Das germanische Nationalmuseum zu Nürnberg

Textdaten
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Autor: Sgd. S.
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Titel: Das germanische Nationalmuseum zu Nürnberg
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 3, S. 36–39
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1859
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Das germanische National-Museum zu Nürnberg.
Von Sgd. S.

Daß im Herzen des deutschen Vaterlandes, in der altehrwürdigen Reichsstadt Nürnberg, ein germanisches Museum besteht, dessen Streben darauf gerichtet ist, gleichsam ein Denkmal deutscher Geschichte, Wissenschaft, Cultur und Kunst aufzubauen, das ist eine Thatsache, die sowohl uns Deutschen wie auch den Ausländern den Beweis liefert, daß trotz aller separatistischen Hindernisse ein nationaler Sinn bei uns noch nicht geschwunden ist.

Ja, wir können mit Recht darauf stolz sein, in dem germanischen Museum einen Mittelpunkt zu besitzen, der aus dem Bedürfnisse einer allseitigen wissenschaftlichen Erforschung der historischen Quellen des Gesammtvaterlandes hervorgegangen ist. Welche herrliche Früchte wird aber noch der Baum tragen, der schon als junger Stamm auf dem Gebiete der Wissenschaft die kräftigsten Zweige getrieben hat! Bilden ja doch bereits jetzt nach Verlauf von wenigen Jahren über zweihundert der hervorragendsten Männer deutscher Wissenschaft den Gelehrtenausschuß des germanischen Museums, so daß es schon gleichsam zu einer Akademie der historischen Wissenschaften herangereift ist.

Das deutsche Volk kann es nicht genug anerkennen, daß ihm durch die Strebsamkeit des germanischen Museums ein großartiges Gesammtbild seiner früheren vaterländischen Zustände in Kirche, Staat und Familie vorgeführt und es ihm sonach möglich gemacht wird, durch Kenntniß der Vergangenheit eine richtige Anschauung der Gegenwart zu gewinnen. Denn die Vergangenheit in ihrer Wahrheit durch gründliche Forschungen zu durchschauen, und die im Schooße früherer Jahrhunderte schlummernden Schätze zu Tage zu fördern, das ist die schöne Aufgabe, welche sich das germanische Museum gestellt hat.

Ueberschaut man die wenigen Jahre seit dem Bestehen des germanischen Museums, so wird man von Staunen erfüllt, welche befriedigende Resultate diese Anstalt bereits erzielte, mit welcher Sicherheit sie aus der von ihr betretenen Bahn fortgeschritten ist, wie sie trotz vieler Hindernisse ihr schönes Ziel niemals aus den Augen verloren hat.

Schon im Jahre 1830 gab ein Handbillet des Königs Ludwig von Baiern, dessen erhabener Sinn für das Schöne und Edele sowohl in Deutschland, wie auch weit über dessen Grenzen hinaus bekannt ist, dem Freiherrn von Aufsess den Impuls zur Gründung eines deutschen Museums. Aufsess bot Alles auf, die Idee zu einem solchen Museum zu verwirklichen, und brachte seinen Plan wenigstens soweit in Ausführung, daß er eine allgemeine Gesellschaft für deutsche Alterthumskunde und Geschichte in Nürnberg begründete. Wurde auch dieser Gesellschaft von mancher Seite die gebührende Beachtung geschenkt, so stieß sie doch auch wieder auf viele nicht zu überwindende Hindernisse. Eine regelmäßige Jahresversammlung deutscher Geschichts- und Alterthumsforscher, wie sie Aufsess beabsichtigte [37] und im Jahr 1833 auch wirklich auf der Burg in Nürnberg zusammenberief, scheiterte in der Folge, und es vergingen viele Jahre, ohne daß sich die gegründete Gesellschaft so entwickelt hatte, wie es zu wünschen war. Auch auf der allgemeinen Germanistenversammlung zu Frankfurt am Main regte Freiherr von Aufsess im Jahre 1846 abermals die Idee zu einem deutschen Museum an, ohne jedoch auch diesmal seine Wünsche verwirklicht zu sehen. Fanden auch hier, wie im folgenden Jahre auf der Germanistenversammlung zu Lübeck, seine weitgreifenden, in einer gediegenen Denkschrift entwickelten Pläne die Zustimmung vieler Koryphäen der Wissenschaft, so mußte er doch zugleich die Ueberzeugung gewinnen, daß eine Durchführung seiner Idee noch nicht zu ermöglichen sei, vielmehr eine Verschiebung derselben für spätere Zeit rathsam erscheine.

