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Textdaten
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Autor: Unbekannt
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Titel: Friedrich Hofmann †
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aus: Die Gartenlaube, Heft 35, S. 595–596
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Todesnachricht von Friedrich Hofmann
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[595] Friedrich Hofmann †. Wiederum dringt zu uns aus dem Thüringerlande eine schmerzliche Trauerbotschaft: der älteste Veteran der „Gartenlaube“ Friedrich Hofmann ist am 14. August in dem Badeorte Ilmenau im Kreise seiner Lieben sanft entschlafen.

Siebenunbzwanzig Jahre hat er rastlos für unser Blatt gewirkt, und wie verdienstvoll seine Thätigkeit gewesen, das ist unserem weiten Leserkreise wohlbekannt. Vor zwei Jahren, als der nun Heimgegangene, damals schon in dem hohen Alter von 73 Jahren stehend, sich von der regelmäßigen Thätigkeit in unserer Redaktion zurückzog, um die wohlverdiente Ruhe zu genießen, haben wir unseren Lesern eine ausführliche Biographie Friedrich Hofmanns mitgeteilt und ihm öffentlich gedankt für die aufopferungsvolle Treue, mit der er unserem Blatte gedient. An dem erhebenden Lebensbilde, welches wir damals entrollen konnten, vermochten die zwei letzten Jahre nichts zu ändern: Friedrich Hofmann ist bis zum letzten Atemzuge der „Alte“ geblieben, der stets nach seinem Grundsatze handelte: „Nur das Schaffen macht Freude und aller Freuden freudigste ist das Bauen am Glück anderer.“

Stets folgte er dem Zuge des Herzens und konnte nicht leben ohne wohlzuthun. Er selbst konnte nicht mit offenen Händen geben, aber er fand stets das richtige Wort, um die Hände der mit Lebensgütern reicher Gesegneten zu öffnen. Dabei war er ein eigenartiger Wohltäter. Nicht allein materielle Hilfe wollte er denjenigen bringen, welche hart ringen mit der Lebensnoth, sondern er war auch unermüdlich darauf bedacht, dort, wo es nöthig war, „den Herzensfrieden zu stiften“. Er hatte seine Unglücklichen, die sonst in der Welt vergessen waren, und für die zu sorgen er sich verpflichtet fühlte. So war er jahrelang bestrebt, Verschollene aufzufinden und die verlorenen Söhne in den Schoß der Familie zurückzubringen. Wie viele er dadurch beglückt hat, davon zeugen seine oft rührenden Berichte über die „Gefundenen“ in der „Gartenlaube“.

„Das ist der höchste Lohn für unser Wirken, wenn wir erfahren, daß es uns gelungen ist, in ein düsteres Heim einen Sonnenstrahl bringen zu lassen,“ so sagte er, wenn Dankbriefe für irgend ein von ihm unternommenes Liebeswerk ankamen und er hatte diesen Lohn in hohem Maße geerntet, denn die von ihm gesammelten Liebesgaben wanderten in alle Gaue Deutschlands.

Was Friedrich Hofmann als Schriftsteller und Dichter geschaffen, das wird nicht verloren gehen und nicht vergessen werden; daß er aber monatelang im Jahre in aller Stille an den Werken reiner Nächstenliebe arbeitete, das ist nicht einmal allen denjenigen bekannt, die durch ihn beglückt wurden – und in dem Lorbeerkranz, der auf das Grab des [596] Heimgegangenen niedergelegt wurde, ist gerade dieses edle selbstlose Wirken doch das ruhmreichste Blatt. Friedrich Hofmann war nicht, wie man zu sagen pflegt, ein guter Mensch, wie es deren viele im Leben giebt und die sich an wohlthätigen Werken betheiligen; ihm war die Wohlthätigkeit Lebenszweck und darum gebührt ihm ein ehrender Platz unter den Philanthropen der Neuzeit.

Friedrich Hofmann zählt zu den populärsten Dichtern und Schriftstellern Deutschlands und seinen Ruf verdankt er seiner patriotischen Gesinnung. „Die Feder taugt nichts, wenn sie nicht im Dienste einer höheren Idee steht“, so dachte er als Schriftsteller und die Einheit Deutschlands war auch für ihn das Ideal, für welches er litt und stritt. Sollen wir an seine Verdienste nach dieser Richtung hin erst erinnern? Fragt nur in Schleswig-Holstein, fragt in Siebenbürgen, fragt die Deutschen unter dem Sternenbanner jenseit des Oceans – dort überall kennt man ihn; denn in Zeiten schwerer Kämpfe trat er muthig ein für die „verlassenen Bruderstämme“ und suchte stets auch in weitester Ferne das Band nationaler Zusammengehörigkeit fester zu knüpfen.

Noch vor wenigen Wochen dachten wir, daß unser Veteran sich in den Thüringer Bergen unter der sorgsamen und liebevollen Pflege seiner Gattin und Kinder erholen werde. „Auf Wiedersehen! “ wie frisch und zuversichtlich klang noch der letzte Abschiedsgruß! Es ist anders gekommen.

Nun ruht er im Thüringerlande, das er so oft besungen, in so vielen Artikeln wahr und warm geschildert.

„Man lebt herrlich auf dem Thüringer Wald und ruhet wohl in der Thüringer Erde!“ Das war vom Herzen gesprochen, theurer Freund, und das Schicksal hat dir deinen Wunsch erfüllt. Dein „Thüringer Frühling“ wird jedes Jahr kommen und mit frischen Blumen deinen Grabhügel schmücken. Es wird aber noch Jahre lang auch eine andere Saat sprießen, blühen und goldene Früchte tragen, die herrliche Saat der guten Thaten, die du ausgestreut hast. Und dein Andeuten wird fortleben in den Herzen aller, die du beglückt hast, und in den Herzen der Freunde und Kameraden, die um dich trauern.
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