Ein Denkmal für das „treue deutsche Gewissen“

Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Ein Denkmal für das „treue deutsche Gewissen“
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 5, S. 68–70
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1870
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[68]
Ein Denkmal für das „treue deutsche Gewissen“.

Der alte Arndt soll auch auf seinem Kreidefels, auf seiner Heimathinsel Rügen ein Denkmal erhalten! Zur Ausführung dieses Wunsches ist ein Ausschuß von patriotischen Männern zusammengetreten, welche dieses Unternehmen dankbarer Vaterlandsliebe schon vor Arndt’s hundertjährigem Geburtstag der Nation an’s Herz gelegt haben und nun ihre Aufforderung wiederholen.

Wer und was der alte Arndt gewesen, das weiß heute in Deutschland Gottlob schon das Kind in der Schule. Es ist uns

[69]
Die Gartenlaube (1870) b 069.jpg

Der projectirte Arndt-Thurm auf dem Berge Rugard, Insel Rügen.

[70] nur eine wohlthuende Wiederholung, wenn wir noch einmal uns des Mannes Seelenbild vor Augen halten. Hat doch Arndt, wie alle großen Männer, das Schicksal gehabt, daß er vielfach verkannt, oft mißverstanden und geschmäht worden ist, daß man ihm Schwanken in seiner Parteistellung und Wankelmüthigkeit in seiner politischen Anschauung und Thätigkeit vorgeworfen hat. Ob Arndt Diplomat, ob er Politiker gewesen, wollen wir dahingestellt sein lassen. Das aber werden selbst seine Feinde und Gegner nicht in Abrede stellen, daß er als Dichter und Mensch groß dasteht.

Arndt’s Zeitlieder haben das nicht zu unterschätzende Verdienst, daß sie uns am besten und klarsten die Stimmung einer großen Zeit in ihrer vollen Wahrheit ohne Uebertreibung und Phrase wiedergeben, einer Zeit, wie Deutschland sie seitdem nicht wieder erlebt hat, noch wieder erleben dürfte. So lange das Andenken und die Erinnerung an den Sieg, an den Ruhm und die Freude des Jahres 1813 dauern wird, so lange wird man auch der Sieges- und der Freudenlieder gedenken, die damals gesungen worden sind, so lange wird man sich auch des alten Sängers von Rügen erinnern.

Doch Arndt war nicht blos Dichter, sondern er war vor Allem ein deutscher Mann im vollen Sinne des Wortes. Schlicht und einfach in seiner Erscheinung, ohne allen Prunk und leeren Schein, treu und wahr in seiner Rede, der Schmeichelei und allem heuchlerischer Wesen feind, liebreich gegen Jedermann, doch stets die Manneswürde wahrend und unbeugsam in dem, was er für Recht erkannte. In schwerer hoffnungsloser Zeit hat er den gebrochenen Muth aufgerichtet, im Rathe der Fürsten und ihrer nächsten Diener mit rastlosem Eifer die Erhebung des Volkes in den Freiheitskriegen gefördert, die Feigen und Muthlosen angespornt, die Jugend entflammt und das funkelnde Schwert des Geistes geschwungen, bis das Ziel des Kampfes erreicht war. – Die Einigkeit, die immer wachsende Herrlichkeit seines Vaterlandes – das war der Traum seiner Jugend, die Arbeit seiner Mannesjahre und ist die Hoffnung seines Alters geblieben.

Nachdem so das, was Arndt Menschenalter hindurch unermüdlich erstrebt hat, hoffentlich jetzt seiner Erfüllung entgegengeht, durfte wohl sein hundertjähriger Geburtstag daran mahnen, daß wir ihm, wie ehern er auch bereits als Wächter am Rhein emporragt, doch noch ein Denkmal und zwar auf der Stätte seiner Geburt schuldig sind. Dieses Heimathdenkmal soll uns weder das Bild des Menschen Arndt noch einmal bringen, noch eine architektonische Geschmacklosigkeit von Tempelhalle und Riesenharfe zeigen, wie verschiedene illustrirte Wochenschriften es als geplant mitgetheilt haben, sondern es soll an den festen deutschen Mann erinnern, und darum ist für dasselbe die Form eines Thurmes gewählt, der auf Rügens höchstem Berge, dem Rugard, weit über Land und Meer emporragt und hinausschauen läßt. Unsere Illustration wird wenigstens eine Ahnung von der Herrlichkeit des Rundbildes erwecken, das auf des Arndtthurms Zinne einst vor dem Wanderer sich aufrollt.

Den Grundstein zu diesem Denkmal haben am Tage des hundertsten Geburtsfestes Arndt’s, am sechsundzwanzigsten December v. J., die Männer des Denkmalausschusses mit vielen anderen Verehrern des gefeierten Todten auf dem Felsenwalle des Rugard festlich gelegt. Sorget nun, Ihr Deutschen allerwärts, auch jenseit der Meere, durch Eure Liebesgaben dafür, daß dieser Bau sich recht bald erheben kann! Die Beiträge sende man an das Comité des Arndt-Denkmals zu Händen des Herrn Bürgermeisters Dr. Richter in Bergen auf Rügen oder an die Redaction unseres Blattes zur Weiterbeförderung.