Ein Stündchen bei „Onkel Bräsig“

Textdaten
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Autor: Theodor Winkler
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Titel: Ein Stündchen bei „Onkel Bräsig“
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 26, S. 438–441
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1877
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Ein Stündchen bei „Onkel Bräsig“.
Von Theodor Winkler.


„Und wenn ich soll in das Theater geh’n,
So will ich wenigstens was Lustiges seh’n,
Denn Trauerspiele mit Grausen und Schrecken,
Die sieht man ohnehin an allen Ecken.“

Nestroy, der allbekannte Wiener Komiker, war es, wenn wir nicht irren, der diesen Wahlspruch aufgestellt hat. Er sprach damit den Grundsatz von Hunderten und Tausenden aus. Das kann man noch heute überall beobachten. Und ohne der ernsten Seite des Theaters zu nahe zu treten, läßt sich behaupten, daß damit einer sehr natürlichen menschlichen Regung Ausdruck verliehen ist. Drei edle Himmelsgaben sind es ja, die dem Staubgeborenen als Gegengewicht gegen die mannigfachen Mühsale des Erdenlebens mit auf den Weg gegeben wurden: der Schlaf, die Hoffnung und das Lachen. Ja, wer nicht mehr schlafen, nicht mehr hoffen, nicht mehr lachen kann und doch noch athmet, der mag seine Rechnung mit diesem Leben als abgeschlossen betrachten!

„Lachen! Wenn es nur so leicht wäre!“ ruft der Pessimist seufzend aus. „Lachen!“ klagen die Leiter unserer Bühnen, „wenn sie doch nicht so dünn gesäet wären, die Kräfte, die das von den Brettern aus in das Publicum hineinzuzaubern vermögen!“ Dichter wie Darsteller des heitern Elements sind in unseren Tagen ebenso selten wie gesucht. Die Lustspielproduction liegt bei uns so sehr darnieder, daß die Bühnen nicht wissen, woher den Bedarf nehmen, ohne längst abgebrauchte Dinge immer wieder aufzuwärmen, und die Schauspieler, die so recht von Grund aus, so recht auf Alle ohne Unterschied erheiternd zu wirken verstehen, sind nicht viel häufiger. In den meisten Fällen sieht der Bühnenkomiker seine Grenze in den Gemarken seines Landstrichs: die Wiener vermögen den Berliner, die Berliner den Wiener Humor nicht zu verdauen. Kurz und gut: Dürre und Unfruchtbarkeit auf dem Felde, dem das Lachen ersprießen soll.

Ein solcher Nothstand drängt unwillkürlich zur sorgsamsten Ausbeute des Wenigen, was gedeiht, und führt auch dem Mangelhaften ein liebevolles Augenmerk zu, sobald der Kern ein edler ist.

Das erfuhr auch der Humorist, der vor etwa zwanzig Jahren in einem versteckten Landstädtchen Mecklenburg-Schwerins auftauchte und die Gaben seiner Muse in plattdeutscher Sprache auf den Büchermarkt brachte. Fritz Reuter nannte sich der Autor. Heute kennt ihn Jedermann, der geistige Genüsse zu würdigen weiß; damals war er fremd, ein Neuling in der Literatur, und nur wenige des Idioms Kundige waren es anfangs, die von seinen Schriften Kenntniß nahmen. Aber ihre Mühe lohnte sich; sie fanden mehr, weit mehr, als sie von dem unbekannten Schriftsteller erwartet hatten; sie täuschten sich mit den Dichtungen des plattdeutschen Humoristen manche trübe Stunde hinweg; sie griffen darum wiederholt zu seinen Büchern, und Fritz Reuter wurde ihnen allmählich das Höchste, was nur ein Autor seinen Lesern werden kann, ihr Vertrauter, ihr Freund.

