Geographische Beschreibung von Hopferstatt, dem ersten Dorfe im Ochsenfurter Gau in Franken

Textdaten
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Autor: Anonym
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Titel: Geographische Beschreibung von Hopferstatt, dem ersten Dorfe im Ochsenfurter Gau in Franken
Untertitel:
aus: Journal von und für Franken, Band 3, S. 681-695
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1791
Verlag: Raw
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Erscheinungsort: Nürnberg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: UB Bielefeld, Commons
Kurzbeschreibung:
s. a. Miscellaneen (Journal von und für Franken, Band 5, 1)#13
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II.
Geographische Beschreibung von Hopferstatt, dem ersten Dorfe im Ochsenfurter Gau in Franken.
Wenn man von Wirzburg nach Ochsenfurt reist: so ist es unverkennbar, welche Verschiedenheit in Rücksicht auf Industrie, Reinlichkeit und Wohlstand die beyden Orte Sommer- und Winterhausen vor vielen ihrer Nachbarn auszeichnen. Gleiche Industrie und Reinlichkeit findet man nur in wenigen Wirzburgischen Orten am Main; daher komts, daß auch manche unter denselbigen, trotz ihres vorzüglichen Weinwachses, so arm sind. Die ausserordentlich günstige Lage und der besonders fruchtbare Boden, sind oft einzig und allein die Ursache des herrschenden Wohlstandes in den übrigen.| Den Beweis dieser Behauptung will ich den Lesern ihres Journals gewiß nicht schuldig bleiben; denn ich sehe schon zum voraus, daß sie manchem unverdaulich seyn wird, der den Weg nicht selbst, oder doch wenigstens nicht mit der gehörigen Aufmerksamkeit gemacht hat. Diesesmahl müssen sie mir aber vergönnen, von einem andern Orte, der auch auf meiner Reise-Route, und zwar im Schweinfurter oder Ochsenfurter Gau liegt, zuerst zu reden. Die Dörfer dieses Gaues gehören mit unter die vorzüglichsten des ganzen Frankenlandes. Sie verdanken ihr glückliches Loos der Fruchtbarkeit des Bodens, der die an ihn gewandte Mühe sehr reichlich belohnt. Dieser Gau stößt Mittagswärts an das Städtchen Ochsenfurt und ist auf seiner ganz zum Ackerbau geschaffenen Fläche mit einem gesunden fleißigen Volke besetzt, das in der Lebensart kaum seines gleichen hat.
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Man kann die sogenannten Frankenberge, unter welchen die schöne mit Obstbäumen besetzte Landstraße angelegt ist, die von Ochsenfurt nach Anspach führt, östlich, und den Taubergrund westlich, als die Gränzen des Ochsenfurter Gaus sicher annehmen: der glückliche Boden dauert zwar bis Rotenburg;| aber Uffenheim, Aub, Röttingen, Anspachische und Wirzburgische Landstädtchen, werden gemeiniglich für die Gränzörter des Gaues gehalten. Diese Landstädtchen selbst kommen hier nicht in Anschlag, weil sie von den übrigen Bauersörtern am innern Wehr- und Reichthum übertroffen werden. Sie scheinen hauptsächlich darum da zu seyn, daß sie den Bauersmann mit den zum Ackerbau nöthigen Bedürfnissen, Eisen und Holzwaare, Leder etc. versehen, die der Landmann da zwar theurer, aber doch näher haben kann, als in Wirzburg und Anspach.
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Weit beträchtlicher und merkwürdiger sind mir die großen, freundlichen Bauers-Örter, welche die vorüber Reisenden wegen ihrer glücklichen Lage und ihres ausserordentlichen Fleißes, den man auf allen Seiten wahrnimmt, ganz für sich einnehmen. Die vornehmsten darunter sind: Knottstatt, Hopferstatt, Geislingen, Sonderhofen, Gaurettersheim, Eßfeld, Giebelstatt, Gellichsheim, Rieden, Sulzdorf, Büttard, Wittighausen, Kircheim etc. Ich beschreibe Ihnen einstweilen das erste, welches mir auf dem Wege von