« Kapitel B 5 Beschreibung des Oberamts Neresheim Kapitel B 7 »
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Bopfingen,
mit Eisenbahnstation.
Gemeinde II. Kl. mit 1550 Einw., worunter 119 Kath. und 15 eig. und 3 Isr. a. Bopfingen, Stadt, 1505 Einw., b. Hohenberg, Weiler, 31 Einw., Holzmühle, Hof, 7 Einw., c. Wiesmühle, Haus, 7 Einw. – Evangelische Pfarrei; die Kath. sind nach Flochberg, bezw. Unter-Riffingen eingepfarrt. 31/4 Stunde nördlich von der Oberamtsstadt gelegen.

Bopfingen ist der Sitz eines Unteramtsarztes, eines practicirenden Arztes, eines Amtsnotars und eines Bahnhofverwalters, der zugleich Postexpeditor ist; auch besteht daselbst eine altberechtigte Apotheke.

Das älteste bekannte Siegel der Stadt hängt an der Urkunde vom 1. Februar 1500, die Erneuerung des schwäbischen Bundes betreffend; es ist rund und enthält im innern mit Laubwerk verzierten Kreise einen spanischen Schild, darin den Reichsadler im silbernen Feld mit der Umschrift: S. Secretum. Civium. in. Boppfingen. In einem spätern, ebenfalls runden Siegel mit einem deutschen Schilde erblickt man auf dem Schwanze des Adlers ein Schildchen mit einer nach unten geöffneten Hafte, deren Bedeutung unbekannt ist. Umschrift: SIGILLVM .... CIVITATIS. IMP. BOPFINGEN SIS. Das jetzige Siegel des Stadtschultheißenamts enthält die Hafte; in neuerer Zeit ist der Stadt auf ihr Ansuchen das Siegel mit dem Reichsadler, welcher die Hafte auf der Brust und in deren Mitte drei Hirschhörner trägt, bewilligt worden. Die Stadt, unterm 28° 0′ 57,88″ östlicher Länge und 48° | 51′ 27,50″ nördlicher Breite (Kirchthurm) und 1629,7 württemb. Fuß über dem Meer (Erdfläche an der Kirche), hat eine sehr freundliche, interessante Lage auf der rechten Seite der nahe vorbeifließenden Eger, die sich hier durch ein ziemlich breites Wiesenthal dem Ries zu schlängelt und oberhalb (nordwestlich) der Stadt eine namhafte Verstärkung durch die von Norden herkommende Sechta erhält. Nordöstlich der Stadt erhebt sich großartig der freistehende, kahle, schön modellirte Bergkegel Ipf, dessen breite Kuppe 700 württ. Fuß über der Stadt liegt. Im Süden der Stadt zieht der Steilabfall der Alb hin, von dem gegen Südosten der kegelförmige Flochberg mit den malerischen Ruinen auf seinem Gipfel und dem am Abhang freundlich hingebauten Dörfchen Schloßberg gegen die Stadt herantritt; gegen Südwesten kommt ihr noch näher der Sandberg. Die ganze landschaftliche Gruppirung der Gegend hat etwas großartiges und seltsames, obgleich ihr die umliegenden, meist kahlen Berge und auch im Thale der Mangel an reichem Baumwuchs eine gewisse Eintönigkeit aufprägen. Dagegen gestatten die Höhen allenthalben herrliche Aussichten, insbesondere ist es der Ipf, auf dessen Kuppe sich dem Auge ein überraschend schönes Panorama entrollt. Der Blick schweift hier gegen Osten über den hügeligen Rand des Rieses hinweg in die weitgedehnte, mit zahlreichen Ortschaften bedeckte fruchtbare Riesebene, in der sich die ansehnliche Stadt Nördlingen mit ihrem hohen Kirchthurm und Wallerstein mit seinem großartigen, im Rücken des Orts frei aus der Ebene hervorragenden Felsen, dem Wallerstein, besonders schön ausnehmen. Gegen Nordosten erhebt sich der hohe, langgestreckte Hesselberg und gewährt dem Auge einen erwünschten Ruhepunkt. Wendet man sich gegen Süden, so überrascht der Anblick der nahen Alb mit ihrem kräftigen, vielgetheilten steilen Abhange und ihren schön geformten Vorbergen, an deren Fuß das friedliche Bopfingen liegt, ein auffallender Gegensatz zu der viel milderen von weichen Bergen eingefaßten Riesgegend. Im Westen reicht der Blick das Egerthal hinauf bis nach Aufhausen, und über waldige Höhen hinweg ist das Schloß Kapfenburg und der Braunenberg bei Aalen noch sichtbar. Gegen Norden übersieht man auf eine große Strecke das milde Sechtathal mit seinen Nebenthälchen und eine leicht hügelige, reich mit Ortschaften belebte Gegend bis tief nach Bayern hinein; gegen Nordwesten aber erscheint Baldern mit seinem auf freiem Bergkegel thronenden großartigen Schlosse, weiterhin erblickt man das Schloß bei Ellwangen, die Ellwanger Berge, einen Theil der Hohenloher Ebene und in blauer Ferne die Höhen des Odenwalds.