So etwas spricht sich rasch herum. Das Erheiterungsbedürfniß ist allgemein, und gern empfiehlt der Eine dem Andern den wackeren Grillenscheucher. So wuchs der kleine Kreis von Reuter-Verehrern und der Autor mit ihnen, denn Anerkennung ist das [439] Brod des Geistes. Er ließ seinen Erstlingswerken bald Weiteres folgen, und die nachkommenden standen ihren Vorläufern keineswegs nach; sie übertrafen sie sogar an Form und Gehalt.

„Olle Kamellen“, „Schurr-Murr“, „Ut mine Festungstid“, „Ut mine Stromtid“, „Dorchläuchting“ – sollen wir sie alle aufzählen, die jeder Literaturfreund kennt und als Schätze unseres vaterländischen Schriftwesens verehrt?

Aber wie kam es denn, daß sich dem Autor die Wege in das Volk so rasch ebneten, da er doch in einer Mundart schrieb, die einem großen Theil des Publicums verschlossen war und zu welcher es mit eigener Hand den Schlüssel schwerlich gefunden haben würde? Wie kam es, daß Fritz Reuter im Norden wie im Süden seine Anhänger gefunden? Das lebendige Wort, das auch sonst im menschlichen Verkehr den wirksamsten Vermittler bildet, das lebendige Wort wandernder Vorleser und Interpreten ist es, dem das Hauptverdienst der Popularisirung unseres trefflichen Humoristen gebührt. Fritz Reuter hat solcher Sendboten, die sich aus Liebe und Begeisterung zur Sache auf den Weg machten, mehrere und darunter sehr tüchtige gefunden. Das Ergebniß ihrer Thätigkeit ist in der That ein außerordentliches.

Männer, wie Kräpelin, dessen die „Gartenlaube“ in Nr. 11 dieses Jahrgangs gedachte, haben durch ihre Reuter-Vorlesungen Tausende zum Studium dieses echtdeutschen Humoristen angeregt und Unzähligen Stunden heiteren Genusses verschafft. Es ließen sich noch Mehrere nennen, wenn es gälte, alle verdienstvollen Reuter-Vorleser hier anzuführen, was indeß unsere Aufgabe nicht ist.

Katheder und Hörsaal bezeichnen bekanntlich nicht allein die Stätte, wo die Anhänger Reuter’s sich sammelten und zur immer größeren Gemeinde anwuchsen. Ein noch weit mächtigerer Factor gesellte sich hinzu, um dem Dichter Freunde zu werben: die Bühne. Wie hätte sie auch solch einen Schatz sich entgehen lassen können? Ist ja ihre Stoffarmuth so drückend, daß kein halb dem Ei entkrochener Roman, keine Novelle in einem Unterhaltungsblatte davor sicher ist, noch ehe sie in ursprünglicher Gestalt Leser gefunden haben, dramatisch eingeschlachtet und als Schau- und Trauerspiel auf die weltbedeutenden Bretter gesetzt zu werden – ein Unwesen, von dem auch die „Gartenlaube“ manches Histörchen zu erzählen wüßte.

So armselig und unersprießlich dieses Verfahren sonst genannt werden muß, in unserm Falle darf die Ueberführung Reuter’s auf die Bühne nur gutgeheißen werden. Man hat damit kein Lustspiel gewonnen, das vor den strengen Regeln der dramatischen Technik Stand zu halten vermöchte, aber ein Stück, das dem Zuschauer eine der köstlichsten Gestalten deutschen Humors lebendig vorführt und ihn über der zwerchfellerschütternden Wirkung dieser Prachtfigur gern die Schwächen der Composition vergessen läßt, vorausgesetzt, daß sich für den Helden ein Darsteller findet, der seiner schwierigen Aufgabe völlig gewachsen ist.

Jetzt sehen wir uns dem Künstler und seinem Vorbilde gegenüber, den unser Bild veranschaulicht: August Junkermann als Onkel Bräsig.

