser vorkommt.

Essigsaures Morphium. – Ich machte eine grosze Anzahl Versuche mit dieser Substanz, aber mit keinem sicheren Resultat. Eine beträchtliche Anzahl Blätter wurden von 2 bis 6 Stunden lang in eine Lösung von einem Theil auf 218 Theile Wasser getaucht, und wurden nicht eingebogen. Auch waren sie nicht vergiftet, denn als sie gewaschen und in schwache Lösungen von phosphorsaurem und kohlensaurem Ammoniak gelegt wurden, wurden sie bald stark eingebogen, und das Protoplasma in ihren Zellen gut zusammengeballt. Wenn jedoch, während die Blätter in die Morphiumlösung getaucht waren, phosphorsaures Ammoniak hinzugesetzt wurde, trat Einbiegung nicht schnell ein. Minutiöse Tropfen der Lösung wurden in der gewöhnlichen Weise an die Absonderung um dreiszig bis vierzig Drüsen gehalten; und als nach einer 6 Minuten langen Pause Stückchen Fleisch, etwas Speichel oder Glastheilehen auf dieselben gebracht wurden, war die Bewegung der Tentakeln bedeutend verlangsamt. Aber bei andern Gelegenheiten kam keine solche Verzögerung vor. Ähnlich angewendete Tropfen Wasser haben nie irgend eine verzögernde Wirkung. Minutiöse Tropfen einer Lösung von Zucker von derselben Stärke (ein Theil auf 218 Theile Wasser) verzögerte manchmal die folgende Wirkung von Fleisch und Glastheilchen, und manchmal that es dies nicht. Einmal fühlte ich mich überzeugt, dasz Morphium wie ein Narcoticum auf die Drosera wirkte; aber nachdem ich gefunden hatte, in welch' eigenthümlicher Weise das Eintauchen in gewisse nicht giftige Salze und Säuren die folgende Wirkung von phosphorsaurem Ammoniak verhindert, während andere Lösungen keine solche Wirkung äuszern, erscheint meine frühere Überzeugung sehr zweifelhaft.

Hyoscyamus-Extract. – Mehrere Blätter wurden jedes in dreiszig Minims eines Aufgusses von 3 Gran des von Apothekern verkauften Extracts auf 1 Unze Wasser gebracht. Eins derselben war, nachdem es 5 Stunden 15 Minuten lang eingetaucht gewesen war, nicht eingebogen, und wurde dann in eine Lösung (1 Gran auf 1 Unze) von kohlensaurem Ammoniak gelegt; nach 2 Stunden 40 Minuten wurde es bedeutend eingebogen gefunden, und die Drüsen sehr geschwärzt. Vier Ton diesen Blättern wurden, nachdem sie 2 Stunden 14 Minuten lang eingetaucht gewesen, in 120 Minims einer Lösung (1 Gran auf 20 Unzen) von phosphorsaurem Ammoniak gebracht; sie waren schon durch das Hyoscyamus-Extract unbedeutend eingebogen worden, wahrscheinlich in [186] Folge der Gegenwart von etwas eiweiszartiger Substanz, wie vorher auseinandergesetzt wurde aber die Einbiegung nahm augenblicklich zu, und war nach 1 Stunde stark ausgesprochen; so dasz Hyoscyamus nicht wie ein Narcoticum oder ein Gift wirkt.

Gift aus dem Giftzahn einer lebenden Otter. – Minutiöse Tropfen wurden auf die Drüsen von vielen Tentakeln gebracht; diese wurden schnell eingebogen, gerade als ob ihnen Speichel gegeben worden wäre. Am nächsten Morgen, nach 17 Stunden 30 Minuten, fiengen alle an, sich wieder auszubreiten und sie schienen unverletzt zu sein.

Gift der Cobra (Brillenschlange). – Dr. Fayrer, durch seine Untersuchungen über das Gift dieser tödtlichen Schlange wohl bekannt, war so gütig, mir etwas davon in getrocknetem Zustande zu geben. Es ist eine eiweiszartige Substanz und man glaubt, dasz sie das Ptyalin des Speichels ersetze[3]. Ein kleiner Tropfen (ungefähr 1/20 Minim) einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser wurde an das Secret um vier Drüsen gehalten, so dasz jede nur ungefähr 1/38400 Gran (0,0016 Milligr.) erhielt. Die Operation wurde bei vier andern Drüsen wiederholt; und in 15 Minuten wurden mehrere der acht Tentakeln gut eingebogen, und sie alle in 2 Stunden. Am nächsten Morgen, nach 24 Stunden, waren sie noch eingebogen und die Drüsen von sehr blasz rosa Farbe. Nach weiteren 24 Stunden waren sie beinahe wieder ausgebreitet, und am folgenden Tage vollständig; aber die meisten Drüsen blieben beinahe weisz.

Halbe Minims derselben Lösung wurden auf die Scheiben von drei Blättern gebracht, so dasz jedes 1/960 Gran (0,0675 Milligr.) erhielt; in 4 Stunden 15 Minuten waren die äuszeren Tentakeln sehr eingebogen; und nach 6 Stunden 30 Minuten waren sie an zweien der Blätter dicht eingebogen, ebenso die Scheibe des einen; das dritte Blatt war nur mäszig afficirt. Die Blätter blieben während des nächsten Tages in demselben Zustande, aber breiteten sich nach 48 Stunden wieder aus.

Drei Blätter wurden nun jedes in dreiszig Minims der Lösung eingetaucht, so dasz jedes 1/16 Gran oder 4,048 Milligr. erhielt. In 6 Minuten war etwas Einbiegung da, welche stetig zunahm, so dasz nach 2 Stunden 30 Minuten alle drei Blätter dicht eingebogen waren; die Drüsen waren zuerst etwas geschwärzt, und wurden dann blasz; und das Protoplasma in den Zellen der Tentakeln war theilweise zusammengeballt. Die kleinen Massen von Protoplasma wurden nach 3 Stunden untersucht, und nach 7 Stunden wieder, und bei keiner andern Gelegenheit habe ich sie so rapide Formveränderungen erleiden sehen. Nach 8 Stunden 30 Minuten waren die Drüsen ganz weisz geworden; sie hatten keine grosze Menge Schleim abgesondert. Die Blätter wurden nun in Wasser gelegt, und waren nach 40 Stunden wieder ausgebreitet, wodurch bewiesen wurde, dasz Sie nicht sehr oder gar nicht verletzt waren. Während ihres Eintauchens in Wasser wurde das Protoplasma in den Zellen der Tentakeln gelegentlich untersucht und immer in starker Bewegung gefunden.

Zwei Blätter wurden ferner jedes in dreiszig Minims einer viel stärkeren Lösung, von einem Theil auf 109 Theile Wasser, getaucht; so dasz jedes 1/4 Gran oder 16,2 Milligr. erhielt. Nach 1 Stunde 45 Minuten [187] waren die halbrandständigen Tentakeln stark eingebogen, und die Drüsen etwas blasz; nach 3 Stunden 30 Minuten hatten beide Blätter alle ihre Tentakeln dicht eingebogen und die Drüsen waren weisz. Daher bewirkte die schwächere Lösung, wie in so vielen andern Fällen, viel rapidere Einbiegung, als die stärkere; aber die Drüsen wurden eher weisz gemacht durch die letztere. Nach einem 24 Stunden langen Eintauchen wurden einige der Tentakeln untersucht, und das Protoplasma, noch von schöner purpurner Färbung, wurde in Ketten von kleinen kugligen Massen zusammengeballt gefunden. Diese veränderten ihre Formen mit merkwürdiger Schnelligkeit. Nach einem 48 Stunden langen Eintauchen wurden sie wieder untersucht, und ihre Bewegungen waren so deutlich, dasz sie unter einer schwachen Vergröszerung leicht gesehen werden konnten. Die Blätter wurden nun in Wasser gelegt, und nach 24 Stunden (d. h. 72 Stunden von ihrem ersten Eintauchen an) waren die kleinen Massen Protoplasma, welche von einem schmutzigen Purpur waren, noch in starker Bewegung, ihre Formen verändernd, sich vereinigend und wieder trennend.

In 8 Stunden, nachdem sie in Wasser gelogen hatten (d. h. in 56 Stunden nach ihrem Eintauchen in die Lösung), fiengen diese zwei Blätter an, sich wieder auszubreiten und waren am nächsten Morgen noch weiter ausgebreitet. Nach Verlauf eines weiteren Tages (d. h. am vierten Tage nach ihrem Eintauchen in die Lösung) waren sie bedeutend aber nicht ganz vollständig wieder ausgebreitet. Die Tentakeln wurden nun untersucht, und die zusammengeballten Massen waren beinahe gänzlich wieder aufgelöst; die Zellen waren mit homogener purpurner Flüssigkeit, mit Ausnahme einer einzigen kugligen Masse hie und da, angefüllt. Wir sehen hieraus, wie vollständig das Protoplasma aller Verletzung durch das Gift entgangen war. Da die Drüsen so bald ganz weisz wurden, kam mir der Gedanke, dasz ihre Textur in solcher Weise modificirt sein könne, dasz das Gift verhindert würde, in die Zellen darunter zu dringen, und folglich, dasz das Protoplasma in diesen Zellen gar nicht afficirt worden wäre. Dem entsprechend brachte ich ein anderes Blatt, welches 48 Stunden lang in das Gift, und nachher 24 Stunden lang in Wasser gelegt worden war, in ein wenig Lösung von einem Theil kohlensauren Ammoniak auf 218 Theile Wasser; in 30 Minuten wurde das Protoplasma in den Zellen unter den Drüsen dunkler, und im Lauf von 24 Stunden waren die Tentakeln bis hinunter zu ihren Basen mit dunkelfarbigen kugligen Massen angefüllt. Es hatten daher die Drüsen ihre Fähigkeit zum Aufsaugen nicht verloren, so weit das kohlensaure Ammoniak in Betracht kommt.

