Goeckingk an Bürger

Textdaten
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Autor: Leopold Friedrich Günther von Goeckingk
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Titel: Goeckingk an Bürger
Untertitel:
aus: Gedichte, S. 247–251
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum: ca. 1776
Erscheinungsdatum: 1778
Verlag: Johann Christian Dieterich
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Erscheinungsort: Göttingen
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Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
hierauf folgt Bürger an Goeckingk, die Antwort G. A. Bürgers
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Goeckingk an Bürger.


     Verdamte Versemacherei!
Was hast du angerichtet?
Uns unsers Lebens einzgen Mai
Zum Kukuk hingedichtet?

5
     Gevatter Bürger, sag’ er mal,

Sind wir nicht brave Thoren,
Daß wir mit selbst gemachter Qual
Den schönen Mai verloren?

     Was hat man von dem Dichten? hum!

10
Die wandelbare Ehre

Gekant zu seyn vom Publikum? –
Ich dachte was mir wäre!

     Exempli gratia, es spricht,
Wann grosse Herren schmausen,

15
Wol Einer: Ist der Bürger nicht

Amtman zu Wölmershausen?

     Ein Fräulein thut dir wol sogar
Die Gnad’ und fragt nicht minder:
Trägt denn der Bürger eigen Haar?

20
Hat er schon Frau und Kinder?


     Dort räuspert sich ein zarter Herr,
Der Zirkel spizt die Ohren!
Und ach! mit scheuslichem Geplärr
Notzüchtigt er Lenoren.

25
     „Ha! bravo! wie Lenore schreit!

Hör’ Einer nur das Fluchen!
Den Man – ist Wölmershausen weit? –
Den Man mus ich besuchen!“

     Und eh’ Herr Bürger sich’s versehn,

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Kömt mein Signor geritten,

Bagaft ihn, freuet sich gar schön,
Läst sich zum Essen bitten,

     Kritiket Männer, gros und klein,
Thut greulich hochgelahret,

35
Und trinkt – hol’ ihn der Fuchs! – den Wein,

Den du für mich gesparet;

     Lobt mächtig dir sein gutes Herz,
Wil Freundschaft mit dir treiben,
Und droht sogar – o Höllenschmerz! –

40
Recht oft an dich zu schreiben.


     Das macht, manch ehrliches Journal
Lies bas dein Lob erschallen;
Allein, wann las denn wol einmal
Herr Bürger Eins von allen?

45
     Wenn, vor den Almanach, ich schier

Dich liess’ in Kupfer stechen:
Was hilft’s? was hörst du? wenn von dir
Die Leut’ ein Weilchen sprechen?

     Was hast du von dem allen? Sklav!

50
Wenn ich’s zusammen presse,

Ist’s kürzlich dies: Despotenschlaf,
Und Inquisitenblässe.

     Hör’ auf! Ich gab mein Herz dir hin
Eh du ein Blat geschrieben;

55
Hör’ auf! und die Frau Amtmannin

Wird dich noch lieber lieben.

     Hör’ auf! Als Dichter kent man dich,
Als Mensch lebst du verborgen;
Kein Christenkind bekümmert sich

60
Um alle deine Sorgen.

     Ja! Herr! und solt’ er den Homer
In Versen übersezen:
Drob werden ihn kein Haarbreit mehr
Die Herrn Minister schäzen.

65
     Der Herr bleibt dennoch, nach wie vor,

Amtman zu Wölmershausen.
Drum, trauter Bürger, sey kein Thor,
Kom her und las uns schmausen!