Insectenfressende Pflanzen/Achtes Capitel

<<< Achtes Capitel >>>
{{{UNTERTITEL}}}
aus: Insectenfressende Pflanzen
Seite: {{{SEITE}}}
von: Charles Darwin
Zusammenfassung: {{{ZUSAMMENFASSUNG}}}
Anmerkung: {{{ANMERKUNG}}}
Bild
[[Bild:{{{BILD}}}|250px]]
Wikipedia-logo.png [[w:{{{WIKIPEDIA}}}|Artikel in der Wikipedia]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Wikisource-Indexseite
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe


[156]
Achtes Capitel.
Die Wirkungen verschiedener Salze und Säuren auf die Blätter.

Natron-, Kali- und andere alkalische, erdige und metallische Salze. – Zusammenfassung über die Wirkung dieser Salze. – Verschiedene Säuren. – Zusammenfassung über ihre Wirkungen.

Nachdem ich gefunden hatte, dasz die Ammoniaksalze so wirksam wären, wurde ich darauf geführt, die Wirkung einiger andern Salze zu untersuchen. Es wird zweckmäszig sein, zuerst eine Liste der versuchten Substanzen (welche neun und vierzig Salze und zwei Metallsäuren umfaszt) mitzutheilen, und zwar in zwei Columnen getheilt, von denen die eine die Körper enthält, welche Einbiegung verursachen, die andere die, welche dies nicht oder nur zweifelhaft thun. Meine Versuche wurden so angestellt, dasz halbe Minim Tropfen auf die Scheiben von Blättern gelegt, oder, noch gewöhnlicher, dasz die Blätter in die Lösungen eingetaucht wurden, zuweilen auch nach beiden Methoden. Dann soll eine Zusammenfassung der Resultate mit einigen Schluszbemerkungen gegeben werden. Die Wirkung verschiedener Säuren werden nachher beschrieben werden.

Salze, welche Einbiegung verursachen. Salze, welche keine Einbiegung verursachen.
(Nach der chemischen Classification in Watt's Dictionary of Chemistry in Gruppen angeordnet.)
Kohlensaures Natron, rapide Einbiegung. Kohlensaures Kali: langsam giftig.
Salpetersaures Natron, rapide Einbiegung. Salpetersaures Kali: etwas giftig
Schwefelsaures Natron, mäszig schnelle Einbiegung. Schwefelsaures Kali.
Phosphorsaures Natron, sehr rapide Einbiegung. Phosphorsaures Kali.

[157]

Salze, welche Einbiegung verursachen. Salze, welche keine Einbiegung verursachen.
(Nach der chemischen Classification in Watt's Dictionary of Chemistry in Gruppen angeordnet.)
Citronensaures Natron, rapide Einbiegung. Citronensaures Kali.
Oxalsaures Natron, rapide Einbiegung.
Chlornatrium, mäszig rapide Einbiegung. Chlorkalium.
Jodnatrium, eher langsame Einbiegung. Jodkalium, ein unbedeutender und zweifelhafter Grad von Einbiegung.
Bromnatrium, mäszig schnelle Einbiegung. Bromkalium.
Oxalsaures Kali, langsame und zweifelhafte Einbiegung.
Salpetersaures Lithion, mäszig rapide Einbiegung. Essigsaures Lithion.
Caesiumchlorid, eher langsame Einbiegung. Rubidiumchlorid.
Salpetersaures Silber, rapide Einbiegung; schnelles Gift.
Cadmiumchlorid, langsame Einbiegung. Essigsaurer Kalk.
Quecksilberhyperchlorid, rapide Einbiegung; schnelles Gift. Salpetersaurer Kalk.
Essigsaure Magnesia.
Salpetersaure Magnesia.
Magnesiumchlorid.
Schwefelsaure Magnesia.
Essigsaurer Baryt.
Salpetersaurer Baryt.
Essigsaurer Strontian.
Salpetersaurer Strontian.
Zinkchlorid.
Aluminiumchlorid, langsame und zweifelhafte Einbiegung. Salpetersaurer Alaun, eine Spur von Einbiegung.
Goldchlorid, rapide Einbiegung: schnelles Gift. Schwefelsaurer Alaun und schwefelsaures Kali.
Zinnchlorid, langsame Einbiegung: giftig. Bleichlorid.
Weinsteinsaures Antimon, langsame Einbiegung; wahrscheinlich giftig.
Arsenige Säure, schnelle Einbiegung: giftig.

[158]

Salze, welche Einbiegung verursachen. Salze, welche keine Einbiegung verursachen.
(Nach der chemischen Classification in Watt's Dictionary of Chemistry in Gruppen angeordnet.)
Eisenchlorid, langsame Einbiegung: wahrscheinlich giftig. Manganchlorid.
Chromsäure, schnelle Einbiegung: in hohem Grade giftig.
Kupferchlorid, eher langsame Einbiegung: giftig. Kobaltchlorid.
Nickelchlorid, rapide Einbiegung: wahrscheinlich giftig.
Platinchlorid, rapide Einbiegung: giftig.

Kohlensaures Natron (rein, mir von Prof. Hoffmann gegeben). – Halbe Minims (0,0296 Cub. Cent.) einer Lösung eines Theils auf 218 Theile Wasser (2 Gran auf 1 Unze) wurden auf die Scheiben von 12 Blättern gelegt. Sieben derselben wurden gehörig eingebogen. Drei hatten nur zwei oder drei ihrer äuszern Tentakeln eingebogen, und die übrigen zwei waren gar nicht afficirt. Aber die Dosis, obgleich nur 1/480 Gran (0,135 Milligr.) war augenscheinlich zu stark; denn drei der sieben gut eingebogenen Blätter waren getödtet. Auf der andern Seite breitete sich eins der sieben, welches nur einige Tentakeln eingebogen hatte, nach 48 Stunden wieder aus und schien ganz gesund. Unter Anwendung einer schwächeren Lösung (nämlich ein Theil auf 437 Theile Wasser oder 1 Gran auf 1 Unze) wurden Dosen von 1/960 Gran (0,0675 Milligr.) sechs Blättern gegeben. Auf einige derselben hatten dieselben in 37 Minuten eingewirkt, und in 8 Stunden waren die äuszeren Tentakeln aller, ebenso wie die Scheiben von zweien beträchtlich eingebogen. Nach 23 Stunden 15 Minuten hatten sich die Tentakeln beinahe wieder ausgestreckt, aber die Scheiben der zwei waren noch gerade wahrnehmbar nach innen gebogen. Nach 48 Stunden waren alle sechs Blätter völlig wieder ausgebreitet, und erschienen vollkommen gesund.

Drei Blätter wurden eingetaucht, jedes in dreiszig Minims einer Lösung von einem Theil auf 875 Theile Wasser (l Gran auf 2 Unzen), so dasz jedes 1/32 Gran (2,02 Milligr.) erhielt; nach 40 Minuten waren die drei bedeutend afficirt und nach 6 Stunden 45 Minuten die Tentakeln aller und die Scheibe des einen dicht eingebogen.

Salpetersaures Natron (rein). – Halbe Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser, 910 Gran (0,0675 Milligr.) enthaltend, wurden auf die Scheiben von fünf Blättern gelegt. Nach 1 Stunde 25 Minuten waren die Tentakeln beinahe aller und die Scheibe eines etwas eingebogen. Die Einbiegung fuhr fort zuzunehmen und in 21 Stunden 15 Minuten war die Einwirkung auf die Tentakeln und die Scheiben von vier derselben bedeutend, während die Wirkung auf die Scheibe des fünften nur in einem unbedeutenden Grad eingetreten war. Nach weiteren 24 Stunden blieben die vier Blätter noch dicht eingebogen, während das fünfte anfieng, sich wieder auszubreiten. Vier Tage nachdem [159] die Lösung angewendet worden war, hatten sich zwei der Blätter ganz, und eins theilweise wieder ausgebreitet; während die übrigen zwei dicht eingebogen blieben und verletzt schienen.

Drei Blätter wurden eingetaucht, jedes in dreiszig Minims einer Lösung eines Theils auf 875 Theile Wasser; in 1 Stunde war bedeutende Einbiegung vorhanden, und nach 8 Stunden 15 Minuten waren alle Tentakeln und die Scheiben aller drei sehr stark eingebogen.

Schwefelsaures Natron. – Halbe Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser wurden auf die Scheiben von sechs Blättern gelegt. Nach 5 Stunden 30 Minuten waren die Tentakeln von drei derselben (mit der Scheibe des einen) bedeutend, und die der andern drei leicht eingebogen. Nach 21 Stunden hatte die Einbiegung etwas abgenommen und in 45 Stunden waren die Blätter vollständig wieder ausgebreitet, und erschienen ganz gesund.

Drei Blätter wurden eingetaucht jedes in dreiszig Minims einer Lösung von einem Theil des schwefelsauren Salzes auf 875 Theile Wasser; nach 1 Stunde 30 Minuten war etwas Einbiegung da, welche so zunahm, dasz in 8 Stunden 10 Minuten alle Tentakeln und die Scheiben aller drei Blätter dicht eingebogen waren.