Nach diesen Thatsachen ist es offenbar, dasz das Gift der Cobra, obgleich Thieren so tödtlich, gar nicht giftig für die Drosera ist. Doch verursacht es starke und rapide Einbiegung der Tentakeln und entfernt bald alle Farbe aus den Drüsen. Es scheint selbst als ein Reizmittel auf das Protoplasma zu wirken, denn nach beträchtlicher Erfahrung im Beobachten der Bewegungen dieser Substanz bei der Drosera habe ich es bei keiner andern Gelegenheit in einem so thätigen Zustande gesehen. Ich war daher sehr gespannt, zu hören, wie dieses Gift auf thierisches Protoplasma wirke; und Dr. Fayrer war so gütig, einige Beobachtungen [188] für mich zu machen, welche er seitdem veröffentlicht hat[4]. Flimmerepithelium aus der Mundhöhle eines Frosches wurde in eine Lösung von 0,03 Gramm auf 4,6 Cub. Cent. Wasser gebracht; andere Stücke zur selben Zeit zum Vergleich in reines Wasser. Die Bewegung der Wimpern in der Lösung schien zuerst zugenommen zu haben, nahm aber bald ab und hörte nach 15 bis 20 Minuten ganz auf, während jene im Wasser sich noch kräftig bewegten. Die weiszen Blutkörperchen eines Frosches und die Wimpern zweier Infusionsthiere, eines Paramaecium und eines Volvox, wurden durch das Gift ähnlich afficirt. Dr. Fayrer fand auch, dasz der Muskel eines Frosches seine Reizbarkeit nach einem 20 Minuten langen Eintauchen in die Lösung verlor, und dann einem starken elektrischen Strome nicht mehr antwortete. Auf der andern Seite wurden die Bewegungen der Wimpern auf dem Mantel eines Unio nicht immer zum Stillstand gebracht, selbst als sie eine beträchtliche Zeit in einer sehr starken Lösung gelassen worden waren. Im Ganzen scheint es, dasz das Gift der Cobra viel schädlicher auf das Protoplasma der höheren Thiere wirkt, als auf das der Drosera.

Ein anderer Punkt mag hier noch erwähnt werden. Ich habe gelegentlich beobachtet, dasz die Tropfen Secrets rings um die Drüsen durch gewisse Lösungen etwas trübe gemacht wurden, besonders aber durch einige Säuren, wobei sich ein Häutchen auf der Oberfläche der Tropfen bildete; aber niemals habe ich diese Wirkung in einer so auffallenden Weise hervorbringen sehen als durch das Gift der Brillenschlange. Wenn die stärkere Lösung angewendet wurde, erschienen die Tropfen in 10 Minuten wie kleine weisze abgerundete Wolken. Nach 48 Stunden hatte sieh das Secret in Fäden und Platten einer häutigen Substanz verwandelt, welche sehr kleine Körnchen verschiedener Grösze einschlossen.

Campher. – Etwas abgekratzter Campher wurde einen Tag lang in einer Flasche mit destillirtem Wasser gelassen und dann filtrirt. Eine auf diese Weise dargestellte Lösung soll 1/1000 ihres Gewichts an Campher enthalten; sie roch und schmeckte nach dieser Substanz. Zehn Blätter wurden in diese Lösung eingetaucht; nach 15 Minuten waren fünf derselben gut eingebogen, zwei lieszen die erste Spur der Bewegung in 11 und 12 Minuten erkennen; das sechste Blatt fieng sich nicht eher zu bewegen an, als bis 15 Minuten verflossen waren, war aber in 17 Minuten ganz ordentlich eingebogen und in 24 Minuten vollständig geschlossen; das siebente fieng in 17 Minuten sich zu bewegen an und war in 26 Minuten vollständig geschlossen. Das achte, neunte und zehnte waren alte Blätter von sehr dunkelrother Färbung und diese waren nach einem Eintauchen von 24 Stunden nicht eingebogen, so dasz es beim Anstellen von Experimenten mit Campher nothwendig ist, solche Blätter zu vermeiden. Nachdem diese Blätter vier Stunden lang in der Lösung gelassen worden waren, wurden einige von ihnen ziemlich schmutzig rosa gefärbt, und sonderten viel Schleim ab; obgleich ihre Tentakeln dicht eingebogen wurden, war das Protoplasma innerhalb der Zellen durchaus nicht zusammen geballt. Bei einer andern Gelegenheit indessen war nach einem längeren Eintauchen von 24 Stunden gut ausgesprochene Zusammenballung vorhanden. [189] Eine Lösung, welche so dargestellt worden war, dasz zwei Tropfen Campherspiritus einer Unze Wasser zugesetzt wurde, wirkte auf ein Blatt nicht ein; als dagegen dreiszig Minims einer Unze Wasser zugesetzt wurde, wirkte diese Lösung auf zwei zusammen eingetauchte Blätter.

Vogel hat gezeigt[5], dasz die Blüthen verschiedener Pflanzen nicht so bald verwelken, wenn ihre Stengel in eine Lösung von Campher gestellt werden, als wenn sie in Wasser stehen, und dasz sie sich, wenn sie bereits leicht welk geworden sind, schneller wieder erholen. Auch das Keimen gewisser Samen wird durch die Lösung beschleunigt. Es wirkt daher Campher als Reizmittel, und es ist das einzige bekannte Reizmittel für Pflanzen. Ich wünschte daher zu ermitteln, ob Campher die Blätter der Drosera für mechanische Reizung empfindlicher machen würde, als sie vorher waren. Sechs Blätter wurden 5 oder 6 Minuten lang in destillirtem Wasser gelassen und dann, während sie noch unter Wasser waren, sanft zwei- oder dreimal mit einem weichen Cameelhaarpinsel gestrichen; es folgte aber keine Bewegung. Dann wurden zunächst neun Blätter, welche in der oben angegebenen Lösung eine verschieden lange, in der unten folgenden Tabelle angeführte Zeit hindurch eingetaucht worden waren, einmal mit demselben Pinsel und in derselben Weise wie vorher bestrichen; die Resultate sind in der Tabelle mitgetheilt. Meine ersten Versuche wurden so angestellt, dasz ich die Blätter pinselte, während sie noch in der Lösung untergetaucht waren; es kam mir aber der Gedanke, dasz dadurch das klebrige Secret rings um die Drüsen entfernt werden und dann der Campher noch kräftiger auf sie einwirken könnte. In allen folgenden Versuchen wurde daher jedes Blatt aus der Lösung herausgenommen, ungefähr 15 Secunden lang in Wasser umhergeschwenkt, dann in frisches Wasser gelegt und bepinselt, so dasz das Pinseln keinen freieren Zutritt des Camphers gestatten kann; doch machte diese Behandlungsweise keinen Unterschied in den Resultaten. [190]

Zahl der Blätter. Dauer des Eintauchens in die Campherlösung. Länge der Zeit, welche zwischen dem Acte des Bepinselns und dem Einbiegen der Tentakeln verstrich. Länge der Zeit zwischen dem Eintauchen der Blätter in die Lösung und dem ersten Zeichen des Einbiegens der Tentakeln.
1. 5 Minuten. 3 Minuten beträchtliche Einbiegung; 4 Minuten alle Tentakeln mit Ausnahme von 3 oder 4 eingebogen. 8 Minuten.
2. 5 Minuten. 6 Minuten, erstes Zeichen der Einbiegung. 11 Minuten.
3. 5 Minuten. 6 Minuten 30 Secunden, unbedeutende Einbiegung; 7 Minuten 30 Secunden deutliche Einbiegung. 11 Minuten 30 Secunden.
4. 4 Minuten 30 Secunden. 2 Minuten 30 Secunden eine Spur von Einbiegung; 3 Minuten deutlich, 4 Minuten stark ausgesprochen. 7 Minuten.
5. 4 Minuten. 2 Minuten 30 Secunden eine Spur von Einbiegung; 3 Minuten deutliche Einbiegung. 6 Minuten 30 Secunden.
6. 4 Minuten. 2 Minuten 30 Secunden entschiedene Einbiegung; 3 Minuten 30 Secunden scharf ausgeprochen. 6 Minuten 30 Secunden.
7. 4 Minuten. 2 Minuten 30 Secunden unbedeutende Einbiegung; 3 Minuten deutlich; 4 Minuten gut ausgesprochen. 6 Minuten 30 Secunden.
8. 3 Minuten. 2 Minuten Spur von Einbiegung; 3 Minuten beträchtlich; 6 Minuten starke Einbiegung. 5 Minuten.
9. 3 Minuten. 2 Minuten Spur von Einbiegung; 3 Minuten beträchtlich; 6 Minuten starke Einbiegung. 5 Minuten.

Andere Blätter wurden in der Lösung belassen, ohne bepinselt zu werden; eines derselben zeigte eine Spur von Einbiegung nach 11 Minuten, ein zweites nach 12 Minuten, fünf wurden nicht eher eingebogen als bis 15 Minuten verflossen waren und zwei noch ein paar Minuten später. Andererseits wird man in der rechtsseitigen Columne der Tabelle sehen, dasz die meisten von den der Lösung ausgesetzten Blättern, welche dann bepinselt wurden, in einer viel kürzeren Zeit eingebogen wurden. Die Bewegung der Tentakeln dieser Blätter war so rapid, dasz sie deutlich durch eine sehr schwache Lupe gesehen werden konnte.

