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Titel: Gedenkblatt für Georg Büchner
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aus: Die Gartenlaube, Heft 11, S. 179–181
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1875
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Gedenkblatt für Georg Büchner.

„Der Mörder Tod schlich nächtlich sich in’s Haus,
Der rohe Knecht zerbrach die zarte Schale
Und goß den hellen Geist als Opfer aus.“
Georg Herwegh an Georg Büchner. 1841.

Es war eine warme helle Sommernacht – die Nacht vom 1. auf den 2. August des Jahres 1834. Glänzend blinkten die Sterne von der Mitte des Himmels herab, während am fernen Horizonte ein beständiges Blitzen leuchtete. Wer sich in jener Nacht auf der Landstraße befand, welche von Frankfurt a. M. nach der Universitätsstadt Gießen führt, der hätte einem Fußreisenden eigner Art begegnen können. Ein Schnürrock mit breiter Brust und hohem Kragen, wie ihn damals die deutschen Studenten zu tragen pflegten, umhüllte eine schlanke, jugendliche Gestalt; der breit herausgelegte Hemdkragen ließ den obersten Theil der Brust offen, welche weiter abwärts durch die stehende, mit einer dichten Reihe von Knöpfen gehaltene Weste bedeckt wurde. Das offene, feine Gesicht mit breiter Stirn und lebendigem Auge, von üppigen dunkelblonden Locken eingerahmt, war lebhaft geröthet von der Eile, mit welcher der Wanderer seine Schritte beschleunigte. Galt es demselben doch darum, in jener Zeit, wo es noch keine Eisenbahnen und Telegraphen gab, die politischen Freunde in Frankfurt und Offenbach vor einer großen sie bedrohenden Gefahr rechtzeitig zu warnen und die Entdeckung einer geheimen zu revolutionären Zwecken in Offenbach errichteten Druckerei unmöglich zu machen! Auf dieser geheimen Presse war der im Juli 1834 erschienene „Hessische Landbote“ gedruckt worden – vielleicht die revolutionärste aller politischen Flugschriften, die je geschrieben worden sind, welche das bezeichnende Motto trug: „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ und welche bestimmt war, das hessische Volk, insbesondere das Landvolk, für die Zwecke der revolutionären Propaganda in Hessen zu bearbeiten. Ihren Mittelpunkt hatte diese Propaganda in dem hessischen Städtchen Butzbach, und ihr Oberhaupt war der bekannte Pfarrer F. L. Weidig, dessen tragisches Schicksal erst vor wenigen Wochen in diesen Blättern einen so vortrefflichen Darsteller gefunden hat. Der Verfasser des Hessischen Landboten aber war derselbe junge Mann, dem wir auf seiner nächtlichen Wanderung von Gießen nach Butzbach, Frankfurt und Offenbach begegnet sind, und der bald nach diesem Ereigniß seinen Namen im deutschen Vaterlande durch seine dichterische Thätigkeit weit bekannter machte, als durch seine politische – es war Georg Büchner, der geniale Verfasser von „Danton’s Tod“, „Leonce und Lena“, „Lenz“ etc., dessen Andenken bekanntlich Georg Herwegh eines seiner schönsten Gedichte gewidmet hat, und der (geboren am großen Leipziger Schlachttage in Goddelau bei Darmstadt) in einem Alter von nur dreiundzwanzigundeinhalb Jahren als Lehrer der Philosophie und der physiologischen Naturwissenschaften an der Universität Zürich am Typhus oder Nervenfieber starb.

