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Die Homöopathie, ein Gewebe von Täuschungen, Unwissenheit und Unwahrheiten

Textdaten
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Autor: Carl Ernst Bock
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Titel: Die Homöopathie, ein Gewebe von Täuschungen, Unwissenheit und Unwahrheiten
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 32, S. 426-430
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1855
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Beschreibung und Verriss der Homöopathie
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[426]
Die Homöopathie,
ein Gewebe von Täuschungen, Unwissenheit und Unwahrheiten
im Interesse der Volksaufklärung beleuchtet von Prof. Dr. Bock in Leipzig.


Die Homöopathie, von Samuel Hahnemann im Jahre 1790 entdeckt, ist eine angeblich nur auf Erfahrungen und Experimente gegründete, in Wirklichkeit aber durchaus unwissenschaftliche, daher auch vom Laien leicht zu erlernende Heilmethode, welche auf folgenden drei Sätzen fußt. 1) das Wesen der Krankheiten beruht in ihrer äußern Erscheinung (in ihren Symptomen); die Ursache dieser Symptome ist auf keine Weise erkennbar und man braucht sie zu ihrer Heilung auch gar nicht zu kennen. 2) jeder Krankheitsfall wird am schnellsten und sichersten durch dasjenige Arzneimittel geheilt, welches im gesunden Körper möglichst ähnliche Erscheinungen hervorbringt (d. i. das Aehnlichkeitsgesetz, similia similibus); 3) von den homöopathischen Heilmitteln ist immer nur ein einziges auf einmal und in sehr kleiner Gabe zu reichen. Eine Hauptregel dabei ist die, daß man dieses Mittel gehörig auswirken lassen muß, ehe eine zweite Gabe desselben Mittels oder ein anderes gegeben wird. - Diese Grundsätze sind nun alle drei grundfalsch und es ist deshalb die Homöopathie nichts als ein Gewebe von Unwahrheit, Täuschung und Unwissenheit.

Ehe wir die Grundsätze der homöopathischen Heilmethode, sowie ihren Gründer und ihre Anhänger beleuchten, möge allen Denen, welche bei dieser Heilmethode Krankheitserscheinungen bei Menschen oder Thieren verschwinden sahen, hiermit gesagt sein, daß der menschliche wie thierische Organismus von Natur so eingerichtet ist, daß Veränderungen in der Ernährung und Beschaffenheit der festen oder flüssigen Körperbestandtheile (d. s. die Krankheiten) solche Processe nach sich ziehen, durch welche jene Veränderungen entweder vollkommen, bald schneller bald langsamer gehoben werden (d. s. die Naturheilungsprocesse) oder welche wohl auch bleibende, mehr oder weniger beschwerliche Entartungen, ja selbst Absterben des erkrankten Theiles und des ganzen Körpers veranlassen. Stets sind es die Naturheilungsprocesse, welche die Heilung bei homöopathisch Behandelten bewirkten, niemals die homöopathischen Heilmittel, die gleich Nichts sind. Daß Schmerzen sehr oft plötzlich und ohne alle Hülfsmittel verschwinden, ist eine bekannte Tatsache und beruht ebenfalls auf ganz natürlichen Gründen.

Man beobachte einmal, was ein eingestochener Splitter für Erscheinungen hervorruft. Zuvörderst bildet sich in seinem Umkreise eine Anhäufung von Bluth in den feinsten Aederchen (Entzündung mit Röthe, Hitze, Geschwulst und Schmerz) und sehr bald tritt aus diesem Blute eine Feuchtigkeit (Ausschwitzung, Exsudat) heraus, welche entweder durch Gerinnung fest wird oder sich zu Eiter umbildet. Der letztere kann dann durch Vereiterung der umliegenden Festtheile die Entfernung des Splitters veranlassen, während die Umwandlung des geronnenen Ausgeschwitzten zu narbig-fasrigem Gewebe die Einschließung (Isolirung, Abkapselung) und somit ein Unschädlichmachen des Splitters nach sich zieht. Wer diesen regelmäßig erfolgenden Proceß der innern homöopathischen Anwendung der Arnica zuschreiben wollte, müsste in das Irrenhaus gebracht werden. Ebenso kommen aber auch bei innern Krankheiten Naturheilungsprocesse zu Stande. – Würden die Anhänger der Homöopathie einige Male in Fällen, wo sie sonst homöopathische Mittel (bei Menschen und Thieren) einnehmen oder eingeben, dies nicht thun und nun auf den Effekt des Naturheilungsprocesses warten, sie würden sicherlich bald die Wahrheit der obigen Behauptung erkennen. Aber freilich die enthusiastischen Anhänger der Homöopathie wollen nicht hören, nicht sehen und durchaus nicht durch Versuche aufgeklärt werden.


I. Die Krankheitserscheinungen.

Die neuere oder physiologische Medicin ist mit Hülfe der pathologischen Anatomie und physikalischen Diagnostik dahin gelangt, die Ursache der meisten Krankheitserscheinungen in bestimmten materiellen Veränderungen zu finden, und gleichzeitig auch zu wissen, daß sehr oft dieselben in regelwidrigen Empfindungen und in Funktionstörungen bestehenden Krankheitserscheinungen, wie sie den Homöopathen bekannt sind, den verschiedenartigsten Krankheiten zukommen. Deshalb glauben aber auch nur noch die Stockhomöopathen, welchen die Fortschritte der Wissenschaft unbekannt geblieben sind, an den von Hahnemann aufgestellten und als Grundlage für das Aehnlichkeitsgesetz dienenden Satz: „daß man als Arzt von der Krankheit nur die äußeren Erscheinungen, nicht aber die innere Ursache zu wissen brauche und wissen könne. Neuere, von der jetzigen Medizin oberflächlich beleckte Homöopathen, welche sogar die Kenntniß des gesunden und kranken menschlichen Körpers zum Heilen desselben nicht ganz verachten, ignoriren diesen Satz ganz oder sagen: Hahnemann habe zu seiner Zeit mit Aufstellung dieses Fundamentalsatzes ganz recht gehabt, allein für die Jetztzeit, wo die Wissenschaft doch bei vielen Krankheitserscheinungen die materielle Ursache ergründet habe, passe er nicht mehr. Damit haben diese Herren nun aber der Homöopathie den Kopf abgeschnitten und es läuft von dieser Unglücklichen nur noch der Rumpf (das Aehnlichkeitsgesetz) mit dem Schwanze (den homöopathischen Gaben der Arzneimittel), der aber auch schon tüchtig verschnitten ist, in der Welt umher. Diese abtrünnigen Junghahnemannianer (welche nicht selten auch gleichzeitig, nach Hanemann, Bastard-Homöopathen sind, d. s. Streukügelchen-Allopathen, welche da, wo die Natur allein wirken kann anstatt Mandelmilch ihre Streukügelchen geben, wo aber eine ärztliche Wirkung nöthig ist, allopathische Mittel in großer Gabe verordnen) gehen manchmal auf das Wesen der Krankheit (die materielle Veränderung) ein, oft auch wieder nicht und haben so einen Mischmasch von homöopatisch-allopathischer Pathologie (z. B. Cl. Müller’s Familienarzt) gegründet. Sie wollen den Kranken sogar physikalisch (durch Besehen, Befühlen, Beklopfen und Behorchen) untersucht wissen. Nun wäre dies zwar recht schön, aber es passen dazu ihre üblichen, auf das Aehnlichkeitsgesetz basirten Heilmittel nicht mehr und von solchen Mitteln, welche die den Krankheitserscheinungen zu Grunde liegenden materiellen Veränderungen hervorbrächten, wagen die Junghahnemannianer doch nicht als von ihnen erprobten zu schreiben. Es sollte den Herren aber auch schwer fallen, Jemandem weißzumachen, daß sie eine Lungenverdichtung oder Erweiterung, Anhäufungen von Flüssigkeiten im Herzbeutel, in der Brust- oder Bauchhöhle, Tuberkelknötchen u. s. f. bei einem Gesunden künstlich darzustellen vermögten. Da sie dies nun nicht können, so machen sie sich allopathische Krankengeschichten und Arzneistoffe homöopathisch zurecht und versuchen dies für einen wissenschaftlichen Fortschritt der Homöopathie zu erklären. Wer aber denken kann, muß einsehen, daß mit dem Wegfall des ersten homöopathischen Fundamentalsatzes die ganze Homöopathie fällt.