Zwei oder drei andere Experimente sind noch der Mittheilung werth. Ein groszes altes Blatt sah, nachdem es 10 Minuten in die Lösung eingetaucht gewesen war, nicht so aus, als würde es bald eingebogen werden; ich pinselte es daher, und in 2 Minuten fieng es an, sich zu bewegen und war in 3 Minuten vollständig geschlossen. Ein anderes Blatt zeigte nach einem Eintauchen von 17 Minuten kein Zeichen von Einbiegung; es wurde denn nun bepinselt, bewegte sich aber eine Stunde lang nicht; hier war der Miserfolg. Es wurde nochmals bepinselt, und nun wurden in 9 Minuten einige Tentakeln eingebogen; das Mislingen war daher nicht vollständig. [191] Wir können wohl schlieszen, dasz eine kleine Dosis Campher in Lösung ein kräftiges Reizmittel für Drosera ist. Es regt nicht blosz bald die Tentakeln an, sich zu biegen, sondern macht auch allem Anscheine nach die Drüsen für eine Berührung empfindlich, welche an und für sich keine Bewegung bewirkt. Es könnte auch sein, dasz eine unbedeutende mechanische Reizung, nicht stark genug, Einbiegung zu verursachen, doch ein gewisses Streben zur Bewegung mittheilt und dadurch die Wirkung des Camphers verstärkt. Diese letztere Ansicht würde mir als die wahrscheinlichere erschienen sein, wäre nicht von Vogel gezeigt worden, dasz Campher auch auf andere Weise für verschiedene Pflanzen und Samen ein Reizmittel ist.

Zwei Pflanzen, welche vier oder fünf Blätter trugen und mit ihren Wurzeln in einem kleinen Becher mit Wasser standen, wurden unter einem zehn Flüssigkeitsunzen haltenden Gefäsze dem Dampfe einiger Stückchen Campher (ungefähr so grosz wie eine Lambertsnusz) ausgesetzt. Nach 10 Minuten erfolgte noch keine Einbiegung, die Drüsen schienen aber reichlicher abzusondern. Die Blätter befanden sich in einem narcotisirten Zustande; denn als Stückchen Fleisch auf zwei von ihnen gelegt worden waren, war in 3 Stunden 15 Minuten noch keine Einbiegung da, und selbst nach 13 Stunden 15 Minuten waren nur einige wenige der äuszeren Tentakeln unbedeutend eingebogen; dieser Grad von Bewegung beweist aber, dasz die Blätter nicht dadurch getödtet waren, dasz sie 10 Stunden lang den Campherdämpfen ausgesetzt wurden.

Kümmel-Öl. – Es wird angegeben, dasz Wasser ungefähr ein Tausendstel seines Gewichts von diesem Öl auflöst. Ein Tropfen wurde zu einer Unze Wasser gesetzt und die Flasche während eines Tages gelegentlich geschüttelt; es blieben aber noch viele sehr kleine Kügelchen unaufgelöst. Fünf Blätter wurden in diese Mischung eingetaucht; innerhalb 4 bis 5 Minuten war etwas Einbiegung da, welche in zwei oder drei weiteren Minuten mäszig ausgesprochen wurde. Nach 4 Minuten waren alle fünf Blätter ordentlich, und einige von ihnen dicht eingebogen. Nach 6 Stunden waren die Drüsen weisz und viel Schleim abgesondert worden. Die Blätter waren nun welk, von einer eigenthümlichen trüb-rothen Färbung und offenbar todt. Eines der Blätter wurde nach einem Eintauchen von 4 Minuten gepinselt, wie die andern im Campher; dies brachte aber keine Wirkung hervor. Eine Pflanze, deren Wurzeln in Wasser standen, wurden nun unter einem Zehnunzon-Gefäsz dem Dampfe dieses Öls ausgesetzt, und in 1 Stunde 20 Minuten zeigte ein Blatt eine Spur von Einbiegung. Nach 5 Stunden 20 Minuten wurde die Decke abgenommen und die Blätter untersucht; bei einem waren alle Tentakeln dicht eingebogen, beim zweiten waren sie ungefähr halb in diesem Zustande, und beim dritten waren sie alle halb eingebogen. Die Pflanze wurde 42 Stunden lang an der freien Luft gelassen, es breitete sich aber nicht ein einziger Tentakel wieder aus; die sämmtlichen Drüsen erschienen todt, ausgenommen hier und da eine, welche noch immer absonderte. Offenbar ist dieses Öl in hohem Grade reizend und giftig für Drosera.

Nelken-Öl. – Es wurde in derselben Weise wie im letzten Falle eine Mischung gemacht und drei Blätter in dieselbe eingetaucht. Nach 30 Minuten war nur eine Spur von Einbiegung vorhanden, welche niemals [192] zunahm. Nach 1 Stunde 30 Minuten waren die Drüsen blasz und nach 6 Stunden weisz. Ohne Zweifel waren die Blätter bedeutend beschädigt oder getödtet.

Terpentin-Öl. – Kleine Tropfen auf die Scheiben einiger Blätter gelegt, tödteten dieselben, wie es gleichfalls Tropfen von Creosot thaten. Eine Pflanze wurde 15 Minuten lang unter einem Zwölfunzen-Glas gelassen, dessen innere Oberfläche mit zwölf Tropfen Ton Terpentin-Öl befeuchtet waren; es erfolgte aber keine Bewegung der Tentakeln. Nach 24 Stunden war die Pflanze todt.

Glycerin. – Halbe Minims wurden auf die Scheiben von drei Blättern gebracht; in 2 Stunden waren einige der äuszeren Tentakeln unregelmäszig eingebogen; und in 19 Stunden waren die Blätter welk und allem Anscheine nach todt; die Drüsen, welche das Glycerin berührt hatten, waren farblos. Äuszerst kleine Tropfen (ungefähr 1/20 Minim) wurden an die Drüsen mehrerer Tentakeln gehalten, und in wenig Minuten bewegten sich diese und erreichten bald die Mitte. Ähnliche Tropfen einer Mischung von vier abgetropften Tropfen auf 1 Unze Wasser wurden in gleicher Weise an mehrere Drüsen gehalten; aber nur einige wenige Tentakeln bewegten sich und diese nur sehr langsam und unbedeutend. Halbe Minims dieser selbigen Mischung auf die Scheiben einiger Blätter gebracht, verursachten zu meiner Überraschung im Verlaufe von 48 Stunden keine Einbiegung. Es wurden ihnen dann Stückchen Fleisch gegeben, und am nächsten Tage waren sie ordentlich eingebogen, trotzdem dasz einige der scheibenständigen Drüsen beinahe farblos gemacht worden waren. Zwei Blätter wurden in dieselbe Mischung, aber nur 4 Stunden lang eingetaucht; sie wurden nicht eingebogen, und nachdem sie später 2 Stunden 30 Minuten lang in einer Lösung (1 Gran auf 1 Unze) von kohlensaurem Ammoniak gelassen worden waren, wurden ihre Drüsen geschwärzt, ihre Tentakeln eingebogen, und das Protoplasma innerhalb ihrer Zellen zusammengeballt. Aus diesen Thatsachen geht hervor, dasz eine Mischung von vier Tropfen Glycerin auf eine Unze Wasser nicht giftig ist und sehr wenig Einbiegung anregt, dasz aber reines Glycerin giftig ist und, wenn es in sehr minutiösen Mengen an die Drüsen der äuszeren Tentakeln gebracht wird, deren Einbiegung verursacht.

Die Wirkungen des Eintauchens in Wasser und verschiedene Lösungen auf die spätere Einwirkung des phosphorsauren und kohlensauren Ammoniaks. – Wir haben im dritten und siebenten Capitel gesehen, dasz Eintauchen in destillirtes Wasser nach einiger Zeit einen gewissen Grad von Zusammenballung des Protoplasma und einen mäszigen Betrag von Einbiegung verursacht, besonders bei Pflanzen, welche in einer im Ganzen hohen Temperatur gehalten worden sind. Wasser regt keine reichliche Absonderung von Schleim an. Wir haben hier die Wirkungen des Eintauchens in verschiedene Flüssigkeiten auf die spätere Einwirkung der Ammoniaksalze und anderer Reizmittel zu betrachten. Vier Blättern, welche 24 Stunden lang in Wasser gelassen worden waren, wurden Stückchen Fleisch gegeben; sie umfaszten sie aber nicht. Zehn Blätter wurden, nach einem ähnlichen Eintauchen, 24 Stunden lang in einer kräftigen Lösung (1 Gran auf 20 Unzen) von phosphorsaurem Ammoniak gelassen, und nur eines zeigte und selbst nur [193] eine Spur von Einbiegung. Als drei dieser Blätter noch einen weiteren Tag lang in der Lösung gelassen worden waren, blieben sie noch immer nicht afficirt. Als indessen einige dieser Blätter, welche zuerst 24 Stunden lang in Wasser und dann 24 Stunden lang in eine Lösung des Phosphats eingetaucht worden waren, in eine Lösung von kohlensaurem Ammoniak (ein Theil auf 218 Theile Wasser) gebracht wurden, wurde das Protoplasma in den Zellen der Tentakeln in wenigen Stunden stark zusammengeballt, woraus hervorgieng, dasz dies Salz absorbirt worden war und Wirkung geäuszert hatte.

Ein kurzes, 20 Minuten langes Eintauchen in Wasser verzögerte die spätere Wirkung des phosphorsauren Salzes oder von auf die Drüsen gelegten Glassplittern nicht; in zwei Fällen aber verhinderte ein 50 Minuten währendes Eintauchen jede Wirkung einer Campherlösung. Mehrere Blätter, welche 20 Minuten lang in einer Lösung von einem Theile weiszen Zuckers auf 218 Theile Wasser gelassen worden waren, wurden in die Lösung des phosphorsauren Salzes gebracht, deren Einwirkung verzögert wurde, während eine gemischte Lösung von Zucker und Phosphat die Wirkungen der letzteren nicht im Allermindesten störte. Drei Blätter wurden, nachdem sie 20 Minuten lang in die Zuckerlösung eingetaucht gewesen waren, in eine Lösung von kohlensaurem Ammoniak (ein Theil auf 218 Theile Wasser) gebracht; in 2 oder 3 Minuten waren die Drüsen geschwärzt und nach 7 Minuten waren die Tentakeln beträchtlich eingebogen, so dasz die Zuckerlösung, obschon sie die Wirkung des Phosphats aufhielt, doch die des kohlensauren Salzes nicht verzögerte. Ein 20 Minuten langes Eintauchen des Blattes in eine ähnliche Lösung von arabischem Gummi hatte keine verzögernde Wirkung auf das phosphorsaure Salz. Drei Blätter wurden 20 Minuten lang in einer Mischung von einem Theile Alkohol auf sieben Theile Wasser gelassen und dann in die Lösung des phosphorsauren Salzes gebracht: in 2 Stunden 15 Minuten war eine Spur von Einbiegung an einem Blatte, und in 5 Stunden 30 Minuten eine unbedeutende Wirkung an einem zweiten vorhanden; die Einbiegung nahm später, wenn schon langsam, etwas zu. Verdünnter Alkohol, welcher, wie wir sehen werden, kaum irgendwie giftig ist, verzögert daher offenbar die spätere Wirkung des phosphorsauren Salzes.