Phosphorsaures Natron. – Halbe Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser wurden auf die Scheiben von sechs Blättern gebracht, Die Lösung wirkte mit auszerordentlicher Schnelligkeit, denn in 8 Minuten waren die äuszeren Tentakeln mehrerer Blätter stark eingebogen. Nach 6 Stunden waren die Tentakeln aller sechs Blätter und die Scheiben von zweien dicht eingebogen. Dieser Zustand der Dinge dauerte 24 Stunden lang, ausgenommen dasz die Scheibe eines dritten Blattes nach innen gebogen wurde. Nach 48 Stunden breiteten sich alle drei Blätter wieder aus. Es ist klar, dasz 1/960 Gran von phosphorsaurem Natron sehr wirksam ist, Einbiegung zu verursachen.

Citronensaures Natron. – Halbe Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser wurden auf die Scheiben von sechs Blättern gebracht, aber diese wurden nicht eher beobachtet als nach Verlauf von 22 Stunden. Die halbrandständigen Tentakeln von fünf derselben und die Scheiben von vier wurden dann eingebogen gefunden; aber die äuszeren Reihen der Tentakeln waren nicht afficirt. Ein Blatt, welches älter als die andern zu sein schien, war in jeder Beziehung nur sehr wenig afficirt. Nach 46 Stunden waren vier der Blätter, ihre Scheiben mit eingeschlossen, beinahe wieder ausgebreitet.

Es wurden ferner noch drei Blätter eingetaucht, jedes in dreiszig Minims einer Lösung von einem Theil des citronensauren Salzes auf 875 Theile Wasser; nach 25 Minuten war eine starke Einwirkung eingetreten; und nach 6 Stunden 35 Minuten waren beinahe alle Tentakeln, die auf den äuszeren Reihen mit eingeschlossen, eingebogen, aber nicht die Scheiben.

Oxalsaures Natron. – Halbe Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser wurden auf die Scheiben von sieben Blättern gebracht; nach 5 Stunden 30 Minuten waren die Tentakeln von allen und die Scheiben der meisten bedeutend beeinfluszt. In 22 Stunden waren, auszer der Einbiegung der Tentakeln, die Scheiben aller sieben Blätter so [160] sehr zusammengefaltet, dasz ihre Spitzen und Basen sich beinahe berührten. Bei keiner andern Gelegenheit habe ich die Scheiben so stark beeinfluszt gesehen. Drei Blätter wurden auch eingetaucht, jedes in dreiszig Minims einer Lösung von einem Theil auf 875 Theile Wasser; nach 30 Minuten war starke Einbiegung eingetreten, und nach 6 Stunden 35 Minuten waren die Scheiben zweier und die Tentakeln aller dicht eingebogen.

Chlornatrium (bestes Küchensalz). – Halbe Minims einer Lösung von einem Theil auf 218 Theile Wasser wurden auf die Scheiben von vier Blättern gebracht. Zwei waren augenscheinlich in 48 Stunden gar nicht afficirt; das dritte hatte seine Tentakeln leicht gebogen; während das vierte beinahe alle seine Tentakeln in 24 Stunden eingebogen hatte, und diese fiengen nicht an, sich wieder auszustrecken, bis zum vierten Tag, und waren am siebenten Tage noch nicht vollkommen wieder ausgestreckt. Ich vermuthe, dasz dieses Blatt durch das Salz verletzt war. Halbe Minima einer schwächeren Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser wurden dann auf die Scheiben von sechs Blättern getropft, so dasz jedes 1/960 Gran erhielt. In 1 Stunde 33 Minuten war eine leichte Einbiegung da, und nach 5 Stunden 30 Minuten waren die Tentakeln aller sechs Blätter beträchtlich, aber nicht dicht, eingebogen. Nach 23 Stunden 15 Minuten hatten sich alle vollkommen wieder ausgestreckt, und schienen nicht im Geringsten verletzt zu sein.

Drei Blätter wurden eingetaucht, jedes in dreiszig Minims einer Lösung von einem Theil auf 875 Theile Wasser, so dasz jedes 1/32 Gran oder 2,02 Milligr. erhielt. Nach 1 Stunde war bedeutende Einbiegung eingetreten; nach 8 Stunden 30 Minuten waren alle Tentakeln und die Scheiben aller drei dicht eingebogen. Vier andere Blätter wurden auch in die Lösung eingetaucht, jedes denselben Betrag von Salz als vorher erhaltend, nämlich 1/32 Gran. Sie wurden alle bald eingebogen; nach 48 Stunden fiengen sie wieder an sich auszubreiten und schienen ganz unverletzt zu sein, obgleich die Lösung stark genug war, um salzig zu schmecken.

Jodnatrium. – Halbe Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser wurden auf die Scheiben von sechs Blättern gebracht, Nach 24 Stunden hatten vier derselben ihre Scheiben und viele Tentakeln eingebogen. Die andern zwei hatten nur ihre halbrandständigen Tentakeln eingebogen; die äuszeren Tentakeln waren bei den meisten Blättern nur wenig afficirt. Nach 46 Stunden hatten sich die Blätter beinahe wieder ausgebreitet. Drei Blätter wurden auch jedes in dreiszig Minims einer Lösung von einem Theil auf 875 Theile Wasser getaucht. Nach 6 Stunden 30 Minuten waren beinahe alle Tentakeln und die Scheibe eines Blattes dicht eingebogen.

Bromnatrium. – Halbe Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser wurden auf sechs Blätter gebracht. Nach 7 Stunden war etwas Einbiegung da; nach 22 Stunden hatten drei der Blätter ihre Scheiben und die meisten ihrer Tentakeln eingebogen; das vierte Blatt war sehr gering und das fünfte und sechste gar nicht beeinfluszt. Drei Blätter wurden auch, jedes in dreiszig Minims einer Lösung von einem Theil auf 875 Theile Wasser eingetaucht; nach 40 Minuten war etwas Einbiegung da; nach 4 Stunden waren die Tentakeln aller [161] drei Blätter und die Scheiben von zweien eingebogen. Diese Blätter wurden dann in Wasser gelegt, und nach 17 Stunden 30 Minuten waren zwei derselben beinahe vollständig und das dritte theilweise wieder ausgebreitet; so dasz sie augenscheinlich nicht verletzt waren.

Kohlensaures Kali (rein). – Halbe Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser wurden auf sechs Blätter gebracht. In 24 Stunden war keine Wirkung hervorgebracht; aber nach 48 Stunden hatten einige der Blätter ihre Tentakeln und eins seine Scheibe beträchtlich eingebogen. Dies schien jedoch das Resultat davon zu sein, dasz sie verletzt waren; denn am dritten Tage, nachdem die Lösung gegeben worden war, waren drei der Blätter todt und eins sehr kränklich; die andern zwei erholten sich, aber mehrere Tentakeln waren augenscheinlich verletzt und blieben beständig eingebogen. Es ist augenscheinlich, dasz 1/960 Gran dieses Salzes wie ein Gift wirkt. Drei Blätter wurden auch jedes in dreiszig Minims einer Lösung von einem Theil auf 875 Theile Wasser nur 9 Stunden lang eingetaucht; und, sehr verschieden von dem was mit den Natronsalzen eintritt, es wurde keine Einbiegung verursacht.

Salpetersaures Kali. – Halbe Minims einer starken Lösung von einem Theil auf 109 Theile Wasser (4 Gran auf 1 Unze) wurden auf die Scheiben von vier Blättern gebracht; zwei wurden sehr verletzt, aber keine Einbiegung erfolgte. Acht Blätter wurden in derselben Weise behandelt, mit Tropfen einer schwächeren Lösung von einem Theil auf 218 Theile Wasser. Nach 56 Stunden war keine Einbiegung da, aber zwei der Blätter schienen verletzt. Fünf dieser Blätter wurden später mit Tropfen von Milch und einer Gelatine-Lösung auf ihren Scheiben versucht, und nur eins wurde eingebogen, so dasz die Lösung des salpetersauren Salzes der oben erwähnten Stärke, 50 Stunden lang einwirkend, die Blätter augenscheinlich verletzt oder paralysirt hatte. Sechs Blätter wurden dann auf dieselbe Art behandelt, mit einer noch schwächeren Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser, und diese waren nach 48 Stunden in keiner Weise afficirt, mit Ausnahme vielleicht eines einzigen Blattes. Drei Blätter wurden dann 25 Stunden lang jedes in dreiszig Minims einer Lösung von einem Theil auf 875 Theile Wasser eingetaucht, und dies brachte augenscheinlich keine Wirkung hervor. Sie wurden dann in eine Lösung von einem Theil kohlensauren Ammoniak auf 218 Theile Wasser gethan; die Drüsen wurden augenblicklich geschwärzt, nach 1 Stunde war etwas Einbiegung da, und der protoplasmatische Inhalt der Zellen wurde deutlich zusammengeballt. Dies zeigt, dasz die Blätter durch ihr 25 Stunden langes Eintauchen in das salpetersaure Salz nicht sehr verletzt waren.

Schwefelsaures Kali. – Halbe Minims einer Lösung eines Theils auf 437 Theile Wasser wurden auf die Scheiben von sechs Blättern gebracht. Nach 20 Stunden 30 Minuten war keine Wirkung hervorgebracht; nach weiteren 24 Stunden blieben drei unafficirt; zwei schienen verletzt und das sechste schien beinahe todt zu sein, mit seinen Tentakeln eingebogen. Demungeachtet erholten sich alle sechs Blätter nach zwei weiteren Tagen wieder. Das Eintauchen dreier Blätter für 24 Stunden jedes in dreiszig Minims einer Lösung von einem Theil auf 875 Theile [162] Wasser brachte keine augenscheinliche Wirkung hervor. Sie wurden dann mit derselben Lösung von kohlensaurem Ammoniak behandelt, mit demselben Resultat wie in dem Fall mit dem salpetersauren Kali.