II. Das Aehnlichkeitsgesetz.


Aehnliches heilt Aehnliches ist der Grundsatz, welchem die Homöopathie ihren Namen verdankt (vom griechischen Worte homoios, ähnlich) und welche Hahnemann bei Prüfung der Chinarinde gefunden haben will. Diese Rinde soll nämlich eben so sicher, wie sie Wechselfieber heilt, auch bei Gesunden einen dem Wechselfieberanfalle ähnlichen Zustand erzeugen können. Ebenso sollen auch viele andere Arzneistoffe, selbst solche, welche von der Chemie als völlig indifferente, im menschliche Körper unlösliche und unwirksame erklärt werden, von Gesunden in größern Gaben genommen, einen Complex von Erscheinungen veranlassen können, welche bestimmten Krankheiten zukommen. - Dieses Aehnlichkeitsgesetz beruht nun aber ganz und gar auf Täuschung und Unwahrheit. Denn die fiebervertreibende Chinarinde erzeugt, wie viele Versuche dargethan haben, niemals den einem Wechselfieberanfall ähnlichen Zustand, ebensowenig wie die folgenden Mittel denen ähnliche Zustände erzeugen, wo sie empfohlen werden, wie Jod bei Kropf, Borax bei Schwämmchen, Chamille bei Mandelbräune, Spongia bei Croup, Belladonna bei Keuchhusten, Aconit bei Lungen- oder Herzentzündung, Eisen bei Bleichsucht, Bryonia bei Gelbsucht, Schwefel bei Hypochondrie und Hysterie, Lycopodium bei eiterigem Urin, Gold bei Hodengeschwulst, Graphit bei Wasserbruch u. s. w. Von der Unwahrheit dieses Gesetzes kann man sich sehr leicht durch Prüfungen der indifferenten, also ganz unschädlichen Mittel (wie Kohle, Graphit, Blattgold und Silber, Bärlapp, Silicea etc.) an Menschen, sowie bei Thieren überzeugen. Man fabricire doch einmal einem Pferde folgende krankheitsähnliche Zustände, wie durch Schwefel die Pörzelseuche oder Piephacke, durch Lycopodium die Brustwassersucht und Gallen, durch Sepia den Samenkoller oder eine Hufspalte u. s. f. - Eben weil das Aehnlichkeitsgesetz ganz und gar auf Unwahrheit beruht, sind die Homöopathen auch nicht [427] im Stande bestimmte, vorausbestellte, gewissen Krankheit ähnliche Zustände (wie. z. B. Wechselfieber, Bleichsucht, Krätze u. s. w.) im gesunden menschlichen und thierischen Körper zu erzeugen, was doch allein nur eine positive Bestätigung des homöopathischen Aehnlichkeitsgesetzes wäre. Ihre ganze Kunst besteht nur darin, durch wirksame oder giftige Arzneistoffe vereinzelte, lange vor Hahnemann bekannte Erscheinungen und Vergiftungssymptome hervorzurufen, welche allerdings dieser oder jener Krankheit, oft aber auch mehreren verschiedenen Leiden zukommen. dies wollten denn auch die drei leipziger Bastard-Homöopathen DD. Cl. Müller, Meyer und Haubold mit dem Verf. in wochenlanger strenger Clausur und ins Blaue hinein (zuvörderst mit Belladonna, Veratrum album, Cantharis, Glonoin, Mercur. solub.) vornehmen und zwar ohne irgend welche genauere Bestimmung. Sie standen aber davon ab und wollten mit dem Verf. nichts mehr zu thun haben, als dieser auf Niedersetzung einer unparteiischen Commission und einer wissenschaftlicheren Versuchsmethode drang.

Die höchst unwissenschaftlichen Prüfungen der Arzneistoffe von Seiten der Homöopathen an Gesunden von der verschiedensten geistigen, gemüthlichen, körperlichen und geschlechtlichen Constitution haben die homöopathische Arzneimittellehre zu einem Convolut der lächerlichsten, sich gegenseitig widersprechenden Behauptungen und des dem gesunden Menschenverstande geradezu Hohn sprechenden Unsinns gemacht. Denn welcher nur einigermaßen verständige Mensch wird z. B. glauben, daß es Arzneimittel gibt, welche vorzugsweise auf die rechte und andere, welche auf die linke Körperhälfte wirken; daß für jeden einzelnen Zahn und jeden besondern Schmerz in demselben bestimmte Heilmittel existiren; daß gegen jede besondere irrige Vorstellung, gegen jeden absonderlichen Appetit nach gewissen Stoffen, gegen die verschiedenen Träume, gegen jeden verschieden gefärbten Zungenbeleg und Urin andere Mittel vorhanden sind; daß beim Ausfallen der Haare nach den verschiedenen Körperstellen (ob am Scheitel-, Vorder- oder Hinterhaupte, an den Schläfen, im Schnauz- oder Backenbarte) verschiedene Heilmittel zu wählen sind; daß Schweiße nach ihrem verschiedenen Geruche und verschiedenen Sitze verschieden zu behandeln sind; daß Selbstmordsucht anders kurirt werden muß, wenn sich Einer erschießen, erhängen oder ersäufen will; daß Gemüthsbewegungen verschiedene Mittel verlangen, je nachdem sie aus Angst, Schreck, Furcht, Eifersucht, Liebe u. s. f. hervorgehen; daß bei Heilung der Furcht danach verschieden zu verfahren ist, ob sie vor Ansteckung, Aufgefressenwerden, Cholera, Gespenstern, Hunden, Dieben, Dunkelheit u. s. w. stattfindet; daß man unglückliche Liebe, Heimweh, Muttermäler, Sommersprossen und Warzen, Läusesucht und Gebärmuttervorfälle, Fluchen und Schimpfen, Gedächtnißschwäche und Ungeschicklichkeit, Arbeitsscheu und Feigheit u. s. w. durch innere Arzneimittel heben kann. – Welcher denkende Mensch wird nicht Argwohn gegen eine Heilmethode fassen müssen, welche im Besitze von Mitteln zu sein wähnt, von denen die meisten gegen hundert, viele aber mehrere Hunderte und einige sogar bis tausend Erscheinungen zu erzeugen und zu heben im Stande sind; von denen viele gerade die entgegengesetztesten Zustände hervorzurufen vermögen (z. B. Graphit langwierige Hartleibigkeit und stete Weichleibigkeit; Silber Widerwillen gegen alle Speisen und starken Appetit selbst bei vollem Magen, Chamille Widerwillen gegen und heftigen Appetit nach Kaffee); deren Wirkungen auf Menschen und die verschiedenen Haussäugethiere so verschieden und eigenthümlich sind, daß man unwillkürlich darüber lachen muß (s. unten die Wirkung des Schwefels); von denen sehr viele in den größten Gaben von der Chemie als ganz indifferent für unsern Körper nachgewiesen werden (wie Kohle, Graphit, Gold, Silber, Bärlapp, Kiesel- und Alaunerde, Spongia und Sepia u. s. f.) und welche in homöopathischer Verdünnung doch große Dinge thun sollen. – Wem sollten die Augen über die Homöopathie nicht aufgehen, wenn er hört, daß gegen jedes Leiden, selbst gegen die unheilbarsten und sogar gegen chirurgische Uebel eine Menge von erprobten Heilmitteln empfohlen werden. So sollen (nach Jahr) bei Abortus 28, bei Krampfadern 23, bei Finnenausschlag 31, bei Aneurysmen 17, bei Balggeschwüren 8, bei Bleichsucht 32, bei eingeklemmten Brüchen 8, bei Brustwassersucht 18, bei Geistes- und Gedächtnißschwäche 16, bei Geistesverwirrung 42, bei schiefem Halse 7, bei Krebs 22, bei unglücklicher Liebe 8, bei Muttermälern 23 Mittel Heilung bewirken u. s. f. – Wer ist wohl so leichtgläubig, um die Prüfungen mit Mitteln, welche von den Homöopathen gegen die lebensgefährlichsten Zustände, wie Schlagfluß, Herzentzündung, Croup, Scheintod und Starrkrampf der Neugebornen, Kindbettfieber und Convulsionen der Wöchnerinnen, halbseitige Lähmungen u. s. f., empfohlen werden, für wahr zu halten. Versucher der Art müßten ja als Mörder dem Criminalgerichte anheimfallen. Doch hat man noch niemals sich aufopfernde Homöopathen infolge ihrer Arzneimittelprüfungen hinsiechen sehen, auch Hahnemann selbst war stets gesund und erreichte ein sehr hohes Alter. – Zur Bestätigung des Gesagten mögen noch folgende, der reinen Arzneimittellehre und den neuesten homöopathischen Werken entnommenen Thatsachen dienen:

Die Chamille, welche nach Hahnemann 448 Symptome hervorruft, erzeugt in großer Gabe und hebt in decillionfacher Verdünnung: freudenlose Stumpfsinnigkeit mit Schläfrigkeit; heftigen Appetit auf rohes Sauerkraut; zänkisch-ärgerliche Träume; Knacken und Knarren in der linken Hirnhälfte; Nichtaufhören, über alte ärgerliche Sachen zu reden; unerträgliches Bauchweh früh bei Sonnenaufgang; öfteres Versprechen; Gewissensscrupel über Alles; Bewegungen zu blinden Hämorrhoiden. – Helleborus hilft, wenn sich Einer unschicklich kleidet, wehmüthig beim Anblicke eines Unglücklichen wird, Heimweh und Verzweiflung am Leben hat. – Ipecacuanha erregt und heilt: mürrisches Wesen, was Alles verachtet und will, daß auch Andere nichts achten und schätzen sollen; Aufgelegtsein zum Bösewerden; Unbehülflichkeit und Ungeschicklichkeit, wenn man an Alles stößt. – Stechapfel (mit 463 Symptomen) ist empfohlen: wenn Einer zu sterben und den Abend nicht zu erleben glaubt, sich freut zu sterben und Anordnungen zu seinem Begräbniß macht; bei Dummlichkeit im Kopfe und Unzüchtigkeit.

Die Homöopathie besitzt innere Mittel gegen Scheintod, aber verschiedene Mittel bei Erfrorenen, Erhängten, Erstickten, Erschlagenen und Ertrunkenen; – gegen starke Appetite, aber verschieden nach dem Gelüste, wie nach Bier, Branntwein, Austern, Gurken, Sauerkraut, Heringen, Kaffee, Obst, Kalk, Kreide, Erde u. s. f.; – gegen die verschiedenartigsten Träume (angenehme, ängstliche, ärgerliche, ekelhafte, lebhafte, kopfanstrengende, von Tagesbegebenheiten, Dieben, Räubern, Gespenstern, Teufeln, Leichen, Begräbniß, Unglück, Krankheiten, Schlägerei, Mord, Schlangen, Ratten, Ungeziefer, Wasser, Feuer, mit Aechzen, Aufschrecken, Schreien, Sprechen, Schnarchen, Weinen, Kauen, Gesichtsverzerrungen, mit angezogenen, ausgestreckten oder gespreizten Beinen, über den Kopf geschlagenen Armen, auf der rechten oder linken Seite liegend u. s. f.); – gegen irrige Vorstellungen, und zwar gegen jede besondere ein anderes Mittel, z. B.: als sollte Einer gebraten werden, als sei er braungefleckt, als sei die Nase durchsichtig, als sei der Geist vom Körper los, als sei man ein Harlekin, auf einer Hochzeit, als sei das Scrotum geschwollen, als wären die Menschen Schweine, als müsse man nackt gehen, Andere bei der Nase fassen, auf einem Ochsen reiten u. s. f.

Ganz erstaunenswerth sind nun aber die verschiedenen Wirkungen eines und desselben Arzneimittels bei dem Menschen und bei den Thieren. So erzeugt und heilt z. B. der Schwefel beim Menschen: Scheu vor dem Waschen, Melancholie mit Zweifel am Seelenheile, große Neigung zu philosophischer und religiöser Schwärmerei, Würmerbeseigen, nächtliches Bettpissen und viel Neidnägel; beim Pferde den Dummkoller, Rattenschwanz, die Pörzelseuche und Piephacke, die Läusesucht und Hufspalte; beim Rinde: die Dreh- und Egelkrankheit, die Klauenspaltentzündung, die Absonderung von zäher, bitterer, dünner und wässeriger Milch, den Durchfall der Saugkälber und Sterzwurm; beim Schafe: Gesichtsgrind, Lungenwürmerseuche und Maulschwämmchen der Lämmer; beim Schwein: die Räude, den Ferkelausschlag und die Borstenfäule.

Aurum, Gold, erzeugt und heil nach Jahr: Zerschlagenheitsschmerzen (besonders in den gliedern und früh im Bette); lähmige Schmerzen und lähmiges Reißen; Ameisenlaufen hier und da; unruhigen Schlaf mit ängstlichen Träumen; weinerliche, religiöse Melancholie; Sehnsucht nach dem Tode und Selbstmordsucht; Zanksucht, Groll und jähzorniges Auffahren beim geringsten Widerspruche; dunkle, braunrothe Flecke auf der Nase und geschwürige, rissige, schorfige Löcher mit Geschwulst der Nase; Neigung vorhandener Brüche zum Austreten; Schüttern des Herzens, als wäre es los. – Nach Hahnemann erzeugt und hebt das Gold: geschärftes Denkvermögen, treues Gedächtniß, Jucken zwischen Daumen und Zeigefinger, Wohlbehagen und Lustigkeit, den Glauben der Liebe Anderer verlustig zu sein und dies kränkt bis zu Thränen.