Im letzten Capitel wurde gezeigt, dasz Blätter, welche durch ein beinahe vierundzwanzigstündiges Eintauchen in Lösungen verschiedener Salze und Säuren nicht eingebogen wurden, sich sehr verschieden von einander verhielten, wenn sie später in die Lösung des phospsorsauren Salzes gebracht wurden. Ich gebe hier eine Tabelle, welche die Resultate zusammenfaszt. [194]

Namen der Salze und Säuren in Lösung. Dauer des Eintauchens der Blätter in Lösungen von einem Theile auf 437 Theile Wasser. Wirkung auf die Blätter hervorgebracht durch späteres, angegebene Perioden dauerndes Eintauchen in die Lösung von einem Theile phosphorsauren Amoniaks auf 8750 Theile Wasser, oder 1 Gran auf 20 Unzen.
Rubidiumchlorid 22 Stunden. Nach 30 Minuten starke Einbiegung der Tentakeln.
Kohlensaures Kali 20 Minuten. Kaum irgend welche Einbiegung bis nach Verlauf von 5 Stunden.
Essigsaurer Kalk 24 Stunden. Nach 24 Stunden sehr unbedeutende Einbiegung.
Salpetersaurer Kalk 24 Stunden. Dasselbe.
Essigsaure Magnesia 22 Stunden. Etwas unbedeutende Einbiegung, die in 24 Stunden gut ausgesprochen wurde.
Salpetersaure Magnesia 22 Stunden. Nach 4 Stunden 30 Minuten ein gehöriger Betrag von Einbiegung, der nie zunahm.
Chlormagnesium 22 Stunden. Nach wenig Minuten bedeutende Einbiegung; nach 4 Stunden alle 4 Blätter mit fast alle Tentakeln dicht eingebogen.
Essigsaurer Baryt 22 Stunden. Nach 24 Stunden 2 Blätter von vieren leicht eingebogen.
Salpetersaurer Baryt 22 Stunden. Nach 30 Minuten ein Blatt bedeutend, zwei weitere mäszig eingebogen; sie blieben 24 Stunden so.
Essigsaurer Strontian 22 Stunden. Nach 25 Minuten zwei Blätter bedeutend eingebogen; nach 8 Stunden ein drittes mäszig und das vierte sehr unbedeutend eingebogen. Alle vier blieben 24 Stunden so.
Salpetersaurer Strontian 22 Stunden. Nach 8 Stunden waren drei Blätter von fünf mäszig eingebogen, nach 24 Stunden alle fünf in diesem Zustande, aber nicht eines dicht eingebogen.
Chloraluminium 24 Stunden. Drei Blätter, auf welche das Chlorid entweder unbedeutend oder gar nicht eingewirkt hatte, wurden nach 7 Stunden 30 Minuten ziemlich dicht eingebogen.
Salpetersaurer Alaun 24 Stunden. Nach 25 Stunden unbedeutende und zweifelhafte Wirkung.
Bleichlorid 23 Stunden. Nach 24 Stunden zwei Blätter etwas eingebogen, das dritte sehr wenig; blieben so.
Manganchlorid 22 Stunden. Nach 48 Stunden nicht die mindeste Einbiegung.
Milchsäure 48 Stunden. Nach 24 Stunden eine Spur von Einbiegung in einigen wenigen Tentakeln, deren Drüsen nicht von der Säure getödtet waren.
Gerbsäure 24 Stunden. Nach 24 Stunden keine Einbiegung.
Weinsteinsäure 24 Stunden. Dasselbe.
Citronensäure 24 Stunden. Nach 50 Minuten Tentakeln entschieden eingebogen und nach 5 Stunden stark eingebogen; blieben so während der nächsten 24 Stunden.
Ameisensäure 22 Stunden. Erst nach Verlauf von 24 Stunden beobachtet; Tentakeln beträchtlich eingebogen und das Protoplasma zusammengeballt.

[195] In einer groszen Mehrzahl dieser zwanzig Fälle wurde ein wechselnder Grad von Einbiegung langsam durch das phosphorsaure Salz verursacht. Indessen war in vier Fällen die Einbiegung sehr schnell, indem sie in weniger als einer halben Stunde oder höchstens in 50 Minuten eintrat. In drei Fällen brachte das Phosphat nicht die geringste Wirkung hervor. Was haben wir nun aus diesen Thatsachen zu folgern? Wir wissen aus zehn Versuchen, dasz 24 Stunden langes Eintauchen in destillirtes Wasser die spätere Einwirkung der Phosphatlösung verhindert. Es dürfte daher hiernach scheinen, als wirkten die Lösungen von Manganchlorid, von Gerbsäure und Weinsteinsäure, welche nicht giftig sind, genau so wie Wasser; denn das phosphorsaure Ammoniak brachte keine Wirkung auf die Blätter hervor, welche vorher in diese drei Lösungen eingetaucht gewesen waren. Die Mehrzahl der anderen Lösungen verhielten sich bis zu einem gewissen Masze wie Wasser; denn das phosphorsaure Ammoniak brachte nach einem beträchtlichen Zeitintervalle nur eine unbedeutende Wirkung hervor. Andererseits wirkte das phosphorsaure Ammoniak schnell auf die Blätter ein, welche in die Lösungen von Rubidiumchlorid und Chlormagnesium, von essigsaurem Strontian, salpetersaurem Baryt und Citronensäure gelegt worden waren. Wurde nun etwa aus diesen fünf schwachen Lösungen Wasser absorbirt und verhinderte es dennoch, in Folge der Gegenwart der Salze, die spätere Wirkung des phosphorsauren Ammoniaks nicht? Oder dürfen wir nicht annehmen[6], dasz die Zwischenräume der Drüsenwandungen durch Molecule dieser fünf Substanzen so verstopft waren, dasz sie für Wasser undurchgängig wurden; denn wäre Wasser eingetreten, so wissen wir von den zehn Versuchen her, dasz das phosphorsaure Ammoniak später keinerlei Wirkung hervorgebracht haben würde. Es zeigt sich ferner, dasz die Molecule des kohlensauren Ammoniaks schnell in Drüsen eintreten können, welche in Folge einer 20 Minuten währenden Eintauchung in eine schwache Auflösung von Zucker entweder das phosphorsaure Salz sehr langsam absorbiren oder von ihm sehr langsam beeinfluszt werden. Andererseits scheinen Drüsen, wie sie auch immer behandelt worden sein mögen, leicht den späteren Eintritt der Molecule des kohlensauren Ammoniaks zu gestatten. [196] An Blättern, welche in eine Lösung (von einem Theile auf 437 Theile Wasser) von salpetersaurem Kali 48 Stunden lang, – von schwefelsaurem Kali 24 Stunden lang, – und von Chlorkalium 25 Stunden lang gelegt worden waren, wurden daher, als sie in eine Lösung von einem Theile kohlensauren Ammoniaks auf 218 Theile Wasser gebracht wurden, die Drüsen unmittelbar schwarz und nach 1 Stunde waren die Tentakeln etwas eingebogen und das Portoplasma zusammengeballt. Es würde aber eine endlose Aufgabe sein, zu versuchen, die wunderbar verschiedenen Wirkungen verschiedener Lösungen auf Drosera zu ermitteln.

Alkohol (ein Theil auf sieben Theile Wasser). – Es ist bereits gezeigt worden, dasz halbe Minims von dieser Stärke auf die Scheiben von Blättern gelegt, durchaus keine Einbiegung verursachen; und dasz die Blätter, wenn ihnen zwei Tage später Stückchen Fleisch gegeben werden, stark eingebogen werden. Vier Blätter wurden in diese Mischung getaucht und zwei von ihnen wurden nach 30 Minuten mit einem Camelhaarpinsel bestrichen, wie die Blätter in der Lösung von Campher; dies brachte aber keine Wirkung hervor. Auch erlitten diese vier Blätter, als sie 24 Stunden in dem verdünnten Alkohol gelegen hatten, keine Einbiegung. Sie wurden dann entfernt; eines wurde in einen Aufguss von rohem Fleisch gelegt, und auf die Scheiben der andern wurden, während ihre Stiele in Wasser standen, Stückchen Fleisch gebracht. Am folgenden Tage schien eines ein wenig beschädigt zu sein, während zwei andere blosz eine Spur von Einbiegung zeigten. Wir müssen im Sinne behalten, dasz ein Eintauchen in Wasser von 24 Stunden die Blätter verhindert, Fleisch zu umfassen. Es ist daher Alkohol der oben angegebenen Stärke nicht giftig, ebenso wenig reizt er die Blätter, wie es Campher thut.