Phosphorsaures Kali. – Halbe Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser wurden auf die Scheiben von sechs Blättern gebracht, welche während dreier Tage beobachtet wurden; es wurde aber keine Wirkung hervorgebracht. Das theilweise Auftrocknen der Flüssigkeit auf der Scheibe zog die Tentakeln auf ihr leicht zusammen, wie es oft bei Experimenten dieser Art vorkommt. Die Blätter erschienen am dritten Tage ganz gesund.

Citronensaures Kali. – Halbe Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser drei Tage auf den Scheiben von sechs Blättern gelassen, und das Eintauchen dreier Blätter, 9 Stunden lang, jedes in 30 Minims einer Lösung von einem Theil auf 875 Theile Wasser, brachten nicht die geringste Wirkung hervor.

Oxalsaures Kali. – Halbe Minims wurden bei verschiedenen Gelegenheiten auf die Scheiben von siebenzehn Blättern gebracht, und die Resultate verwirrten mich sehr, wie sie es noch thun. Einbiegung trat sehr langsam ein. Nach 24 Stunden waren vier von den siebenzehn Blättern gut eingebogen, zusammen mit den Scheiben von zweien; sechs waren leicht afficirt und sieben gar nicht. Drei Blätter aus einer Gruppe wurden fünf Tage lang beobachtet, und alle starben ab; aber in einer andern Gruppe von sechs sahen alle, eins ausgenommen, noch nach vier Tagen gesund aus. Drei Blätter wurden 9 Stunden lang eingetaucht, jedes in dreiszig Minims einer Lösung von einem Theil auf 875 Theile Wasser, und waren nicht im Geringsten afficirt, aber sie hätten längere Zeit beobachtet werden sollen.

Chlorkalium. – Weder halbe Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser drei Tage lang auf den Scheiben von sechs Blättern gelassen, noch das Eintauchen dreier Blätter für 25 Stunden lang in 30 Minims einer Lösung von einem Theil auf 875 Theile Wasser brachte die geringste Wirkung hervor. Die eingetauchten Blätter wurden dann mit kohlensaurem Ammoniak, wie beim salpetersauren Kali beschrieben wurde, behandelt, und mit demselben Erfolg.

Jodkali. – Halbe Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser wurden auf die Scheiben von sieben Blättern gebracht. In 30 Minuten hatte ein Blatt seine Scheibe eingebogen; nach einigen Stunden hatten drei Blätter die meisten ihrer halbrandständigen Tentakeln mäszig eingebogen. Die übrigbleibenden drei waren sehr unbedeutend afficirt. Kaum irgend eines dieser Blätter hatte seine äuszeren Tentakeln eingebogen. Nach 21 Stunden streckten sich alle wieder aus, ausgenommen zwei, welche noch einige wenige halbrandständige Tentakeln eingebogen hatten. Drei Blätter wurden demnächst 8 Stunden 40 Minuten lang, jedes in 30 Minims einer Lösung von einem Theil auf 875 Theile Wasser eingetaucht, und wurden nicht im Geringsten afficirt. Ich weisz nicht, was ich aus diesen sich widersprechenden Thatsachen folgern soll; aber es ist klar, dasz Jodkali gewöhnlich keine besonders ausgesprochene Wirkung hervorbringt. [163] Bromkali. – Halbe Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser wurden auf die Scheiben von sechs Blättern gebracht; nach 22 Stunden hatte eins seine Scheibe und viele Tentakeln eingebogen, aber ich vermuthe, dasz ein Insect sich darauf niedergelassen hatte, und dann wieder entkommen war. Die fünf andern Blätter waren in keiner Weise afficirt. Ich versuchte drei dieser Blätter mit Stückchen Fleisch und nach 24 Stunden wurden sie herrlich eingebogen. Drei Blätter wurden auch 21 Stunden lang in 30 Minims einer Lösung von einem Theil auf 875 Theile Wasser eingetaucht; aber sie wurden gar nicht afficirt, auszer dasz die Drüsen ziemlich blasz aussahen.

Essigsaures Lithion. – Vier Blätter wurden zusammen in ein Gefäsz, welches 120 Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser enthielt, eingetaucht, so dasz jedes, wenn die Blätter gleich aufsaugten, 1/16 Gran erhielt. Nach 24 Stunden war keine Einbiegung da. Ich fügte dann, um die Blätter zu versuchen, etwas starke Lösung (nämlich 1 Gran auf 20 Unzen oder einen Theil auf 8750 Theile Wasser) von phosphorsaurem Ammoniak hinzu, und in 30 Minuten waren alle vier dicht eingebogen.

Salpetersaures Lithion. – Vier Blätter wurden wie in dem letzten Falle in 120 Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser eingetaucht; nach 1 Stunde 30 Minuten waren alle vier ein wenig und nach 24 Stunden bedeutend eingebogen. Ich verdünnte dann die Lösung mit etwas Wasser, sie blieben aber noch am dritten Tage etwas eingebogen.

Caesiumchlorid. – Vier Blätter wurden wie oben in 120 Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser eingetaucht. Nach 1 Stunde 5 Minuten waren die Drüsen dunkel; nach 4 Stunden 20 Minuten war eine Spur von Einbiegung da; nach 6 Stunden 40 Minuten waren zwei Blätter stark, aber nicht dicht, und die andern zwei beträchtlich eingebogen. Nach 22 Stunden war die Einbiegung auszerordentlich stark und zwei hatten ihre Scheiben eingebogen. Ich übertrug dann die Blätter in Wasser, und in 46 Stunden, von ihrem ersten Eintauchen an gerechnet, waren sie beinah wieder ausgebreitet.

Rubidiumchlorid. – Auf vier Blätter, welche wie oben in 120 Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser eingetaucht waren, hatte dieselbe in 22 Stunden nicht eingewirkt. Ich fügte dann etwas von der starken Lösung (1 Gran auf 20 Unzen) von phosphorsaurem Ammoniak hinzu, und in 30 Minuten waren alle ungeheuer eingebogen.

Salpetersaures Silber. – Drei Blätter wurden in neunzig Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser getaucht, so dasz jedes, wie vorher, 1/16 Gran erhielt. Nach 5 Minuten war leichte Einbiegung und nach 11 Minuten sehr starke Einbiegung da, wobei die Drüsen auszerordentlich schwarz wurden; nach 46 Minuten waren alle Tentakeln dicht eingebogen. Nach 6 Stunden wurden die Blätter aus der Lösung genommen, gewaschen und in Wasser gelegt; aber am nächsten Morgen waren sie augenscheinlich todt.

Essigsaurer Kalk. – Vier Blätter wurden in 120 Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser eingetaucht; nach 24 Stunden [164] war keiner der Tentakeln eingebogen, ausgenommen einige wenige da, wo die Scheibe sich an den Stiel ansetzt, und dies mag dadurch verursacht worden sein, dasz das Salz von dem abgeschnittenen Ende des Stieles aufgesaugt wurde. Ich fügte dann etwas von der Lösung (1 Gran auf 20 Unzen) von phosphorsaurem Ammoniak hinzu, aber dies erregte zu meinem Erstaunen nur leichte Einbiegung, selbst nach 24 Stunden. Es würde daher scheinen, als hätte das essigsaure Salz die Blätter betäubt.

Salpetersaurer Kalk. – Vier Blätter wurden in 120 Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser eingetaucht, aber waren in 24 Stunden nicht afficirt. Ich fügte dann etwas von der Lösung von phosphorsaurem Ammoniak (1 Gran auf 20 Unzen) hinzu, aber dies bewirkte nur sehr leichte Einbiegung nach 24 Stunden. Ein frisches Blatt wurde dann in eine gemischte Lösung der oben erwähnten Stärkegrade von salpetersaurem Kalk und phosphorsaurem Ammoniak gebracht, und es wurde in 5 bis 10 Minuten dicht eingebogen. Halbe Minims einer Lösung Ton einem Theil des phosphorsauren Kalkes auf 218 Theile Wasser wurden auf die Scheiben von drei Blättern getropft, aber brachten keine Wirkung hervor.

Essigsaure, salpetersaure Magnesia und Chlormagnesium. – Vier Blätter wurden in 120 Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser, von jedem dieser drei Salze eingetaucht; nach 6 Stunden war keine Einbiegung da; aber nach 22 Stunden war eins der Blätter in dem essigsaurem Salze eher etwas mehr eingebogen, als gewöhnlich nach einem Eintauchen in Wasser für diese Länge von Zeit vorkommt. Etwas von der Lösung (1 Gran auf 20 Unzen) von phosphorsaurem Ammoniak wurde dann zu den drei Lösungen hinzugefügt. Die Blätter in dem essigsauren Salze mit dem phosphorsauren gemischt, erlitten etwas Einbiegung; und dies war nach 24 Stunden deutlich ausgesprochen. Die in dem salpetersauren Salz waren entschieden nach 4 Stunden 30 Minuten eingebogen, aber der Grad der Einbiegung nahm später nicht viel zu; während die vier Blätter in dem mit dem Phosphate gemischten Chlorid in ein paar Minuten stark eingebogen wurden, und nach 4 Stunden beinah jeden Tentakel dicht eingebogen hatten. Wir sehen hieraus, dasz die essigsaure und die salpetersaure Magnesia die Blätter verletzen oder wenigstens die spätere Wirkung des phosphorsauren Ammoniaks verhindern, während das Chlorid keine solche Neigung hat.