Holzkohle (welche nach genauen Untersuchungen selbst in sehr großer Quantität keine andere Wirkung auf den Körper hat, als daß sie den Stuhl schwarz färbt), soll (nach Jahr) erzeugen und heilen: Schmerzen mit Angst und verzweifelter Hoffnungslosigkeit; Kopfschmerz und Katzenjammer nach Schwelgerei; rheumatisches Ziehen und Reißen mit Blähungsbeschwerden und Athemversetzen; brennende Schmerzen (besonders in den Gliedern und Knochen); Anfälle jählinger Schwäche bis zur Ohnmacht und Lähmung; zittrige Angegriffenheit und Erschöpfung; große Tagesschläfrigkeit; feinkörnige, frieselartige Ausschläge; viel Frostigkeit und Kälte; große Neigung zum Schweiß; weinerliche Verzweiflung, bis zum Erschießen; Furcht vor Gespenstern; rothe grindige Nase; finnige Blüthen im Gesichte; große Qual von Blähungen; viel Schleimabgang aus dem Mastdarm, bei und außer dem Stuhle; viel geile Gedanken; öftere Heiserkeit, besonders früh und Abends; Husten von der geringsten Erkältung; viel Schleimauswurf durch Husten. – Nach Cl. Müller hilft sie in der dritten Verreibung: bei Kopfschmerzen und Katzenjammer nach Schwelgereien, bei Flimmern vor den Augen, bei Trockenheit des Gehörganges oder völligem Mangel an Ohrenschmalz, bei Grindern an der Nasenspitze, bei rother Nase, bei Nasenbluten, Mundfäule, salzigem Geschmacke, braunem Zungenbelege, unbiegsamer harter Zunge, bei schmerzhaftem geschwollenen Zahnfleische in Folge von Sauen an den Zähnchen, bei Zahnweh zur Zeit der Regel, bei hartnäckiger Heiserkeit und Rauheit der Stimme, besonders früh und Abends, bei Krampfhusten, der durch Sprechen und schlechte Witterung schlimmer [428] wird, oder auch bei Husten mit grünlichem, übelriechendem, garstigem Auswurf und Kitzeln und Brennen im Kehlkopf, bei Kolik nach Magenverderbniß, faulig riechendem Stuhle, bei versetzten und sehr stinkenden Blähungen, bei Schleimabgang aus dem After, bei unwillkürlichem Harnabgang des Nachts im Schlafe (Bettpissen), bei Blutharnen, bei chronischen Hautkrankheiten (Flechten), bei Jucken an den Geschlechtstheilen, bei heftig brennenden und brandigen Geschwüren, die leicht bluten und sehr übel riechen, bei Drüsenverhärtung in der Leistengegend etc. –

Graphit (welcher in großer Menge ganz unverändert wieder fortgeht) soll nach Jahr erzeugen und heilen: Klammschmerzen mit röthlicher Geschwulst, Härt und Empfindlichkeit der Theile; Strammen wie von Muskelverkürzung und Krummziehen einzelner Glieder; leich Einschlafen der Glieder; sehr leichte Verkältlichkeit; Blutwallungen; allgemeine Angegriffenheit mit Stöhnen oder zittrigem Wesen; Balggeschwülste; Gichtknoten; Frostblasen und viele andere Hautbeschwerden; schwärmerischen, unerquicklichen Nachtschlaf mit Schlaflosigkeit wegen Zudranges vieler sorgenvoller Gedanken; verkrüppelte Nägel; große Neigung zum Gram bis zur Verzweiflung; Grauwerden der Hare; Ausschlag hinter den Ohren; halbseitige Lähmung und Verzerrung der Gesichtsmuskeln; geschwürige Ausschläge um Mund und Kinn; fauler urinartiger Mundgeruch; viel Qual von Blähungen; übermäßiger Abgang stinkender Winde; langwierige Hartleibigkeit oder stete Weichleibigkeit; unreine Gesangstimme; starker stinkender Fußschweiß. – Cl. Müller empfiehlt den Graphit in der dritten Verreibung: bei verhärteten Gerstenkörnern, übermäßigem Thränen der Augen, bei Augenschwäche, wo die Buchstaben zusammenfließen, bei Klopfen, Klingen, Brausen, Rollen, Knacken, Knallen, Fappen oder Platzen im Ohr und hinter demselben, bei Schwerhörigkeit, die im Fahren besser wird, bei leicht abgehenden Blähungen, bei röthlichem Bodensatz im Urin, bei Wasserbruch, bei der Rose, bei krustigem, fressendem Ausschlage mit feuchtenden, wunden Hautstellen, bei Flechten etc.


III. Die homöopathischen Arzneigaben.


Hahnemann behauptete, daß eine Arzneigabe kaum je so klein sein könne, daß sie nicht die ihr homöopathisch entsprechende Krankheit bessern und heilen könne. Er verdünnte deshalb die Mittel sogar decillion- und vigintillionmal. Von den jetzigen Homöopathen sagen Einige, daß eine solche allzuweit getriebene Kleinheit der Dosen homöopathischer Heilmittel mit dem Wesen der Homöopathie selbst nicht zu schaffen habe, sondern nur Sache der Vorliebe, der individuellen Anschauungsweise oder auch der Erfahrung einzelner Homöopathen sei. Andere halten dagegen noch fest an den Hahnemann’schen Gaben (an der dreißigsten Verdünnung), ja manche wollen die Verdünnung bis zum 1500- und 1600fachen gebracht wissen (die Anhänger der Hochpotenzen). Auf diese Meinungsverschiedenheit unter den Homöopathen über die Arzneigabe kommt übrigens gar nichts an, da die 3te Verdünnung gerade wie die 30ste wirkt, d. h. wie Nichts. Wenn man Wirkungen nach dem Einnehmen homöopathischer Arzneigaben bemerkt, rühren dieselben, wie oben gesagt wurde, allemal nur von natürlichen, im Körper gesetzlich wirkenden Processen her, auch wenn dies die fanatisirten blinden Anhänger der Homöopathie nicht glauben wollen. – Der Curiosität wegen ist dann noch zu erwähnen, daß Hr. Dr. Lutze in Cöthen (welcher zum Wohle der Menschheit für 21/2 Thlr. homöopathische Hausapotheken verkauft, die bei ziemlich häufigem Gebrauche doch recht gut zehn Jahre ausreichen), seine decillionfach verdünnten Arzneistoffe mit nur ihm eigenthümlichem, besonders kräftigen Lebens-Magnetismus versetzt, während Dr. Hering in Philadelphia in den Hochpotenzen eine neue Kraft, die er Hahnemannismus taufte, versteckt glaubt. Die von Lutze magnetisirten Arzneistoffe heilen jede Krankheit, und wird ein Patient dadurch wirklich nicht gesund, dann ist Dr. Lutze, wie er selbst sagt, entweder schwach an Glauben und Willen gewesen oder er hat empfunden, daß er in diesem Falle nicht helfen durfte (es ist ihm dabei, als würde ihm dies auf unsichtbarem Wege zugeflüstert). Doch kann die Schuld auch am Patienten liegen, und dieser hatte entweder dem Arzte nicht Alles gesagt, was an seinem Körper unregelmäßig ist, oder er hatte die vorgeschriebene Diät nicht streng gehalten, oder er hatte nicht Geduld, die Kur völlig auszubrauchen (denn Hochpotenzen wirken Jahre lang). – Was die Wiederholung der Gabe desselben oder eines andern homöopathischen Mittels betrifft, so sind die Ansichten hierüber unter den Homöopathen so getheilt, daß nicht nur Differenzen von Stunden und Tagen, sondern sogar von Monaten bestehen. Es kommt übrigens darauf, ob ein homöopathisches Mittel alle Stunden oder alle Jahre gereicht wird, ebensowenig wie auf die 3te oder 300ste Potenz dieses Mittels etwas an; es ist ja doch gleich Nichts.