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Die beinahe eben gelegene Stadt zerfällt in die ursprünglich ummauerte Altstadt und in die erst in neuerer Zeit entstandenen Vorstädte. Die ein Eirund bildende Altstadt ist in ihrem Innern ziemlich unregelmäßig angelegt und mit Ausnahme der mitten durchlaufenden, | jedoch stark gekrümmten Hauptstraße von nicht breiten Straßen durchzogen; sie sind größtentheils neu hergestellt, makadamisirt, mit Kandeln versehen und durchaus in gutem und reinlichem Zustande. An den Straßen stehen dicht gedrängt die meist alten, indessen nicht unfreundlichen Gebäude, die wie in allen alten Städten häufig mit den Giebelseiten gegen die Straßen gekehrt sind und im allgemeinen einen heimlichen Eindruck machen. Die mit einem bedeckten Umlauf versehene starke Stadtmauer, an der ein mit Wasser gefüllter Doppelgraben mit Wall hinlief, ist in neuerer Zeit größtentheils abgebrochen worden; sie trägt an mehreren Stellen die Jahreszahl 1538, vermuthlich das Jahr ihrer Erneuerung und Ausbesserung; auch die an ihr gestandenen acht Thürme, die Thorthürme eingerechnet, sind theils früher, theils neuestens gefallen und nur an der Nordseite hat sich der runde mit einem Zeltdach versehene sog. Henlesthurm noch erhalten, der jedoch vor kurzer Zeit an einen Bürger verkauft wurde. Die Thürme waren zum Theil nach innen offen; die geschlossenen, der Bad-, Weiber- und Jungfernthurm, dienten zugleich als Gefängnisse. Die Stadt hatte drei Thore mit Thorthürmen, das Birnthor an der Nordseite, das Nördlingerthor an der Ostseite, und das schon frühzeitig vermauerte südliche, der ehemaligen Burg gegenüber. Das Birnthor wurde anfangs dieses Jahrhunderts, das Nördlinger im Jahr 1841 abgebrochen. Durch diese Veränderungen verlor die Stadt ihr alterthümliches Ansehen, dagegen ist sie freier, offener und mit den Vorstädten mehr vereinigt geworden. Die Vorstädte, meist aus neueren zum Theil ansehnlichen Gebäuden bestehend, sind: 1) die Nördlinger Vorstadt vor dem Nördlinger Thor; 2) die Aalener Vorstadt vor dem Birnthor, welche das nahe Oberdorf beinahe mit der Stadt verbindet; 3) die alte Neresheimer Vorstadt an der Südwestseite der Stadt; und 4) die neue Neresheimer Vorstadt an der Südostseite; in letzterer zeichnet sich besonders aus das dem resignirten Apotheker Keppler gehörige in einem ansprechenden modernen Stil gehaltene Gebäude, ferner das freundlich über der Stadt beim Bahnhof gelegene Gasthaus mit schöner Aussicht über die Stadt hinweg an den Ipf und in das Eger Thal; ihm gegenüber liegt das stattliche Bahnhofgebäude mit seinen hübschen Gartenanlagen.