Salpetersaure Magnesia. – Halbe Minims einer Lösung von einem Theil auf 218 Theile Wasser wurden auf die Scheiben von zehn Blättern gelegt und brachten keine Wirkung hervor.

Essigsaurer Baryt. – Vier Blätter wurden in 120 Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser eingetaucht und nach 22 Stunden war keine Einbiegung da; aber die Drüsen waren geschwärzt. Die Blätter wurden dann in eine Lösung (1 Gran auf 20 Unzen) von phosphorsaurem Ammoniak gelegt, welche nach 6 Stunden nur ein wenig Einbiegung bei zweien der Blätter verursachte.

Salpetersaurer Baryt. – Vier Blätter wurden in 120 Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser eingetaucht, und [165] nach 22 Stunden war nicht mehr da als jener leichte Grad von Einbiegung, welcher auch oft nach einem Eintauchen von dieser Dauer in reines Wasser erfolgt. Ich fügte dann etwas von derselben Lösung von phosphorsaurem Ammoniak hinzu, und nach 30 Minuten war ein Blatt stark eingebogen, zwei andere mäszig und das vierte gar nicht. Die Blätter blieben 24 Stunden lang in diesem Zustand.

Essigsaurer Strontian. – Vier Blätter, in 120 Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser eingetaucht, waren in 22 Stunden nicht afficirt. Sie wurden dann in etwas von derselben Lösung von phosphorsaurem Ammoniak gelegt und in 25 Minuten waren zwei derselben stark eingebogen; nach 8 Stunden war das dritte Blatt beträchtlich eingebogen und das vierte bot eine Spur von Einbiegung dar. Sie waren am nächsten Morgen in demselben Zustand.

Salpetersaurer Strontian. – Fünf Blätter wurden in 120 Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser eingetaucht; nach 22 Stunden war etwas leichte Einbiegung da, aber nicht mehr als manchmal mit Blättern in Wasser vorkommt. Sie wurden dann in dieselbe Lösung von phosphorsaurem Ammoniak gelegt; nach 8 Stunden waren drei derselben mäszig eingebogen, wie es alle fünf nach 24 Stunden waren; aber nicht eins war dicht eingebogen. Es scheint, dasz das salpetersaure Salz die Blätter halb betäubt.

Cadmiumchlorid. – Drei Blätter wurden in neunzig Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser eingetaucht; nach 5 Stunden 20 Minuten trat leichte Einbiegung ein, welche während der nächsten 3 Stunden zunahm. Nach 24 Stunden hatten alle drei Blätter ihre Tentakeln gut eingebogen, und blieben so während weiterer 24 Stunden; die Drüsen waren nicht entfärbt.

Quecksilbersuperchlorid. – Drei Blätter wurden in neunzig Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser eingetaucht; nach 22 Stunden war etwas leichte Einbiegung da, welche in 48 Minuten deutlich ausgesprochen wurde; die Drüsen waren nun geschwärzt. Nach 5 Stunden 35 Minuten waren alle Tentakeln dicht eingebogen; nach 24 Stunden waren sie noch eingebogen und entfärbt. Die Blätter wurden dann entfernt und zwei Tage in Wasser gelassen; aber sie breiteten sich niemals wieder aus und waren augenscheinlich todt.

Zinkchlorid. – Drei Blätter, in neunzig Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser eingetaucht, waren in 25 Stunden 30 Minuten nicht afficirt.

Chloraluminium. – Vier Blätter wurden in 120 Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser eingetaucht; nach 7 Stunden 45 Minuten war keine Einbiegung vorhanden; nach 24 Stunden hatte sich ein Blatt ziemlich dicht, das zweite mäszig, das dritte und vierte kaum irgendwie eingebogen. Das Resultat ist zweifelhaft, aber ich denke, eine geringe Fähigkeit, langsame Einbiegung zu verursachen, musz diesem Salz zugeschrieben werden. Diese Blätter wurden dann in die Lösung (1 Gran auf 20 Unzen) von phosphorsaurem Ammoniak gelegt und nach 7 Stunden 30 Minuten wurden die drei, welche durch das Chlorid nur wenig afficirt waren, ziemlich dicht eingebogen. [166] Salpetersaurer Alaun. – Vier Blätter wurden in 120 Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser eingetaucht; nach 7 Stunden 45 Minuten war nur eine Spur von Einbiegung da; nach 24 Stunden war ein Blatt mäszig eingebogen. Das Resultat ist hier wieder zweifelhaft, wie in dem Fall mit dem Chloraluminium. Die Blätter wurden dann in dieselbe Lösung von phosphorsaurem Ammoniak übertragen wie vorher. Dies brachte in 7 Stunden 30 Minuten kaum irgend eine Wirkung hervor; aber nach 25 Stunden war ein Blatt ziemlich dicht eingebogen, die drei andern nur sehr leicht, vielleicht nicht mehr so als durch Wasser.

Schwefelsaurer Alaun und schwefelsaures Kali (gewöhnlicher Alaun). – Halbe Minims einer Lösung von der gewöhnlichen Stärke wurden auf die Scheiben von neun Blättern gebracht, aber brachten keine Wirkung hervor.

Goldchlorid. – Sieben Blätter wurden in so viel von einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser getaucht, dasz jedes 30 Minims des Chlorids erhielt, welche 1/16 Gran oder 4,048 Milligr. enthielten. Es war nach 8 Minuten etwas Einbiegung da, welche in 45 Minuten ganz extrem wurde. In 3 Stunden war die umgebende Flüssigkeit purpurn gefärbt und die Drüsen waren geschwärzt. Nach 6 Stunden wurden die Blätter in Wasser übertragen; am nächsten Morgen wurden sie entfärbt und augenscheinlich getödtet gefunden. Das Secret zersetzt das Chlorid sehr leicht; die Drüsen selbst werden mit einer äuszerst dünnen Schicht von metallischem Gold überzogen und Theile davon schwimmen auf der Oberfläche der umgebenden Flüssigkeit herum.

Chlorblei. – Drei Blätter wurden in neunzig Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser eingetaucht. Nach 23 Stunden war nicht eine Spur von Einbiegung da; die Drüsen waren nicht geschwärzt und die Blätter schienen nicht verletzt zu sein. Sie wurden dann in die Lösung (1 Gran auf 20 Unzen) von phosphorsaurem Ammoniak übertragen, und nach 24 Stunden waren zwei derselben etwas, das dritte sehr wenig eingebogen; und so blieben sie noch weitere 24 Stunden lang.

Zinnchlorid. – Vier Blätter wurden in 120 Minims einer Lösung von ungefähr einem Theil (es wurde nicht Alles aufgelöst) auf 437 Theile Wasser eingetaucht. Nach 4 Stunden war keine Wirkung da; nach 6 Stunden 30 Minuten hatten alle vier Blätter ihre halbrandständigen Tentakeln eingebogen; nach 22 Stunden war jeder einzelne Tentakel und die Scheiben dicht eingebogen. Die umgebende Flüssigkeit war nun rosa gefärbt. Die Blätter wurden gewaschen und in Wasser übertragen, aber am nächsten Morgen waren sie augenscheinlich todt. Dieses Chlorid ist ein tödtliches Gift, aber wirkt langsam.

Weinsteinsaures Antimon. – Drei Blätter wurden in neunzig Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser eingetaucht. Nach 8 Stunden 30 Minuten war leichte Einbiegung da; nach 24 Stunden waren zwei der Blätter dicht, und das dritte mäszig eingebogen; die Drüsen nicht sehr geschwärzt. Die Blätter wurden gewaschen und in Wasser gelegt, aber sie blieben 48 weitere Stunden in demselben Zustand. Dieses Salz ist wahrscheinlich giftig, wirkt aber langsam. [167] Arsenige Säure. – Eine Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser; drei Blätter wurden in neunzig Minims getaucht; in 25 Minuten beträchtliche Einbiegung; in 1 Stunde grosze Einbiegung; die Drüsen nicht entfärbt. Nach 6 Stunden wurden die Blätter in Wasser übertragen, am nächsten Morgen sahen sie frisch aus, aber nach vier Tagen waren sie blasz gefärbt, hatten sich nicht wieder ausgebreitet und waren augenscheinlich todt.

Eisenchlorid. – Drei Blätter wurden in neunzig Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser eingetaucht; in 8 Stunden keine Einbiegung; aber nach 24 Stunden beträchtliche Einbiegung; die Drüsen geschwärzt; die Flüssigkeit gelb gefärbt, mit schwimmenden flockigen Theilchen von Eisenoxyd. Die Blätter wurden dann in Wasser gelegt; nach 48 Stunden hatten sie sich sehr wenig wieder ausgebreitet, sondern waren, glaube ich, getödtet; die Drüsen auszerordentlich schwarz.

Chromsäure. – Ein Theil auf 437 Theile Wasser; drei Blätter wurden in neunzig Minims eingetaucht; in 30 Minuten etwas, in 1 Stunde beträchtliche Einbiegung; nach 2 Stunden alle Tentakeln dicht eingebogen, die Drüsen entfärbt. In Wasser gelegt; am nächsten Tag waren die Blätter ganz entfärbt und augenscheinlich getödtet.

Manganchlorid. – Drei Blätter in neunzig Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser eingetaucht; nach 22 Stunden nicht mehr Einbiegung als auch oft in Wasser vorkommt; die Drüsen nicht geschwärzt. Die Blätter wurden dann in die gewöhnliche Lösung von phosphorsaurem Ammoniak gelegt, aber keine Einbiegung wurde selbst nach 48 Stunden verursacht.