Von den homöopathischen Verdünnungen macht sich der Laie gewöhnlich gar keine Vorstellung, er hat fast nie überdacht und noch weniger berechnet, was eigentlich Quintilliontel oder Decilliontel sind. Man beachte deshalb Folgendes: Hahnemann machte 30 Abstufungen der Verdünnung seiner homöopathischen Mittel, indem er 30 Fläschchen jedes mit 100 Tropfen (etwa ein Quentchen) Wasser (oder Spiritus) füllte, sodann in das erste Fläschchen einen Tropfen eines Arzneistoffes (Urtinktur) fallen ließ und durch Schütteln sorgfältig vermischte. Hiervon setzte er dann einen Tropfen dem Wasser im zweiten Fläschchen zu und mischte ihn wohl damit; hierauf nahm er wieder von dieser Mischung einen Tropen und brachte ihn in das dritte Fläschchen, aus diesem einen in das vierte u. s. f. bis zum 30sten. So entstehen 30 Verdünnungen, welche alle zusammen nur einem einzigen, sehr ungleich vertheilten Trophen Medicin enthalten, wovon im ersten Fläschchen jeder Tropfen der Mischung 1/100, im 30sten ein Decilliontel enthält. Um sich nun von der Größe dieser Verdünnungen einen deutlichen Begriff machen zu können, muß man sich die Quantität des Wassers und die Größe des Wasserbehälters denken, der den einen Tropfen Medicin aufnehmen muß, welcher bis zum Decillionfachen verdünnt werden soll. Genaue mathematische Berechnungen haben ergeben: die erste oder 100 fache Verdünnung besteht aus 50 Gran Wasser; – die 2te oder 10,000fache aus 101/2 Unzen; die 3te oder millionfache (I.) aus 651/2 Pfund; die 4te oder 100millionenfache aus 651/2 Centnern; – die 5te oder 10,000millionenfache aus 6550 Centnern (55 kubischen Klaftern); – die 6te oder billionfache (II.) aus 655,000 Centnern (5500 kub. Klaftern); – die 7te oder 100billionfache aus 6,550,000 Centnern (550,000 kub. Klaftern); – die 8te oder 10,000billionfache aus 55 Million Kub.-Klaftern (ein See von einer Quadratmeile und 31/2 Klafter tief); – die 9te oder trillionfache (III.) aus 1/12 einer Kubikmeile (ein See von 16 Quadratmeilen und 20 Klafter Tiefe); – die 12te oder quadrillionfache (IV.) aus 83,300 Kubikmeilen (die Gewasser des atlantischen Meeres bis zum Aequator); – die 15te oder quintillionfache aus 83,300 Millionen Kubikmeilen (so viel Flüssigkeit als 33 Erdbälle fassen können); – die 18te oder sextillionfache aus 24 Sonnen voll Wasser; – die 21ste oder sextillionfache aus 24 Millionen Sonnen voll (die Hälfte der Milchstraße); – die 24ste oder octillionfache aus 100 Mal soviel Wasser, als die gesmmte körperliche Schöpfung Raum einnimmt; – die 27ste oder nonillionfache aus 100millionmal mehr Wasser, als die Weltkörper der gesammten Schöpfung fassen würden; – die 30ste oder decillionfache aus so viel Flüssigkeit, als 24 Quadrillionen Sonnen oder 33 Quintillionen Erdkugeln Raum einnehmen müßten und durch welche Wasserkugel ein Lichtstrahl (welcher doch in einer Secunde 41,000 Meilen zurücklegt und von der Sonne zu uns in 8 Minuten 7 Secunden gelangt) 28 Jahre brauchen würde, ums sie zu durchdringen.

Einige Junghahnemannianer weichen von der Hahnemann’schen Verdünnungsmethode insofern ab, als sie nicht 1 Tropfen mit 100 Tropfen Wasser oder Spiritus mischen, sondern 10 Tropfen mit 90 Tropfen der Verdünnungsflüssigkeit, dann aus dieser ersten Verdünnung, um die zweite zu bilden, 10 Tropfen zu 90 Tropfen Flüssigkeit setzen u. s. f. Hier entspricht die 1ste Hahnemann’sche Verdünnung der 2ten Decimalpotenz, die 2te Hahnem. der 4ten Dec.-Pot., die 3te Hahnem. der 6then Dec.-Pot. u. s. f. Um die Menge des Arzneistoffes zu wissen, braucht man hier nur die der Potenzzahl gleichkommende Anzahl Nullen dieser anzuhängen, z. B. 1 Pot. = 1/10, 2. Pot. = = 1/100, 3. Pot. = 1/3000, 6. Pot. = 1/6000000 u. s. f.


Gefährlichkeit des homöopathischen Arzneigebens.

Daß bei der homöopathischen Heilmethode sowie bei jeder andern Heilkünstelei Kranke gesund werden, ist früher schon erklärt worden, und ganz natürlich, da dies den meisten Krankheiten infolge der Einrichtung unsers Körpers ganz von selbst geschieht, ja sogar nicht selten trotz unzweckmäßiger Diät und Behandlung. Wo man also der Natur die Heilung einer Krankheit allein überlassen kann, da wird eine homöopathische Behandlung sicherlich nichts schaden, denn ihre Streukügelchen aus Milchzucker und Tropfenverdünnungen sind gerade so viel werth wie die Mandelmilch, Gummimixtur etc. des Allopathen, d. h. sie sind gleich nichts. Ganz anders verhält sich aber die Sache bei Krankheitsfällen, wo der Arzt wirksam einzugreifen gezwungen ist. In solchen Fällen, und deren giebt es genug, steht der Homöopath mit seinem Nichts hülflos da (wenn er nämlich ein ächter und nicht ein Bastard Homöopath ist) und kann durch Unterlassung sehr viel schaden, ja sogar tödten. Möchten sich deshalb die Leser durch einige Fälle überzeugen lassen.

a) In Krankheitsfällen, wo sich flüssige oder gerinnende Ausscheidungen aus dem Blute in den Luftwegen anhäufen (wie bei Croup, Lungenentzündungen, Lungenödem), kann sehr oft nur durch Brechen der Erstickungstod verhindert werden. Das Brechen ist nun aber sehr oft blos durch Brechmittel zu erzeugen, und solche besitzt der Homöopath nicht, weshalb derselbe in allen den genannten Fällen, besonders bei Kinderkrankheiten, ein sehr gefährlicher Nicht-Arzt ist.

b) Sehr hochgesteigerte Herzthätigkeit, zumal bei organischen Herzleiden, kann lebensgefährliche Zustände herbeiführen, und deshalb ist eine Minderung dieser Thätigkeit öfters ganz unentbehrlich. Der Homöopath ist nicht im Stande, durch seine Nichtse eine solche zu bewirken.