Der Genannte, aus Bielefeld gebürtig und zur Zeit Mitglied des Stuttgarter Hoftheaters, ist einer der erfolgreichsten Freiwerber der Reuter-Gemeinde, der dem Dichter nicht nur als Vorleser, sondern auch als Darsteller auf der Bühne die Wege in’s große Publicum erschloß und dem vor Allen das Verdienst zukommt, dem Süden Deutschlands das Verständniß des norddeutschen Humoristen erschlossen zu haben. Und zwar waltet dabei eine seltene Uneigennützigkeit ob, denn weitaus die meisten seiner Vorträge sind milden Zwecken, viele auch der Mehrung des Fonds zum Reuter-Denkmal gewidmet. Allüberall, wo er bisher auftrat – und es ist eine stattliche Reihe von Städten, die seine Wirksamkeit bezeichnet – wuchs die Schaar seiner Zuhörer mit jedem neuen Vortrage in einer Weise, die als das schlagendste Zeugniß seiner Tüchtigkeit betrachtet werden muß. Und wie auf dem Katheder, wenn er Reuter liest, so auf der Bühne, wenn er Reuter spielt.

Nur ein Bruchtheil vom Humor des Dichters ist es, der den Weg auf die Bretter genommen hat, aber es ist auch gewissermaßen die Perle seiner Komik, der Onkel Bräsig eben, und gerade in der Verkörperung dieser köstlichen Figur glänzt Junkermann als ein Meister seines Faches.

Man muß ihn gesehen haben, um zu empfinden, welch unwiderstehliche Gewalt seine Darstellungsgabe auf die Lachmuskeln ausübt. Ein Stück aus dem frischen Leben der Wirklichkeit geschnitten, so tritt sein Bräsig vor uns, und während wir uns an seinem komischen Gebahren ergötzen, während uns die Strahlen dieses lauteren Gemüths erwärmen, kann sich tief im Innern des Zuschauers nur das Bedauern regen, daß solche Vollblut-Biedermänner wie „Entspecter Bräsig“ in dieser Zeit des Dampfes und der Telegraphen, der Börsenmanöver und Kriegsmaschinen doch immer mehr auf den Aussterbe-Etat kommen.

Wer könnte denn kalt und gleichgültig dreinblicken, wenn „Onkel Bräsig“, dieser Apostel der Naturphilosophie im bäuerischen Flausrock, diese Mensch gewordene Mischung von Aufklärung und beschränktem Unterthanenverstand, von stiller Resignation und nimmermüder Lebensfreudigkeit, von männlicher Strenge und jugendlicher Schalkhaftigkeit, breitbeinig daher gewackelt kommt? Wenn man ihm z. B. zusieht, wie er sich voll Ironie vom Leutnant Rambow abwendet, als der ihn über den neumodischen Ackerbau belehren will, und er ihm in seinem urgemüthlichen Dialect erwidert: „Natürlich muß der Boden dazu erst gehörig präperirt werden, und wenn wir denn mit diese Preposition fertig sind, denn bauen wir nix mehr als Mandeln und Rosinen, un damit futtern wir die Sweine“ und dann, zur Frau von Rambow gekehrt, hinzufügt: „un denn sollen Sie mal sehn, Frau Leutnantin, wo süß so ein Swein smeckt, das mit Mandeln un Rosinen fett gemacht is,“ worauf Bräsig ein unnachahmliches Gelächter ausstößt. Oder in der Scene, wo er seinen lieben Korl mit der Jugenderinnerungen tröstet, während ihm selbst das Herz erbebt: „Weißt Du noch, Korl, in die Provat: In die Fixigkeit war ich Dich über, bloß in die Richtigkeit, da warst Du mich über.“ Dann bei dem reizenden Auftritt, als Axel sich erschießen will und Bräsig, hinter dem Baume hervorkommend, mit seinem „Gu’n Morgen!“ nach der Pistole greift und sich auf die Bank setzt. Oder wer vermöchte zu widerstehen, wenn Onkel Bräsig dem „entsamten Windhund“ Triddelfitz den Text liest, oder vor der gnädigen Frau Leutnantin den Galanten spielt, wenn er dem lieben Korl die Heilkraft der „Wasserkunst“ auseinandersetzt, wenn er immer und immer wieder als Mann, der drei „Brauten“ zugleich gehabt, auf seine Autorität in der Liebe pocht, oder gegen seine Erhebung zum „Kaiser von Frankreich“ protestirt! Und wen ergriffe nicht die Rührung in dem poetischen Momente, als Bräsig seinem süßen Pathchen Mining mit den „klaren Augen“ die vertrocknete Levkoye als das Einzige, was er hat, zum Brautgeschenk macht und daran den sinnigen Wunsch knüpft: „Wenn Rudolph nach langen Jahren im Stande is, Dich mit denselben klaren Augen diese neue Blume zu übergeben, als ich Dich jetzt diese welke, denn kannst Du sagen: ich bün eine glückliche Frau gewesen.“