Der Dampf von Alkohol wirkt hiervon verschieden. Eine Pflanze, welche drei gute Blätter trug, wurde 25 Minuten lang unter einer, neunzehn Unzen haltenden Glocke mit sechzig Minims Alkohol in einem Uhrglase stehen gelassen. Es erfolgte keine Bewegung, aber einige wenige von den Drüsen wurden geschwärzt und verschrumpft, während viele andere ganz blasz wurden. Diese waren über die ganzen Blätter in der allerunregelmäszigsten Weise zerstreut, was mich an die Art und Weise erinnerte, wie die Drüsen vom Dampfe des kohlensauren Ammoniaks afficirt wurden. Unmittelbar nach der Entfernung der Glasglocke wurden auf viele der Drüsen Stückchen rohen Fleisches gelegt, wobei besonders diejenigen ausgesucht wurden, welche ihre ordentliche Färbung bewahrt hatten. Aber im Verlaufe der nächsten 4 Stunden wurde nicht ein einziger Tentakel eingebogen. Nach den ersten 2 Stunden fiengen die Drüsen an sämmtlichen Tentakeln zu vertrocknen an, und am nächsten Morgen, nach 22 Stunden, schienen alle drei Blätter beinahe todt zu sein, ihre Drüsen waren trocken; nur die Tentakeln an einem einzigen Blatt waren theilweise eingebogen.

Eine zweite Pflanze wurde nur 5 Minuten lang mit etwas Alkohol in einem Uhrglase unter einer zwölf Unzen haltenden Glasglocke gelassen, und dann wurden Stückchen Fleisch auf die Drüsen mehrerer Tentakeln gethan. Nach 10 Minuten fiengen einige von ihnen an, sich nach innen zu krümmen und nach 55 Minuten waren nahezu alle beträchtlich eingebogen; aber einige wenige bewegten sich nicht. Es ist wahrscheinlich, [197] aber durchaus nicht sicher, dasz hier eine gewisse anaesthetische Wirkung eintrat. Eine dritte Pflanze wurde gleichfalls 5 Minuten lang unter derselben kleinen Glocke gelassen, deren innere Oberfläche mit ungefähr einem Dutzend Tropfen Alkohol befeuchtet worden war. Stückchen Fleisch wurden nun auf die Drüsen mehrerer Tentakeln gelegt, von denen einige sich zuerst in 25 Minuten zu bewegen anfiengen; nach 40 Minuten waren die meisten von ihnen etwas eingebogen, und nach 1 Stunde 10 Minuten waren alle beträchtlich eingebogen. Nach dieser langsamen Art der Bewegung läszt sich nicht zweifeln, dasz die Drüsen dieser Tentakeln für eine Zeit lang dadurch, dasz sie fünf Minuten lang den Alkoholdämpfen ausgesetzt worden waren, unempfindlich geworden waren.

Chloroformdämpfe. – Die Wirkung dieser Dämpfe auf Drosera ist sehr schwankend und hängt, wie ich vermuthe, von der Constitution oder dem Alter der Pflanze oder von irgend welchen unbekannten Bedingungen ab. Zuweilen bewirken sie, dasz sich die Tentakeln mit auszerordentlicher Schnelligkeit bewegen, und zuweilen bringen sie keine derartige Wirkung hervor. Die Drüsen werden zuweilen für die Einwirkung rohen Fleisches unempfindlich gemacht, aber zuweilen werden sie gar nicht oder nur in einem sehr unbedeutenden Grade so afficirt. Eine Pflanze erholt sich nach einer kleinen Dosis, wird aber von einer gröszeren leicht getödtet.

Eine Pflanze wurde 30 Minuten lang unter einer neunzehn Masz-Unzen (539,6 Cub. Cent.) haltenden Glasglocke mit acht Tropfen Chloroform gelassen, und ehe die Glocke entfernt war, waren die meisten Tentakeln bedeutend eingebogen, obschon sie die Mitte nicht erreichten. Nachdem die Decke entfernt worden war, wurden Stückchen Fleisch auf die Drüsen mehrerer der etwas einwärts gekrümmten Tentakeln gelegt; nach 6 Stunden 30 Minuten fand sich, dasz diese Drüsen bedeutend geschwärzt waren, es erfolgte aber keine weitere Bewegung. Nach 24 Stunden schienen die Blätter beinahe todt zu sein.

Es wurde nun eine kleinere Glasglocke, welche zwölf Masz-Unzen (340,8 Cub. Cent.) enthielt, angewendet und eine Pflanze 90 Secunden lang mit nur zwei Tropfen Chloroform unter ihr gelassen. Unmittelbar nach Entfernung der Glocke krümmten sich sämmtliche Tentakeln einwärts, so dasz sie senkrecht in die Höhe standen; man konnte sogar factisch sehen, wie sich einige von ihnen mit auszerordentlicher Schnelligkeit in kleinen Stöszen, und daher in einer unnatürlichen Weise bewegten; sie erreichten aber die Mitte nicht. Nach 22 Stunden breiteten sie sich vollständig wieder aus, und als Fleisch auf ihre Drüsen gelegt oder als sie selbst mit einer Nadel derb berührt wurden, wurden sie schnell eingebogen, so dasz diese Blätter nicht im mindesten beschädigt waren.

Eine andere Pflanze wurde unter dieselbe Glasglocke mit drei Tropfen Chloroform gebracht, und ehe zwei Minuten verflossen waren, fiengen die Tentakeln an, sich in kleinen rapiden Rucken einwärts zu krümmen. Die Glasglocke wurde dann entfernt und im Verlaufe von weiteren zwei oder drei Minuten erreichte beinahe jeder Tentakel die Mitte. Bei mehreren andern Gelegenheiten regten die Dämpfe durchaus keine Bewegung dieser Art an.

In Bezug auf den Grad und auf die Art und Weise, in welchen [198] Chloroform die Drüsen unempfindlich für eine später erfolgende Wirkung von Fleisch macht, scheint auch eine grosze Variabilität zu bestehen. Bei der zuletzt erwähnten Pflanze, welche zwei Minuten lang drei Tropfen Chloroform ausgesetzt gewesen war, bogen sich einige wenige Tentakeln zu einer senkrechten Stellung auf, und nun wurden Stückchen Fleisch auf ihre Drüsen gelegt; dies veranlaszte es, dasz sie sich in 5 Minuten zu bewegen begannen; sie bewegten sich aber so langsam, dasz sie die Mitte nicht vor Verlauf von 1 Stunde 30 Minuten erreichten. Eine andere Pflanze wurde ähnlichen Verhältnissen ausgesetzt, d. h. 2 Minuten lang drei Tropfen Chloroform; und als dann Stückchen Fleisch auf die Drüsen von mehreren Tentakeln gelegt wurden, welche sich zu einer senkrechten Stellung aufgebogen hatten, fieng einer derselben in 8 Minuten an, sich zu biegen, bewegte sich aber später sehr langsam, während von den andern Tentakeln sich in den nächsten 40 Minuten keiner bewegte. Demungeachtet erreichten in 1 Stunde 45 Minuten, von der Zeit an, wo Stückchen Fleisch gegeben worden waren, sämmtliche Tentakeln die Mitte. Es war in diesem Falle allem Anscheine nach eine unbedeutende anaesthetische Wirkung hervorgerufen worden. Am folgenden Tage hatte sich die Pflanze vollkommen wieder erholt.

Eine andere Pflanze, welche zwei Blätter trug, wurde 2 Minuten lang unter der Neunzehn-Unzen-Glasglocke zwei Tropfen Chloroform ausgesetzt; dann wurde sie herausgenommen und untersucht; wieder 2 Minuten lang zwei Tropfen ausgesetzt; herausgenommen und wiederum 3 Minuten lang drei Tropfen ausgesetzt, so dasz sie im Ganzen abwechselnd der Luft und zusammengenommen 7 Minuten lang den Dämpfen von sieben Tropfen Chloroform ausgesetzt wurde. Nun wurden Stückchen Fleisch auf dreizehn Drüsen an den beiden Blättern gelegt. An einem dieser Blätter fieng ein einzelner Tentakel sich zuerst in 40 Minuten zu bewegen an, und zwei andere in 54 Minuten. Am zweiten Blatt bewegten sich einige Tentakeln zuerst in 1 Stunde 11 Minuten. Nach 2 Stunden waren viele Tentakeln an beiden Blättern eingebogen; aber innerhalb dieser Zeit erreichte keiner die Mitte. In diesem Falle konnte nicht der geringste Zweifel bestehen, dasz das Chloroform einen anaesthetischen Einflusz auf die Blätter ausgeübt hatte.

Auf der andern Seite wurde aber nun eine andere Pflanze unter der selben Glasglocke eine viel längere Zeit hindurch, nämlich 20 Minuten, zweimal so viel Chloroform ausgesetzt. Dann wurden Stückchen Fleisch auf die Drüsen vieler Tentakeln gelegt; und sie erreichten sämmtlich, mit einer einzigen Ausnahme, die Mitte in einer Zeit von 13 bis 14 Minuten. In diesem Falle war nur eine geringe oder gar keine anaesthetische Wirkung hervorgebracht worden; wie diese widersprechenden Resultate mit einander auszusöhnen sind, weisz ich nicht.

Dämpfe von Schwefel-Äther. – Eine Pflanze wurde in einem neunzehn Unzen haltenden Gefäsze 30 Minuten lang der Wirkung von dreiszig Minims dieses Äthers ausgesetzt; nachher wurden Stückchen rohen Fleisches auf viele Drüsen gelegt, welche blasz gefärbt worden waren; aber keiner der Tentakeln bewegte sich. Nach 6 Stunden 30 Minuten erschienen die Blätter kränkelnd und die scheibenständigen Drüsen waren beinahe trocken. Am nächsten Morgen waren viele von den Tentakeln [199] todt, wie es alle die waren, auf welche Fleisch gelegt worden war; es zeigte sich hieraus, dasz Substanz aus dem Fleisch absorbirt worden war, welche die üblen Einwirkungen der Dämpfe noch vermehrt hatten. Nach vier Tagen starb die Pflanze selbst ab. Eine andere Pflanze wurde in demselben Gefäsz 15 Minuten lang vierzig Minims ausgesetzt. Bei einem jungen, kleinen und zarten Blatt waren alle Tentakeln eingebogen; das Blatt schien bedeutend beschädigt zu sein. Stückchen Fleisch wurden auf mehrere Drüsen an zwei andern und älteren Blättern gelegt. Diese Drüsen wurden nach 6 Stunden trocken und schienen verletzt zu sein; die Tentakeln bewegten sich gar nicht, ausgenommen einen, welcher schlieszlich ein wenig eingebogen wurde. Die Drüsen der andern Tentakeln fuhren fort, abzusondern und schienen unverletzt zu sein, aber nach drei Tagen kränkelte die ganze Pflanze bedeutend.