Veranlaßt aber war jene Fußwanderung in der Nacht vom 1. zum 2. August dadurch, daß eine halbe Stunde vor Beginn derselben, am Abend des 1. August, Stud. jur. Karl Minnigerode (er lebt jetzt als Prediger der Episcopal-Kirche in Richmond in Amerika) eine größere Anzahl von Exemplaren des „Hessischen Landboten“ zu Wagen in Gießen einzuschmuggeln versucht hatte und dabei in Folge einer an das Ministerium in Darmstadt gelangten Denunciation an einem Thore Gießens verhaftet worden war. Der Zweck von Büchner’s Reise wurde erreicht; aber während seiner Abwesenheit von Gießen ließ der Untersuchungsrichter, welcher Verdacht gegen ihn geschöpft haben mußte, seine Papiere durchsuchen. Man witterte namentlich eine Verbindung mit den revolutionären Elementen in Frankreich, da Büchner von 1831 bis 1833 in Straßburg studirt hatte, während einer durch die Nachwirkungen der Pariser Juli-Revolution politisch sehr aufgeregten Zeit. Glücklicherweise fand man damals nichts Gravirendes, und es gelang ihm im folgenden Frühjahr (1835), sich der ihm später drohenden Verhaftung von Darmstadt aus durch die Flucht nach Straßburg zu entziehen, nachdem er noch sein Drama „Danton’s Tod“ an Gutzkow nach Frankfurt am Main geschickt und bei demselben eine begeisterte Aufnahme gefunden hatte.

Die „Gesellschaft der Menschenrechte“, welche er nach dem Muster der gleichnamigen, schon früher von ihm gestifteten Gießner Gesellschaft im Frühjahr 1834 in Darmstadt gegründet und für welche er eine „Erklärung der Menschenrechte“ geschrieben hatte, löste sich bald nach seiner Flucht auf. Das einsame Gartenhäuschen, in welchem die meist aus jungen Bürgerssöhnen bestehende Gesellschaft ihre heimlichen Zusammenkünfte hielt, steht noch an der sogenannten Dieburger Landstraße, wird aber wohl bald dem vordringenden Häusermeer als Opfer fallen. Wie Wenige unter den Tausenden, welche an schönen Sommertagen diese Straße hinaus nach den herrlichen Buchenwäldern des Kranichsteiner Parks ziehen, mögen dem alten, halbverfallenen Häuschen einen andern als leicht vorbeistreifenden Blick geschenkt und sich Derer erinnert haben, die einst hier in jugendlicher Begeisterung für deutsche Freiheit schwärmten und später so schwer dafür büßen mußten!

Sie waren wohl Alle mehr oder weniger dem dominirenden[WS 1] Einfluß Büchner’s gefolgt. „Allen von uns,“ sagte später einer seiner Mitschuldigen, der inzwischen in Amerika gestorbene August Becker, vor dem Untersuchungsrichter aus, „imponirte er, ohne daß wir es vielleicht uns selber gestehen mochten, sowohl durch die Neuheit seiner Ideen, wie durch den Scharfsinn, mit welchem er sie vortrug. Wenn er sprach und seine Stimme [180] sich erhob, dann glänzte sein Auge wie die Wahrheit. Ich habe die von ihm verfaßte Flugschrift abgeschrieben. Was hätte ich nicht für ihn gethan! Wovon hätte er mich nicht überzeugt?!“

Als Politiker war Büchner, der auf die öffentliche Tugend der sogenannten ehrbaren Bürger nicht viel hielt und glaubte, daß man sich mehr an die niederen Volksclassen halten müsse, seiner Zeit bereits so weit voraus geeilt, daß er damals schon die sociale Frage für weit wichtiger erklärte, als die politische. Ist doch auch der „Hessische Landbote“ ebensowohl eine Predigt für die Armen und gegen die Reichen, wie eine revolutionäre Flugschrift.

Diese Ansichten brachten Büchner in einen entschiedenen Gegensatz zu seinem Freunde und Gesinnungsgenossen Weidig, der, wie man kaum denken sollte, trotz seiner revolutionären Richtung noch einen Wahlcensus für nöthig hielt und der Ansicht war, daß aus dem allgemeinen Stimmrechte eine Pöbelherrschaft hervorgehen werde. Büchner dagegen meinte, in einer gerechten Republik, wie in den meisten nordamerikanischen Staaten, müßte Jeder ohne Rücksicht auf Vermögensverhältnisse eine Stimme haben – eine Ansicht, die bekanntlich heutzutage auch ohne Revolution zur allgemein herrschenden geworden ist.

