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Textdaten
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Autor: Widar Ziehnert
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Titel: Der Trompeter aus Pirna
Untertitel:
aus: Sachsen’s Volkssagen: Balladen, Romanzen und Legenden. Band 2, S. 15–20
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1838
Verlag: Rudolph & Dieterici
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Erscheinungsort: Annaberg
Übersetzer:
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Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
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[15]
2.
Der Trompeter

aus
Pirna.

[16] Diese wahrscheinlich geschichtlich wahre Begebenheit fällt in das letzte Viertel des vorigen Jahrhunderts.




[17]

Der Frühlingssonne falber Strahl
          durchbricht die Regenwolken,
es schmilzt der Schnee von Berg und Thal,
          das Eis wird trüb wie Molken.

5
Wer jetzt noch übern Elbstrom muß,

          der eile sonder Weilen,
          eh’ sich die Schollen theilen,
     noch heute bricht der Fluß.

Wer reitet im gestreckten Trab

10
          vom Städtlein dort zum Strande?

’s ist ein Trompeter, den der Stab
          nach Pirna gestern sandte.
Der muß, er muß noch heut zurück!
          Ach, himmlischer Erlöser,

15
          und die Gefahr wird größer

     mit jedem Augenblick!

Doch furchtlos kommt er an den Strand.
          Dort schleicht an seiner Krücke
ein Greis, und streckt nach ihm die Hand

20
          mit flehendlichem Blicke. –

Er hört wohl nicht des Bettlers Flehn?
          Wer mag’s ihm auch verdenken?
          Denn will er ihm was schenken,
     so wird die Zeit vergehn.

25
Und der Trompeter – hört den Greis,

          und schaut mit bangem Blicke
erst auf das weite Feld von Eis,
          dann auf des Alten Krücke,

[18]

und sucht in seiner Tasche lang,

30
          und giebt ihm eine Gabe,

          – ’s war seine ganze Habe –
     ein Groschen, neu und blank.

Der Alte schaut ihn dankend an:
          „Gott geb’ euch seinen Segen!“ –

35
„„Den werd’ ich brauchen, guter Mann!

          Ich geh’ dem Tod entgegen!““
ruft der Trompeter, und im Nu
          steigt er vom Pferd, und leitet
          es an der Hand, und schreitet

40
     dem Ufer drüben zu.


Wohl knattert unter ihm das Eis,
          wohl rauscht’s wie fernes Wetter,
doch zagt er wenig, denn er weiß
          im Himmel einen Retter.

45
Da bricht das Eis – hilf Jesu Christ! –

          wie er noch kaum die Mitten
          des Stromes überschritten,
     und Hülf’ ohnmöglich ist.

Und Scholl’ an Scholle wälzt sich fort,

50
          den wilden Strom hinunter,

und er in dem Verderben dort
          unrettbar mitten drunter.
Er steht, und neben ihm sein Pferd,
          auf einer von den Schollen,

55
          die nun mit wildem Rollen

     den Strom hinunter fährt.

[19]

Allaugenblicklich drohet ihm
          der Tod von allen Seiten,
jetzt macht der Schollen Ungestüm

60
          ihn sammt dem Rosse gleiten,

jetzt droht die Scholle, die ihn trägt,
          in Trümmern zu zerschellen,
          wenn sie im Druck der Wellen
     an eine and’re schlägt.

65
So zwischen Tod und Leben harrt

          er auf die Dresdner Brücke,
wo Mancher schon gerettet ward,
          und sieht mit freud’gem Blicke
sie endlich und das Volk darauf

70
          mit langen Rettungsleinen

          in weiter Fern’ erscheinen,
     und blickt zum Himmel auf.

„Gott, hier bei mir, wie dort am Strand!
          Du kannst mich Schwachen retten;

75
das Element hält deine Hand

          an ewig festen Ketten.
Herr Gott im Himmel, höre mich,
          wie ich um Hülfe flehe;
          doch, was du willst, geschehe,

80
     auf dich vertraue ich!“


So betet er. Am Strande stehn
          wohl viele Hülferufer,
doch Helfer keine, denn es gehn
          die Schollen fern vom Ufer.

[20]
85
Wie schaut ihn bis zur Brücke nach,

          wie ängstet sich die Menge,
          ob man ihn noch durch Stränge
     zu retten dort vermag.

Seht, nun, der Brücke nicht mehr fern,

90
          ist er dem Tod entgangen!

Jetzt wird sein Hoffen auf den Herrn
          gerechten Lohn empfangen.
Ha, seht, wie greift er tiefbewegt
          und schweigend zur Trompete,

95
          die seines Herzens Rede

     an beide Ufer trägt.

Er bläßt, wie wenn den nahen Tod
          er Lügen wollte strafen:
„Ein’ feste Burg ist unser Gott,

100
          ein’ gute Wehr und Waffen.“

Wie schaurig tönt der Wiederhall! – –
          Hilf Gott! die Schollen haben
          ihn sammt dem Roß begraben
     im wilden Fluthenschwall. –

105
Gerechter Gott, bist du gerecht?

          Hast du das Lied vernommen?
War seine Frömmigkeit nicht ächt?
          Hilfst du wohl deinen Frommen?
Gerecht ist Gott wohl immerdar,

110
          was auch geschehen möge,

          doch seiner Weisheit Wege
     sind – wunderbar.