In den beiden vorstehend geschilderten Experimenten waren die Dosen offenbar zu grosz und giftig. Bei kleineren Dosen war die anaesthetische Wirkung schwankend, wie es beim Chloroform der Fall war. Eine Pflanze wurde unter einem Zwölf-Unzengefäsz 5 Minuten lang zehn Tropfen ausgesetzt und dann wurden Stückchen Fleisch auf viele Drüsen gelegt. Keiner der in dieser Weise behandelten Tentakeln fieng in einer entschiedenen Art sich zu bewegen an, ehe 40 Minuten verlaufen waren; aber dann bewegten sich einige von ihnen sehr schnell, so dasz zwei nach einem weiteren Verlauf von nur 10 Minuten die Mitte erreichten. In 2 Stunden 12 Minuten, von der Zeit an gerechnet, wo die Fleischstückchen aufgelegt worden waren, erreichten sämmtliche Tentakeln die Mitte. Eine andere Pflanze mit zwei Blättern wurde in demselben Gefäsz 5 Minuten lang einer etwas gröszeren Dosis von Äther ausgesetzt, und dann wurden Stückchen Fleisch auf mehrere Drüsen gelegt. In diesem Falle fieng ein Tentakel an jedem Blatte sich in 5 Minuten zu biegen an; und nach 12 Minuten erreichten an dem einen Blatte zwei Tentakeln und einer an dem zweiten Blatte die Mitte. In 30 Minuten, nachdem das Fleisch gegeben worden war, waren sämmtliche Tentakeln, sowohl diejenigen mit als die ohne Fleisch, dicht eingebogen, so dasz der Äther allem Anscheine nach diese Blätter gereizt und bewirkt hatte, dasz sich alle Tentakeln bogen.

Dämpfe von Salpeter-Äther. – Diese Dämpfe scheinen schädlicher zu sein als die Schwefeläther-Dämpfe. Eine Pflanze wurde 5 Minuten lang in einem Zwölf-Unzengefäsz der Einwirkung von acht in einem Uhrglas befindlichen Tropfen ausgesetzt, und ich sah deutlich einige wenige Tentakeln sich einwärts rollen, ehe das Glas entfernt wurde. Unmittelbar danach wurden Stückchen Fleisch auf die Drüsen gelegt; aber im Verlaufe von 18 Minuten erfolgte keine Bewegung. Dieselbe Pflanze wurde nochmals unter dasselbe Gefäsz 16 Minuten lang mit zehn Tropfen Äther gestellt. Keiner der Tentakeln bewegte sich, und am nächsten Morgen waren die mit dem Fleisch noch immer in derselben Stellung. Nach 48 Stunden schien das eine Blatt gesund zu sein, die andern aber waren sehr verletzt.

Eine andere Pflanze, welche zwei gute Blätter hatte, wurde 6 Minuten lang in einem Neunzehn-Unzengefäsz dem Dampfe von zehn Minims des Äthers ausgesetzt, und dann wurden Stückchen Fleisch auf die Drüsen [200] vieler Tentakeln an beiden Blättern gelegt. Nach 36 Minuten wurden mehrere derselben an einem Blatte eingebogen, und nach 1 Stunde erreichten alle Tentakeln, diejenigen mit und die ohne Fleisch, beinahe den Mittelpunkt. An dem andern Blatte fiengen die Drüsen in 1 Stunde 40 Minuten an trocken zu werden, und nach mehreren Stunden war nicht ein einziger Tentakel eingebogen; am nächsten Morgen aber, nach 21 Stunden, waren viele eingebogen, obschon sie bedeutend verletzt zu sein schienen. In diesem und dem vorhergehenden Experiment ist es wegen der Verletzung, welche die Blätter erlitten hatten, zweifelhaft, ob irgend eine anaesthetische Wirkung hervorgebracht worden ist.

Eine dritte Pflanze mit zwei guten Blättern wurde nur 4 Minuten lang in dem Neunzehn-Unzengefäsz dem Dampfe von sechs Tropfen ausgesetzt. Stückchen Fleisch wurden dann auf die Drüsen von sieben Tentakeln an demselben Blatte gelegt. Ein einziger Tentakel bewegte sich nach 1 Stunde 23 Minuten; nach 2 Stunden 3 Minuten waren mehrere eingebogen; und nach 3 Stunden 3 Minuten waren die sämmtlichen sieben Tentakeln mit Fleisch gut eingebogen. Aus der Langsamkeit dieser Bewegungen geht klar hervor, dasz dies Blatt auf einige Zeit für die Wirkung des Fleisches unempfindlich geworden war. Ein zweites Blatt wurde ziemlich verschieden afficirt; Stückchen Fleisch wurden auf die Drüsen von fünf Tentakeln gelegt, von denen drei in 28 Minuten unbedeutend eingebogen waren; nach 1 Stunde 21 Minuten erreichte einer die Mitte, aber die andern zwei waren noch immer nur unbedeutend eingebogen; nach 3 Stunden waren sie viel stärker eingebogen; aber selbst nach 5 Stunden 16 Minuten hatten alle fünf nicht die Mitte erreicht. Obgleich einige der Tentakeln sich bald mäszig zu bewegen begannen, bewegten sie sich doch später mit äuszerster Langsamkeit. Am nächsten Morgen, nach 20 Stunden, waren die meisten Tentakeln an beiden Blättern dicht eingebogen, aber nicht völlig regelmäszig. Nach 48 Stunden erschien keines der beiden Blätter verletzt zu sein, trotzdem die Tentakeln noch immer eingebogen waren; nach 72 Stunden war eines beinahe todt, während das andere im Begriffe war, sich wieder auszubreiten und zu erholen.

Kohlensäure. – Eine Pflanze wurde unter eine 122 Unzen haltende Glasglocke gestellt, welche mit diesem Gas gefüllt war und über Wasser stand; ich hatte aber die Absorption des Gases durch das Wasser nicht hinreichend mit in Rechnung gezogen, so dasz gegen den letzten Theil des Versuches hin etwas Luft eingezogen wurde. Nachdem die Pflanze 2 Stunden lang der Kohlensäure ausgesetzt gewesen war, wurde Sie entfernt und Stückchen rohes Fleisch auf die Drüsen von drei Blättern gelegt. Eines dieser Blätter hieng etwas herab und wurde zuerst theilweise und bald später darauf vollständig vom Wasser bedeckt, welches innerhalb des Gefässes in dem Wasser stieg, als das Gas absorbirt wurde. An diesem letztem Blatte wurden die Tentakeln, denen Fleisch gegeben worden war, in 2 Minuten 30 Secunden, das ist ungefähr in der normalen Geschwindigkeit, ordentlich eingebogen, so dasz ich zu dem irrigen Schlusse kam, die Kohlensäure habe keine Wirkung hervorgebracht, bis ich mich daran erinnerte, dasz ja das Blatt vor dem Gase geschützt gewesen war und vielleicht aus dem Wasser Sauerstoff absorbirt haben [201] könnte, das beständig nach innen gezogen wurde. An den andern beiden Blättern verhielten sich die Tentakeln mit Fleisch sehr verschieden von denen am ersten Blatt; zwei von ihnen fiengen zuerst in 1 Stunde 50 Minuten (immer von der Zeit an gerechnet, wo das Fleisch auf die Drüsen gebracht worden war) sich unbedeutend zu bewegen an, waren in 2 Stunden 22 Minuten deutlich eingebogen und erreichten in 3 Stunden 22 Minuten die Mitte. Drei andre Tentakeln fiengen nicht vor Ablauf von 2 Stunden 20 Minuten sich zu bewegen an, erreichten aber die Mitte ungefähr zu derselben Zeit wie die andern, nämlich in 3 Stunden 22 Minuten.

Dieser Versuch wurde mehrere Male mit nahezu denselben Resultaten wiederholt, ausgenommen, dasz die Zeitdauer, ehe die Tentakeln sich zu bewegen anfiengen, etwas schwankte. Ich will nur einen einzigen andern Fall anführen. Eine Pflanze wurde in demselben Gefäsz dem Gas 45 Minuten lang ausgesetzt, und dann wurden Stückchen Fleisch auf vier Drüsen gelegt. Die Tentakeln bewegten sich aber nicht in 1 Stunde 40 Minuten; nach 2 Stunden 30 Minuten waren alle vier gut eingebogen und erreichten nach 3 Stunden die Mitte.

Die folgende eigenthümliche Erscheinung kam zuweilen, aber durchaus nicht immer vor. Eine Pflanze wurde 2 Stunden lang in das Gas gestellt, und dann wurden Stückchen Fleisch auf mehrere Drüsen gelegt. Im Verlaufe von 13 Minuten wurden sämmtliche halbrandständige Tentakeln an dem einen Blatte beträchtlich eingebogen; diejenigen mit dem Fleische nicht im geringsten Grade mehr als die andern. An einem zweiten Blatte, welches wohl etwas alt war, wurden die Tentakeln mit Fleisch ebenso wie einige wenige andere, mäszig eingebogen. An einem dritten Blatte wurden alle Tentakeln dicht eingebogen, obschon auf keine einzige Drüse Fleisch gelegt worden war. Ich vermuthe, dasz diese Bewegung der Reizung in Folge der Absorption von Sauerstoff zugeschrieben werden kann. Das letzterwähnte Blatt, welchem kein Fleisch gegeben worden war, war nach 24 Stunden vollständig wieder ausgebreitet, während bei den andern beiden Blättern alle Tentakeln dicht über den Stückchen Fleisch eingebogen waren, welche in dieser Zeit nach der Mitte geschafft worden waren. Es hatten sich hiernach diese drei Blätter von den Wirkungen des Gases im Laufe von 24 Stunden vollständig wieder erholt.