Die Gartenlaube (1859) b 037.jpg

Innerer Hof des Karthäuserklosters in Nürnberg.
Kreuzgänge und Kirche.

Und in der That, der Scharfblick des Freiherr von Aufsess hatte die Verhältnisse richtig erkannt. Der zugleich sehr praktische Mann der Wissenschaft hatte nicht vergebens gehofft, in der Zukunft das schaffen zu können, wofür sich die Gegenwart noch nicht empfänglich genug zeigte. Erst sechs Jahre später, auf der Versammlung der Alterthums- und Geschichtsforscher zu Dresden, drang er mit seinen Vorschlägen durch, und unter dem Vorsitz des jetzigen Königs von Sachsen, damaligen Prinzen Johann, wurde die Gründung des germanischen National-Museums beschlossen.

Erschien auch diese Gründung in vieler Hinsicht höchst schwierig, da sowohl ein fester Sitz, wie auch ein Betriebscapital fehlte, so hielt man doch die Realisirung der schönen Idee keineswegs für ein Ding der Unmöglichkeit, denn die in Dresden tagenden Männer der Wissenschaft waren sich bewußt, daß bei den mächtigen Fortschritten unseres Jahrhunderts auf dem Gebiete der Wissenschaft, Kunst und Industrie endlich auch die Schätze der nationalen Denkmale deutscher Vorzeit der Vergessenheit entrissen und zum geistigen und materiellen Nutzen der Gegenwart ausgebeutet werden müßten. Man fühlte allgemein das Bedürfniß, jene Quellen der Vorzeit, nach welchen bisher nur von wenig einzelnen hochgelehrten Männern geforscht worden war, mehr zu einem Gemeingut der deutschen Nation zu machen, und dem Mangel einer deutschen Sitten- und Culturgeschichte, sowie der Unkenntniß des socialen Lebens der Vergangenheit abzuhelfen.

Der Plan, den Freiherr von Aufsess seit Jahrzehnten mit Energie und Begeisterung verfolgt, den er als einzeln stehender Mann bereits zu einem schönen Gebilde gestaltet hatte, er durfte nicht aufgegeben werden. Im Vertrauen auf die deutschen Gelehrten, auf die Regierungen und auf das ganze deutsche Volk konnte man um so mehr ein Gelingen der großen Sache erwarten, als in der Person von Aufsess ein Mann an der Spitze des Unternehmens stand, der bereits Beweise von aufopferndem Gemeinsinn gegeben hatte und aufrichtig darnach trachtete, eine Anstalt in’s Leben zu rufen, wodurch der deutschen Nation nach und nach ein treues Bild der Entwicklung ihres Volksgeistes gegeben werden könne.

Wie Nürnberg einst die Bewahrerin der deutschen Reichskleinodien gewesen war, so sollte es durch seine Wahl zum Sitz des germanischen Museums gleichsam die Bewahrerin jener Kleinodien [38] werden, welche von der geistigen Größe und Herrlichkeit des deutschen Volkes Kunde geben. Gerade Nürnberg mit seiner denkwürdigen Vergangenheit schien besonders geeignet, in seinen Mauern das germanische Museum als Mittelpunkt für die historischen Quellen deutscher Vorzeit zu besitzen.