Die damalige Zeit konnte Büchner’s Ansichten selbstverständlich nicht gerecht werden, und als der radicale Pamphletist erfuhr, daß die Bauern die meisten der ihnen zugestellten Flugschriften auf der Polizei abgeliefert hatten und daß sich selbst die Patrioten gegen seine Arbeit aussprachen, scheint er die Freude an politischer Thätigkeit mehr und mehr verloren zu haben. Er wandte sich nun mit ganzer Seele seinem eigentlichen Berufe, dem des Dichters, zu.

Freilich war auch hier der erste Gegenstand, den er ergriff, ein eminent politischer und durch das Studium der ersten französischen Revolution ihm zugeführter. Jener gewaltige Moment, in welchem die beiden hervorragendsten Gestalten dieser Revolution, Danton und Robespierre, gegen einander prallen mußten, weil für zwei solcher Männer nicht Raum genug war, ist von Büchner herausgegriffen und mit echt dramatischer Kraft zu einem tragischen Gemälde umgeschaffen worden, das fast auf jeder Seite in Sprache, Haltung und raschem Gang der Handlung an den großen Meister des Dramas, an Shakespearee, erinnert.

Shakespeare war Büchner’s Meister und Lieblingsdichter, dem er nachstrebte, und zwar mit solchem Erfolge, daß in ihm, wenn er am Leben geblieben wäre, Deutschland vielleicht seinen nationalen Shakespeare gefunden haben würde. „Die Kritik,“ so schrieb Karl Gutzkow in seinem „Phönix“ vom 11. Juli 1835, indem er das Erscheinen von „Danton’s Tod“ anzeigte, „ist immer verlegen, wenn sie an die Werke des Genie’s herantritt; sie kann hier nicht mehr sein, als der Kammerdiener, der die Thür des Salon’s öffnet und in die versammelte Menge laut des Eintretenden Namen hineinruft; das Uebrige wird das Genie selbst vollbringen“ – und schloß seine Besprechung mit den Worten: „Ich bin stolz darauf, der Erste gewesen zu sein, der im literarischen Verkehr und Gespräch den Namen Georg Büchner genannt hat.“

„Danton’s Tod“ entstand im Winter 1834 auf 1835 in Darmstadt, während sich Büchner auf Wunsch seines Vaters mit einer kurzen Unterbrechung seiner Studien im elterlichen Hause aufhielt und anatomische Vorlesungen für einige junge Leute, die sich auf das Studium der Chirurgie vorbereiteten, hielt. Unter den anatomischen Tafeln und Schriften zog er furchtsam die Papierbogen hervor, auf welche er seine Gedanken mit Hast und Unruhe niederwarf. Diese Hast und Unruhe erklären sich daraus, daß inzwischen die politische Untersuchung Büchner immer näher gerückt war, und daß man in ihm den Verfasser des „Hessischen Landboten“ zu vermuthen anfing. Die Straße, in welcher das Büchner’sche Haus stand, war Tag und Nacht von Polizisten bewacht; daher die Aeußerung Büchner’s in einem späteren Briefe an Gutzkow, daß für „Danton“ „die Darmstädtischen Polizeidiener seine Muse gewesen“ seien. Das Buchhändlerhonorar für sein Drama sollte ihm die nöthigen Geldmittel für die geplante Flucht nach Straßburg liefern, aber noch ehe dasselbe in Darmstadt ankam, hatte er sich veranlaßt gesehen, abzureisen. Ein Steckbrief folgte ihm auf der Ferse.

