Brieftaubendienst auf hoher See

Textdaten
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Autor: Karl Ruß
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Titel: Brieftaubendienst auf hoher See
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 51, S. 873, 875
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[873]
Die Gartenlaube (1893) b 873.jpg

Brieftaubendienst auf hoher See.
Nach einer Originalzeichnung von Willy Stöwer.

[875] Brieftaubendienst auf hoher See. (Zu dem Bilde S. 873.) Ueberblicken wir die Entwicklung des Brieftaubenwesens in Deutschland seit dem Kriege von 1870, so können wir uns überzeugen, daß man es hier nicht mehr lediglich mit einer Sache des Sports, wie uns die Brieftaubenliebhaberei aus Belgien her überkommen war, sondern vielmehr mit einem ernsten Streben zu thun hat. Wir können in dieser Beziehung auf die ausführlichere Darstellung in Nr. 11 des Jahrgangs 1890 verweisen. Der praktische Werth der Brieftaube ist, wenigstens soweit es sich um ihre Verwendung im Kriege handelt, ziemlich allgemein zugegeben, und wenn sie schon für den Landkrieg von Bedeutung ist, so gilt dies noch mehr für den Dienst auf hoher See. Denn hier steht ihr nicht die Konkurrenz des Telegraphen und all der übrigen Beförderungsmittel von Kriegsnachrichten, wie des Reiters, des Radfahrers, des Kriegshundes, des Luftballons u. a., zur Seite, hier ist sie es allein, welche wichtige Nachrichten schleunig vermitteln kann.

So sehen wir denn, daß auch die Kriegsmarine des Deutschen Reichs bereits mit Brieftauben ausgestattet ist. Und wenngleich sich die Sache zunächst noch in Versuchen bewegt, so ist doch der Erfolg bereits durch die That erwiesen. Als Kaiser Wilhelm II. seine ersten Reisen zur See unternahm, stellte der Verband der deutschen Brieftaubenzüchtervereine für das Schiff des Kaisers Brieftauben in ausreichender Anzahl und sorgfältiger Auswahl zur Verfügung. Diese Tauben kamen auch fast sämtlich gut an und vermittelten die Nachrichten nach dem Lande hin so rasch und sicher, wie es in keiner andern Weise zu ermöglichen gewesen wäre. Natürlich wird man für den Dienst auf hoher See stets besonders kräftige, kerngesunde Thiere auswählen müssen, und zwar aus Schlägen, die von ihnen bald und ohne große Gefahren erreicht werden können. Seitens der deutschen Marine sind darum auch vornehmlich Tauben aus Städten in der Nähe der Nord- und Ostseeküste bezogen worden.

Unser Bild zeigt uns den Aufflug einer Anzahl Brieftauben von Bord einer deutschen Korvette, welche mit anderen Kriegsschiffen zusammen in See manövriert. Ein Matrose hat unter Aufsicht von Offizieren den Käfig geöffnet, die gefiederten Boten schwingen sich in die Höhe, suchen sich ihre Richtung, um dann pfeilgeschwind davonzustürmen. Ein anderer Mann hat die Zeit des Aufflugs genau notiert, damit man nachher die Fluggeschwindigkeit der einzelnen Thiere feststellen kann.
Dr. Karl Ruß.