« Kapitel B 4 Beschreibung des Oberamts Wangen Kapitel B 6 »
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5. Gemeinde Eggenreute,
bestehend aus 34 Parzellen und eben so vielen geschlossenen Markungen mit 274 katholischen, 9 evangelischen, zusammen 283 Einw. Dieser Gemeindebezirk ist sehr zerstückelt und liegt mit einem großen Theil seiner Markungen im Umfang der Gemeinde Pfärrich. Was oben S. 5 von dem hügeligen Gelände des ganzen Oberamts gesagt ist, gilt vorzugsweise von diesem Bezirk, der eine Hochebene mit einem Gewirr von zahllosen kleinen Anhöhen und Vertiefungen darstellt. Der Karbach auf der Ost- und der Eggenbach auf der Westseite durchziehen, der letztere in einem ziemlich vertieften und engen Thale, den Bezirk in südlicher Richtung. Die Ravensburger Landstraße durchschneidet nur auf eine ganz kurze Strecke zwei Markungen; die übrigen Parzellen sind von dem Verkehr abgeschieden. Die Vereinödung ist hier uralt, vielleicht ursprünglich. Das Klima ist rauh, der Boden nicht der beste, doch wird Viehzucht und Ackerbau mit Vortheil betrieben, und die Gemeinde zeichnet sich durch eine glückliche Mitte des Wohlstandes aus, so daß man nichts von Armuth weiß, und seit 10 Jahren von der Gemeinde kein Kreuzer für Bedürftige zu verausgaben war.[1] Gewerbe hat diese Gemeinde, eine unbedeutende Mahlmühle ausgenommen, eigentlich gar keine. Branntweinbrennereien sind jedoch zahlreich, indem fast die Mehrzahl der Bauern einen Theil ihres Kartoffelertrags zu Branntwein verbrennt.| Gemeinde-Aktiva sind nicht vorhanden; dagegen hat die Gemeinde ein Passivum von 5000 fl. Sämmtliche Parzellen gehörten ehemals zum Kloster Weingarten mit niederer Gerichtsbarkeit und Kollektationsrecht; die hohe und forstliche Gerichtsbarkeit stand der Landvogtei zu. Die Erwerbungen des Klosters sind im Folgenden, so weit sie bekannt sind, einzeln namhaft gemacht. Im Allgemeinen ist zu bemerken, daß Truchseß Johann von Waldburg im J. 1305 alle seine in der Pfarrei Karsee gelegenen Güter – worunter also ohne Zweifel auch diesseitige Parzellen – an das Gotteshaus Weingarten verkaufte. Im J. 1803 kam Eggenreute mit Weingarten an Nassau-Oranien, 1806 an die Krone Württemberg. Von diesem Jahre an bis 1810 war die Gemeinde dem Oberamt Altdorf, von 1810 an ist sie dem diesseitigen Oberamt zugetheilt. Der Gemeindebezirk hat weder eine eigene Kirche, noch eine Schule, sondern ist nach Amtzell, Pfärrich, Karsee und Waldburg (letztere beide im Oberamt Ravensburg) eingepfarrt und schulpflichtig; das Nähere wird bei den einzelnen Parzellen bemerkt werden. Der Staat bezieht die Zehnten in Eggenreute selbst (und hier auch den Heu- und Blutzehnten) und in den Parzellen 2, 5, 6, 9, 10, 11, 14, 15, 16, 19, 20, 23, 27, 28, 29, 31, 33, 34. Früher Sternberg und jetzt der Staat in 7, 17, 21, 22, 24, 25. Die Kirchenpflege Amtzell in 12. Die Pfarrei Amtzell in 13. Frei vom Großzehnten sind 4, 8, 30, und theilweise auch 14. Dem Staat steht auch das Fischrecht in dem Karbach von seinem Eintritt in den Gemeindebezirk bis zu seiner Mündung in die Argen zu. Das Jagdrecht ist zwischen dem Staat und dem Fürsten von Waldburg-Wolfegg getheilt; der letztere besitzt es, jedoch ohne Jagdpolizei, in den Parzellen 7, 20, 21, 23, 24, 28, 30. Die Parzellen mit ihren Markungen sind:
  • 1) Eggenreute, kath. Weiler mit 19 Einw., 21/4 St. nordwestlich von Wangen, Filial von Karsee. Im Jahr 1245 schenkte Konrad Schenk von Schmalnegg Eggenreute an das Kloster Baindt und der Lehensherr, Graf Bertold von Heiligenberg, bestätigte in derselben Urkunde diese Schenkung mit Verzichtleistung auf seine Lehensherrlichkeit. Aber schon 1275 verkaufte Baindt diese Besitzung um 391/2 Mark Silbers an das Kloster Weingarten mit allen Rechten.