Dieses Verhältniß Bräsig’s zur Nüßler’schen Familie ist überhaupt eine der poesievollsten Partien im ganzen Reuter, durch die ein echt deutscher Zug weht. Unser „immerirter Entspecter“ ist Junggesell – Junggesell wider Willen. Sein „gnädigst Herr Graf“ mochte keinen verheiratheten „Entspecter“ leiden; darum mußte er, obwohl mit „drei Brauten auf einmal“ versehen, darauf verzichten, „eine enzelne“ heimzuführen. Eines der Opfer dieser mißgünstigen Verhältnisse ist Hawermann’s Schwester, die nachmalige „Madam Nüßlern“. Bräsig hat zusehen müssen, wie sie ihm ein Anderer vor der Nase weggeheirathet hat, aber kein Mensch kann ihn abhalten, sie noch immer als die schönste und beste Frau zu verehren und ihr „lütt Kropzeug von Dirns“, die beiden Töchter Lining und Mining, als sein eigen zu betrachten. Die Art und Weise, wie unser Künstler dieses rührende Verhältniß mit warmem Herzblut zur Anschauung bringt, das ist für Jeden, der noch zu fühlen versteht, von mächtiger Wirkung.

Genug, ob lachend, ob weinend, ob zärtlich oder grollend, immer steht bei Junkermann die ganze Prachtfigur Fritz Reuter’s vor uns, wie sie in Sprache und Geberde nach der Zeichnung des Dichters sich nicht anders in der Phantasie des Lesers gestalten kann. Und welch ein liebevolles gründliches Versenken in den Geist der Dichtung vorausgegangen sein muß, bevor ein Darsteller so das Gebild in Fleisch und Blut zu übertragen vermag, das wird sich Jeder selbst sagen können, der einen Begriff von den Schwierigkeiten der Schauspielkunst hat.

Daß übrigens ein Mann der Bühne, der noch dazu die Darstellung der Hauptgestalt Reuter’s eine seiner Specialitäten [440]

Die Gartenlaube (1877) b 440.jpg

August Junkermann als „Onkel Bräsig“.
Nach einer Photographie auf Holz gezeichnet von Adolf Neumann.