Ochsenfurt nach Aub begegnet ist: es ist Hopferstatt. Mein Kutscher führte mich unbekannte Wege, und wir| merkten es nur an der Zeit, daß wir aus dem Wege waren. Manche mögen da Gespenster glauben, aber die Gegend ist so plan, und der Kreuzwege gibts so viele, daß man beym hellen, lichten Tage leicht irre werden kann. Es war eine angenehme Herbstnacht, und wir kamen mitten in der Nacht nach Hopferstatt; wie wunderte ich mich aber, als ich da die Nacht in den Tag verwandelt sah! Überall sah ich Licht, und von allen Seiten hörte ich dreschen: demungeachtet weckten mich von der Feldarbeit zurückkehrende Schub-Karren (kleine Hand-Karren, die auf einem Rade laufen) womit die Weibsleute das grüne Futter nach Haus schaffen, schon um 7 Uhr Morgens. Der Wirth war mit den übrigen Ackersleuten den ganzen Tag mit der Bestellung seiner Äcker zur Saat beschäfftiget, nur einige alte 80 jährige Männer kamen Nachmittags zur Weinschenke, die mir genau auf alles antworteten, was ich sie ihres Orts halber fragte. Dabey tranken sie ihren Wein, den sie durch ein eben so rastloses Arbeiten in ihrem vergangenen Leben besser verdienten, als der faule Schlemmer an fürstlichen Tafeln.
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Der Ort Hopferstatt liegt gegen Mittag von Ochsenfurt ungefähr eine starke halbe| Meile. Er ist umgeben mit einem Wall, der mit wildem Gesträuche und meistens dergleichen Bäumen besetzt ist. Der Ort ist groß und freundlich. Mitten in demselben steht die Kirche, die einen geräumigen, aber dem Schein nach, nicht hinlänglichen Hof hat, den bestimmten Begräbniß-Ort der Gemeine, welcher mit einer hohen Ringmauer, dem Überbleibsel eines alten Schlosses, umgeben ist: hart daran stößt das artige Pfarrhaus, dem gegen über ist das Schulhaus. Die Hauptstraße durch, und ausser dem Dorfe ist sehr breit, aber bey anhaltenden feuchten Wetter auch sehr morastig; die Nebenwege im Dorfe sind zum bequemern Fortkommen der Fußgänger schlecht gepflastert. Ohnweit der Kirche steht in einem geräumigen mit Bäumen besetzten Graßgarten das Rathhaus, das ehemahlige herrschaftliche Haus, an dem das Wappen des jetzt regierenden Herrn Probsten, des Freyherrn von Sickingen, angemahlt ist. Gegen über steht eine ausserordentlich große, von Steinen aufgeführte, mit 3 Thoren versehene Zehendscheuer, von der die meisten Bauern versicherten, daß sie selten zulange, wenn der Zehend gesammelt würde. Das ganze Dorf ist mit 2 Thoren versehen, an deren obern steinerne Wappen| der vorigen Herren Pröbste von Neu-Münster eingemauert sind. Ich traf zwar keine numerirte Häuser daselbst an, wie man es im übrigen Franken seit einigen Jahren gewohnt ist: man gab mir aber 200 Gebäude an, darunter 102 Wohnhäuser und 98 Scheunen begriffen sind. Die Bauart der Häuser ist sehr verschieden; man trifft große und schöne, aber auch enge und schlechte Wohnungen darin an. Im geräumigen Hofe, dem Platz des Düngers, davon aber die Lake alle auf die Gasse lauft und unbrauchbar wird, und im doppelten Stalle kommen sie alle mit einander überein. Beynahe jedes Haus hat 2 Gärten, die meistens mit Obst, besonders Zwetschgenbäumen besetzt sind. Die Sommergärten sind mit Bienen bestellt, die man noch nach der alten Art wartet. Man zählt deren 120 Stöcke. Nach der Versicherung des Pfarrers, des glücklichsten unter allen, weil er sich mit gar keiner bäurischen Ökonomie abzugeben hat, und bloß seinem Amte leben kann, zählt der Ort nach der Conscriptionstabelle, welche man dem jetzt regierenden Fürsten Franz Ludwig zu verdanken hat, 532 Seelen, unter welchen 64 Bauern, 8 Bedienstige, 2 Gastwirthe, 15 Handwerksleute, 18 Taglöhner, 100 Weiber| 116 Söhne, 151 Töchter, 17 Knechte, 41 Mägde, begriffen sind.