Kupferchlorid. – Drei Blätter in neunzig Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser eingetaucht; nach 2 Stunden etwas Einbiegung; nach 3 Stunden 45 Minuten die Tentakeln dicht eingebogen und die Drüsen geschwärzt. Nach 22 Stunden noch dicht eingebogen und die Blätter schlaff. In reines Wasser gelegt, waren sie am nächsten Tage augenscheinlich todt. Ein rapid wirkendes Gift.

Nickelchlorid. – Drei Blätter in neunzig Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser eingetaucht; in 25 Minuten beträchtliche Einbiegung, und in 3 Stunden alle die Tentakeln dicht eingebogen; die meisten Drüsen, aber nicht alle, geschwärzt. Die Blätter wurden dann in Wasser gelegt; nach 24 Stunden blieben sie eingebogen; waren etwas entfärbt und die Drüsen und die Tentakeln schmutzig roth. Wahrscheinlich getödtet.

Kobaltchlorid. – Drei Blätter in neunzig Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser eingetaucht; nach 23 Stunden war nicht eine Spur von Einbiegung da, und die Drüsen waren nicht mehr geschwärzt als auch oft vorkommt nach einem ebenso langen Eintauchen in Wasser.

Platinchlorid. – Drei Blätter in neunzig Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser eingetaucht; in 6 Minuten etwas Einbiegung, welche nach 48 Minuten ganz ungeheuer wurde. Nach 3 Stunden waren die Drüsen ziemlich blasz. Nach 24 Stunden alle Tentakeln noch dicht eingebogen. Die Drüsen farblos; blieben vier Tage in demselben Zustande; die Blätter augenscheinlich getödtet. [168] Schluszbemerkungen über die Wirkung der vorstehend angeführten Salze. – Von den einundfünfzig Salzen und metallischen Säuren, welche versucht wurden, verursachten fünfundzwanzig eine Einbiegung der Tentakeln, und sechsundzwanzig hatten keine solche Wirkung; zwei ziemlich zweifelhafte Fälle kamen in jeder Versuchsreihe vor. In der Tabelle am Anfang dieser Erörterung sind die Salze nach ihrer chemischen Verwandtschaft geordnet; aber ihre Wirkung auf Drosera scheint nicht dadurch bestimmt zu werden. Die Natur der Basis ist viel wichtiger, so weit nach diesen wenigen hier gegebenen Versuchen geurtheilt werden kann, als die Natur der Säure; und dies ist der Schlusz, zu welchem die Physiologen auch in Bezug auf die Thiere gekommen sind. Wir sehen diese Thatsache dadurch erläutert, dasz alle neun Natronsalze Einbiegung verursachen und nicht giftig sind, auszer wenn sie in groszen Dosen gegeben werden; während sieben der correspondirenden Salze von Kali keine Einbiegung verursachen und einige derselben giftig sind. Zwei derselben jedoch, nämlich das oxalsaure und Jodkali, verursachten langsam einen leichten und ziemlich zweifelhaften Grad von Einbiegung. Dieser Unterschied zwischen den zwei Serien ist interessant, da Dr. Burdon Sanderson mir mittheilt, dasz Natronsalze in groszen Dosen in die Circulation von Säugethieren eingeführt werden können, ohne irgend eine schädliche Wirkung; während kleine Dosen von Kalisalzen den Tod, durch plötzliches Anhalten der Thätigkeit des Herzens, verursachen. Ein ausgezeichnetes Beispiel der verschiedenen Wirkung der beiden Reihen wird durch das phosphorsaure Natron dargeboten, welches schnell kräftige Einbiegung verursacht, während phosphorsaures Kali ganz unwirksam ist. Die grosze Kraft des ersteren ist wahrscheinlich Folge der Gegenwart von Phosphor, wie in den Fällen des phosphorsauren Kalkes und Ammoniaks. Daher können wir annehmen, dasz die Drosera aus dem phosphorsauren Kali keinen Phosphor erhalten kann. Dies ist merkwürdig, da ich von Dr. Burdon Sanderson höre, dasz phosphorsaures Kali sicher in den Körpern von Thieren zersetzt wird. Die meisten Natronsalze wirken sehr schnell, Jodnatrium am langsamsten. Das oxalsaure, salpetersaure und citronensaure Salze scheinen eine besondere Neigung zu haben, die Scheibe des Blattes zum Einbiegen zu veranlassen. Die Drüsen der Scheibe übersenden, nachdem sie das citronensaure Salz aufgesaugt haben, kaum irgend einen motorischen Impuls nach den äuszeren Tentakeln; [169] und in dieser Eigenschaft ähnelt das citronensaure Natron dem citronensauren Ammoniak, oder einer Abkochung von Grasblättern; diese drei Flüssigkeiten wirken sämmtlich hauptsächlich auf die Scheibe.

Es scheint der Regel von dem überwiegenden Einflusz der Basis zu widersprechen, dasz das salpetersaure Lithion mäszig schnelle Einbiegung verursacht, während das essigsaure keine verursacht; aber dieses Metall ist nahe verwandt mit dem Natrium und Kalium[1], welche so verschieden wirken; darum konnten wir erwarten, dasz seine Wirkung die Mitte zwischen beiden halten würde. Wir sehen auch, dasz Caesium Einbiegung verursacht, und Rubidium nicht; und diese beiden Metalle sind mit Natrium und Kalium verwandt. Die meisten erdigen Salze sind unwirksam. Zwei Salze von Kalk, vier von Magnesia, zwei von Barium und zwei von Strontium verursachten keine Einbiegung und folgen so der Regel von dem überwiegenden Vermögen der Basis. Von drei Aluminium-Salzen wirkte eines nicht, ein zweites zeigte eine Spur von Wirkung, und das dritte wirkte langsam und zweifelhaft, so dasz ihre Wirkungen beinahe gleich sind.

Von den Salzen und Säuren von gewöhnlichen Metallen wurden siebenzehn versucht, und nur vier, die des Zink, Blei, Mangan und Kobalt, verursachten keine Einbiegung. Die Salze von Cadmium, Zinn, Antimon und Eisen wirken langsam; und die drei letzteren scheinen mehr oder wenig giftig zu sein. Die Salze von Silber, Quecksilber, Gold, Kupfer, Nickel und Platin, Chromsäure und arsenige Säure verursachen mit auszerordentlicher Geschwindigkeit grosze Einbiegung und sind tödtliche Gifte. Es ist überraschend, wenn man von Thieren aus urtheilt, dasz Blei und Barium nicht giftig sein sollen. Die meisten giftigen Salze machen die Drüsen schwarz, aber Platinchlorid machte sie sehr blasz. Ich werde im nächsten Capitel Gelegenheit haben, einige Bemerkungen über die verschiedenen Wirkungen von phosphorsaurem Ammoniak auf vorher in verschiedene Lösungen getauchte Blätter hinzuzufügen.

Säuren

Ich will wie bei den Salzen zuerst eine Liste von den vierundzwanzig Säuren, welche versucht werden, geben, in zwei Reihen getheilt, je nachdem sie Einbiegung verursachen oder nicht verursachen. Nach Beschreibung der Experimente werden einige Schluszbemerkungen hinzugefügt werden.

[170]
Säuren, welche, sehr verdünnt, Einbiegung verursachen.
  1. Salpetersäure, starke Einbiegung; giftig.
  2. Salzsäure, mäszige und langsame Einbiegung; nicht giftig.
  3. Jodwasserstoffsäure, starke Einbiegung; giftig.
  4. Jodsäure, starke Einbiegung; giftig.
  5. Schwefelsäure, starke Einbiegung; etwas giftig.
  6. Phosphorsäure, starke Einbiegung; giftig.
  7. Borsäure, mäszige und ziemlich langsame Einbiegung; nicht giftig.
  8. Ameisensäure, sehr unbedeutende Einbiegung; nicht giftig.
  9. Essigsäure, starke und schnelle Einbiegung; giftig.
  10. Propionsäure, starke, aber nicht sehr schnelle Einbiegung; giftig.
  11. Ölsäure, schnelle Einbiegung; sehr giftig.
  12. Carbolsäure, sehr langsame Einbiegung; giftig.
  13. Milchsäure, langsame u. mäszige Einbiegung; giftig.
  14. Oxalsäure, mäszig schnelle Einbiegung; sehr giftig.
  15. Apfelsäure, sehr langsame, aber beträchtliche Einbiegung; nicht giftig.
  16. Benzoesäure, schnelle Einbiegung; sehr giftig.
  17. Bernsteinsäure, mäszig schnelle Einbiegung; mäszig giftig.
  18. Hippursäure, ziemlich langsame Einbiegung; giftig.
  19. Blausäure, ziemlich rapide Einbiegung; sehr giftig.
Säuren, welche, In demselben Grade verdünnt, keine Einbiegung verursachen.
  1. Gallussäure; nicht giftig.
  2. Gerbsäure; nicht giftig.
  3. Weinsteinsäure; nicht giftig.
  4. Citronensäure; nicht giftig.
  5. Harnsäure; (?) nicht giftig.