Für den Anfang genügten die verschiedenen Zimmer in zwei geräumigen Häusern, um die vom Freiherrn von Aufsess dem Museum auf zwanzig Jahre zur Benutzung überlassene Bibliothek von zehntausend Bänden historischer Werke nebst den Repertorien und der reichen Sammlung von Kunst- und Alterthumsschätzen aller Art aufzustellen. Bald machte sich jedoch das Bedürfniß nach größeren Localitäten geltend. Die verschiedenen Zweige der Sammlungen waren von vielen Seiten mit schätzbaren Geschenken bedacht worden, die Anzahl der Beamten des Museums mehrte sich, so daß bei der geringen Aussicht, die in Nürnberg hinsichtlich eines geeigneten Hauses geboten wurde, die Conferenz des Ausschusses, trotz der Vorliebe für Nürnberg, auf die Propositionen des Großherzogs von Weimar oder des Herzogs von Gotha einzugehen geneigt war. Der erstere Fürst bot nicht nur die Räume der Wartburg zur freien Benutzung für die Sammlungen des Museums an, sondern war sogar bereit, seine eigenen Sammlungen mit diesen zu vereinigen und für die Besoldung der erforderlichen Beamten Sorge zu tragen. Aehnliche Vorschläge waren auch von Seiten des Herzogs von Coburg gemacht worden, der ebenfalls die durch Aufsess verwirklichte Idee mit großer Liberalität zu fördern suchte. Die Unterhandlungen mit König Maximilian von Baiern, der die wohlwollendsten Gesinnungen für das Museum bekundete, hatten noch zu keinem Resultate geführt, und es war eine geraume Zeit verflossen, ohne daß die Frage wegen des künftigen definitiven Sitzes der Anstalt entschieden worden war. König Maximilian hatte unterdessen dem Museum einen jährlichen Zuschuß von 1000 fl. und später von 2500 fl. bewilligt, vorausgesetzt, daß es Nürnberg erhalten bleibe; ebenso unterstützten noch viele andere gekrönte Häupter und Staatsregierungen die Anstalt durch regelmäßige Beiträge. Achtbare Männer aus allen Ständen erboten sich zur unentgeltlichen Uebernahme von Agenturen, und suchten namentlich durch Einsammeln von Geldbeiträgen in allen Gegenden des deutschen Vaterlandes im Interesse des Museums zu wirken und die Existenz desselben mehr und mehr zu sichern.

Denn wie zur Ausführung jeder großen, weittragenden Idee materielle Mittel erforderlich sind, so machte sich auch bei dem Museum das Bedürfniß nach Geld um so mehr geltend, als nicht nur die Regiekosten und Besoldungen namhafte Summen beanspruchten, sondern auch zur Erreichung des vorgesteckten Zieles die Sammlungen durch Ankäufe vermehrt werden mußten.

Die deutsche Bundesversammlung, welche gleich von Anbeginn des Museums demselben die Rechte einer juridischen Person zuerkannt hatte, empfahl es der Theilnahme und Unterstützung aller deutschen Regierungen, und bereicherte namentlich die Bibliothek des Museums um 6000 Bände, welche früher im Besitz der National-Versammlung zu Frankfurt gewesen waren. Es würde zu weit fuhren, hier auch nur die hauptsächlichsten Geschenke und Unterstützungen namhaft zu machen, deren sich das Museum von allen Seiten zu erfreuen hatte; sowohl das deutsche Volk, wie die Regierungen und Fürsten bethätigten die erfreulichste Theilnahme für das immer mehr emporblühende Institut.

Schon nach Verlauf von wenigen Jahren hatte der junge Baum die kräftigsten Wurzeln geschlagen, ja, zur Freude Aller, die an seinem Gedeihen Interesse nahmen, sollten sich diese Wurzeln in dem Boden, wo sie die ersten Keime getrieben hatten, immer mehr befestigen, indem durch einen Beschluß des Königs Maximilian von Baiern das schon früher in Aussicht gestellte Karthäuserkloster an das Museum überlassen wurde. Hiermit war die Anstalt in Besitz eines Wohnsitzes gelangt, der ihrem künftigen Bestand immer mehr Garantie bot und zugleich gestattete, die Kräfte ihres Organismus mit freudigem Muth weiter zu entfalten.

Eben dieser innere Organismus des Museums hatte sich im Laufe weniger Jahre trefflich entwickelt, und es dürfte wohl von Interesse sein, desselben hier näher zu gedenken.

Zur obersten Leitung des Museums war ein Directorium gewählt worden, bestehend aus dem Freiherrn Dr. von Aufsess als erstem und Rector Dr. Bang als zweitem Vorstand. Die Hauptaufgabe dieses Directoriums besteht darin, die in Bezug auf das Museum getroffenen Bestimmungen in jeder Hinsicht aufrecht zu erhalten, Beamte anzustellen und ihnen geeignete Arbeiten zuzuweisen, ferner die Oberaufsicht über die Sammlungen zu führen und die Zusammenkünfte der Ausschüsse zu berufen und zu leiten. Zur Seite des Directoriums steht ein aus vierundzwanzig Mitgliedern gebildeter Verwaltungsausschuß. Ferner sei hier noch des Gelehrtenausschusses gedacht, der aus einer unbestimmten Anzahl von Männern der Kunst und Wissenschaft gebildet ist und das Museum durch Förderung seiner wissenschaftlichen und artistischen Zwecke zu unterstützen hat. Es können aber nur solche Männer diesem Ausschusse als Mitglieder angehören, welche sich durch hervorragende Leistungen in irgend einer Fachwissenschaft bereits ausgezeichnet haben, so daß auf diese Weise eine vollständige Vertretung aller Zweige der Geschichte und Alterthumswissenschaft bei dem Museum erzielt worden ist.

