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Titel: Der Vogel und der Wind
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aus: Die Gartenlaube, Heft 26, S. 447
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1891
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[447] Der Vogel und der Wind. Die neueren Forschungen haben uns manche Aufklärung über das Räthsel des Vogelfluges gebracht. Eine der merkwürdigsten ist die Feststellung der Wechselbeziehungen zwischen dem Vogelfluge und dem Winde. Der letztere, gegen den die Luftschiffer vergeblich ankämpfen, ist für den Vogelflug keineswegs eine feindliche Macht. Der Wind, und zwar der Gegenwind, trägt sogar gleichsam den Vogel. Es ist eine bekannte Thatsache, daß die Vögel beim Auffliegen stets die Richtung gegen den Wind einzuschlagen pflegen, und dies geht so weit, daß sie zutreffenden Falls selbst über dem Feuerrohr des Jägers oder dem Nachen des Verfolgers aufzusteigen suchen. Die schöne Art des Fluges, die wir z. B. beim Kreisen der Störche beobachten, der Segelflug, bei welchem der Vogel nicht mit den Flügeln schlägt, sondern sie ausgebreitet hält und nur zeitweise richtig einstellt, er ist ohne Wind nicht möglich. Diese Thatsache ist den Falknern schon in alten Zeiten bekannt gewesen, da sie oft beobachten konnten, daß bei den Kämpfen, welche verschiedene Vögel hoch in den Lüften ausführten, der Wind dem mit dem Segelflug ausgestatteten Vogel den Sieg sicherte. Unser Storch, der zwischen den Bäumen ein Stümper im Fluge ist, erweist sich als Meister, wenn er in höheren Regionen den frischen Windzug unter seinen Flügeln spürt. Wenn die Vögel ihre weite Reise nach dem Süden antreten, so benutzen sie dazu den Gegenwind, und wenn sie unterwegs aufs äußerste ermattet auf Schiffe niederfallen, so geschieht das vielleicht deshalb, weil der Wind umgeschlagen hat.

Ein französischer Forscher, Mouillard, beobachtete einen höchst bezeichnenden Fall. Ein Adler saß auf dem Gipfel einer Esche, da strich eine frische Brise durch die Luft, der Vogel breitete seine Schwingen aus und ließ sich gegen den Wind fallen. Er wurde von dem Winde auf eine Strecke von etwa 100 m um 50 m emporgehoben, ohne daß er einen Flügelschlag gethan hätte. – Die Menschen mühen sich ab, das Geheimniß des Fluges zu entschleiern und auch das Reich der Lüfte zu erobern. In dem Luftballon stiegen wir schon seit über hundert Jahren, aber nicht wohin wir wollen, sondern wohin der Wind will; der Wind in seiner Unberechenbarkeit ist der größte Feind der Luftschiffer. Allein er ist, wie die Forschung uns gezeigt hat, ein Beförderer des Vogelfluges, und diese Wahrnehmung macht es uns wahrscheinlicher, daß eine Lösung des Flugproblems nicht unmöglich ist. *