Salpetersäure. – Vier Blätter wurden jedes in dreiszig Minims von einem Gewichtstheil der Säure auf 437 Theile Wasser gethan, so dasz jedes 1/16 Gran oder 4,048 Milligr. erhielt. Diese Stärke wurde für diesen und die meisten der folgenden Versuche gewählt, da es dieselbe wie die der meisten vorhergehend angewandten salzigen Lösungen ist. [171] In 2 Stunden 30 Minuten waren einige der Blätter beträchtlich und in 6 Stunden 30 Minuten alle ungeheuer stark eingebogen, wie es auch ihre Scheiben waren. Die umgebende Flüssigkeit war leicht rosa gefärbt, welches allemal beweist, dasz die Blätter verletzt worden sind. Sie wurden dann drei Tage in Wasser gelassen; aber sie blieben eingebogen und waren augenscheinlich getödtet. Die meisten Drüsen waren farblos geworden. Zwei Blätter wurden dann jedes in dreiszig Minims von einem Theil auf 1000 Theile Wasser getaucht; in einigen wenigen Stunden war etwas Einbiegung da; und nach 24 Stunden hatten beide Blätter beinahe alle ihre Tentakeln und Scheiben eingebogen; sie wurden drei Tage lang in Wasser gelassen, und eins breitete sich theilweise wieder aus und erholte sich. Zwei Blätter wurden zunächst jedes in dreiszig Minims einer Lösung von einem Theil auf 2000 Theile Wasser getaucht; dieses brachte sehr wenig Wirkung hervor, ausgenommen, dasz die meisten Tentakeln dicht an der Spitze des Blattstieles eingebogen wurden, als ob die Säure durch das abgeschnittene Ende aufgesaugt worden wäre.

Salzsäure. – Ein Theil auf 437 Theile Wasser; vier Blätter wurden wie vorher, jedes in dreiszig Minims, eingetaucht. Nach 6 Stunden war nur ein Blatt beträchtlich eingebogen. Nach 8 Stunden 15 Minuten hatte eins seine Tentakeln und Scheibe ordentlich eingebogen; die andern drei waren mäszig eingebogen und die Scheibe von einem nur unbedeutend. Die umgebende Flüssigkeit war gar nicht rosa gefärbt. Nach 25 Stunden fiengen drei dieser vier Blätter an, sich wieder auszubreiten, aber ihre Drüsen waren von einer rosa anstatt rothen Färbung; nach weiteren zwei Tagen breiteten sie sich vollständig wieder aus; aber das vierte Blatt blieb eingebogen, und schien sehr verletzt oder getödtet zu sein, seine Drüsen waren ganz weisz. Vier Blätter wurden dann, jedes mit dreiszig Minims von einem Theil auf 875 Theile Wasser versucht; nach 21 Stunden waren sie mäszig eingebogen; und nachdem sie in Wasser übertragen worden waren, breiteten sie sich in zwei Tagen vollständig wieder aus, und schienen ganz gesund.

Jodwasserstoffsäure. – Ein Theil auf 437 Theile Wasser; drei Blätter wurden wie vorher, jedes in dreiszig Minims getaucht. Nach 45 Minuten waren die Drüsen entfärbt, und die umgebende Flüssigkeit war leicht rosa gefärbt, aber keine Einbiegung war da. Nach 5 Stunden waren alle Tentakeln dicht eingebogen; und eine ungeheure Menge von Schleim war abgesondert, so dasz die Flüssigkeit in langen Fäden ausgezogen werden konnte. Die Blätter wurden dann in Wasser gelegt, breiteten sich aber nie wieder aus und waren augenscheinlich getödtet. Vier Blätter wurden demnächst in einen Theil auf 875 Theile Wasser eingetaucht; die Wirkung war nun langsamer, aber nach 22 Stunden waren alle vier Blätter dicht eingebogen, und waren auch in anderen Beziehungen afficirt, wie oben beschrieben. Diese Blätter breiteten sich nicht wieder aus, obgleich sie vier Tage in Wasser gelassen wurden. Diese Säure wirkt viel kraftvoller als Salzsäure, und ist giftig.

Jodsäure. – Ein Theil auf 437 Theile Wasser; drei Blätter wurden, jedes in dreiszig Minims getaucht; nach 3 Stunden starke Einbiegung; nach 4 Stunden waren die Drüsen dunkelbraun; nach 8 Stunden 30 Minuten dichte Einbiegung und die Blätter waren schlaff geworden, [172] die umgebende Flüssigkeit nicht rosa gefärbt. Diese Blätter wurden dann in Wasser gelegt und waren am nächsten Tage augenscheinlich todt.

Schwefelsäure. – Ein Theil auf 437 Theile Wasser; vier Blätter wurden jedes in dreiszig Minims getaucht; nach 4 Stunden bedeutende Einbiegung; nach 6 Stunden war die umgebende Flüssigkeit gerade leicht rosa gefärbt; sie wurden dann in Wasser gelegt, und nach 46 Stunden waren zwei derselben noch dicht eingebogen, zwei fiengen an, sich wieder auszubreiten; viele der Drüsen waren farblos. Diese Säure ist nicht so giftig wie Salz- oder Jodsäure.

Phosphorsäure. – Ein Theil auf 437 Theile Wasser; drei Blätter wurden zusammen in neunzig Minims getaucht; nach 5 Stunden 32 Minuten etwas Einbiegung, und einige Drüsen farblos; nach 8 Stunden alle Tentakeln dicht eingebogen, und viele Drüsen farblos; die umgebende Flüssigkeit rosa. In Wasser zwei und einen halben Tag gelassen blieben sie in demselben Zustand und schienen todt zu sein.

Borsäure. – Ein Theil auf 437 Theile Wasser; vier Blätter wurden zusammen in 120 Minims getaucht; nach 6 Stunden sehr leichte Einbiegung, nach 8 Stunden 15 Minuten waren zwei beträchtlich, die andern zwei leicht eingebogen. Nach 24 Stunden war ein Blatt ziemlich dicht eingebogen, das zweite weniger dicht, das dritte und vierte mäszig. Die Blätter wurden gewaschen und in Wasser gelegt; nach 24 Stunden waren sie beinah vollständig wieder ausgebreitet, und sahen gesund aus. Diese Säure stimmt mit Salzsäure derselben Stärke, in ihrer Fähigkeit Einbiegung zu verursachen, nahe überein, und ist, wie jene auch, nicht giftig.

Ameisensäure. – Vier Blätter wurden zusammen in 120 Minims von einem Theil auf 437 Theile Wasser getaucht; nach 40 Minuten leichte und nach 6 Stunden 30 Minuten sehr mäszige Einbiegung; nach 22 Stunden nur wenig mehr Einbiegung als oft in Wasser vorkommt. Zwei der Blätter wurden dann gewaschen und in eine Lösung (1 Gran auf 20 Unzen) von phosphorsaurem Ammoniak gelegt; nach 24 Stunden waren sie beträchtlich eingebogen und der Inhalt ihrer Zellen zusammengeballt, welches zeigte, dasz das phosphorsaure Salz gewirkt hatt, obgleich nicht bis zum vollen und gewöhnlichen Grad.

Essigsäure. – Vier Blätter wurden zusammen in 120 Minims von einem Theil auf 437 Theile Wasser getaucht. In 1 Stunde 20 Minuten waren die Tentakeln aller vier und die Scheiben von zweien stark eingebogen. Nach 8 Stunden waren die Blätter schlaff geworden, aber blieben noch dicht eingebogen, die umgebende Flüssigkeit war rosa geworden. Sie wurden dann gewaschen und in Wasser gelegt; am nächsten Morgen waren sie noch eingebogen und von sehr dunkelrother Färbung, aber ihre Drüsen farblos. Nach einem weiteren Tage waren sie trüb gefärbt und augenscheinlich todt. Diese Säure ist viel wirksamer als Ameisensäure und in hohem Grade giftig. Halbe Minim-Tropfen einer stärkeren Mischung (nämlich ein Theil, nach Masz, auf 320 Theile Wasser) wurden auf die Scheiben von 5 Blättern gelegt; keiner der äuszeren Tentakeln nur die auf den Rändern der Scheibe, welche thatsächlich die Säure aufsaugten, wurden eingebogen. Wahrscheinlich war die Dosis zu stark und paralysirte die Blätter, denn Tropfen einer schwächeren Wirkung verursachten [173] bedeutende Einbiegung; dem ohngeachtet starben die Blätter alle nach zwei Tagen.

Propionsäure. – Drei Blätter wurden in neunzig Minims einer Mischung von einem Theil auf 437 Theile Wasser getaucht; in 1 Stunde 50 Minuten war keine Einbiegung da; aber nach 3 Stunden 40 Minuten war ein Blatt stark eingebogen und die andern zwei leicht. Die Einbiegung fuhr fort, zuzunehmen, so dasz in 8 Stunden alle drei Blätter dicht eingebogen waren. Am nächsten Morgen, nach 20 Stunden, waren die meisten Drüsen sehr blasz, aber ein paar waren beinahe schwarz. Kein Schleim war abgesondert worden, und die umgebende Flüssigkeit war nur gerade bemerkbar mit einem blassen Rosa gefärbt. Nach 46 Stunden wurden die Blätter leicht schlaff und waren augenscheinlich getödtet, was später durch das Liegenlassen derselben in Wasser als richtig bewiesen wurde. Das Protoplasma in den dicht eingebogenen Tentakeln war nicht im Geringsten zusammengeballt, aber nach ihren Basen zu war es zu kleinen bräunlichen Massen auf dem Boden der Zellen angesammelt. Dieses Protoplasma war todt; denn als das Blatt in einer Lösung von kohlensaurem Ammoniak gelassen wurde, trat keine Zusammenballung ein. Propionsäure ist in hohem Grade giftig für die Drosera wie die verwandte Essigsäure, aber verursacht Einbiegung in einem viel langsameren Tempo.

