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Textdaten
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Autor: G. Lang
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Titel: Die Vorstehhunde
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 20, S. 340
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[329]
Die Gartenlaube (1888) b 329.jpg

Vorstehhunde.
Originalzeichnung von H. Sperling.
Der Retriever.      Der englische Setter.
Der Pointer und der irische Setter.       Der Griffon.
Der kurzhaarige deutsche Vorstehhund.

[340] Die Vorstehhunde. (Mit Abbildungen S. 329) Man hat auf verschiedene Weise die Entstehung der Vorstehhunde zu erklären versucht; manche meinten, man habe gewissen Jagdhunden das Vorstehen angelernt und diese Dressur habe sich dann vererbt, allein diese Theorie beruht auf Irrthum, denn Dressur vererbt sich nicht. Es muß vielmehr zuerst Hunde gegeben haben, welche die natürliche Anlage hatten, „vorzustehen“, und diese Eigenschaft hat sich vererbt und durch Auswahl bei der Züchtung bis auf den heutigen hohen Grad steigern lassen, indem man speziell solche Individuen paarte, welche jene Eigenschaft besonders zeigten. Nach der allgemeinen Annahme kamen die ersten Vorstehhunde aus Spanien und waren kurzhaarig. Die Engländer haben die Züchtung zuerst rationell betrieben und aus den stark gebauten spanischen Vorstehhunden den heutigen hochedlen, außerordentlich schnellen und ganz für ihre Verhältnisse passenden englischen Pointer herangebildet. Die Setters sind wohl aus Paarungen des kurzhaarigen Vorstehhundes mit den Wachtelhunden (spaniels) entstanden, und wir unterscheiden heute 1. die englischen Setter, weiß mit schwarzen, braunen oder gelben Flecken, 2. die irischen, einfarbig dunkelroth, zuweilen mit einer weißen Linie auf der Stirn, und 3. die schottischen oder Gordonsetters, schwarz mit rothbraunen Abzeichen.

Der deutsche kurzhaarige Hühnerhund, dessen Rassekennzeichen erst vor etwa sechs Jahren durch die Vereine zur Erhaltung und Veredelung der Hunderassen festgestellt wurden, wird nun auch seither eifrig nach diesem Vorbilde gezüchtet. Er ähnelt wieder mehr seinen Vorfahren aus Spanien; er ist stärker und schwerer als der englische Pointer, aber auch weniger schnell. Letzterer ist entweder weiß mit braunen oder gelben Flecken; der deutsche Vorstehhund einfarbig dunkelbraun oder weiß mit braunen oder gelben Flecken und ebenso besprenkelt.

Seitdem man auch in Deutschland die reinen Rassen eifrigst anstrebt, sind Kreuzungen mehr als je verpönt, besonders auch die gekreuzten Vorstehhunde, die sich durch den Kopf mit stark entwickeltem Hinterhauptbein, durch blutunterlaufene, tiefliegende Augen, triefende Lefzen und Kehlwamme so unvortheilhaft auszeichnen und auf guten Ausstellungen stets abgewiesen worden sind.

Die Griffons oder stichel- und rauhhaarigen Vorstehhunde, auch polnische Wasserhunde, italienisch Spinone genannt, verdanken ihre Entstehung ohne Zweifel den Paarungen der eigentlichen Vorstehhunde mit den Pudeln, sind demgemäß bald mehr, bald weniger stark behaart und danach benannt; der deutsche stichelhaarige ist im Gegensatz zu dem Griffon am Korper ziemlich kurzhaarig, an den Augenbrauen und an der Schnauze aber borstig; namentlich bei der Jagd auf die verschiedenen Wasservögel leisten diese Hunde vorzügliche Dienste und apportiren leicht und eifrig aus Wasser und Dickicht.

Zum letzteren Zweck, das heißt zum Apportiren überhaupt, hat sich der Engländer einen besonderen Hund gezüchtet, den Retriever, der einem kleinem Neufundländer mit kurzgewellten Haaren gleicht. Er ist der Assistent der Pointer und Setter und hat nichts zu thun, als das geschossene oder angeschossene Wild zu apportiren; denn demselben nachzueilen kann den englischen heißblüthigen Vorstehhunden nicht erlaubt werden, weil ihre höchst feine Dressur dadurch leiden würde.

Auf unserem Bilde finden wir diese Rassen in trefflichen Typen wiedergegeben, welche das Interesse unsrer Leser um so mehr verdienen, als Sie nach dem Leben gezeichnet worden sind.

Wir geben noch die Namen der Hunde auf unserer Abbildung an: der Pointer ist Naso II. von Naso aus der Miranda; der deutsche Hühnerhund unten links: Hector IV. von Hector I. aus der Minka; der englische Setter oben rechts: Tam of Braunfels von Tam O’shanter aus der Daisy; der irische Setter hinter dem Pointer „Ganymede.“ Der Retriever oben links: Jet II. In der Ecke unten rechts: ein Griffon.

G. Lang.