c) Wechselfieberanfälle, wenn sie nicht sobald als möglich unterdrückt werden, ziehen hartnäckige und oft bleibende Vergrößerung [429] der Milz, nicht selten auch der Leber nach sich, und bedingen dadurch Blutverderbniß und Wassersucht. Daß die Homöopathie diese Anfälle mit ihren homöopathischen Gaben Chinins nicht zu unterdrücken vermag, lehrt die Thatsache, daß die Homöopathen (trotz Arseniks, Ipecacuanha, Pulsatilla, Veratrum, Ignatia, Eisen, China, Kochsalz, Capsicum neben der China) gewöhnlich ebenfalls noch zu großen Chiningaben greifen müssen, oder daß so sehr oft wassersüchtige Wechselfieberkranke mit geschwollenen Beinen aus den Händen homöopathischer Aerzte in die allopathischer übergehen. – Solchen Kranken würde ich den Rath geben, Schädenansprüche an ihren homöopathischen Arzt zu machen, denn er hat sie ohne Noth auf längere Zeit arbeitsunfähig gemacht.

d) Bei Syphilis und derartigen Uebeln kann der Homöopath durch sein Nichtsthun das ganze spätere Leben des Kranken zur Höllenqual machen und großes Familienunglück anrichten.

e) Der Homöopath schadet der Gesundheit in allen den Fällen, wo er bei Krankheitszuständen statt äußerer und chirurgischer Hülfe seine Mittel zum innern Gebrauche verordnet, wie: bei gewissen Hautkrankheiten, Augenleiden, Ohrübeln, Kehlkopfsaffectionen, Brustdrüsenkrankheiten, Brüchen, Harnbeschwerden, Genitalienleiden etc.

f) Der Homöopath erschwert vielen Patienten ganz unnützerweise ihr Kranksein dadurch, daß er sehr beschwerliche Symptome (z. B. Schmerzen, Schlaflosigkeit) durch seine Mittel auf einige Zeit weder zu lindern noch zu heben vermag, wie der Allopath es thut. Denn daß bisweilen Kopf- und Zahnschmerzen bei nervösen, hysterischen Personen nach homöopathischen Mitteln weichen, gleicht dem Aufhören der Zahnschmerzen schon auf der Treppe des Zahnarztes; auch schweigen nicht selten die heftigsten Schmerzen aus natürlichen Gründen endlich ganz von selbst. – Es ist oft sehr traurig, ansehen zu müssen, wie sich Kranke mit schmerzhaften Leiden in homöopathischer Behandlung fast zu Tode quälen. Deshalb springen in der Regel aber auch die fanatischsten Anhänger der Homöopathie von dieser ab, sobald sie von chronischen schmerzhaften Uebeln heimgesucht werden, und das ist es, was die Todtenliste der Homöopathen kleiner macht.

Hiernach wäre ein homöopathischer Arzt, – weil er der Natur im kranken Körper freien Lauf läßt – denn seine<!—Vorlage:eine--> Arzneien sind ja gleich nichts – einem alten mittelsüchtigen Allopathen allerdings vorzuziehen, niemals aber einem Jünger der physiologischen Medicin, welcher durch passende Diät (von welcher die Homöopathen ihren Speisezetteln nach noch sehr kindische Ansichten haben) und durch die am richtigen Zeitpunkte richtig gewählte Arzneistoffe die Naturheilungsprocesse unterstützt. – Wem seine Gesundheit und sein Leben lieb ist, der hüte sich deshalb vor der Homöopathie.


IV. Charakteristik Samuel Hahnemann’s.


Hahnemann – welcher, wie die Homöopathen schreiben: „getrost an die Seite anderer großer Reformatoren zu stellen ist, denn seine Liebe zur Menschheit reiht ihn zu Lessing, seine Verstandesschärfe stellt ihn zu Kant, sein Thatensinn zu Baco von Verulam, und der Eifer und die Kraft, mit der er die Satzungen einer medicinischen Hierarchie stürzte, zu Luther“; – er bekam nach der Erzählung seiner Anhänger, nachdem er mehrere Jahre prakticirt hatte, Ekel an der praktischen Medicin, deren Ausübung bei ihrem damaligen Zustande ihm sein Gewissen verbot, und widmete sich so lange unter Noth und Mühsal der Pharmacie und Chemie, bis er bei Prüfung der Chinarinde sein geniales Heilprincip entdeckte, welches er selbst als auf die unumstößlichste Wahrheit gegründet bezeichnet.

Ganz anders klingt die nach unleugbaren Thatsachen von seinen Zeitgenossen erzählte Lebensgeschichte Hahnemann’s. Nach diesen mußte sich H. aus Mangel an Patienten von der praktischen Medicin zum Uebersetzen medicinischer Werke zurück- und in den verschiedensten Flecken und Städten herumziehen; seine chemische Thätigkeit benutzte er aber hauptsächlich zum Geldmachen. So verkaufte er z. B. ein angeblich von ihm entdecktes neues Laugensalz unter dem Namen Alkali Pneum, die Unze für einen Friedrichsd’or (bei Hilscher in Leipzig), welches sich aber durch Hermbstädt’s, Klaproth’s und Karsten’s Untersuchung (der H. auch niemals widersprach) als gemeiner Borax herausstellte, von dem die Unze ein paar Groschen kostet. – Trotz der Aufdeckung dieses Schwindels ließ sich H. doch sehr bald einen zweiten, ähnlichen zu schulden kommen, indem er ein untrügliches Vorbauungsmittel gegen Scharlach, ebenfalls für einen Friedrichsd’or, verkaufte, welches nichts Anderes als ein ganz werth- und wirkungsloses Belladonnapülverchen war. – Ebenso zeigte H. auch durch sein Gebahren im ärztlichen Leben, daß es bei ihm hauptsächlich auf Geldmacherei abgesehen war. Denn nicht nur, daß er sich stets das Honorar für Behandlung von Krankheiten vorausbedungen hat, er ließ sich dasselbe auch, wenigstens zur Hälfte, vorausbezahlen. Er ließ sich ferner bei äußern Krankheiten, welche, wie ihm recht wohlbekannt war, nur durch chirurgische Hülfe gehoben oder erleichtert werden konnten (z. B. Bruchschäden durch Bruchbänder), fortwährend seine Pülverchen für schweres Geld, selbst von armen Leute, abkaufen. – Auch H.’s eigene Worte werfen das gehörige Licht auf seinen geldgierigen Charakter; denn er schreibt in der Bevorwortung zu seinen chronischen Krankheiten: „Wüßte ich nicht, zu welcher Absicht ich hier auf Erden war, – selbst möglichst gut zu werden und umher besser zu machen, was nur in meinen Kräften stand, – ich müßte mich für sehr weltunklug halten, eine Kunst vor meinem Tode zum gemeinen Besten hinzugeben, in deren Besitz ich allein war, und welche daher bei ihrer Verheimlichung mir fort und fort möglichst einträglich zu machen bei mir stand.“ Blickt durch diese Worte mit christlich-frommer Heuchelei nicht der Charlatan hindurch, der mit Arcanen zu wuchern gewohnt ist? Welcher edle Mensch und Arzt denkt wohl an Verheimlichung einer heilsamen Curmethode um des Erwerbs willen?