nennen darf, auch als Vorleser kein bloßer Wortesprecher ist, sondern durch Mimik und Gesticulation wie durch kunstgeübte Tonfärbung seinen Vortrag in der wirksamsten Weise illustrirt, ist nicht mehr als natürlich. In der That werden durch diese schauspielerischen Zugaben die Vorlesungen Junkermann’s zu wahren Interpretationen des Dichters, die einen tiefen Eindruck auf den Hörer nicht verfehlen können. Andächtiger kann die gläubige Gemeinde einem Prediger nicht lauschen, als das Publicum in der Regel Junkermann’s Reuter-Vorlesungen. Es liegt eben in diesen dramatisch belebten, vom Tone wahrer Empfindung gehobenen Vorträgen ein unsagbar fesselnder Reiz. Und bei einiger Aufmerksamkeit dringt selbst der mit den Dialektgeheimnissen gar nicht Vertraute gar bald in das Verständniß. Junkermann versteht selbst im bewegtesten Dialog die einzelnen Charaktere streng auseinander zu halten, daß man sie greifen zu können meint; hier den Bräsig und daneben Hawermann, dann Fritz Triddelfitz, die Pomuchelskopp’sche Familie, Moses, das Nüßler’sche Ehepaar, Lining und Mining, Gottlieb und Rudolf – es sind der Köpfe und Stimmen wahrlich nicht wenige. Und nun erst der Rahnstädter Reformverein mit seinem Durcheinander! Es ist eine wahre Lust zu hören, wie der Künstler vor den Zuhörern doch in all dem Wirrwarr die einzelnen Sprecher klar unterschieden hält.

In seiner Wirksamkeit als Vorleser beschränkt sich Junkermann selbstverständlich nicht blos auf den „Entspecter Bräsig“ und was zunächst damit im Zusammenhange steht, sondern verbreitet sich in buntem Wechsel auf Alles, was unter die gelungensten Schöpfungen Reuter’s zu zählen ist. Und das mit [441] gleicher Meisterschaft. Die verschiedenen Vogelstimmen in „Hanne Nüte“ z. B. ahmt er so charakteristisch nach, daß das Auditorium gewöhnlich in laut schallendes Gelächter ausbricht, während bei ernsten Situationen, wie z. B. bei Reuter’s Schwanengesang „Großmutting, hei is dod“, die Stimmung sich so in’s Gegentheil wendet, daß kein Auge trocken bleibt. Noch eine Eigenheit Junkermann’s ist zu erwähnen, die sogar von strengen Reuter-Verehrern nicht gebilligt wird, aber die Absicht des Künstlers, dem Uneingeweihten möglichst leicht verständlich zu werden, erheblich fördert; das ist der Umstand, daß Junkermann bei den dunkelsten Stellen ein Compromiß zwischen dem mecklenburgischen Platt und den süddeutschen Mundarten schließt und z. B. die Stelle des „Stadtbullen“ (vom „Kaufmann Kurz“) durch einen schwäbischen „Brummelochsen“ vertreten läßt. Bei der strengen Wahrung der Eigenthümlichkeiten Reuter’s, die unser Vorleser sonst beobachtet, halten wir diese kleinen Behelfe für unwesentlich, zumal sich ja Jeder das Original beim Selbstlesen wieder herstellen kann.

Wir rechneten es oben dem Künstler als ein großes Verdienst an, namentlich in Süddeutschland für Reuter mit Erfolg gewirkt zu haben. Manchem mag dies als ein leichteres Stück Arbeit erscheinen, als es in der That ist. Mit welchen Schwierigkeiten, mit welch gänzlicher Unkenntniß Junkermann stellenweise auf diesem Boden zu ringen hatte (und zum Theil noch hat), davon mag schließlich nachstehender Vorfall Zeugniß ablegen, der durchaus nicht in das Bereich der erfundenen Anekdoten zu werfen, sondern unverfälschte Thatsache ist: In einem Badeorte wurde dem Künstler, als er zum Zwecke seiner Reuter-Vorträge um Ueberlassung des Cursaales nachsuchte, vom Curdirector der Bescheid gegeben: Es seien sehr wenig Pferdeliebhaber am Platze, Reiter-Vorlesungen daher ohne Aussicht auf Erfolg. Wer unter solchen Verhältnissen den Muth nicht sinken läßt, der muß von tiefem Vertrauen auf seine Kraft und die Vortrefflichkeit seiner Sache erfüllt sein, denn das ist und bleibt gewißlich wahr: „Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.“