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Englisch-ostindische Gebirgs-Artillerie

Textdaten
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Titel: Englisch-ostindische Gebirgs-Artillerie
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 12, S. 166-167
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1857
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Englisch-ostindische Gebirgs-Artillerie.

Die Gartenlaube (1857) b 166.jpg

Kanonentransport auf Elephanten.

Es ist in den Berichten über den Krieg Englands mit Persien häufig, auch bereits in Nr. 6 der Gartenlaube („ein Stück Wegs in Persien“), auf die ungeheuern Terrainschwierigkeiten hingewiesen worden, die überwunden werden müßten, wenn die angreifende englische Armee in das Innere Persiens vordringen wollte, was doch unumgänglich nöthig sei, wenn der Schah sich nicht schon durch Drohungen bewegen ließe, die englischen Forderungen zu bewilligen. Dies letztere scheint nun zwar, nach Zeitungsnachrichten, der Fall zu sein, es bleibt aber nichts desto weniger von Interesse, zu wissen, welche Vorbereitungen und Anstalten man englischer Seits getroffen hatte, die wohlbekannten Schwierigkeiten überwinden zu können.

Dabei ist wohl zu berücksichtigen, daß die englisch-ostindische Armee schon oftmal in dem Fall gewesen ist, in ihren Kämpfen mit den Afghanen und sonst, Lebensmittel und Geschütz durch die schauerlichsten Gebirgsschluchten, durch dürre Wüsten und über pfadlose Felsen transportiren zu müssen, daß ihr solche Hindernisse in Persien also nicht zum ersten Male entgegentreten und daß sie Einrichtungen und Uebung besitzt, die es ihr im Verhältniß leicht machen, ihren Marsch in Gegenden fortzusetzen, welche für andere Armeen eine unübersteigliche Schranke sein würden.

Abgesehen davon, daß ein großer Theil der Truppen Eingeborne aus den Grenzländern Persiens und deshalb an das Klima, an die Lebensweise und an Wanderungen in Gebirgsgegenden gewöhnt sind, gibt es in der ostindischen Armee bereits seit längerer Zeit sogenannte Gebirgsartillerie und Transportmittel für dieselbe. Die beiden Abbildungen hier veranschaulichen dieselben.

Die erste zeigt uns eine Penschab-Batterie, die eben in den Stand gesetzt wird, in einen wilden Gebirgspaß einzurücken. Man [167] bedient sich dazu kräftiger wohlabgerichteter Elephanten. Drei dieser Riesenthiere sind erforderlich, um ein Geschütz zu transportiren, das nicht einmal ein sehr großes sein darf, nur etwa eine neunpfündige Kanone oder eine vierundzwanzigpfündige Haubitze. Einer der Elephanten trägt das Rohr des Geschützes, ein zweiter die Lafette, und ein dritter die für dieses eine Geschütz bestimmte Munition. Der Elephant legt sich nieder, wenn er beladen werden soll, und die das Geschütz bedienende Mannschaft ist mit den nöthigen Werkzeugen, Balken, Stangen, Flaschenzügen u. s. w. versehen, mit deren Hülfe das Geschützrohr und die Lafette auf den Rücken des Thieres gewunden wird, um da befestigt zu werden. Der Mohaut, der Führer des Elephanten – und jedes dieser Thiere muß einen solchen haben – commandirt die Bewegungen, die der riesige vierbeinige Lastträger zu machen hat. Das Beladen der Kanonen-Elephanten geht übrigens mit geübten Leuten so rasch, daß ein Geschütz in der kurzen Zeit von zehn Minuten auseinander genommen und auf zwei Elephanten gepackt werden kann. Ebenso rasch erfolgt das Abpacken und man kennt Beispiele, daß binnen zehn Minuten das Geschützrohr von dem einen Elephanten, die Lafette von dem andern genommen, das Rohr auf die Lafette gelegt, das Geschütz geladen, gerichtet und so zum Abfeuern bereit gemacht worden ist.

Sind die sämmtlichen Artillerie-Elephanten beladen und ist sonst alles zum Aufbruch fertig, so wird der Marsch über die steilste Höhe angetreten und die scheinbar so plumpen Kanonenträger bewegen sich mit großer Sicherheit und Klugheit auf den beschwerlichen Wegen hinter einander her.

Die Gartenlaube (1857) b 167.jpg

Eine Maulthier-Batterie auf dem Marsche.

Die zweite Abbildung zeigt uns eine ähnliche Batterie auf dem Marsche und zwar eine eigentliche Gebirgsbatterie, die eben von einem Gebirge herabsteigt. Es ist dies eine der Peschawur-Maulthier-Batterien, die man so nennt, weil bei ihr die kleinen Geschütze von Maulthieren getragen werden und zwar in ähnlicher Weise wie bei den andern von Elephanten. Ein Maulthier trägt das Rohr, ein zweites die Lafette, ein drittes die Munition. Jedes Thier wird von einem eingebornen Soldaten geführt und die das Geschütz bedienende Mannschaft marschirt hinterher. Englische Officiere, welche in der ostindischen Armen gedient und solche Batterien in Thätigkeit gesehen haben, versichern, eine solche von Maulthieren getragene Batterie könne in einer Minute schußfertig gemacht, in eben so kurzer Zeit wieder aufgepackt werden und weiter marschiren.

Es sind dies allerdings sehr schätzenswerthe Mittel zur Erleichterung des Geschütztransportes, aber sie nützen doch gar nichts, wenn eine solche Batterie auf dem Marsche in der Gebirgsschlucht selbst überfallen wird, wo kein Platz ist die Geschütze aufzustellen und zu gebrauchen. Und solche Ueberfälle wären z. B. in einem Kriege mit Persien zu fürchten gewesen.