Ölsäure (mir von Prof. Frankland gegeben). – Drei Blätter wurden in diese Säure getaucht, etwas Einbiegung wurde beinah sofort verursacht, welche leicht zunahm, aber dann aufhörte; die Blätter schienen dann getödtet zu sein. Am nächsten Morgen waren sie ziemlich zusammengeschrumpft und viele Drüsen waren von den Tentakeln abgefallen. Tropfen dieser Säure wurden auf die Scheiben von vier Blättern gebracht; in 40 Minuten waren alle Tentakeln stark eingebogen, ausgenommen die äuszersten randständigen; und viele dieser wurden nach 3 Stunden eingebogen. Ich war dadurch darauf geführt worden, diese Säure zu versuchen, als ich vermuthete, dasz sie in Olivenöl vorhanden sei, was nicht der Fall zu sein scheint[2], dessen Wirkung so anomal ist. So verursachen Tropfen dieses Öls, auf die Scheiben gebracht, keine Einbiegung der äuszeren Tentakeln; als jedoch kleine Tropfen zu dem, die Drüsen der äuszeren Tentakeln umgebenden Secrete hinzugefügt wurden, wurden dieselben gelegentlich, aber durchaus nicht immer, eingebogen. Zwei Blätter wurden auch in dieses Öl eingetaucht und in ungefähr 12 Stunden war keine Einbiegung da; aber nach 23 Stunden waren beinahe alle Tentakeln eingebogen. Drei Blätter wurden gleichfalls in ungekochtes Lein-Öl getaucht, und wurden bald ein wenig und nach 3 Stunden stark eingebogen. Nach 1 Stunde war die Absonderung um die Drüsen rosa gefärbt. Ich folgere aus dieser letzten Thatsache, dasz die Fähigkeit des Lein-Öls, Einbiegung zu verursachen, nicht dem Eiweisz zuzuschreiben ist, welches es enthalten soll.

Carbolsäure. – Zwei Blätter wurden in sechzig Minims einer Lösung von 1 Gran auf 437 Theile Wasser getaucht; in 7 Stunden war eins leicht und in 24 Stunden beide dicht eingebogen; dabei war eine [174] überraschende Menge Schleim abgesondert. Diese Blätter wurden gewaschen und zwei Tage lang in Wasser gelassen, sie blieben eingebogen; die meisten ihrer Drüsen wurden blasz und sie schienen todt zu sein. Diese Säure ist giftig; aber sie wirkt lange nicht so schnell und kräftig als nach ihrer zerstörenden Wirkung auf die niedrigsten Organismen erwartet werden könnte. Halbe Minims derselben Lösung wurden auf die Scheiben von drei Blättern gebracht; nach 24 Stunden erfolgte keine Einbiegung der äuszeren Tentakeln, und als ihnen Stückchen Fleisch gegeben wurden, wurden sie ziemlich gut eingebogen. Ferner wurden halbe Minims einer stärkeren Lösung von einem Theil auf 218 Theile Wasser auf die Scheiben von drei Blättern gelegt; keine Einbiegung der äuszeren Tentakeln erfolgte; Stückchen Fleisch wurden dann wie vorher gegeben; nur ein Blatt wurde ordentlich eingebogen, die Drüsen auf der Scheibe der andern zwei erschienen sehr verletzt und trocken. Wir sehen daraus, dasz die Drüsen der Scheiben nachdem sie diese Säure aufgesaugt haben, selten einen motorischen Impuls den äuszeren Tentakeln zuschicken, obgleich diese, wenn ihre eignen Drüsen die Säure aufsaugen, stark afficirt werden.

Milchsäure. – Drei Blätter wurden in neunzig Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser getaucht. Nach 48 Minuten war keine Einbiegung da, aber die umgebende Flüssigkeit war rosa gefärbt; nach 8 Stunden 30 Minuten war nur ein Blatt etwas eingebogen, und beinahe alle Drüsen an allen drei Blättern waren von sehr blasser Farbe. Die Blätter wurden dann gewaschen und in eine Lösung (1 Gran auf 20 Unzen) von phosphorsaurem Ammoniak gelegt; nach ungefähr 16 Stunden war nur eine Spur von Einbiegung da. Sie wurden 48 Stunden in der Phosphatlösung gelassen, und blieben in demselben Zustande, wobei beinahe alle ihre Drüsen entfärbt waren. Das Protoplasma in den Zellen war nicht zusammengeballt, ausgenommen in einigen sehr wenigen Tentakeln, deren Drüsen nicht sehr entfärbt waren. Ich glaube darum, dasz beinahe alle Drüsen und Tentakeln durch die Säure so plötzlich getödtet worden waren, dasz kaum etwas Einbiegung bewirkt werden konnte. Vier Blätter wurden zunächst in 120 Minims einer schwächeren Lösung von einem Theil auf 875 Theile Wasser getaucht; nach 2 Stunden 30 Minuten war die umgebende Flüssigkeit ganz rosa; die Drüsen waren blasz, aber keine Einbiegung war da; nach 7 Stunden 30 Minuten zeigten zwei der Blätter etwas Einbiegung, und die Drüsen waren beinahe weisz; nach 21 Stunden waren zwei der Blätter beträchtlich eingebogen, und ein drittes leicht; die meisten Drüsen waren weisz, die andern dunkel roth. Nach 45 Stunden war bei einem Blatt beinahe ein jeder Tentakel eingebogen, bei einem zweiten eine grosze Anzahl, beim dritten und vierten sehr wenig; beinahe alle Drüsen waren weisz, ausgenommen die auf den Scheiben von zwei Blättern, und viele dieser waren sehr dunkel roth. Die Blätter schienen todt zu sein. Es wirkt daher die Milchsäure auf eine sehr eigenthümliche Art, indem sie Einbiegung in auszerordentlich langsamem Tempo verursacht und sehr giftig ist. Selbst Eintauchen in schwächere Lösungen, nämlich von einem Theil auf 1312 und 1750 Theile Wasser, tödtete augenscheinlich die Blätter, [175] (die Tentakeln bogen sich nach einiger Zeit nach rückwärts) und machte die Drüsen weisz, aber verursachte keine Einbiegung.

Gallus-, Tannin-, Weinstein- und Citronensäure. – Ein Theil auf 437 Theile Wasser. Drei oder vier Blätter wurden jedes in dreiszig Minims dieser viel Lösungen getaucht, so dasz jedes Blatt 1/16 Gran oder 4,048 Milligr. erhielt. Nach 24 Stunden war noch keine Einbiegung bewirkt worden, und die Blätter schienen gar nicht verletzt zu sein. Diejenigen, welche in der Tannin- und Weinsteinsäure gewesen waren, wurden in eine Lösung (1 Gran auf 20 Unzen) von phosphorsaurem Ammoniak gelegt, aber in 24 Stunden trat keine Einbiegung ein. Auf der andern Seite wurden die vier Blätter, welche in der Citronensäure gewesen waren, als sie mit dem phosphorsauren Salze behandelt wurden, in 50 Minuten deutlich eingebogen, und nach 5 Stunden stark, und blieben während der nächsten 24 Stunden in diesem Zustand.

Apfelsäure. – Drei Blätter wurden in neunzig Minims einer Lösung von einem Theil auf 437 Theile Wasser getaucht; in 8 Stunden 20 Minuten war keine Einbiegung verursacht; aber nach 24 Stunden waren zwei Blätter beträchtlich und das dritte leicht eingebogen, mehr als auf Rechnung der Einwirkung des Wassers gebracht werden kann. Keine grosze Menge Schleim wurde abgesondert. Sie wurden dann in Wasser gelegt, und breiteten sich nach zwei Tagen theilweise wieder aus. Demnach ist diese Säure nicht giftig.

Oxalsäure. – Drei Blätter wurden in neunzig Minims einer Lösung von 1 Gran auf 437 Theile Wasser getaucht; nach 2 Stunden 10 Minuten war bedeutende Einbiegung da; die Drüsen blasz; die umgebende Flüssigkeit von dunkel rosa Färbung; nach 8 Stunden auszerordentliche Einbiegung. Die Blätter wurden dann in Wasser gelegt; nach ungefähr 16 Stunden waren die Tentakeln von sehr dunkel rother Färbung, so, wie die Blätter in Essigsäure wurden. Nach 24 weiteren Stunden waren die, drei Blätter todt und ihre Drüsen farblos.

Benzoesäure. – Fünf Blätter wurden jedes in dreiszig Minims einer Lösung von 1 Gran auf 437 Theile Wasser getaucht. Diese Lösung war so schwach, dasz sie gerade nur sauer schmeckte, und war doch, wie wir sehen werden, in. hohem Grade giftig für die Drosera. Nach 52 Minuten waren die halbrandständigen Tentakeln etwas eingebogen und alle Drüsen sehr blasz gefärbt; die umgebende Flüssigkeit war rosa gefärbt. Bei einer Gelegenheit wurde die Flüssigkeit im Verlauf von nur 12 Minuten rosa, und die Drüsen so weisz, als ob das Blatt in kochendes Wasser getaucht worden wäre. Nach 4 Stunden viel Einbiegung; aber keiner der Tentakeln war dicht eingebogen; in Folge davon, wie ich glaube, dasz sie paralysirt worden waren, ehe sie Zeit gehabt hatten, ihre Bewegung zu vollenden. Eine auszerordentliche Menge Schleim wurde abgesondert. Einige der Blätter wurden in der Lösung gelassen, andere wurden nach einem 6 Stunden 32 Minuten langen Eintauchen in Wasser gelegt. Am nächsten Morgen waren beide Gruppen ganz todt; die Blätter in der Lösung waren schlaff, die im Wasser (jetzt gelb gefärbt) von einer blasz braunen Färbung und ihre Drüsen weisz.

