Hauptmenü öffnen
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Conservirte Eier
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 36, S. 607–608
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1879
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

[607] Conservirte Eier. Bekanntlich bedient man sich schon seit Jahren, sowohl in der Haushaltungstechnik, wie auch zur Ernährung auf Reisen, conservirter Nahrungsmittel, insbesondere conservirten Fleisches, conservirter Milch und conservirter Gemüse. An das Aufbewahren eines Nahrungsgegenstandes, welcher mit zu den Unentbehrlichsten gehört, nämlich der Eier, hatte bis jetzt noch Niemand ernstlich gedacht. Ein einsichtiger Industrieller, Herr B. von Effner in Passau in Niederbaiern, kam auf die Idee, auch das Ei so zu präpariren, daß es sich Monate, ja [608] Jahre lang aufbewahren läßt, ohne von seinen Nähreigenschaften zu verlieren und ohne in Fäulniß überzugehen. Das Princip, welches der Präparation dieser Eierkonserven zu Grunde liegt, beruht in dem Abdampfen des Wassers, welches in dem Eiweiß und dem Eidotter enthalten ist, das heißt des Stoffes, der die Verwesung verursacht.

Zu geeigneter Jahreszeit, also im Frühling und Herbst, werden frischgelegte Eier sorgfältig aufgeschlagen, durch den Geruchsinn auf die Güte geprüft und sodann auf kleinen Metallplatten bei mäßiger Hitze unter starkem Luftzug getrocknet. Eiweiß und Eigelb werden theils getrennt, theils gemischt in den Handel gebracht. Alle sich vorfindenden mangelhaften Eier werden ausgelesen und kommen theils getrocknet, theils in flüssiger Form als Vogel-, Hühner- und Mastfutter mit Kleie und Kartoffeln vermischt in den Handel.

Nachdem die Eier getrocknet sind, werden die einzelnen Plättchen abgeschabt, die getrockneten Massen gesammelt und in der Zerkleinerungsmaschine entweder in Körner- oder in Pulverform verwandelt. Sind die Massen zerkleinert, dann wird durch Siebe das Pulver von den Körnern geschieden und die Pakete werden gepackt, welche je nach Zweck 3000 bis 10,000 Stück enthalten. Ein ganzes getrocknetes Ei entspricht einem Gewichte von 10 bis 11 Gramm, das Eigelb allein einem solchen von etwa 8 Gramm und das Eiweiß allein einem solchen von ungefähr 3 Gramm.

Was nun den häuslichen Gebrauch dieser Eier anlangt, so eignen sich dieselben vornehmlich zur Darstellung von Gebäck, sowie als Ersatz der frischen Eier, in allen Zweigen der Kochkunst; dagegen können sie, in Form einfacher Eierspeisen genossen, den Geschmack frischer Eier nicht ersetzen. Auch ist es durchaus nicht die Absicht des Erfinders, die getrockneten Eier den frischen an Werth gleichstellen zu wollen.

Gasthofbesitzer, Bäcker, Conditoren und Industrielle, welche viele Eier zu ihrem Geschäfte benöthigen, haben oft großen Schaden durch Bruch, sowie durch schlechte Waare, welche bei den Masseneinkäufen sich stets findet. Bei den Effner’schen Eierconserven wird dies vermieden, und hat man nur nöthig, die Büchse zu öffnen und die benöthigten Löffel voll Pulver herauszunehmen.

Gebraucht man zur Herstellung von Mehlspeisen mehr Eiweiß oder mehr Eigelb, so hat man ja diese Stoffe in Büchsen getrennt. Der Soldat im Felde, sowie der Tourist ist im Stande, durch Zugabe des Eipulvers zu jeder Speise in einigen Minuten eine treffliche Mahlzeit zu bereiten, besonders aber auf Schiffen dürfte diese Conserve in Anbetracht der mangelhaften Transportfähigkeit frischer Eier großen Vortheil bieten. Auch ist der Preis der getrockneten Eier zu Zeiten bedeutend billiger als derjenige frischbezogenen Materials. Nicht nur zu Speisezwecken soll diese neue Erfindung dienen, sondern auch zur Förderung gewisser Industriezweige; Gerber, Handschuhledermacher, Lebküchner, Zuckerwaarenfabrikanten, Photographen, Kattundrucker und viele andere Techniker bedürfen in großer Masse des Weißen oder Gelben der Eier. Für alle diese Industriezweige bieten die Eierconserven eine praktische und bequeme Anwendungsform des Materials dar. Die Eierconserven enthalten nach den Zeugnissen hervorragender Chemiker, des Professors der Chemie Dr. G. E. Wittstein, sowie des Professors der Physiologie Dr. Voit in München, keinerlei schädliche Stoffe, sondern nur die Bestandtheile, welche dem frischen Ei vollständig analog sind. Auch die Redaction dieses Blattes hat Gelegenheit genommen, durch einen ihrer ärztlichen Mitarbeiter die Eierconserven sowohl auf ihren chemischen wie auf ihren Gesundheitswerth untersuchen zu lassen, und die Untersuchung ist zu den gleichen Resultaten wie diejenigen der oben genannten Chemiker gelangt.