Außer dem Bahnhof nennen wir nachfolgende öffentliche Gebäude, die sämtlich Eigenthum der Gemeinde sind:

1. Die dem h. Blasius geweihte Kirche wurde der Hauptsache nach in zwei verschiedenen Zeiten erbaut; ihre ältesten Theile, vielleicht noch ins elfte Jahrhundert zurückreichend, erkennt man noch an dem in den Chor führenden halbrunden Triumphbogen, sowie an der Südseite des Schiffes. Hier wölbt sich nämlich, mit dem Sockel tief im Boden stehend, ein romanisches Rundbogen-Portal in einfachen wenig entwickelten Formen und gearbeitet aus jenem löcherigen aber | sehr scharfe Kanten bewahrenden Kalktuff; es treppt sich etwas ein und wird von schlichten flachen Wandstreifen gefaßt. Links davon sieht man ein leider dick übertünchtes romanisches Bildwerk, das einen Mann mit einem Esel darstellen soll; auch ragen hier aus der Mauer einige sog. „wachsende Steine“ heraus, auffallend durchlöcherte Kalktuffe, von denen das Volk sagt, daß sie immer noch wachsen. Das Übrige des vor einigen Jahren erneuerten Schiffes, sowie der rechteckig schließende niedrigere Chor, stammt aus dem dreizehnten Jahrhundert; dieser hat seinen frühgothischen Stil noch rein bewahrt, wird von starken begiebelten Strebepfeilern gestützt und von strengen Maßwerksfenstern durchbrochen; seine Ostwand zeigt ein großes sehr schön gefülltes dreitheiliges Spitzbogenfenster, und den schlanken Giebel darüber krönt ein trefflich gearbeitetes Steinkreuz.

Über dem Pförtchen an der Südseite des Chors steht:

Caspar Welsch. Sixtus Christ. Kirchenpfleger. 1558.

In das zum Theil noch mit den ursprünglichen engen und schlichten Spitzbogenfenstern versehene Schiff der Kirche wurden in spätgothischer Zeit einige breite mit Maßwerken gefüllte gebrochen; an der sehr einfach gehaltenen Westseite führt noch das frühgothische lebhaft gegliederte Doppelportal herein, und an der Südseite ist noch zu erwähnen eine Kleeblatt-Nische mit einer Reliefdarstellung, Christus am Ölberg mit den drei schlafenden Jüngern, ein ziemlich roh gehaltenes Werk aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts. Vor dem kräftigen Spitzbogenportal der Nordseite erhebt sich eine kreuzgewölbte, auf einem achteckigen Freipfeiler ruhende Vorhalle, die sich gegen Westen an ein Treppenthürmchen lehnt, mit folgender Inschrift:

Dieser Zeit waren Hans Christ und Martin Bosch Heiligenpfleger. 1599.

An der Nordwand des Chores steigt endlich sehr stattlich und aus schönen gelben Sandsteinen errichtet der sechsstockige bis zum Knopf 172′ hohe Thurm empor. Seine unteren sehr massiven Stockwerke stammen aus frühgothischer Zeit, das vierte Geschoß hat spätgothisch gefüllte Schallfenster und trägt auf seinem schon in Renaissanceformen gehaltenen Kranzgesims ein durchbrochenes Steingeländer mit Fischblasenmustern. Von hier an wird der Thurm, urkundlich 1612–13 erbaut, schmäler und achteckig und endigt in ein mit Blech bedecktes Kuppeldach. Die Sakristei steht am Chor östlich vom Thurm.

Im Innern des Gotteshauses ist das breite, gegen Norden weit hinaustretende Schiff flachgedeckt, der durch den rundbogigen Triumphbogen damit verbundene schmälere Chor schön gewölbt, seine Südwand liegt mit der des Schiffes in einer Flucht und zwei Rippenkreuzgewölbe, von frühgothischen Säulenbündeln ausgehend, übersprengen ihn. Aus dieser Zeit stammt auch die an der Ostwand angebrachte Sakramentshäuschens-Nische, deren Giebel mit Blumen besetzt ist. Das mit drei gefüllten Vierblättern geschmückte Ostfenster zeigt noch | Reste sehr alter Glasgemälde und davor erhebt sich der große von Friedrich Herlein gearbeitete Hochaltar (Liebfrauenaltar), zu dem früher viel gewallfahrtet wurde.