Da das germanische Museum als eine der Geschichtswissenschaft dienende Anstalt betrachtet werden muß, so erscheint es vollkommen gerechtfertigt, daß gerade dem Archiv, das auch unter Leitung eines besonderen Vorstandes und Secretairs steht, die angelegentlichste Sorgfalt zugewendet wird. Sein Hauptaugenmerk ist darauf gerichtet, aus dem unsicheren Privatbesitze noch manchen Schatz für die Wissenschaft zu retten und namentlich auch durch Copieen und Regesten nach und nach werthvolle handschriftliche Schätze zu sammeln. Außer der höchst schätzbaren Urkundensammlung verdient noch das mit derselben vereinigte Verzeichniß aller für die deutsche Geschichte bedeutungsvollen urkundlichen Schätze genannt zu werden.

In engster Beziehung zu dem Archiv steht die Bibliothek, in eine Abtheilung der Handschriften und in eine solche der Druckwerke zerfallend, welche systematisch geordnet in den geräumigen Sälen des Karthäuserklosters aufgestellt sind. Die wichtigsten Urkunden und Documente der deutschen Geschichte sind also hier entweder in Original oder guten Copieen aufgestellt und zwar so systematisch geordnet, daß der Forscher und Gelehrte sofort ohne große Mühe die nöthigen Quellen finden und benutzen kann. Die Abtheilung der Handschriften bewahrt höchst namhafte Werke, ist aber auch, wie erwähnt, durch treue Copieen wichtiger Handschriften wesentlich bereichert worden. Auch die Druckwerke der Bibliothek haben seit Bestehen des Museums sehr ansehnliche Beiträge erhalten, da namentlich viele hundert Buchhändler ihre Verlagswerke unentgeltlich liefern. Es wird dadurch die Bibliothek mit der Zeit eine große Bedeutung gewinnen und dem Forscher alle die Druckschriften in erwünschter Vollständigkeit bieten, welche auf deutsche Geschichte und deutsches Leben irgend welchen Bezug haben. Die Kunst- und Alterthumssammlungen des Museums wurden bisher von Freunden in der Nähe und Ferne mit den schätzbarsten Geschenken so reichlich bedacht, daß schon jetzt einzelne Zweige dieser Sammlung ein befriedigendes Bild der schaffenden Künste deutscher Vorzeit bieten. Noch viele Jahre können allerdings vergehen, bevor die Kunstsammlungen des Museums die Vollständigkeit erreicht haben, wie sie mit Recht angestrebt wird und auch nothwendig ist, wenn es sich darum handelt, uns durch Erzeugnisse der bildenden Kunst und durch Producte der gewerblichen Thätigkeit ein Bild vergangener Jahrhunderte vorzuführen.

Das Karthäuserkloster mit seinen weitausgedehnten Kreuzgängen, den großen Sälen und zahlreichen Zimmern bot nicht allein für die Bibliothek und das Archiv die geeignetsten Räumlichkeiten, sondern gestattete namentlich für jeden Hauptzweig der Kunst- und Alterthumssammlung ein separates Local einzurichten. Glasmalereien, Teppiche, Altäre, Taufbecken finden wir in einer im gothischen Style erbauten Capelle. Andere kirchliche Gegenstände, Reliquarien, Kirchenornate und Gefäße sind in einer kleineren gothischen Capelle aufgestellt, während die Sammlungen von Gemälden, Sculpturen, Holzschnitten, Kupferstichen, Münzen, Siegeln, Waffen, Medaillen und Hausgeräthen wohlgeordnet in verschiedenen Sälen und Zimmern aufbewahrt werden. Zahlreichen Grabmonumenten der hervorragendsten Männer und Frauen Deutschlands von der frühesten Periode des deutschen Reiches bis zum dreißigjährigen Kriege begegnen wir in dem schön gewölbten Kreuzgange. Es bilden diese in langer Reihe aufgestellten Grabmonumente gleichsam ein Ehren- und Geschichtsdenkmal, das die Gegenwart den großen Verstorbenen in diesen so ganz dazu geeigneten Räumen gesetzt hat.

