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Ein deutscher Shakespeare mit Illustrationen

Textdaten
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Titel: Ein deutscher Shakespeare mit Illustrationen
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aus: Die Gartenlaube, Heft 12, S. 202
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[202] Ein deutscher Shakespeare mit Illustrationen – was wäre berechtigter? Shakespeare ist unter den großen Dichtern des Auslandes ohne Frage derjenige, welcher dem deutschen Naturell am verwandtesten ist – daher die vielen Verdeutschungen des genialen Briten. Shakespeare ist aber auch in der Zahl der hervorragendsten Vertreter der Weltliteratur unbedingt der phantasie- und gestaltenreichste, und seine dichterischen Schöpfungen eröffnen dem Maler eine nahezu unerschöpfliche Fundgrube. Darum ist es ein dankenswerthes Unternehmen, daß uns die Grote’sche Verlagshandlung in Berlin den deutschen Shakespeare in einer illustrirten Gesammtausgabe bietet, ein um so dankenswertheres, als diese Ausgabe eine in Wort und Bild classische ist. Es ist die anerkanntermaßen beste Verdeutschung Shakespeares, die Schlegel-Tieck’sche, welche uns hier mit circa sechshundertfünfzig Illustrationen von den bedeutendsten Künstlern, wie Gabriel Max, Eduard Grützner, Karl von Piloty, Adolf Menzel, Alexander Wagner, Heinrich Lossow, Paul Thumann, Adolf Schmitz, P. Grot Johann, Ernst Roeber, Eugen Klimbach, Alexander Zick, H. Knackfuß, Woldemar Friedrich, Fritz Roeber u. A. in trefflichen Holzschnitten geboten wird. Die Verlagshandlung hat den Schlegel-Tieck’schen Text rechtskräftig erworben und jedem Bande des Werkes eine Einleitung aus den kundigen Federn von Professor Dr. Gosche und Dr. Tschischwitz vorangeschickt, das Ganze aber durch eine Biographie Shakespeare’s, ebenfalls von den genannten Gelehrten verfaßt, eingeleitet. Außerdem sind dem Texte zahlreiche orientirende Anmerkungen beigegeben worden. Bis jetzt erschienen zwei Lieferungen dieses deutschen Shakespeare, welcher binnen Jahresfrist vollendet vorliegen soll. Neben seinen sonstigen Vorzügen hat das Werk noch den, daß es als das Erzeugniß ausschließlich deutscher Künstler und Gelehrten die deutsche Auffassung Shakespeare’s repräsentirt und somit dem deutschen Kunstgeschmacke am meisten entsprechen wird.

Wir können uns nicht versagen, den Lesern unseres Blattes in unserer heutigen Nummer zwei der ausgezeichneten Illustrationen dieses Werkes vorzuführen, Thumann’s sinnreiche Zeichnung zum Sommernachtstraume und Lossow’s humorvolle Wiedergabe der berühmten Korbscene aus den „Lustigen Weibern von Windsor“, zeichnerische Nachdichtungen des großen Dramatikers, welche uns durch die frappante Kraft der Darstellung jedes erklärenden Wortes überheben und als die beste Empfehlung des Grote’schen Unternehmens dienen dürfen.