« Kapitel B 14 Beschreibung des Oberamts Oehringen Kapitel B 16 »
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Goggenbach,


Gemeinde III. Klasse, 191 Einw., wor. 2 Kath., Dorf, Filial von Eschenthal; – die Kath. sind nach Kupferzell eingepfarrt.

Das aus stattlichen Bauernwohnungen bestehende, hinter Obstbäumen versteckte, ansehnliche Dorf, liegt auf der Hochebene zwischen dem Kocher und der Kupfer, am Anfang eines kleinen Wiesenthälchens, durch welches der im Ort entspringende Goggenbach der nur 1/2 Stunde entfernten Kupfer zufließt. Eine Schule ist vorhanden, die gegenwärtig von 34 Kindern besucht wird; die Unterhaltung des Schulhauses und die Besoldung des Schulmeisters hat die Gemeinde zu bestreiten.

In dem vor etwa 11 Jahren erbauten Armenhaus befindet sich gegenwärtig kein Armer.

Gutes Trinkwasser ist hinreichend vorhanden und überdieß bilden die Quellen des Goggenbachs zwei kleine Weiher im Ort.

Vicinalstraßen führen nach dem 1/4 Stunde nordöstlich gelegenen Eschenthal und auf die Kupferzell–Döttinger Landstraße. Die Entfernung nach der westlich gelegenen Oberamtsstadt beträgt 41/2 Stunden.

Goggenbach ist eines der wohlhabendsten Bauernorte des Oberamtsbezirks; es bestehen daselbst 26 Bauernhöfe, von denen der bedeutendste 100 Morgen groß ist, worunter 11–12 Morgen Gemeinderechtswald; ferner sind vorhanden ein Hof mit 96 Morgen, zwei mit 84 Morgen, vier mit 78 Morgen, die meisten aber mit 50–60 Morgen. Weitere sechs Bürger, die zum Theil Gewerbe treiben, besitzen je 20–30 Morgen.

Auf den vorhandenen 267 Morgen Laubwaldungen ruhen 23 untheilbare Gemeinderechte.

Die natürlichen Verhältnisse, Lage, Boden und Klima, sind sehr günstig; die Äcker liegen auf den flachen Anhöhen und die| Wiesen in den Mulden und Thälchen; letztere erzeugen reichlich Futter, sind zwei-, zuweilen dreimähdig und können großentheils bewässert werden. Auf dem beinahe über die ganze Markung verbreiteten fruchtbaren Lehmboden, gedeihen alle gewöhnlichen Feldfrüchte, besonders Roggen, Wicken, Reps und Flachs. Der Verkauf von Getreidefrüchten und Reps ist beträchtlich.

Das Obst geräth nur mittelmäßig, obgleich der Obstbau bedeutend ist.

Die Viehzucht ist ausgedehnt; es werden viele Ochsen gemästet und an Händler verkauft; ebenso wird Handel mit gemästeten Hämmeln und Schweinen getrieben.

Über das Vermögen der Gemeinde- und Stiftungspflege siehe Tabelle III.

Grundherrschaft war Hohenlohe-Kirchberg, das auch zum Theil den Zehnten bezog, einen andern Theil desselben die Herren von Stetten zu Kocher-Stetten und die Pfarrei Eschenthal.

Die Grundlasten flossen an Hohenlohe-Kirchberg, die Almosenpflege Oehringen, die fürstliche Herrschaft Hohenlohe-Waldenburg und die Almosenpflege in Künzelsau.

Götz von Bachenstein, der Jung, verkauft Herrn Kraft und Herrn Albrecht von Hohenlohe etliche Güter zu Zell und Goggenbach um 270 Goldgulden, 1451.

1473 wurde Johann von Bachenstein von Hohenlohe mit 1/3 des großen und kleinen Zehnten belehnt und er und sein Vetter Götz verkaufen 1488 an Hohenlohe Zinsen, Gülten und Gerechtigkeiten und den Weiler selbst.

Goggenbach gehörte zu dem Hohenlohe-Kirchberg’schen Amt Döttingen.

Hohenlohe-Kirchberg hat mit Hohenlohe-Oehringen und Hohenlohe-Langenburg den gemeinschaftlichen Stammvater Graf Heinrich Friedrich von Hohenlohe-Langenburg, geb. 3. September 1625 und † 5. Juni 1699, den Urenkel von Graf L. Kasimir. Dessen Sohn war Graf Friedrich Eberhard, geb. 24. Nov. 1672 und † 23. Aug. 1751, vermählt in erster Ehe mit Friederike Albertine, Gräfin von Erbach. Ihr Sohn war Fürst Karl August, geb. 6. April 1707 und † 17. Mai 1767, vermählt in erster Ehe mit Charlotte Amalie, Gräfin von Wolfstein-Sulzbürg.

Aus dieser Ehe stammte Fürst Christian Friedrich Karl, geb. 19. Oct. 1729 und † 18. August 1819. Aus seiner zweiten Ehe| mit Philippine Sophie Ernestine, Gräfin zu Isenburg-Philippseich, stammte sein Nachfolger Fürst Georg Ludwig, geb. 16. Sept. 1786 und † 25. December 1835 ohne Nachkommen. Auf ihn folgte daher seines Vaters Bruder Sohn Karl (Sohn des Prinzen Friedrich Karl Ludwig, eines Sohnes von Karl August), geboren 2. Novbr. 1780 und † 1861, mit dessen Tode die Kirchbergischen Besitzungen an Hohenlohe-Langenburg und Oehringen fielen, da auch Prinz Heinrich, der jüngere Sohn des Prinzen Friedrich Karl aus zweiter Ehe, den 23. April 1859 zu Petersburg gestorben war.


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