Fast alle Inwohner des Orts nehmen ihre Nahrung ganz von ihrem Feldbau und der Viehzucht, manche bestellen 60 Morgen, die meisten 30–40, und wenige 16–18 Morgen flürlich. Die Anzahl des Rindviehes belauft sich auf 379 Stücke; darunter sind 220 Kühe, 40 Jährlinge, und 64 paar Ochsen, womit der Bauer sein Feld bestellt; nur die größten Bauern ackern mit Pferden, deren 15 gegen die Anzahl Ochsen sehr wenig sind. Die an die Metzger verkauften Kälber tragen dem Ort ein schönes Stück Geld ein, davon eines um 5–8 fl. verkauft wird. Das Hornvieh ist von guter Art geworden, nachdem man von der Wirzburger Schweizerey ganze Ochsen aufgezogen hat.

Die Schäferey, welche den Bauern gehört, die ihren eigenen Schäfer darauf halten, der allein mit seinem Knecht 130–150 Stücke als einen Theil seines Lohns halten darf, zählt mit Inbegriff dieser, über 500 Schaafe, die sich auf dem Brachfeld nähren, das sie dabey düngen. Von der Wolle kleidet sich Weib und Kind beynahe ganz, zu den übrigen Kleidungsstücken verarbeitet man einen Theil des Flachses, davon eine große| Quantität jährlich an Auswärtige verkauft wird. Bey guten Jahren erndet man 140 Schober davon.

Zur Fütterung des Hornviehes werden im Sommer die Reine oder Anwände der Korn- und Waizenfelder, auch ganz dazu mit gemischter Frucht (Gemäsch) besäete Morgen abgegraset: nur nach der Ernde wird das Vieh bis Martini auf die Stoppeln getrieben. Zur Winterfütterung geben 236 Morgen Wiesen das Heu. Eine unerhörte Menge Rangers (Burgunder Rüben) Stoppel- und Brachrüben, welche man auf dem Felde in Gruben gräbt, darin sie sich bis zum Frühjahr halten, hilft dem Bauern sein Getraid ersparen, das man anderswo zur Fütterung braucht. Daß der Bauer seinen Tisch nicht mit lauter Mehlspeisen, wie der in Schwaben, besetzt, kann man aus der Anzahl von 237 Schweinen abnehmen, die, mit den schlechtesten Erbsen wohl gemästet, der Bäuerin gut zu statten kommen, die sich mit dem Fett dieser Thiere in ihrer Küche behilft, um ihre Butter in die Städte verkaufen zu können, wohin das Pfund um 10–12, selten über 15 Kreuzer abgesetzt wird. Viele Bäuerinnnen nehmen in einem Sommermonat 6–8 fl. dafür ein.