  • 2) Albishaus, Weiler mit 13 Einw., Filial von Karsee.
  • 3) Blitzer, Weiler mit 4 katholischen und 9 evangelischen Einw. Die ersteren sind Filialisten von Pfärrich, die letzteren von Isny. Die evangelischen Bewohner sind erst in den neueren Zeiten aus der Gegend von Tuttlingen eingewandert.
  • 4) Böschlishaus, Hof mit 6 Einw., Filial von Karsee.
  • 5) Dietrichs, Hof mit 6 Einw., Filial von Amtzell. 1245| verkaufte Bertold von Rorgenmoos den Hof Dietrichs mit allen Rechten (cum omni proprietate) an das Kloster Weingarten.
  • 6) Edenhaus, Hof mit 4 Einw., Filial von Karsee.
  • 7) Edensbach, Hof mit 5 Einw., im Oberamt Ravensburg inclavirt, Filial von Waldburg.
  • 8) Eggerts, Hof mit 4 Einw., Filial von Karsee.
  • 9) Englisweiler, Weiler mit 11 Einw., Filial von Karsee. Nach einer Urkunde bei Neugart (C. D. I. p. 315. Nr. 394.) bestätigt König Ludwig der Deutsche im Jahr 861 einen Tausch zwischen Abt Grimald von St. Gallen und dem Argengau-Grafen Konrad, wonach letzterer in loco nuncupato Eigileswilare in der Gaugrafschaft Linzigauge eine Kirche, nebst Haus, Hof, übrigen Gebäuden, und einem novale in der Marca Argungaunensium zwischen Eigileswilare und Rotinbahc (Röthenbach) gelegen, abtritt. Man nahm früher mit Neugart das heutige Eggenweiler im alten Linzgau, jetzt im Oberamt Tettnang für dieses Eigileswilare. Allein sowohl die Namensähnlichkeit, als die Erwähnung der Marca Argungaunensium, wonach der Argengau nur als eine Mark des Linzgaus erscheint, sprechen sehr für die Vermuthung, daß dieser hier in einer weiteren Ausdehnung genommen und der fragliche Ort hier zu suchen sey, s. Hefele, Geschichte der Einführung des Christenthums, S. 416. Von einer Kirche hat man hier freilich eben so wenig als in Eggenweiler bei Tettnang eine Spur, schon im 15. Jahrhundert bestand der Ort, wie jetzt, nur aus zwei Höfen.[ws 1]
  • 10) Ettenlehen, Hof mit 17 Einw., Filial von Amtzell.
  • 11) Felbers, Hof mit 6 Einw., Filial von Karsee. 1307 verkauft Rudolph von Wyler dem Kloster Weingarten den Hof „Zum Felben.“
  • 12) Feld (am Feld), Hof mit 6 Einw., Filial von Amtzell. Durch die Markung zieht die Ravensburger Landstraße. Im Jahr 1307 verkauft der genannte Rudolph von Wyler den Hof „am Veld" dem Kloster zu Weingarten.
  • 13) Geiselharz, Hof mit 11 Einw., Filial von Amtzell. Das Übrige des Weilers Geiselharz gehört in die Gemeinde Pfärrich, s. d. Was hieher gehört, war Weingartisch mit niederer Gerichtsbarkeit und Kollektation. 1272 vergabt Eberhard Truchseß zu Waldburg „dem heiligen Bluet zu Weingarten einen Hove zum Geysselharz." 1275 schenkt Truchseß Berthold dem Kloster Weingarten ebenfalls einen Hof in Geiselharz wegen zugefügten Schadens. |
  • 14) Goppertshäuser, Weiler mit 9 Einw., an der Ravenburger Landstraße. Filial von Amtzell. Rudolph von Wyler verkauft im Jahr 1307 einen Hof in „Goppelhäuser“ dem Kloster Weingarten; Walter von Mosheim aber im Jahr 1355 seine Güter daselbst an Konrad Allgäuer, dessen Erben 1456 an Konrad Erler, Johann Erler aber 1482 an das Kloster Weingarten. Das Kloster Weißenau kaufte im Jahr 1358 von den Edeln von Ebersperg Zehnten zu „Goppoltshußeren" und zum Wochenhuß (Gem. Pfärrich).
