Das Teutsch-Denkmal zu Hermannstadt in Siebenbürgen

Textdaten
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Autor: L. K.
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Titel: Das Teutsch-Denkmal zu Hermannstadt in Siebenbürgen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 18, S. 578–579
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1899
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[578] Das Teutsch-Denkmal zu Hermannstadt in Siebenbürgen. (Zu dem Bilde S. 579.) Die Siebenbürger Sachsen ehren in würdiger Weise das Andenken ihrer hervorragenden Stammesgenossen, welche auf die nationale und kulturelle Entwicklung ihres Volkes von entscheidendem Einflusse gewesen sind. Voriges Jahr errichteten sie ihrem Reformator Honterus ein charakteristisches schönes Denkmal in Kronstadt, und heuer ist es der im Jahre 1893 verstorbene Sachsenbischof Teutsch, dem seine Volksgenossen durch ein Standbild in Hermannstadt den Tribut tiefgefühlter Dankbarkeit darbringen wollen. Am 19. August dieses Jahres fand die Enthüllung des von Professor A. v. Donndorf geschaffenen Denkmals statt, wozu, wie bei der Honterusfeier, der Gustav Avolf-Verein und der Evangelische Bund, Vertreter der Wissenschaft aus dem Inland und „aus dem Reich“, sowie das ungarische Ministerpräsidium, vor allem aber die vielen Freunde des Bischofs Teutsch von nah und fern geladen worden sind.

Es ist nicht Ueberhebung von seiten des sächsischen Volkes in Siebenbürgen, daß es sich schon wieder eine so erlesene Gesellschaft zu Gaste lud; nur zufällig folgten die beiden Feiern so schnell hintereinander; – und vielleicht doch nicht ganz zufällig; denn wenn man in Siebenbürgen bisher nicht Zeit und Mittel fand, auch nur ein einziges Standbild zu errichten, so mahnen vielleicht die Stürme der Gegenwart, die keinen Winkel der österreichisch-ungarischen Monarchie verschonen, daran, solche Zeichen lebender und unvergänglicher Volkskraft aufzurichten, damit alle sehen, wie wenig man geneigt ist, sein sächsisches Volkstum aufzugeben.

Und fürwahr, in ihrem verewigten Bischof Teutsch haben die Sachsen einen Mann gehabt, in dem sich die unverfälschte sächsische Volksidee verkörperte. Für die Rechte seiner evangelischen Kirche und Schule hat er in stiller Gelehrtenarbeit unermüdlich gewirkt; er hat sie als Politiker verteidigt auf den Landtagen in Klausenburg und Hermannstadt, im Reichsrat zu Wien und im ungarischen Magnatenhause; er ist für sie persönlich eingestanden vor den Ministern, wie vor dem Monarchen selbst; – und was sein größtes Verdienst ist: er hat eine Geschichte seines Volkes geschaffen, wozu er, wie sein Biograph ganz richtig sagt, „die Bausteine aus dem Bruch schuf“, – eine Geschichte, von welcher der bekannte Geschichtschreiber Ludwig Häußer schrieb, er habe bei deren Lektüre „nur das eine wehmütige Bedauern empfunden, daß Deutschland nicht eine ähnliche Geschichte des gesamten deutschen Vaterlandes für das Volk besitze“.

Teutsch ist indessen auch bei Lebzeiten viel [579] hohe Anerkennung zu teil geworden: die theologische und philosophische Fakultät zu Jena und die juridische zu Berlin ernannten ihn zum Ehrendoktor; von ersten gelehrten Gesellschaften Deutschlands und vom Centralvorstand des Gustav Adolf-Vereins, wurde er der Mitgliedschaft gewürdigt, von deutschen Fürsten ausgezeichnet; und auch das höchste Glück blieb ihm nicht versagt; er hat sich die Herzen seines Volkes erobert für alle Zeiten. Daß dem also ist, will dieses Volk in der alten Sachsenfeste Hermannstadt beweisen.

Das Denkmal erhebt sich vor der evangelischen Hauptkirche, das Postament besteht aus poliertem schwedischen Granit mit einem Bronzefries, und auf der Vorderseite und Hinterseite befinden sich die Medaillons der vier hervorragendsten Mitarbeiter des Bischofs. Der hohen, in Erz gegossenen sympathischen Gestalt hat die Meisterhand Donndorfs große Lebenswahrheit verliehen, und nicht ohne Bewunderung und Ergriffenheit kann man die milden und doch energischen Züge dieses edlen Kopfes betrachten.
L. K.
Die Gartenlaube (1899) b 0579 1.jpg

Das Teutsch-Denkmal zu Hermannstadt in Siebenbürgen.
Nach dem Entwurf von A. v. Donndorf.