Textdaten
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Autor: Heinrich Pfeil
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Titel: Hermann Langer †
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aus: Die Gartenlaube, Heft 41, S. 707–708
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[707] Hermann Langer †. Einer der hervorragendsten Förderer des deutschen Männergesanges, ein Meister des gemüthvollen Humors, eine der volksthümlichsten Gestalten der deutschen Sängerfeste ist am 8. September in Hermann Langer aus dem Leben geschieden. Als der jugendliche Alte Anfang Juli d. J. seinen 70. Geburtstag feierte, durfte man annehmen, daß ihm noch eine Reihe von Jahren beschieden sein würde – es ist anders gekommen: sein Liedermund verstummte, der durch den Zauber seiner Persönlichkeit fesselnde, allgemein beliebte Sängerführer ruht im Schoße der Erde und den zahlreichen Blumenkränzen und Palmenzweigen, die sein Grab schmücken, möge sich der Immortellenkranz anreihen, der von dieser Stelle aus im Geiste auf seine Ruhestätte niedergelegt wird.

Hermann Langer wurde am 6. Juli 1819 in Höckendorf bei Tharandt geboren. Da er schon frühzeitig Neigung für die Musik an den Tag legte, empfing er von seinem Vater, dem Organisten und Schullehrer des Dorfes, Anleitung im Klavier- und Orgelspiel. Wegen des Violinunterrichts mußte er allwöchentlich nach dem 2 Stunden entfernten Dippoldiswalde wandern, und zwar wird erzählt, daß der Knabe unterwegs barfuß ging, um seine Stiefel zu schonen, und daß er als Wegzehrung nur eine trockene Semmel und einen Sechser erhielt. Auch einige Jahre später, als der zehnjährige Hermann an Stelle seines Vaters schon den Gemeindegesang leitete und in den benachbarten Dörfern als Organist oder bei kleinen Musikaufführungen als Solist mitwirkte, wanderte der junge Sänger noch manchmal als Barfüßler von einem Orte nach dem andern. Vom 12. Jahre bis zur Konfirmation befand sich der Knabe bei dem Kantor Löbner in Oschatz, der ihn im Violinspiel weiter ausbildete. als die Konfirmationszeit vorüber war, sehnte sich der Strebsame nach der Fürstenschule in Grimma. Damit war aber sein Vater nicht einverstanden; dieser meinte, sein Sohn wolle zu hoch hinaus und es genüge, wenn er später ebenfalls ein einfacher Volksschullehrer werde. Der 15jährige Hermann beugte sich vor dem Machtspruche, verzichtete auf Grimma und ging an das Fiedrichstädter Seminar nach Dresden, wo er u. a. drei Jahre lang Musikunterricht durch Kantor Munde empfing.

Als Seminarist mit zur Verstärkung des Hoftheaterchors verwendet, fand der jugendliche Sänger Geschmack an dem Bühnenleben und sein Sinnen und Trachten ging dahin, sich gänzlich der theatralischen Laufbahn zu widmen; der mit einer schönen weichen Tenorstimme begabte Jüngling wurde in diesem Entschluß durch die Kammersänger Risse und Babnigg bestärkt, die ihn im Verein mit dem Kapellmeister Rastelli ausbildeten, aber der Vater wollte nichts davon wissen und versagte mit Entschiedenheit seine Zustimmung. Als gehorsamer Sohn verzichtete Hermann auf die weitere Verfolgung der Theaterpläne und wandte sich mit um so größerem Ernste seinen Studien zu. Nachdem er einige Zeit lang als Hauslehrer gewaltet hatte, bezog er 1840 die Universität zu Leipzig, wo ihm insbesondere auch der Unterricht und die Gunst Mendelssohns zu gute kam. Unterm 8. Juli 1840 meldete er sich zur Mitgliedschaft bei dem akademischen Sängerverein „Paulus“. Drei Jahre später, am 14. Juli 1843, wurde ihm die Leitung dieses Vereins übertragen, außerdem fand er Anstellung als Organist an der Universitätskirche und als Gesanglehrer an mehreren Schulen. Im Jahre 1859 wurde er zum Ehrendoktor der philosophischen Fakultät, bald nachher zum Dozenten an der Universität mit dem Titel Lector publicus und ihm Jahre 1882 zum Professor ernannt; als aber im Jahre 1887 seine Ernennung zum Oberrevisor der Kirchenorgeln im Königreich Sachsen erfolgte, verließ er Leipzig und siedelte nach Dresden über. Seine musikalisch-litterarische Thätigkeit bestand in der Herausgabe verschiedener Hefte des „Repertoriums für Männergesang“, der „Musikalischen Gartenlaube“ (8 Bände), eines „Unterrichts im Gesange“ und in mehreren selbst komponirten und harmonisirten Chorliedern, von welch letzteren besonders „Das Lieben bringt groß Freud’“ in den Liedertafeln sehr oft gesungen wird. Außer bei dem Pauliner Sängerverein, den er 44 Jahre leitete und zu vorzüglichen Leistungen und hohem Ansehen führte, war er über 25 Jahre lang [708] Dirigent des „Zöllnerbundes“ und nahezu 25 Jahre erster Musikdirektor des „Leipziger Gausängerbundes“; im September 1864, also vor nunmehr 25 Jahren, wurde er als Mitglied in den Gesammtausschuß des „Deutschen Sängerbundes“ gewählt, in welchem er der Musikkommission für die Herstellung des Bundesliederbuches angehörte.

In allen diesen Stellungen hat er in erfolgreicher Weise für die Veredlung des volksthümlichen Männergesanges gewirkt, entsprechend den Worten, die er gelegentlich der Bannerweihe des Zöllnerbundes am 19. Juli 1863 an die Sängerschaft richtete: daß man den Gesang als Volksbildungsmittel, als Förderer des deutschen Einheitsgedankens betrachten und daß man den musikalisch fragwürdigen, niedrigen Erzeugnissen der Männergesangslitteratur mit Entrüstung aus dem Wege gehen möge! Diesem musikalischen Glaubensbekenntniß, dem er bei verschiedenen Gelegenheiten Ausdruck gab, blieb er allezeit treu; er erwarb sich durch zähes Festhalten an demselben ein Verdienst, das für alle Zukunft mit goldenen Lettern in die Geschichte des deutschen Männergesanges eingetragen bleiben wird. Heinrich Pfeil.