Auf den Außenseiten der Flügel des Altars sind gemalt der Einzug und das Martyrium des hl. Blasius; die Gestalten zum Theil steif und hölzern, als ob sie umfallen müßten, doch sind auch sehr tüchtige darunter, z. B. der einziehende sich segnend herabneigende Sankt Blasius; dann finden sich unter den Köpfen des Gefolges ganz vortreffliche. Der Schauplatz der gut erneuerten Bilder verliert sich in reiche Stadthintergründe. Unten steht: Dis werck hat gemacht friderich herlein moler zuo nördlingen. M.CCCC.L.XXII. Die Gemälde innen auf den Flügeln stellen dar die Geburt Christi und die Anbetung, diese mit der so schönen Maria; und den Altarschrank erfüllen große farbige Holzschnitzereien, links der h. Blasius, rechts der Riese Christophorus mit dem Christusknaben, er schreitet wie ganz im Sturme daher, man sieht die Anstrengung, womit er weiterdringt. In der Mitte des Schrankes thront, großartig-schön, Maria mit dem Kinde, das fröhlich nach einer Weintraube greift; über ihr schweben zwei Engel eine Krone bringend, zwei andere halten hinter ihr einen Prachtvorhang. Gerade das Mittelbild hat etwas Außergewöhnliches, besonders auch im gewaltigen Wurf der tiefeingekehlten Gewänder. Unten steht: Friedrich herlein moler. Die Rückseite des Altares enthält in matteren Farben und in kleinerem Maßstab, flüchtig gemalt, Scenen aus der Leidensgeschichte; darüber halten zwei Engel das Schweißtuch der Veronika. Das oben abschließende Tabernakelwerk des Altares ist verschwunden, während die reichen Baldachine gerade über den Figuren noch wohl erhalten sind. Der Altar steht auf einem Untersatz, der hinter einem Gitter Christus und die zwölf Apostel, kleine holzgeschnitzte Figürchen, früher vielleicht an einem andern Altar befindlich, enthält. In einem Salbuch St.-Blasii findet sich, daß Herlein für den Altar 300 fl. erhielt, in Quittungen aber, daß er von 1483–1499 alljährlich an Invokavit 20 fl. zu erheben hatte.

In der Nordostecke des Chors steigt bis an’s Gewölbe hinauf das von Hans Böblinger in zartem grauem Keuperwerkstein ausgeführte Sakramentshäuschen, eine Arbeit von genialer Freiheit und Feinheit, mit zierlichem Ast- und krausem Laubwerk, und mit kühnen sehr kunstvollen Durchdringungen. Am Sockel trägt es das Meisterzeichen und weiter oben über dem sehr schön vergitterten Hostienkästchen die Jahreszahl 1510. Der Bestandbrief über dasselbe ist noch vorhanden, es kostete 45 fl. rheinisch. An dem Stamme standen einst auf kleinen Konsolen drei feine Heiligengestalten, wovon noch zwei erhalten und neben an der Wand angebracht sind: Nikolaus und Maria Magdalena; und oben unter herrlichen leider etwas
| verstümmelten Baldachinen stehen Maria und Johannes (beide betend) und S. Sebastian. Haare und Gewandsäume sind vergoldet.

Das Schiff der Kirche enthält einen spätgothischen Taufstein, im Westen die im Jahr 1859 von den Gebrüdern Link in Giengen mit einem Aufwand von 2450 fl. gefertigte Orgel, ferner zwei merkwürdige Grabdenkmäler aus rothem Marmor, und zwar rechts vom Triumphbogen das hochalterthümliche, auffallend schmalschultrige lebensgroße (einst liegende) Bild eines Ritters in Panzerhemd und Sturmhaube (mit Panzerkapuze) und bewehrt mit langem Schwert, zierlichem Dolch, und dem schlanken geschweiften Schild, auf welchem klein das Wappen der Bopfinger angebracht ist. Das magere Gesicht ausdrucksvoll aber herb, zu des Ritters Füßen ein reichgemähnter Löwe, und des Ritters Haupt ruht auf prächtigem, in einen großen Adlerkopf ausgehenden Helm, (s. a. die Abb.) Über dem Grabmal steht an der Wand in neuer Schrift und mit schwarzer Farbe: 1284 am Tag Johannis von der güldnen Borden starb der Edel Wilhelm von Bopfinger Ritter. Renovirt 1696, 1821 und 1859. Das Denkmal stammt jedenfalls aus der Zeit um 1264 und gehört ohne Zweifel dem Walther II. von Bopfingen an. s. u. S. 229.

