Die Richard Wagner-Häuser

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Titel: Die Richard Wagner-Häuser
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aus: Die Gartenlaube, Heft 14, S. 236
Herausgeber: Ernst Ziel
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Erscheinungsdatum: 1883
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[221] 
Die Gartenlaube (1883) b 221.jpg

Zur Erinnerung an Richard Wagner. Originalzeichnung von Rudolf Cronau. (Vergl. S. 236.)

Wagner’s Geburtshaus in Leipzig. Das Wagner-Theater in Bayreuth. Wagner’s Sterbehaus in Venedig.

[236] Die Richard Wagner-Häuser (S. 220 und 221). Ueber das Wagner-Theater, das Mittelbild unserer Illustration, finden die Besitzer der früheren Bände der „Gartenlaube“ im Jahrgang 1873 erst S. 59 Angaben über den ersten Plan Wagner’s, der nur auf einen ähnlich wie bei großen Musikfesten für den einmaligen Zweck aufgeführten Holzbau hinauslief; aber schon S. 515 sehen wir den fertigen Bau des „Tempels der Zukunftsmusik“ im Bilde vor uns. So ist es äußerlich auch geblieben. Doch ist das Bühnenhaus bekanntlich erst 1876 zu völliger Vollendung gediehen.

Das Geburtshaus Richard Wagner’s erkennt der Gast Leipzigs leicht an der Lage, dem Ausgang der Hainstraße in den Brühl gegenüber, ferner an dem Steinbild des ruhenden Löwen über der Thür, nach welchem es, gemäß der alten Sitte, auch Privathäusern bezeichnende Namen zu geben, das Haus zum rothen und weißen Löwen genannt wurde. Es führt jetzt die Hausnummer 88.

Das Sterbehaus unseres großen Tondichters in Venedig, der Palast Vendramin-Calergis, ist der neuen Auszeichnung, die ihm durch solch einen Todesfall geworden, würdig. Er wird ziemlich allgemein als der edelste und schönste aller Paläste Venedigs anerkannt. Mit seiner Erbauung durch Pietro Lombardo wurde (1481) der erste entscheidende Schritt auf der neuen Bahn der Frührenaissance gethan: „das Erdgeschoß mit korinthischen Pilastern, die zwei oberen Geschosse mit korinthischen Säulen und prächtig durchgebildeten zweitheiligen Rundbogenfenstern; über Gesimse, Säulen und Pilaster, Friese, Fenstereinfassungen, Brüstungen und Balcone eine festlich heitere weißmarmorne decorative Hülle“ (Th. Gsell-Fels „Italien in 50 Tagen“). Nicht weniger vorzüglich ist die Lage des Palastes in der Nähe des Bahnhofs und der nächsten Wasserverbindung mit dem Festlande, dem Canareggio. Auch diese Wahl einer venetianischen Wohnung zeugt von dem allseitig feinen Geschmack des deutschen Meisters.

Die Vignette unseres Artikels schmückt Richard Wagner’s nach eigenem Geiste erbautes und eingerichtetes Wohnhaus in Bayreuth, das vielbeschriebene „Wahnfried“ mit seiner allbekannten Inschrift:

Hier, wo mein Wähnen Frieden fand
Wahnfried
sei dies Haus von mir genannt.

Das schon durch seine Vornehmheit das Auge fesselnde Gebäude befindet sich auf dem Wege zur Eremitage und trägt auf der vorderen Wand ein Sgraffitto-Bild, welches die Gestalt von Wotan, dem Helden des „Ring der Nibelungen“, links von ihm aber die Gestalt der Schröder-Devrient, rechts die der Gattin Wagner’s mit ihrem Sohne Siegfried zeigt. Im Garten am Hause ist die Stätte, die Wagner schon vor Jahren zu seiner Gruft bestimmt hatte.

Ueber die zwölf Artikel, welche unser Blatt dem Leben und Wirken Richard Wagner’s gewidmet hat, giebt das „Vollständige Generalregister der ‚Gartenlaube‘“ die nöthigen Hinweisungen.