Das Drama erschien bei Sauerländer in Frankfurt a. M. und machte sofort Aufsehen, obgleich sich Gutzkow wegen der damals noch bestehenden Censurverhältnisse genöthigt gesehen hatte, dasselbe arg zu verstümmeln, und obgleich sich eine Anzahl abscheulicher Druckfehler eingeschlichen hatte. „Lange zweideutige Dialoge in den Volksscenen, die von Witz und Gedankenfülle sprudelten,“ schreibt Gutzkow in seiner Biographie und Charakteristik Georg Büchner’s, „mußten zurückbleiben. Die Spitzen der Wortspiele mußten abgestumpft oder krumm gebogen werden. Der echte Danton von Büchner ist nicht erschienen.“

Dieser echte Danton ist in den 1850 bei Sauerländer in Frankfurt a. M. erschienenen „Nachgelassenen Schriften von Georg Büchner“ mit Hülfe des schon unleserlichen Manuscripts soweit als möglich wieder hergestellt worden. Dagegen konnte leider aus gleichem Grunde nicht das Nämliche geschehen mit einem in dem Nachlasse vorgefundenen, mit sehr blasser Tinte geschriebenen bürgerlichen Trauerspiele, von dem sich nur einzelne zusammenhanglose Scenen entziffern ließen. Um so besser gelang dies mit dem von Geist, Witz und übermüthiger Laune sprudelnden, die Verhältnisse eines kleinen Hofes persiflirenden, romantischen Lustspiele „Leonce und Lena“. Dasselbe ist in der Sammlung vollständig abgedruckt, nachdem es vorher nur bruchstückweise erschienen war.

Das dritte Stück dieser Ausgabe, die Novelle „Lenz“, welche die Lebensgeschichte des unglücklichen Dichters aus der Sturm- und Drangperiode, des Jugendfreundes Goethe’s, behandelt, ist leider Fragment geblieben. Aber auch als Fragment ist sie höchst charakteristisch für die innere Entwickelung des Dichters, welcher sich schon damals, wo die romantische Richtung noch vorherrschend war, ganz und gar auf die Seite der realistischen Dichtung stellte und der Meinung war, daß die Kunst nur der Geschichte und Natur dienen, nicht aber sie meistern dürfe. In einem seiner Briefe macht er sich über die Idealdichter lustig, welche nach seiner Meinung „fast nichts als Marionetten mit himmelblauen Nasen und affectirtem Pathos, aber nicht Menschen von Fleisch und Blut gegeben haben, deren Leid und Freude mich mitempfinden macht, und deren Thun und Handeln mir Abscheu oder Bewunderung einflößt.“

Das Fragment „Lenz“ erschien zuerst in Gutzkows „Telegraph“ und wurde von dem Herausgeber mit den Worten eingeleitet: „Diese Probe von Büchner’s Genie wird auf’s Neue beweisen, was wir mit seinem Tode an ihm verloren haben. Welche Naturschilderungen, welche Seelenmalerei! Wie weiß der Dichter die feinsten Nervenzustände eines, im Poetischen wenigstens, ihm verwandten Gemüthes zu belauschen! Da ist Alles mitempfunden, aller Seelenschmerz mitdurchdrungen; wir müssen erstaunen über eine solche Anatomie der Lebens- und Gemüthsstörung. G. Büchner offenbart in dieser Reliquie eine reproductive Phantasie, wie uns eine solche selbst bei Jean Paul nicht so rein, durchsichtig und wahr entgegentritt.“

Auch in der eifrig von ihm studirten Philosophie war G. Büchner entschiedener Realist. In seinem nicht gedruckten Nachlasse findet sich nicht nur eine mit großer Gründlichkeit geschriebene Geschichte und Darstellung der philosophischen Systeme von Cartesius und Spinoza, sondern auch eine ganz ausgearbeitete Geschichte der älteren griechischen Philosophie. Ueber diese Arbeiten sagt er in einem seiner Briefe aus Straßburg: „Ich habe mich jetzt ganz auf das Studium der Naturwissenschaften und der Philosophie gelegt und werde in Kurzem nach Zürich gehen, um in meiner Eigenschaft als überflüssiges Mitglied der Gesellschaft meinen Mitmenschen Vorlesungen über etwas ebenfalls höchst Ueberflüssiges, nämlich über die philosophischen Systeme der Deutschen seit Cartesius und Spinoza, zu halten – man braucht einmal zu vielerlei Dingen unter der Sonne Muth, sogar, um Privatdocent der Philosophie zu sein.“ An Gutzkow schrieb er über seine philosophischen Studien: „Ich werde ganz dumm in dem Studium der Philosophie; ich lerne die Armseligkeit des menschlichen Geistes wieder von einer neuen Seite kennen.“