Bernsteinsäure. – Drei Blätter wurden in neunzig Minims einer Lösung von 1 Gran auf 437 Theile Wasser getaucht; nach 4 Stunden [176] 15 Minuten beträchtliche und nach 23 Stunden starke Einbiegung; viele der Drüsen blasz; Flüssigkeit rosa gefärbt. Die Blätter wurden dann gewaschen und in Wasser gelegt; nach zwei Tagen waren sie zum Theil im Begriffe, sich wieder auszubreiten, aber viele der Drüsen waren noch weisz. Diese Säure ist lange nicht so giftig, wie Oxal- oder Benzoësaure.

{SperrSchrift|Harnsäure}}. – Drei Blätter wurden in 180 Minims einer Lösung von 1 Gran auf 875 Theile warmen Wassers getaucht, aber nicht alle Säure wurde aufgelöst; jedes erhielt demnach beinahe 1/16 Gran. Nach 25 Minuten war etwas leichte Einbiegung da, aber diese nahm nie zu; nach 9 Stunden waren die Drüsen nicht entfärbt, auch war die Lösung nicht rosa gefärbt; dem ohngeachtet wurde viel Schleim abgesondert. Die Blätter wurden dann in Wasser gelegt, und wann am nächsten Morgen vollständig wieder ausgebreitet. Ich bezweifle, ob diese Säure wirklich Einbiegung verursacht; denn die leichte Bewegung, welche zuerst vorkam, kann Folge der Anwesenheit einer Spur von eiweiszaltiger Substanz gewesen sein. Aber dasz sie einige Wirkung hervorbringt, beweist die Absonderung von so viel Schleim.

Hippursäure. – Vier Blätter wurden in 120 Minims einer Lösung von 1 Gran auf 437 Theile Wasser getaucht. Nach 2 Stunden war die Flüssigkeit rosa gefärbt; die Drüsen blasz, aber keine Einbiegung. Nach 6 Stunden etwas Einbiegung; nach 9 Stunden alle vier Blätter stark eingebogen; viel Schleim abgesondert; alle Drüsen sehr blasz. Die Blätter wurden dann zwei Tage lang in Wasser gelassen; sie blieben dicht eingebogen, ihre Drüsen farblos; ich bezweifle nicht, dasz sie getödtet waren.

Cyanwasserstoffsäure (Blausäure). – Vier Blätter wurden, jedes in dreiszig Minims von einem Theil auf 437 Theile Wasser getaucht, in 2 Stunden 45 Minuten waren alle Tentakeln beträchtlich eingebogen, und viele der Drüsen blasz; nach 3 Stunden 45 Minuten alle stark eingebogen, und die umgebende Flüssigkeit rosa gefärbt; nach 6 Stunden alle dicht eingebogen. Nach einem 8 Stunden 20 Minuten langem Eintauchen wurden die Blätter gewaschen und in Wasser gelegt; am nächsten Morgen, nach ungefähr 16 Stunden, waren sie noch eingebogen und entfärbt; am folgenden Tage waren sie augenscheinlich todt. Zwei Blätter wurden in eine stärkere Mischung eingetaucht, von einem Theil auf fünfzig Theile Wasser; in 1 Stunde 15 Minuten waren die Drüsen so weisz wie Porzellan, als ob sie in kochendes Wasser getaucht worden wären; sehr wenig Tentakeln waren eingebogen; aber nach 4 Stunden waren beinahe alle eingebogen. Diese Blätter wurden dann in Wasser gelegt, und waren am nächsten Morgen augenscheinlich todt. Halbe Minims-Tropfen derselben Stärke (nämlich ein Theil auf fünfzig Theile Wasser) wurden zunächst auf die Scheiben von fünf Blättern gebracht; nach 21 Stunden waren alle äuszeren Tentakeln eingebogen und die Blätter schienen sehr verletzt. Ich berührte gleichfalls die Absonderung um eine grosze Menge Drüsen mit kleinen Tropfen (ungefähr 1/20 Minim oder 0,00296 Cub. Cent.) von Scheele's Mischung (6 Procent). Die Drüsen wurden zuerst hell roth, und nach 3 Stunden 15 Minuten waren ungefähr zwei Drittel der Tentakeln, die diese Drüsen trugen, eingebogen und blieben die beiden folgenden Tage so, wo sie dann todt zu sein schienen.

[177]
Schluszbemerkungen über die Wirkung von Säuren.

Es ist augenscheinlich dasz Säuren eine starke Neigung haben, die Einbiegung der Tentakeln[3] zu verursachen; denn von den vier und zwanzig versuchten Säuren wirkten neunzehn in dieser Weise, entweder schnell und energisch, oder langsam und unbedeutend. Diese Thatsache ist merkwürdig, da die Säfte vieler Pflanzen mehr Säure enthalten, nach dem Geschmack zu urtheilen, als die bei meinen Versuchen angewendeten Lösungen. Nach den kräftigen Wirkungen so vieler Säuren auf die Drosera werden wir veranlaszt anzunehmen, dasz die in den Geweben sowohl dieser Pflanze, als auch anderer, natürlich enthaltenen Säuren eine wichtige Rolle in ihrem Haushalte spielen müssen. Von den fünf Fällen, in welchen die Säuren keine Einbiegung der Tentakeln bewirkten, ist einer zweifelhaft; denn Harnsäure wirkte unbedeutend und verursachte eine reichliche Absonderung von Schleim. Blosz saures Gefühl für den Geschmack ist kein Beweis der Wirkungsfähigkeit einer Säure auf die Drosera, da Citronen- und Weinsteinsäure sehr sauer schmecken und doch keine Einbiegung erregen. Es ist merkwürdig, wie Säuren in ihrer Kraft von einander verschieden sind. So wirkt Salzsäure viel weniger kräftig, als Jodwasserstoffsäure und viele andere Säuren derselben Stärke, und ist nicht giftig. Dies ist eine interessante Thatsache, da die Salzsäure eine so wichtige Rolle in dem Verdauungsprocesz der Thiere spielt. Ameisensäure bringt sehr leichte Einbiegung hervor und ist nicht giftig; während die ihr verwandte Essigsäure schnell und kräftig wirkt und giftig ist. Äpfelsäure wirkt sehr leicht, während Citronen- und Weinsteinsäure keine Wirkung hervorbringen. Milchsäure ist giftig und ist merkwürdig, weil sie Einbiegung nur nach Verlauf einer beträchtlichen Zeit bewirkt. Nichts überraschte mich mehr, als dasz eine Lösung von Benzoësäure, so schwach, dasz sie für den Geschmack kaum säuerlich war, mit groszer Schnelligkeit wirkte, und sehr giftig war; denn man hat mir mitgetheilt, dasz sie keine ausgesprochene Wirkung auf den thierischen Haushalt hervorbringt. Man wird beim Durchsehen der Liste am Anfang dieser Erörterung sehen, dasz die meisten Säuren giftig sind, oft sogar sehr. Es ist bekannt, [178] dasz verdünnte Säuren negative Osmose[4] verursachen, und die giftige Wirkung so vieler Säuren auf Drosera hängt vielleicht mit dieser Kraft zusammen; denn wir haben gesehen, dasz die Flüssigkeiten, in welche sie getaucht wurden, oft rosa, und die Drüsen blasz farbig oder weisz wurden. Viele der giftigen Säuren, wie Jodwasserstoff-, Benzoë-, Hippur– und Carbolsäure (ich versäumte aber, alle Fälle aufzuzählen) verursachten die Absonderung einer auszerordentlichen Menge von Schleim, so dasz lange Fäden dieser Substanz von den Blättern herabhiengen, als sie aus der Lösung gehoben wurden. Andere Säuren, solche wie Salzsäure und Äpfelsäure, haben keine solche Neigung; in diesen letzten zwei Fällen war die umgebende Flüssigkeit nicht rosa gefärbt, und die Blätter waren nicht vergiftet. Auf der andern Seite verursacht Propionsäure, welche giftig ist, keine starke Absonderung von Schleim, doch wurde die umgebende Flüssigkeit leicht rosa. Endlich wirkte, wie es mit den salzigen Lösungen der Fall war, nachdem die Blätter in gewisse Säuren getaucht gewesen waren, phosphorsaures Ammoniak bald auf dieselben ein, während sie andererseits nach einem Eintauchen in gewisse andere Säuren nicht so afficirt wurden. Ich werde jedoch auf diesen Gegenstand zurückkommen müssen.


  1. Miller, Elements of Chemistry, 3, edit., p. 337, 448.
  2. s. die Artikel über Glycerin und Ölsäure in Watt's Diction. of Chemistry.
  3. Der Angabe Fourniert's zufolge (De la Fécondation dans les Phanerogames, 1863, p. 61.) bewirken Tropfen Ton Essigsäure, Blausäure und Schwefelsäure, dasz sich die Staubfäden der Berberis augenblicklich schlieszen. trotzdem dasz Wasser keine derartige Wirkung hat, welche letztere Angabe ich bestätigen kann.
  4. Miller's Elements of Chemistry, Part. I. 1867, p. 87.