Wie in Geldangelegenheiten, so ließ sich H. auch in wissenschaftlicher Hinsicht eine Menge offenbarer Schwindeleien zu schulden kommen. So ersann und verunstaltete derselbe absichtlich Citate, wie nachgewiesen ist, als er nach Beweisstellen in alten medicinischen Schriftstellern (Hippokrates, Boerhave, Sydenham, de Haen etc. herumsuchte, die für die ewige Wahrheit des homöopathischen Princips zeugen sollten. – Er erdichtete ferner die Wirkung der Chinarinde, auf deren fiebermachende Kraft sich doch die ganze Homöopathie gründet. Denn niemals sind bisjetzt bei öfters wiederholten (früher auch unter der Aufsicht des Hrn. Hofrath Jörg angestellten) Versuchen mit der China die von H. angegebenen, einem Wechselfieberanfalle ähnlichen Erscheinungen eingetreten, und auch die jetzigen Homöopathen sind nicht im Stande, dieselben zu erzeugen. Dasselbe ist der Fall mit den meisten übrigen, von H. angeblich geprüften Arzneistoffen. Ueberhaupt ist die ganze Arzneimittellehre H.’s ein Mischmasch von Erdichtungen und Widersprüchen, in welchem, wahrscheinlich mit Fleiß, um die Controle zu erschweren, alle nähern Bestimmungen fehlen. Man erfährt z, B. nicht, von welchem Alter und welcher Körperbeschaffenheit Derjenige war, welcher das Mittel einnahm, in welcher Gabe und Form dasselbe gegeben wurde, wie oft und in welchen Intervallen es wiederholt wurde. Man ersähet daher auch nichts von der Entwicklung, Dauer, dem Verlaufe und Ausgange der ganzen Arzneikrankheit. Man traut seinen Sinnen nicht, wenn man liest, welche Wirkungen jedes, auch das indifferenteste Mittel in allen Organen des Körpers, vom Scheitel bis zur Zehe, hervorbringt, wie z. B. das ganz wirkungslose Blattgold den Menschen mit sich selbst uneinig und muthlos, jähzornig und widerwärtig macht u. s. f. – Auch fällt die grobe Inconsequenz auf, mit welcher H. seine Mittel an Gesunden probirte; denn während er früher mit homöopathische Gaben (z. B. mit der decillionfachen Verdünnung der Holzkohle operirte, will er später nur große Dosen angewendet wissen. – Die Krone als wissenschaftlicher Charlatan setzte sich H. nun selbst dadurch auf, daß er, im gröbsten Widerspruche gegen seinen Ur- und Hauptgrundsatz und zum Schrecken seiner, viele Jahre schon der Wahrhaftigkeit ihres Meisters und seiner Heilmethode blindlings vertrauenden Jünger (die deshalb auch überall von dieser Geschichte schweigen), plötzlich in einem vierbändigen Werke nachzuweisen suchte, daß bis dahin die homöopathische Behandlung von sieben Achteln der chronischen Krankheiten eine ganz nutzlose gewesen sei. Er selbst schreibt (im Jahre 1828) Folgendes. „Den Grund auszufinden, warum alle die von der Homöopathie gekannten Arzneien keine wahre Heilung in chronischen Krankheiten bringen und eine, womöglich richtigere Einsicht in die wahre Beschaffenheit jener Tausende von ungeheilt bleibenden – bei der unumstößlichen Wahrheit des homöopathischen Heilgesetzes dennoch ungeheilt bleiben – chronischen [430] Krankheiten zu gewinnen, diese höchst ernst Aufgabe beschäftigte mich seit den Jahren 1816, 1817 bei Tag und Nacht, und siehe! der Geber alles guten ließ mich allmälig in diesem Zeitraume durch unablässiges Nachdenken, unermüdete Forschungen, treue Beobachtungen und die genauesten Versuche das erhabene Räthsel zum Wohle der Menschen lösen.“ Was ist nun die Auflösung dieses erhabenen Räthsels? Sie ist: sieben Achtel der chronischen Kranken leiden an verborgener Krätze, ein Sechzehntel an verborgener Syphilis und das letzte Sechzehntel an Feigwarzensiechthum, und dagegen muß curirt werden. Was soll man nun von einem Manne sagen, der 12 Jahre lang, obschon er genau wußte, daß seine Heilmethode gegen die meisten Krankheiten nichts taugte, dennoch fortwährend für die unumstößliche Wahrhaftigkeit derselben einstand und diese dann plötzlich wieder über den Haufen stieß?

Das ist nun der Mann, welcher Luthern an die Seite zu setzen ist und dem man in der intelligenten Weltstadt Leipzig ein Denkmal zu setzen gestattete!!! Die folgenden Thatsachen werden das Gesagte bestätigen helfen.

Das Original des nachstehend abgedruckten Briefes befindet sich in der Autographensammlung eines hochgestellten Mannes zu Dresden. Der Patient, an welchen der Brief gerichtet ist, ging trotz der „mit viel Aufwand an Mühe und Kosten“ (NB. durch Schütteln und Verdünnen) von Hahnemann bereiteten Arzneien zu Grunde. Seine zwei Schwäger aber leben noch und gehören einer nahmhaften Familie Leipzigs an.

Lieber Herr N.

Ich schicke ihnen hier die Ihnen dienliche Arznei, die ich auf bewußte Weise fort zu brauchen bitte. Es wird noch ferner besser werden. – Sie wollten mir 10 Thlr. gleich nach den Feiertagen zustellen. Ich muß Sie aber bitten, mir zwanzig Thaler morgen oder übermorgen zu übermachen. Sie können nicht glauben, wie viel Aufwand an Mühe und Kosten mir die Zubereitung meiner Arzneien verursacht, um das damit ausrichten zu können, was ich wirklich damit ausrichte und Niemand mir nachthut.

Ergebenst Dr. Sam. Hahnemann.

Zwei achtbare Bürger Leipzigs (deren Namen durch den Verf. zu erfahren sind) gestatteten mir Folgendes zu veröffentlichen: 1) die Tochter Hahnemann’s, welche ihrem Vater in Paris bei seiner großen Hauspraxis Beistand leistete, versicherte Herrn N., daß alle Patienten Streukügelchen blos aus Milchzucker erhalten hätten. – 2) Als Herr N. von einer Tochter Hahnemann’s, die seine Hausgenossin war, ein homöopathisches Mittel gegen sein Unwohlsein wünschte, rieth ihm dieselbe, Thee zu trinken, da die homöopathischen Mittel doch nur „Dreck“ wären.