Links vom Triumphbogen erhebt sich das große auch aus rothem Marmor geschaffte Emershoven’sche Grabmal; unten das liegende Bild des geharnischten Ritters mit dem Wahlspruch: „Mich beniegt, wie’s Gott fiegt;“ oben das große schön ausgeführte Relief: Christus am Kreuz mit Johannes, Maria, Magdalena, Pilatus, dem Hauptmann u. s. w.; vorne knieen der Stifter und die Stifterin. Von den Inschriften lautet die wichtigste:

Cristo Got dem obersten und großen. Disen seinen Eltern hie sampt iren Hausfrauen und allen Vordern, seinen Brudern Eberharten Ludovigen, auch ime selbs, seiner Hausfrauen und Sönen, Georig und Eitelhansen, und allen Nachkomen hat Georig von Emershoven Ritter, Maximilians röm. Kaisers Maistet Rat, Trucksäs und Stalmaister, dise veralte Begrebnus gnektig von newem wider aufferhabt: hie begraben. starb anno Cristi 1524.

Ferner liest man den Stammbaum der Familie Emershoven.

Eberhart v. E. Merer Grosanher. Ulrich v. E. Ritter Grosanher. Eberhart v. E. Ritter Anher. Hans v. E. Anher. Georig v. E. Vatter, starb: … Georig v. E. Ritter Son, starb 1299. Sunthaim merer Grosanfrau, starb 1346. Gussi Grosanfrau, starb 1388. Anna v. Riethaim Anfrau, starb 1455. Affra v. Marfen, Anfrau, starb 1506. Anna v. Jaxhaim Muoter, starb 1515. Margrete v. Röt Sons Frau.

Im Chor liegt die Grabplatte des Adolf Berler von Dellau, † 2. Dezember 1591, und seiner Frau, geb. Wöllartschwindin, dann die einer Frau Margret … geb. von Düdelsheim, † 1. August | 1586; ferner ist in der südlichen Wand eingelassen der zierliche Grabstein des Töchterleins des Georg Gotfried von Gundelshaim und der Regina von Seckendorf geb. 28. Oktbr. 1612, gest. 26. Jan. 1613; er ist mit dem Bilde des Kindes geschmückt.

Von gemalten hölzernen Epitaphien sind zu nennen: das des „hochgelerten Herrn Sylvester Vischer Lecinciat und gewelten Stadtschreibers zu Bopffingen,“ † 4. April 1576, und seiner Frau Catharina Geringen, † 11. März 1576.

Das des Balthasar Pfister, weilandt in die 30. Jahr Prediger des göttlichen Worts zu Bopfingen, † 27. Oktober 1581, und seiner Frau Waldpurg, 18. Mai 1593. Beide Epitaphien sind hübsch gemalt, das erste enthält Christus am Kreuz, das andere Christi Fußwaschung.

Das des Stadtschreibers Baltasar Enslin, † 26. Septbr. 1611, und seiner Frau Walburga, † 15. Mai 1612; und das des Bürgermeisters Johann Jacob Braitenbücher, † 5. Oktober 1708.

Noch zu erwähnen ist an der Nordwand des Chors eine mit Eichenkranz und Lorbeerzweigen geschmückte steinerne Gedenktafel mit der Inschrift: Im Kampf für das Vaterland fiel Karl Nieß, Soldat im württ. 1. Infanterie-Regiment, 1. Kompagnie, geboren 23. Juli 1853, † bei Coueilly vor Paris den 30. November 1870.

Ferner an der Ostwand das aus der Renaissancezeit stammende Gemälde, darstellend die Austheilung des h. Abendsmahls unter die protestantischen Fürsten Deutschlands.