| Die Morgenzahl des Ackerfelds auf der ganzen Markung kann ihrer unrichtigen Messung halber eben nicht genau bestimmt werden, der Tradition nach soll sie sich über 3600 Morgen belaufen. Der Zehend, welchen der Ort von den zehendbaren Gütern an den regierenden Herrn Probsten und das Stift Neumünster in Wirzburg, abreicht, belauft sich auf 400, 500, 550 Malter, die der Herr Probst mit seinem Capitel theilet. Auf den zehendfreyen Gütern liegt eine jährliche Gült, die an Stifter, Klöster, Spitäler, Pfarreyen etc. abgereicht werden muß. Die Summe derselben macht zum wenigsten 600 Malter von unterschiedlichen Früchten aus. Die allerschlechtesten, an Hügeln gelegenen Äcker, die auf 30 Morgen geschätzt sind, änderte der fleissige Bauersmann in Weinberge um, davon er bey guten Jahren einen trinkbaren Most bekommt, der, mit Wasser vermischt, den Dreschern gemeiniglich zum Frühstücke gereicht wird.
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An Holz leidet aber der dortige Bauersmann völligen Mangel; da ist auf der ganzen, eine Stunde langen, und beynahe eben so breiten Markung kein Baum, viel weniger ein Wald: es soll sogar ein Dorfgesetz seyn, das dem Bauern das Pflanzen der Bäume auf seinem eigenen Gute untersagt. Nur auf den| Wiesen trifft man einige Weiden und Erlen an. Demungeachtet braucht der reichste Bürger zur Feuerung nicht mehr, als 3 Klafter Weichholz, das aus dem Stalldorfer Wald, das Klafter zu 6–7 Gulden, 4 Stunden weit hergehohlet werden muß, und davon das meiste zum Backen verbraucht wird. Die Stube zu heizen bedient man sich gemeiniglich des Erbsenstrohes, worauf einige Stecken Holz gelegt werden, wenn die Wärme anhaltend seyn soll. Ärmere Leute bedienen sich des Schilfs in den Bächen, schlechterer Materialien von Wurzeln der über Winter stehen gebliebenen und getrockneten Pflanzen etc.
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Das übrige Getraid, Waizen, Korn, Haber etc. wird an die Kornhändler zu Ochsenfurt abgesetzt; die Käufer sind meistentheils Schiffleute von Wirzburg, Marktbreit, Steft Goßmannsdorf. Diese bestimmen den Preis auf dem Kornmarkt, der alle Diensttage daselbst gehalten wird, und wohin sich die benachbarten Bauern mit ihrer Fruchtprobe begeben. Nach Ochsenfurter Maaß wird 2 oder 3 Tage nach dem Markt abgewehrt; der Bauer muß mit seinem Anspann das verkaufte Getraid dahin liefern, dafür empfängt er aber sogleich sein baares Geld. Ungeachtet der schlechten Wege dahin beschweren sich die der harten| Arbeit gewohnten Bauersleute keineswegs, aber die Vorbeyreisenden desto mehr, weil sie gemeiniglich stecken bleiben, oder theure Vorspann brauchen. Am gewöhnlichsten wird nach Martinstag verkauft, dem Zeitpunct, wo die meisten ausgedroschen haben; doch währt der Markt das ganze Jahr. 100–200 fl. tragen die Bauern gewöhnlich vom Markt zurück. Bey hohem Preise geschieht es, daß einige, welche 6–8 Fuhren dahin geliefert haben, mit 1000 fl. zurück kommen.
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Wenn die Saat und das Dreschen vorüber ist, hört für die Mannsleute für den Winter beynahe alle Arbeit auf. Bauern und Knechte ruhen da aus. Die wenige Arbeit, welche sie zu verrichten haben, besteht im Holzspalten, Garnhaspeln, Verfertigen der Strohseiler und Körbe aus Stroh. Viele geben sich mit Weben ab, auch manche mit Spinnen und Strumpfstricken. Die Weibsleute sind desto fleißiger mit Spinnen, nachdem sie den Flachs zubereitet haben; sie halten gewöhnlich bis nach Mitternacht mit Spinnen an, zu dem sie früh 5 oder 6 Uhr gewiß wieder greifen. 12–14 Stücke Tuch, welche zusammen 5–600 Ellen halten, bleichet man gemeiniglich auf jedem Hofe im Frühling. Davon bekommen Knechte und Mägde 10–15 Ellen zum| eingedungenen Lohn, der bey den Knechten auf 24 Fränkische Gulden, bey der Magd aber auf 12–14 fl. steigt, je nachdem die Arbeit ist, die sie zu verrichten haben. Ein Hausvater mit vielen Kindern schämt sich nicht, einige derselben, die er gerathen kann, seinem Nachbar als Mägde zu verdingen; Töchter, 800–1000 fl. reich, dienen als Mägde; eben so die Söhne. Nur an harte, anhaltende Arbeit von Jugend auf gewohnte Menschen sind der fürchterlichen Arbeit im Gau fähig: selten thut ein entfernter Dienstbote in demselben gut. Der vielen und beschwerlichen Arbeit halber, die mehrere Menschen erfordert, gibt der Bauersmann sehr spät seine erwachsene, arbeitsfähige Tochter an einen Mann, die meisten werden 30jährig und darüber, bis sie ans Heyrathen denken dürfen. Sie bekommen meistens 1000, manche 4–5000 Gulden Heyrathsgut. Die rastlose Arbeit schützt das von heyrathsfähigen Leuten beyderley Geschlechts volle Dorf vor Ausschweifungen, Schwängerungen etc. Man hält so strenge auf weibliche Eingezogenheit, daß man von Seiten der geistlichen Obrigkeit verdächtige Personen aus ihrem Platz in der Kirche, der einem jeden nach seinem Alter angewiesen ist, verstößt, den Verunglückten bey den Auskündigungen| den Ehrsamen-Titel, der Braut aber den gewöhnlichen Kranz versagt, beyde aber um 10 fl. straft, 5 fl. für jeden Theil. Selbst das gemeine Volk zeigt durch Verfolgung, öffentliche Schande, die den Verdächtigen angethan wird, seinen Haß wider die geringste Sünde gegen die Erbarkeit. Wiederhohlt Gefallene, deren man aber seltene Beyspiele in einem Jahrhunderte aufweisen kann, werden mit öffentlicher Schandstrafe belegt; an den meisten Gauörtern geht man hierin gar so weit, daß jedes schwangere Mädchen, wenn es noch so reich ist, ihr Dorf auf 3 Jahre meiden muß.

