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Titel: Der kranke Künstler
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 43, S. 739
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[729]
Die Gartenlaube (1888) b 729.jpg

Der kranke Künstler.
Nach dem Oelgemälde von E. Ravel.

[739] Der kranke Künstler. (Mit Illustration S. 729.) „Wer malt dies Bild da fertig, wenn ich sterbe? Es ist unmöglich, daß ich vor seiner Vollendung dahingehe!“ – Man glaubt dem kranken Künstler, dessen Auge besorgt auf seiner unvollendeten Schöpfung ruht, diesen Gedanken von dem Gesichte zu lesen. Lange hat er an dem Gemälde gearbeitet, seine beste Kraft hat er eingesetzt, um Vollendetes zu schaffen – da ist die Hand erlahmt! Und im Anschauen des Bildes, im Krankenstuhle, erkennt er, daß niemand im Stande sein wird, seine Schöpfung zu Ende zu führen. Andere können Anderes, vielleicht Besseres geben, aber nicht das! – – – Doch die Hoffnung ist nicht ausgeschlossen, die Hoffnung auf Genesung! Im Gegentheil: Die sorgende Gattin wird noch nicht Witwe, das spielende Kind nicht Waise werden, wenn es wahr ist, was man glauben möchte: der Schöpfer dieses prächtigen Bildes hat da ein Stück eigener Erfahrung gemalt.