  • 15) Haag, Hof mit 6 Einw., Filial von Karsee.
  • 16) Haselmühle, Mahlmühle am Eggenbach, mit 8 Einw., Filial von Amtzell.
  • 17) Heselboschen, Hof mit 8 Einw., Filial von Amtzell.
  • 18) Hochberg, Hof mit 3 Einw., Filial von Karsee.
  • 19) Hochburg, Hof mit 17 Einw. [Filial von Amtzell.]
  • 20) Ibenthal, Hof mit 13 Einw. [Filial von Amtzell.]
  • 21) Kehlings, Hof mit 5 Einw. [Filial von Amtzell.]
  • 22) Lohren, Hof mit 9 Einw. Filiale von Amtzell.
  • 23) Luppmanns, Hof mit 9 Einw. [Filial von Amtzell.]
  • 24) Lußmanns, Hof mit 13 Einw. [Filial von Amtzell.]
  • 25) Müschen, Hof mit 2 Einw. [Filial von Amtzell.] )
  • 26) Oberhalden, Hof mit 6 Einw., Filial von Karsee.
  • 27) Rutzenweiler, Weiler mit 6 Einw., Filial von Karsee. Rudolph von Brougion schenkte 1178 dem Kloster Weingarten „Rouzenwilare," und 1395 überläßt Heinrich von Sumerau dem Kloster alle seine Rechte über diesen Weiler.
  • 28) Siggenhaus, Hof mit 6 Einw., Filial von Karsee. Dieser Hof heißt eigentlich Untersiggenhaus; der daneben liegende Hof Obersiggenhaus gehört nach Pfärrich. Dabei liegt ein 24 M. großer Weiher, dem Staat gehörig und als Fischwasser benützt.
  • 29) Sommers, Hof mit 11 Einw., zwischen dem Gemeindebezirk Praßberg und dem Oberamt Ravensburg, Filial von Karsee.
  • 30) Stadels, Hof mit 7 Einw., Filial von Waldburg. Bertold Truchseß von Trauchburg verkauft 1293 dem Fritz Holbein den Hof (Curiam) Stadel, welcher ihn dem Kloster Weingarten überläßt.
  • 31) Steißen, Hof mit 2 Einw., Filial von Karsee. Weingarten erkauft 1617 diesen Hof von den Freiherren von Praßberg.
  • 32) Steppach, Hof mit 10 Einw., Filial von Amtzell. 1302 verkauft Cuno von Langensee „Stettpach" um 161/2 Mark an Weingarten. Graf Hugo von Montfort-Tettnang verzichtet auf das Obereigenthumsrecht.
  • 33) Unteregg, Hof mit 2 Einw., von der Gemeinde Praßberg und dem Oberamt Ravensburg eingeschlossen, am Rohrweiher,| Filial von Karsee. Diesen Hof kaufte 1294 das Kloster Weingarten von Hartmann von Praßberg mit Karsee.
  • 34) Wüstenberg, Hof mit 8 Einw., Filial von Pfärrich. Wüstenberg gehörte unter die ersten Stiftungsgüter des Klosters Salem, welches im Jahr 1278 den Hof an Weingarten verkaufte.



  1. Erwähnung verdient, als fleißiger Landwirth, Pfau in Eggenreute, der zum aufmunternden Beispiel seiner Nachbarn eine öde Strecke von 12–15 Morgen nutzbar gemacht hat.
Anmerkungen [WS]
  1. Der Satz „Beide Lehengüter, das eine ehemals Clafigl-, das andere Kammergut genannt, welche Hans Zäh 1434 dem Herzog Friedrich von Österreich für Jos Mauch aufgesagt, hat dessen Familie ununterbrochen bis 1746 zu Lehen empfangen.“ wurde entfernt. Siehe Korrekturen auf Seite 280a.