Einer nach dem Andern

Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Einer nach dem Andern
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 6, S. 96
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1870
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

[96] Einer nach dem Andern. Unsere Leser haben gewiß aus München von der Ausstellung des neuesten Kaulbach’schen Bildes gehört, welches den im Jahre 1867 zu Rom heilig gesprochenen einstmaligen spanischen Inquisitor Peter Arbues von Saragossa darstellt, umgeben von blutgierigen und fanatischen Priestern, mitten in den Gräueln der mord- und opferreichen Inquisition. Das Bild erregte in den Münchener katholischen Kreisen natürlich großes Aergerniß und die dortigen ultramontanen Blätter, noch nicht befriedigt durch die Lorbeeren, die sie sich im Kampfe bei den Abgeordnetenwahlen erworben, richteten nun auch auf Meister Kaulbach ihre giftspeienden Geschosse. Ja, sie vermochten den Ingrimm der fanatischen Masse dergestalt zu steigern, daß dem Schöpfer des Bildes anonyme Droh- und Schmähbriefe der verschiedensten Art zugingen. Kaulbach beachtete dieselben anfangs nicht; als sie sich aber in bedenklicher Weise häuften und namentlich auch wiederholt die Zerstörung oder doch Beschädigung seines Bildes in Aussicht stellten, zog es der Meister vor, die Thüren seines Ateliers zu schließen und sein Werk sicher zu stellen in einer Stadt, welche einst F. D–dt insofern mit dem gelobten Lande verglich, als auch in ihr Milch und Honig fließe – nämlich die Wolfsmilch des „Volksboten“ und der Honig[WS 1] der „historisch-politischen Blätter“. In jenen Tagen nun, da Kaulbach’s Bild stündlich mehr Beschauer anlockte, befand sich unter denselben auch, wie der Gartenlaube geschrieben wird, ein Prinz, dessen Haus gegenüber den liberalen Neigungen des Königs im Augenblick so ziemlich als der Mittelpunkt aller für Ultramontanismus einerseits und Particularismus andererseits streitenden Mächte angesehen wird. Kaulbach führte den Prinzen selbst, und dieser konnte sich zuletzt nicht enthalten, seinem Unmuthe wenigstens insoweit Luft zu machen, als er dem Künstler das Grausige seines Motivs vorwarf.

„Die Geschichte,“ rief er, „bietet doch eine Menge anderer Gegenstände; warum greifen Sie immer zu so schrecklichen Gegenständen? Erst malten Sie diesen Nero – jetzt hier Arbues …“

„Hoheit verzeihen,“ fiel Kaulbach sich verbeugend ein, „ein Spitzbube nach dem andern!“



Anmerkungen (Wikisource)

  1. bei Dingelstedt: Sauerhonig