Von den vier auf dem Thurm hängenden Glocken hat die größte, eine sehr alte und große Glocke, in trefflichen gothischen Majuskeln die Umschrift: Ave Maria gracia plena dominus tecum. G. Auf der zweiten steht in gothischen Minuskeln: pantlion sidler von eslingen gos mich. da man zalt 1490. in der er sant blasius lyt man mich. Auf der dritten: anno 1496 iar gos mich pantlion sidler von eslingen, in blasius er patron dis gotzhaus. Die vierte Glocke trägt die Namen der vier Evangelisten und die Jahreszahl 1489.

2. In dem am Nordende der Stadt gelegenen mit schönen Denkmälern geschmückten ummauerten 1544 angelegten Friedhofe steht die 1617 erbaute, kürzlich wieder erneuerte Friedhofkirche; ein schlichtes einschiffiges innen flachgedecktes Gebäude, erbaut im spätesten gothischen Stil. Es schließt im Osten halb sechseckig, hat breite gedrückte Bogenfenster mit sehr ausgearteten und schlaffen Maßwerken, und auf dem Westgiebel einen hübschen viereckigen steinernen Dachreiter. Unter dem Altare ruht der Stadtpfarrer Georg Matthäus Weiler † 1743. Auch enthält die Kirche noch das Grabdenkmal der Stadtschreibers Friedrich Enslin (Sohn des obengenannten), unter dem sie erbaut wurde.

Die Unterhaltung beider Kirchen steht der Gemeinde zu.

| Früher bestanden hier noch die Nikolaikirche, jetzt Spital, die Heiliggeistkirche und die Johanniskapelle, jetzt Privathäuser.

3. Das Stadtpfarrhaus, mit Ökonomiegebäude, Hof und Garten, steht nahe (östlich) der Kirche unfern der ehemaligen Stadtmauer.

4. Das an der Hauptstraße gelegene Amthaus (ursprünglich Adelmann’sche Haus) enthält im obern Stockwerk die Wohnung des Diakon, das untere Stockwerk ist zur Stadtschultheißenamts-Kanzlei eingerichtet, früher war hier die Syndikats-Kanzlei und im obern Stock die Wohnung des Syndikus.

5. Das 1585–86 im einfachen Renaissancestil auf der Stelle des früheren erbaute Rathhaus liegt auf dem seit 1643 gepflasterten Marktplatz und hat an der Westseite ein steinernes Wendeltreppenthürmchen, und über dessen Eingang das Bopfinger Stadtwappen; seine Schauseite war ursprünglich mit Allegorien bemalt. Das stattliche Gebäude enthält im unteren Stockwerk die Fruchtschranne, das zweite Stockwerk wird gegenwärtig ebenfalls zur Schranne hergerichtet und im dritten Stockwerk befindet sich der Rathhaussaal mit getäfelter Holzdecke und hübschem Eingang, der die Jahreszahl 1586 trägt. An der westlichen Wand des Saals sieht man eine Steintafel mit vier Figürchen geschmückt und mit folgender Inschrift:

Als man zalt nach der Geburt unsers Seligmachers Jesu Christi 1585 ist diss Haus zu bawen durch die Gnade Gottes angefangen und folgendes 86. Jahr glicklich vollendet war. Hierauf folgen die Namen der damaligen Behörden und des Baumeisters, Wolfgang Waldberger, Burger und Werkmaister zu Nördlingen.

Ferner:

Wo seind die vor Euch allgemein
schön, starckh, reich, weis, glert gwesen sein,
Ich habs darvon, hie wart ich drauf,
Bis euers jeden stund auslauf.
Urthl nit auf eins mans Clag,
Her vor was der ander sag.
Eins mans red ein halben red,
man sols hern bed.

Ein Zimmer neben dem Saal enthält eine schön kassettirte Holzdecke.

Überdieß ist noch zu erwähnen ein sehr hübsch getäfelter Gang mit einer Thüre, an welcher steht: Gotts Wort bleibt in Ewigkeit. 1586. Der Nordgiebel enthält eine künstliche Uhr. In früherer Zeit war im Erdgeschoß die Kornschranne, Stadtwaage (das Recht wurde von den Herrn von Bopfingen erkauft) und Fleischbank. Der große Boden im zweiten Stock diente nicht allein zu Bürgerversammlungen, sondern auch als Tanzboden und gelegentlich als Kramplatz. Im Rathhaus war auch die Waffenkammer der Stadt und ihr Archiv; | sowie auch die Folterwerkzeuge. Außen war der Pranger angebracht mit Gitter und Halseisen.