Deutscher Patriot blieb G. Büchner trotz seiner bitteren Erfahrungen auch im Exil. Er unterstützte die Anstrengungen der beiden Brüder Adolf und August Stöber auf Erhaltung deutscher Sprache und deutschen Wesens im Elsaß und schreibt an Gutzkow: „Es wäre traurig, wenn das Münster einmal ganz auf fremdem Boden stünde.“

So vielfache geistige Anstrengungen, zu denen sich noch die [181] Ausarbeitung einer vergleichend anatomischen Arbeit über das Nervensystem der Fische behufs Erlangung des Doktorhuts und der venia legendi an der Universität Zürich gesellte, mußten selbstverständlich aufreibend auf Körper und Geist unseres Dichters wirken, und es scheint fast, als ob er sein nahes Ende und sogar die Art der Krankheit, an der er sterben sollte, vorausgefühlt hätte. Wenigstens schreibt er an seine Braut: „Könnte ich dieses kalte und gemarterte Herz an Deine Brust legen! – Meine geistigen Kräfte sind gänzlich zerrüttet“ etc.

Am 21. Februar des Jahres 1837 wurde Georg Büchner zu Zürich beerdigt. Am 15. Februar desselben Jahres hatte man Ludwig Börne, seinen großen Gesinnungs- und Leidensgenosen, in Paris zu Grabe gebracht. Zwei Tage nach Büchner’s Beerdigung, am 23. Februar, erlitt sein Mitkämpfer, Pfarrer Weidig, in einem Darmstädter Kerker seinen schauervollen und immer noch in die Geheimnisse eines fürchterlichen Augenblicks begrabenen Tod. Keiner von den Dreien sollte die Wonne haben, die Zeit zu sehen, an deren Herbeiführung sie die Kräfte ihres Lebens gesetzt hatten; aber freilich wurde ihnen auch manche Art der Täuschung dabei erspart!

 – Es bricht die müde Brust in Staub,
Und mit ihr wieder eine Freiheitsstütze!
Auf’s stille Herz fällt die gelähmte Hand,
Daß sie im Tod noch vor der Welt es schütze!
Und die so reich vor seinem Geiste stand,
Er darf die Zukunft nicht zur Blüthe treiben,
Und seine Träume müssen Träume bleiben;
Ein unvollendet Lied singt er in’s Grab,
Der Verse schönsten nimmt er mit hinab –“

so singt G. Herwegh in seinem berühmten Gedichte an Büchner und spielt mit den letzten Worten auf den Umstand an, daß höchst wahrscheinlich ein oder zwei ungedruckte Dramen Büchner’s aus seinem Nachlasse verloren gegangen sind. Wenigstens erwähnt der Dichter dieser Dramen in seinen Briefen mehrfach; während der Fieberdelirien seiner Krankheit soll er sich vergebens angestrengt haben, von Etwas Mittheilung zu machen, das ihm Sorge zu machen schien. Der Tod schloß seine Lippen, und in seinem Nachlasse konnte außer dem bereits Angeführten und einigen Jugendarbeiten Weiteres nicht aufgefunden werden. Sein Grab in Zürich schmückt ein einfacher Stein, den seine Geschwister ihm setzen ließen, doch soll, wie man hört, der mitten in der Stadt gelegene Kirchhof demnächst cassirt werden, in welchem Falle die Familie des Hingeschiedenen wohl eine Uebertragung der Leiche nach Darmstadt bewerkstelligen wird.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: demd ominirenden