Bei einer andern Gelegenheit wurden einigen schönen Pflanzen, nachdem sie 2 Stunden lang im Gase gelassen worden waren, unmittelbar darauf in der gewöhnlichen Art Stückchen Fleisch gegeben; und als sie der Luft ausgesetzt wurden, wurden die meisten ihrer Tentakeln in 12 Minuten zu einer senkrechten oder subverticalen Stellung aufgekrümmt, aber in einer äuszerst unregelmäszigen Art und Weise: einige nur an der einen Seite des Blattes, und einige an der andern. Sie blieben einige Zeit in dieser Stellung; dabei hatten sich die Tentakeln mit den Stückchen Fleisch zuerst nicht schneller oder weiter nach innen bewegt als die andern ohne Fleisch. Aber nach 2 Stunden 20 Minuten fiengen die ersteren an, sich zu bewegen und fuhren stetig fort, sich zu biegen bis sie die Mitte erreichten. Am nächsten Morgen, nach 22 Stunden, waren alle Tentakeln an diesen Blättern dicht über das Fleisch zusammen [202] geschlagen, welches bei allen nach der Mitte gebracht worden war, während die senkrechten und subverticalen Tentakeln an den andern Blättern, denen kein Fleisch gegeben worden war, sich vollständig wieder ausgebreitet hatten. Indesz, nach der späteren Wirkung einer schwachen Lösung von kohlensaurem Ammoniak auf eines dieser letztern Blätter zu urtheilen, hatte es in 22 Stunden seine Reizbarkeit und sein Bewegungsvermögen nicht vollständig wieder erlangt; ein anderes Blatt aber war nach Verlauf weiterer 24 Stunden vollkommen wieder hergestellt, nach der Art und Weise, wie es eine auf seine Scheibe gesetzte Fliege umfaszte, zu urtheilen.

Ich will nur noch ein einziges anderes Experiment anführen. Nachdem eine Pflanze 2 Stunden lang dem Gase ausgesetzt worden war, wurde eines ihrer Blätter in eine ziemlich starke Lösung von kohlensaurem Ammoniak eingetaucht, und zwar zusammen mit einem frischen Blatt von einer andern Pflanze. An dem letzteren waren innerhalb 30 Minuten die meisten Tentakeln stark eingebogen; während das Blatt, welches der Kohlensäure ausgesetzt gewesen war, 24 Stunden in der Lösung blieb, ohne dasz irgend welche Einbiegung eintrat, mit Ausnahme zweier Tentakeln. Dies Blatt war beinahe vollständig gelähmt worden, und war nicht im Stande, seine Reizbarkeit wieder zu erlangen, so lange es noch in der Lösung war, welche, da sie mit destillirtem Wasser dargestellt worden war, wahrscheinlich wenig Sauerstoff enthielt.

Schluszbemerkungen über die Wirkungen der vorstehend aufgeführten Agentien. – Da die Drüsen, wenn sie gereizt werden, einen Einflusz gewisser Art den umgebenden Tentakeln übermitteln, welche diese sich zu biegen veranlassen, und die Drüsen dazu anregen, eine vermehrte Menge eines modificirten Secrets zu ergieszen, so lag mir daran, zu ermitteln, ob die Blätter irgend ein Element von der Beschaffenheit des Nervengewebes enthielten, welches, wenn auch nicht ununterbrochen zusammenhängend, doch als Leitungscanal diente. Dies führte mich darauf, die verschiedenen Alkaloide und andere Substanzen zu versuchen, von denen bekannt ist, dasz sie eine kräftige Wirkung auf das Nervensystem von Thieren äuszern. Anfangs wurde ich in meinen Versuchen dadurch ermuthigt, dasz ich fand, Strychnin, Digitalin und Nicotin, welche alle auf das Nervensystem wirken, waren für die Drosera giftig und bewirkten einen gewissen Grad von Einbiegung. Ferner verursachte Blausäure, welche für Thiere ein so tödtliches Gift ist, rapide Bewegung der Tentakeln. Da aber mehrere unschädliche Säuren selbst in groszer Verdünnung, so Benzoesäure, Essigsäure u. s. w., ebenso wie einige ätherische Öle für die Drosera äuszerst giftig sind und schnell starke Einbiegung verursachen, so scheint es wahrscheinlich, dasz Strychnin, Nicotin, [203] Digitalin und Blausäure Einbiegung durch Einwirkung auf Elemente verursachen, welche in keiner Weise den Nervenzellen der Thiere analog sind. Wenn Elemente dieser letzteren Natur in den Blättern vorhanden gewesen wären, so hätte man erwarten können, dasz Morphium, Hyoscyamus, Atropin, Veratrin, Colchicin, Curare und verdünnter Alkohol eine irgendwie ausgesprochene Wirkung hervorgebracht haben würden, während diese Substanzen nicht giftig sind und das Vermögen, Einbiegung zu verursachen, gar nicht oder nur in einem sehr unbedeutenden Grade besitzen. Es ist indesz zu beachten, dasz Curare, Colchicin und Veratrin Muskelgifte sind, d. h. dasz sie auf Nerven wirken, welche in irgend einer speciellen Beziehung zu Muskeln stehn, so dasz man daher nicht erwarten konnte, dasz sie auf Drosera wirkten. Das Gift der Brillenschlange ist für Thiere äuszerst tödtlich, dadurch dasz es die Nervencentren lähmt[7], für Drosera ist es aber nicht im mindesten tödtlich, wenngleich es schnell starke Einbiegung verursacht.

Trotz der vorstehend mitgetheilten Thatsachen, welche zeigen, wie weit von einander verschieden die Wirkung gewisser Substanzen auf die Gesundheit oder das Leben von Thieren und von Drosera ist, so besteht doch ein gewisser Grad von Parallelismus in der Wirkung gewisser anderer Substanzen. Wir haben gesehen, dasz dies in einer auffallenden Weise für die Natron- und Kali-Salze gilt. Ferner sind verschiedene metallische Salze und Säuren, nämlich die von Silber, Quecksilber, Gold, Zinn, Arsenik, Chrom, Kupfer und Platin, von denen die meisten oder alle für Thiere in hohem Grade giftig sind, in gleicher Weise auch für Drosera giftig. Es ist aber eine eigenthümliche Thatsache, dasz das Chlorblei und zwei Barytsalze für diese Pflanze nicht giftig sind. Es ist eine in gleicher Weise befremdende Thatsache, dasz, obgleich Essig- und Propionsäure in hohem Grade giftig sind, die ihnen verwandte Ameisensäure dies nicht ist, und dasz, während gewisse vegetabilische Säuren, nämlich Oxalsäure, Benzoesäure u. s. w. in einem hohen Grade giftig sind, Gallus-, Tannin-, Weinstein- und Äpfelsäure (alle in einem gleichen Grade verdünnt) dies nicht sind. Äpfelsäure veranlaszt Einbiegung, während die drei andern oben genannten Pflanzensäuren dies Vermögen nicht besitzen. Es würde aber eine vollständige Pharmacopöe erfordern, [204] die verschiedenartigen Wirkungen verschiedener Substanzen auf Drosera zu beschreiben [8].

Von den Alkaloiden und deren Salzen, welche versucht wurden, hatten mehrere nicht die geringste Kraft, Einbiegung zu verursachen; andere, welche sicherlich absorbirt wurden, wie aus der veränderten Farbe der Drüsen hervorgieng, hatten nur eine sehr mäszige Fähigkeit dieser Art; andere wiederum, wie das essigsaure Chinin und Digitalin, verursachten starke Einbiegung.

Die verschiedenen in diesem Capitel erwähnten Substanzen haben auf die Färbung der Drüsen einen sehr verschiedenen Einflusz. Dieselben werden häufig zuerst dunkel und dann sehr blasz oder weisz, wie es in auffallender Weise mit den Drüsen der Fall war, welche dem Gifte der Cobra und dem citronensauren Strychnin ausgesetzt worden waren. In andern Fällen werden sie von Anfang an weisz gemacht, wie es bei Blättern der Fall ist, die in heiszes Wasser und verschiedene Säuren getaucht werden; ich vermuthe, dasz dies das Resultat der Gerinnung des Eiweiszes ist. An einem und demselben Blatte wurden einige Drüsen weisz und andere dunkel gefärbt, wie es bei Blättern vorkam, die in einer Lösung von schwefelsaurem Chinin und in Alkoholdämpfen lagen. Länger anhaltendes Eintauchen in Nicotin, Curare und selbst Wasser schwärzt die Drüsen; und dies ist, wie ich glaube, eine Folge der Zusammenballung des Protoplasma in ihren Zellen. Doch verursachte Curare nur sehr wenig Zusammenballung in den Zellen der Tentakeln, während Nicotin und schwefelsaures Chinin eine stark ausgeprägte Zusammenballung hinab bis zur Basis der Tentakeln bewirkte. Die zusammengeballten Massen in Blättern, welche 3 Stunden 15 Minuten lang in einer gesättigten Lösung von schwefelsaurem Chinin eingetaucht gewesen waren, boten unaufhörliche Formveränderungen dar, waren aber nach 24 Stunden bewegungslos, wo das Blatt schlaff und allem Anscheine nach todt [205] war. Andererseits waren bei Blättern, welche 48 Stunden lang einer starken Auflösung des Giftes der Brillenschlange ausgesetzt gewesen waren, die protoplasmatischen Massen ungewöhnlich lebendig, während bei höheren Thieren die Flimmerhaare und die weiszen Blutkörperchen von dieser Substanz schnell gelähmt zu werden scheinen.