V. Die Anhänger der Homöopathie.
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Betrachten wir die homöopathischen Heilkünstler inner- und außerhalb Europa’s, so wird man finden, daß sich auch nicht ein einziger, in den Naturwissenschaften oder in der neuern Medicin bekannter oder erfahrener Mann darunter befindet. Dagegen trifft man auf eine Menge Heilkünstler mosaischen Glaubens, auf Söhne homöopathischer Aerzte, auf verdorbene Apotheker, Mediciner und Chirurgen, auf Laien (Stallmeister, Postsecretaire, Amtmänner, Oeconomen und Andere, denen es schmeichelt, ihre eigenen Viehdoctors zu sein), sowie auch auf Weiber (Frauen, Wittwen, Töchter und Schwestern von Homöopathen). Einige dieser Laien sind sogar vom homöopathischen Aberglauben so inspirirt worden, daß sie die Homöopathie auf eine noch weit übernatürlichere Höhe gebracht haben, als dies alle homöopathischen Heilkünstler mit dem Doctorhute zusammen gekonnt hätten. Wir erinnern an den Hrn. Stallmeister Jenichen mit seinen Hochpotenzen, der bis zur 1600fachen Verdünnung der Arzneimittel stieg, sein Verfahren aber beim Verdünnen (was, wenn es nach Hahnemann’s Vorschrift vorgenommen wird, über ein Menschenalter dauerte) in einen Schleier hüllte, der noch nicht gelüftet ist. Wir erinnern ferner an Hrn. Postsecretär Dr. Lutze in Cöthen, der durch seinen Lebens-Magnetismus die Wirksamkeit der decillionfachen Verdünnungen so steigern zu können behauptet, daß sie sogar mehr als die Hochpotenzen Jenichen’s leisten; der sogar im Stande ist, seinen Lebensmagnetismus auf reines Wasser zu übertragen und damit die auffallendsten Wirkungen hervorzurufen. Ueber diese Wirkungen mag man aber Hrn. Dr. Lutze’s Werke selbst nachlesen. – Erwähnenswert sind ferner noch die von Hahnemann Bastard-Homöopathen getauften Heilkünstler, welche im Bewußtsein der Schwäche ihrer homöopathischen Arzneiverdünnungen in Krankheitsfällen, wo es gilt, wirklich Wirkungen zu erzielen, zu allopathischen Mitteln in großen Gaben (wie zu Jod, Chinin, Quecksilber, Morphium) greifen. Solcher Bastard-Homöopathen giebt es sehr viele.

NB. Das Verdünnen bewirkte ein leipziger Homöopath durch Anbinden der Fläschchen an die Säge einer Dampfmühle; Mure durch eine Schüttelmaschine. Lutze’scher Lebens-Magnetismus ist da freilich nicht hineingekommen.


VI. Gegner der Homöopathie.
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Obschon in der früheren Zeit sehr viel gegen die homöopatische Heilmethode geschrieben worden ist (von Heinroth, Kramer, Baltz, Sachs, Simon u. A.), so wollen wir doch nur die auf gründlichere Erforschung der Homöopathie gestützten Ansichten zweier Autoren anführen. Ein Arzt ist von uns zuvörderst deshalb zu erwähnen, weil dieser die Blößen der Homöopathie und Homöopathen auf eine etwas absonderliche Weise kennen zu lernen suchte und dann als Resultat seiner Erfahrungen eine Schrift verfaßte unter dem Titel: Directer Beweis von der Nichtigkeit der Homöopathie als Heilsystem. Für Aerzte und Nichtärzte, von Dr. R. W. Fickel, ehedem dirigendem Oberarzte an der homöopathischen Heilanstalt zu Leipzig. 1840. – Dieser Arzt erwarb sich nämlich zuvörderst unter dem Namen Ludwig Heyne als homöopathischer Schriftsteller und Arzneimittelprüfer einen bedeutenden Ruf und von Seiten seiner homöopathischen Collegen die übertriebensten Lobpreisungen (s. Archiv der homöopath. Heilkunst. XIV. 2.), so daß er sogar von den Koryphäen in der Homöopathie den Namen eines Hohenpriesters erhielt und, als sein wahrer Name bekannt geworden war, die Stelle als Oberarzt in der leipziger homöopathischen Klinik angetragen bekam. Trotzdem daß nun Hr. Dr. Fickel, wie er selbst erzählt, die Wirkungen der angeblich von ihm probirten Arzneimittel (Aconit., sem. nigellae, actaea spicata, aqui leja, rad. caincae, solan. vesicatorium, vulvaria, kreosotum, ebenso wie die dazu gehörigen Krankengeschichten vollständig erdichtet hatte, wollten die homöopathischen Aerzte diese Mittel doch in denselben Krankheitsfällen mit dem glücklichsten Erfolge gebraucht und die angegebenen (ersonnen) Symptome buchstäblich wahrgenommen haben. In der oben genannten Schrift Fickel’s wird ferner noch der Nimbus von so mancher glücklichen Heilung genommen, manche Täuschung aufgedeckt und bewiesen, daß die für Homöopathen unheilbaren Krankheiten in aller Stille mit allopathischen Mitteln in großer Gabe geheilt wurden. Fickel’s Ausspruch ist: „Als Heilsystem ist die Homöopathie eine Irrlehre, in praktischer Anwendung ein Unding“.

Was die Resultate der öffentlichen homöopathischen Heilanstalten und insbesondere die der Heilanstalt in der Leopoldstadt zu Wien, der Vorsteher Dr. Wurmb ist, betrifft, so erhält man die beste Aufklärung hierüber und überhaupt darüber, ob die homöopathische Heilmethode bessere Erfolge habe als jede andere, in einer lesenswerthen Schrift des Dr. Eigenbrodt (vom Jahre 1854) über die wiener homöopathische Heilanstalt. Die Ergebnisse der Beobachtungen dieses genauen und nüchternen Beobachters, welcher in der physiologischen Medicin gehörig unterrichtet ist und ohne vorgefaßte Meinung beobachtete, sind die folgenden:

1) Nach der genauen Beobachtung einer größeren Reihe von verschiedenartigen mit homöopathischen Arzneiverdünnungen behandelten Krankheitsfällen konnte, bei vorurtheilsfreier Berücksichtigung des natürlichen Krankheitsverlaufes, den angewandten Mittel in keinem Falle nur die geringste Wirkung mit einiger Wahrscheinlichkeit zugeschrieben werden. – 2) Bei einer genauen Vergleichung des natürlichen Verlaufs der verschiedenartigsten Krankheitsformen bei rein diätetischer Behandlung mit ihrem Verlaufe im homöopathischen Hospitale läßt sich durchaus kein wesentlicher Unterschied entdecken. – 3) Plötzlich eintretende, das Leben bedrohende Krankheitserscheinungen können niemals bei rein homöopathischer Behandlung so, wie durch eine zweckmäßige, nach den Grundsätzen der neueren Medicin geleiteten Therapie beseitigt werden. – 4) Alle die Kranken belästigenden Symptome können durch die Wirkung homöopathischer Arzneiverdünnungen nicht entfernt oder gemildert werden, während die Beseitigung solcher Symptome, in vielen Fällen, und Erleichterung durch schmerzstillende und lindernde, nicht homöopathische Mittel fast immer möglich ist.


Zum Schlusse dieses Aufsatzes lege ich hiermit noch die Erklärung ab, daß ich diese Beleuchtung der Homöopathie nicht etwa im Interesse der Wissenschaft veröffentliche, denn die will von der unwissenschaftlichen Homöopathie nichts wissen, sondern nur im Interesse der Volksaufklärung und des Volkswohles. Ich fühlte mich hierzu deshalb verpflichtet, weil ich schon seit längerer Zeit bemüht bin, vernünftigere Ansichten über die Behandlung des gesunden und kranken menschlichen Körpers unter das Volk zu bringen. Ich glaube aber auch Recht zu thun, da selbst das Ministerium der Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten zu Berlin dem Dr. Schimko (welcher die Unnatürlichkeit der homöopathischen Heilmethode auf mathematischem und chemisch-geologischem Wege nachwies) seine Zufriedenheit über den guten Zweck zu erkennen gegeben hat, das Publikum über die Homöopathie aufzuklären.