Von Diebstählen hört man sehr wenig. Wird einer auf der That ertappt, so bekommt er seine tüchtige Tracht Schläge, die bessere Wirkung thun, als Geldbuße, Fußeisen, und Kerker. Gemeiniglich werden fremde Diebe von der Bürgerschaft so abgefertiget, weil sie keine fremde Centgerechtsamkeit erkennen, welche dem Herrn Probsten allein zukommt; zum wenigsten zahlte der Ort bis daher nichts an Centkosten. Er nahm auch niemahls ein Aufgebot von irgend einer Cent an.

Ganz zugethan mit Leib und Seele ist aber dieß Volk seiner Obrigkeit, dem regierenden Herrn Probsten, und dem von ihm bestellten| Unterprobsten, einem Capitels-Herrn aus dem Stift Neumünster zu Wirzburg, der des Orts Richter ist. Alle Streitigkeiten, Klagen, Processe, Bitten etc. gelangen an diesen, als die erste Instanz, der im Namen des Herrn Probsten Recht spricht, Gelder, Gefälle, Handlohn (5 vom hundert) Zins, und Steuer (10 vom hundert) einnimmt und verrechnet, und der salva appellatione an die Landesregierung, unumschränkte Gewalt über die Probsteyischen Unterthanen daselbst hat, die in allen Stücken sehr gelind regiert und menschlich behandelt werden. Der jetzt regierende Herr schenkte gleich beym Antritt seiner Regierung seinen Unterthanen die sonst gewöhnliche 4-500 fl. kostende Huldigung, er hob die entfernten Frohndienste, die sie im Herbst am Main und an der Tauber zu leisten hatten, auf, und dergleichen mehr, wodurch er alle Gemüther vest an sich zog.

Von dem alten Zustande des Dorfs weiß man gar nichts mehr, es ist sonst keine Tradition vorhanden, als diese: Alle alte Urkunden sollen bey dem Schwedenkrieg in das Archiv des Stifts Neumünster geflüchtet worden seyn, von woher sie nicht mehr zurück gekommen sind.

| Eine Stunde entfernt von der Anspacher Landstraße, die von Uffenheim auf Ochsenfurt führt, liegt dieser Ort. Von der Pyramide, dem schönen Monument von der Sorgfalt des jetzigen Herrn Marggrafen von Anspach für sein Land, welche eine Stunde vor Ochsenfurt mitten auf der Landstraße steht, übersieht man einen großen Theil der Hopferstatter Flur: selbst das Dorf ist von dort aus kenntlich.

Auf der Pyramide liest man folgende Inschrift:

Monumentum in vias has regias, ab optimo Principe et Dom. Domino Christiano, Friderico, Carolo, Alexandro Marchione Brandenburgico. non tributo subditorum, sed propria pecunia exstructas ab anno MDCCLX, usque ad annum MDCCLXXIII.

Auf den andern beyden Seiten sind die Ruthen und Meilen auf Ochsenfurt, Sommerhausen, Wirzburg, Uffenheim, Gollachostheim etc. angezeigt.