Die Kunst- und Alterthumssammlungen des germanischen Museums dürften viele Laien mit am meisten interessiren. Sie erregen im Vergleich mit ähnlichen Sammlungen in anderen Städten schon dadurch eine größere Aufmerksamkeit des Beschauers, daß jedes einzelne Zimmer, in dem die Gegenstände aufgestellt sind, getreu in [39] dem Geschmack der Vorzeit hergerichtet ist und dem Auge neben höchst übersichtlicher Zusammenordnung der Originale und Copieen ein anziehendes und belehrendes Bild in abgerundetem Rahmen geboten wird.

Viele Copieen aus verschiedenen fremden Sammlungen weisen uns darauf hin, wie äußerst förderlich eine solche Art der Vereinigung des zerstreuten Materials zur deutschen Kunst- und Alterthumsgeschichte werden muß. Es wird sich hierdurch das Museum nach und nach eine Sammlung erringen, wie sie keine andere Anstalt aufzuweisen hat. Durch die vor mehreren Jahren im Museum gegründete Gypsgießerei und ein Zeichnungsatelier ist man im Stande, unter der Leitung talentvoller Künstler Bedeutendes zu liefern, und nicht allein die bereits vorhandenen Copieen von Jahr zu Jahr wesentlich zu vermehren, sondern dieselben auch durch Verkauf für das Publicum nutzbar zu machen.

Durch den jeden Monat von Seiten des germanischen Museums veröffentlichten Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit wurde nach Gründung der Anstalt von Neuem ein Vermittlungsorgan zwischen den Männern der Wissenschaft und dem Publicum überhaupt geschaffen, dessen Wichtigkeit schon im Jahre 1833 erkannt worden war, obwohl sein Erscheinen nach Verlauf mehrerer Jahre nicht länger durchgeführt werden konnte. Jetzt erfreut sich aber diese Zeitschrift der vielseitigsten Theilnahme und hat nicht allein durch eine Reihe gediegener Abhandlungen, sondern auch durch regelmäßige Berichte über den Fortgang des Museums ihre Bestimmung in jeder Hinsicht erfüllt.

Blickt man zurück auf die fünfjährige Wirksamkeit des germanischen Museums, so muß man der Anstalt um so mehr die vollste Anerkennung zollen, wenn man bedenkt, daß im Anfange alle Mittel zur Unterstützung derselben fehlten. Denn gar viele Leute, welche zwar den von Aufsess entworfenen Plan vollkommen billigten, wollten sich erst überzeugen, ob das germanische Museum einer Entwickelung fähig sei, bevor sie die zur Durchführung des Planes so nothwendigen Geldmittel hergaben. Trotzdem hat sich das schöne Unternehmen des thatkräftigen Privatmannes Bahn gebrochen, es hat Früchte getragen und sich den Beifall der deutschen Fürsten und Regierungen, so wie aller derer errungen, welche sich herbeiließen, das Museum und seine Tendenz zu prüfen.

Der patriotische Sinn der Deutschen und der Wahlspruch des germanischen Museums „Durch Einheit stark“, sie haben sich bald bewährt, denn nur durch die Wirksamkeit vereinter Kräfte war es möglich, das germanische Museum jenem erhabenen Ziele entgegenzuführen, das es sich gestellt und zum Theil errungen hat. Von der Theilnahme Aller bereichert, steht es in der engsten Beziehung zu dem deutschen Volke. Die ganze Nation ohne Unterschied der Stände hat die Bausteine zu einem Tempel herbeigetragen, in dem die Errungenschaften der Wissenschaft und Kunst aus früheren Jahrhunderten zum Nutzen und Frommen der Gegenwart und Zukunft niedergelegt werden. Besitzt ja doch nunmehr in dem germanischen Museum auch Deutschland ein Nationaleigenthum, durch dessen Aufbau das Volk den besten Beweis gegeben hat, was sein kräftiger Gemeingeist zu schaffen vermag, sobald es gilt, eine großartige Idee zu fördern.

Biographie und Portrait des Gründers dieses echt nationalen Instituts theilen wir in einer der nächsten Nummern mit.