Bei den Salzen der Alkalien und Erden bestimmt die Natur der Basis und nicht die der Säure ihre physiologische Wirkung auf Drosera, wie es gleichfalls bei Thieren der Fall ist; diese Regel ist aber kaum auf die Chinin- und Strychnin-Salze anwendbar; denn das essigsaure Chinin verursacht viel mehr Einbiegung als das schwefelsaure, und beide sind giftig, während das salpetersaure Chinin nicht giftig ist und Einbiegung in einem viel langsamern Tempo veranlaszt als das essigsaure. Die Wirkung des citronensauren Strychnins ist gleichfalls von der des schwefelsauren etwas verschieden.

Auf Blätter, welche 24 Stunden lang in Wasser oder nur 20 Minuten lang in verdünnten Alkohol oder in eine schwache Zuckerlösung eingetaucht gewesen waren, wirkt später das phosphorsaure Ammoniak sehr langsam ein oder gar nicht, obschon das kohlensaure Ammoniak schnell auf dieselben wirkt. Ein 20 Minuten langes Eintauchen in eine Lösung von arabischem Gummi hat keinen derartigen verzögernden Einflusz. Die Lösungen gewisser Salze und Säuren afficiren die Blätter, in Bezug auf die spätere Einwirkung des phosphorsauren Ammoniaks, genau so wie Wasser, während andere daß Phosphat nachher schnell und energisch wirken lassen. In diesem letztern Falle könnten die Zwischenräume in den Zellwandungen durch Molecule der zuerst in Lösung angewandten Salze verstopft sein, so dasz das Wasser später nicht eindringen könnte, trotzdem die Molecule des Phosphates und noch leichter die des kohlensauren Salzes es thun könnten.

Die Wirkung von in Wasser aufgelöstem Campher ist merkwürdig, denn er veranlaszt nicht blosz bald Einbiegung, sondern macht auch allem Anscheine nach die Drüsen äuszerst empfindlich für mechanische Reizung; denn wenn sie nach einem Eintauchen in die Lösung für kurze Zeit mit einem weichen Pinsel bestrichen werden, so fangen die Tentakeln in ungefähr zwei Minuten an sich zu biegen. Es könnte indessen sein, dasz das Bepinseln, obschon an und für sich kein hinreichender Reiz, doch eine Bewegung dadurch zu erregen [206] strebt, dasz es die directe Wirkung des Camphers verstärkt. Campherdämpfe wirken andererseits narcotisch.

Einige ätherische Öle verursachen sowohl in Auflösung als auch in Dampfform rapide Einbiegung, andere haben dies Vermögen nicht; diejenigen, welche ich versuchte, waren sämmtlich giftig.

Verdünnter Alkohol (ein Theil auf sieben Theile Wasser) ist nicht giftig, bewirkt keine Einbiegung und vermehrt auch nicht die Empfindlichkeit der Blätter für mechanische Reizung. Der Dampf wirkt als Narcoticum oder anaesthetisch, und ein langes Aussetzen tödtet die Blätter.

Die Dämpfe von Chloroform, Schwefel- und Salpeter-Äther wirken in einer eigenthümlich schwankenden Weise auf verschiedene Blätter und selbst auf die verschiedenen Tentakeln an einem und demselben Blatte. Dies ist, wie ich vermuthe, Folge von Verschiedenheiten des Alters oder der Constitution der Blätter, und auch des Umstandes, ob gewisse Tentakeln vor Kurzem thätig gewesen sind. Dasz diese Dämpfe von den Drüsen absorbirt werden, beweist ihre Farbenveränderung, da aber auch andere, nicht mit Drüsen versehene Pflanzen von diesen Dämpfen afficirt werden, so ist es wahrscheinlich, dasz sie auch von den Spaltöffnungen der Drosera absorbirt werden. Zuweilen regen sie auszerordentlich rapide Einbiegung an, doch ist dies kein ausnahmsloses Resultat. Läszt man sie selbst eine mäszig lange Zeit einwirken, so tödten sie die Blätter, während eine nur eine kurze Zeit lang einwirkende kleine Dosis als narcotisches oder anaesthetisches Mittel wirkt. In diesem Falle werden die Tentakeln, mögen sie nun eingebogen worden sein oder nicht, durch auf die Drüsen gelegte Stückchen Fleisch nicht eher zu weiterer Bewegung angeregt, als bis nach Ablauf beträchtlicher Zeit. Man nimmt allgemein an, dasz diese Dämpfe bei Thieren und Pflanzen dadurch wirken, dasz sie die Oxydation unterbrechen.

Wurden die Blätter 2 Stunden lang, in einem Falle nur 45 Minuten lang der Kohlensäure ausgesetzt, so wurden dadurch die Drüsen gleichfalls für eine Zeitlang gegen den mächtigen Reiz rohen Fleisches unempfindlich gemacht. Wurden indesz die Blätter 24 oder 48 Stunden in der Luft gelassen, so erhielten sie ihre volle Thätigkeit wieder und schienen nicht im mindesten beschädigt zu sein. Wir haben im dritten Capitel gesehen, dasz der Procesz des Zusammenballens bei Blättern, welche 2 Stunden lang diesem Gase [207] ausgesetzt und dann in eine Lösung von kohlensaurem Ammoniak gelegt wurden, sehr verzögert wird, so dasz eine beträchtliche Zeit vergeht, ehe das Protoplasma in den untern Zellen der Tentakeln zusammengeballt wird. In einigen Fällen bewegten sich, bald nachdem die Blätter aus dem Gas entfernt und in die Luft gebracht worden waren, die Tentakeln von selbst, wie ich vermuthe in Folge der durch den Zutritt des Sauerstoffs bewirkten Reizung. Indessen konnten diese eingebogenen Tentakeln einige Zeit lang nachher durch Reizung ihrer Drüsen zu keiner weiteren Bewegung angeregt werden. Von andern reizbaren Pflanzen ist es bekannt [9], dasz der Ausschlusz von Sauerstoff ihre Bewegung verhindert und die Bewegungen des Protoplasma innerhalb ihrer Zellen aufhält; doch ist dieses Aufhalten eine von der eben erwähnten Verlangsamung des Processes der Zusammenballung verschiedene Erscheinung. Ob diese letztere Thatsache der directen Einwirkung der Kohlensäure oder dem Ausschlusse des Sauerstoffs zuzuschreiben ist, weisz ich nicht.


  1. Quarterly Journal of Microscopical Science, April 1874, p. 185.
  2. Binz fand vor mehreren Jahren (wie in dem Journal of Anatomy and Physiology, November 1872, p. 195, angegeben wird), dasz Chinin ein energisches Gift für niedrige pflanzliche und thierische Organismen ist. Selbst ein Theil auf 4000 Theile Blut hebt die Bewegungen der weiszen Blutkörperchen auf, welche "abgerundet und körnig" werden. In den Tentakeln der Drosera boten die zusammengeballten Protoplasma-Massen, welche durch das Chinin getödtet zu sein schienen, gleichfalls ein körniges Ansehen dar. Ein ähnliches Aussehen wird durch sehr heiszes Wasser verursacht
  3. Dr. Fayrer, The Thanatophidia of India, 1872, p. 150
  4. Procedings of the Royal Society, Febr. 18, 1875.
  5. Gardener's Chronicle, 1874, p. 671. Ziemlich ähnliche Beobachtungen hat im Jahre 1798 B. S. Barton gemacht.
  6. s. Dr. Traube’s merkwürdige Versuche über die Bildung künstlicher Zellen und über ihre Durchlässigkeit für verschiedene Salze in seinen Aufsätzen: „Experimente zur Theorie der Zellenbildung und Endosmose“; Breslau, 1866, und „Experimente zur physicalischen Erklärung der Bildung der Zellhaut, ihres Wachsthums durch Intussusception u. s. w.“ Breslau, 1874. Diese Untersuchungen erklären vielleicht meine Resultate. Traube wendete als Membran gewöhnlich den Niederschlag an, welcher sich bildet, wenn Gerbsäure mit einer Lösung von Gelatine in Berührung kommt. Läszt man zu derselben Zeit einen Niederschlag von schwefelsaurem Baryt stattfinden, so wird die Membran „infiltrirt“ mit diesem Salze; und in Folge der Einschaltung von Moleculen des schwefelsauren Baryts zwischen diejenigen des Gelatine-Niederschlags werden die Molecularzwischenräume in der Membran kleiner. In diesem veränderten Zustande gestattet die Membran nicht länger den Durchtritt weder von schwefelsaurem Ammoniak noch von salpetersaurem Baryt durch sie hindurch, obschon sie ihre Durchlässigkeit für Wasser und Chlorammonium behält.
  7. Dr. Fayrer, The Thanatophidia of India, 1871. p. 4.
  8. Wenn man erwägt, dasz Essigsäure, Blausäure und Chromsäure, essigsaures Strychnin und Ätherdämpfe der Drosera giftig sind, so ist es merkwürdig, dasz Dr. Ransom (Philosoph. Transact. 1867, p.480.), welcher viel stärkere Lösungen dieser Substanzen benutzte als ich, angibt, "dasz die rhythmische Contractilität des Dotters (der Hechteier) nicht wesentlich von irgend einem der angewandten Gifte beeinfluszt wird, welches nicht, mit Ausnahme des Chloroforms und der Kohlensäure, chemisch wirkte," Ich finde bei mehreren Schriftstellern die Angabe, dasz Curare keinen Einflusz auf Sarcode oder Protoplasma hat, und wir haben gesehen, dasz Curare zwar einen gewissen Grad von Einbiegung verursacht, aber sehr wenig Zusammenballung des Protoplasma bewirkt.
  9. Sachs, Lehrbuch der Botanik, 4. Aufl., 1874, p. 693.