6. Das 1845–47 mit einem Aufwand von 19.000 fl. neu erbaute sehr ansehnliche Schulhaus, welches nahe bei der Kirche steht, enthält im Erdgeschoß ein bürgerliches Arrestlokal, ein Gelaß für die Nachtwache, eine Küche, einen Holzstall etc., im zweiten Stockwerk zwei Lehrzimmer und die Wohnung des zweiten Schulmeisters, im dritten Stockwerk zwei Lehrzimmer, (wovon eines Realschule) und die Wohnung des Reallehrers und endlich noch unter dem Dache die Wohnung des Lehrgehilfen.

7. Ein weiteres Schulhaus, das ehemalige 1814–15 erbaute Präceptorathaus, steht hinter der Kirche und enthält ein Lehrzimmer und die Wohnung des ersten Schulmeisters.

8. Das Spitalgebäude, im nordöstlichen Theil der Stadt gelegen, trägt die Jahreszahl 1600.

9. Das Krankenhaus, in welchem kranke Dienstboten Aufnahme finden, liegt außerhalb der Stadt an der Straße nach Lauchheim, und endlich

10. das ebenfalls außerhalb der Stadt gelegene Schafhaus.

Wohnhäuser, in drei Viertel getheilt unter je einem Hauptmann aus den Rathsherrn, waren es früher 200, 1807 225 mit 327 Feuerstellen; Einwohner waren es damals 1221. – Von einzelnen früher hier bestandenen Gebäuden sind zu erwähnen: 1. das Steinhaus der Herrn von Bopfingen, 1283 dem Kloster Kirchheim geschenkt, später an die Stadt und von dieser 1610 an Privatleute verkauft; 2. die kaiserlichen, später gräflich öttingen’schen Marställe und Städel, 1362 um 370 Pfd. Heller an die Stadt verkauft; in späteren Zeiten 3. die Kanzlei des Stadtsyndikus, 1604 erkauft (s. o.); 4. zwei Badstuben. Ein Haus der Herrn von Schenkenstein wurde 1506 verkauft.

Da die Stadtgräben mit Wasser (aus der Eger) gefüllt waren, so bestand auch ein städtisches Fischhaus. Zu Ende des vorigen Jahrhunderts wurden die Gräben ausgetrocknet und später der gewonnene Raum gegen einen Zins von 15 kr. an die angesessenen Bürger vertheilt.

Rings um die Stadt gehen Baumgärten und an der Nordseite ist eine schattengebende Allee angelegt.

Mit gutem Trinkwasser ist die Stadt im Überfluß versehen und außer mehreren Privatbrunnen bestehen 3 öffentliche laufende Brunnen, unter denen der vierröhrige Marktbrunnen der bedeutendste ist; auf der Brunnensäule ist eine in Wasseralfingen aus Eisen gegossene Statue des Neptun aufgestellt. Über die Markung fließen die Eger und die Sechta. Zwei kleine Seen, das Ruthenweiherle bei dem | Burgstall und das Fischgrüble am Weg nach Schloßberg sind abgegangen.

Den Verkehr vermitteln, außer der 1863 eröffneten Eisenbahn, die durch den Ort führende Staatsstraße von Aalen nach Nördlingen, ferner eine Korporationsstraße nach Neresheim und Vicinalstraßen nach Kirchheim, Oberdorf und Schloßberg.

Auf der Markung sind drei steinerne und eine hölzerne Brücke und drei Stege; hievon haben zwei steinerne Brücken Privaten, die übrigen Brücken und Stege die Stadt zu unterhalten.

Die fleißigen und betriebsamen Einwohner finden ihre Erwerbsquellen hauptsächlich im Gewerbe und nebenbei im Feldbau. Die bedeutenderen Gewerbe und Fabriken sind schon in dem allgemeinen Theile (Absch. Kunst, Gewerbefleiß und Handel) mit Angabe der Fabrikanten aufgeführt, wir lassen daher hier nur noch eine Zusammenstellung sämtlicher Fabriken und der mechanischen Künstler und Handwerker nach dem Stand vom Jahr 1871 folgen:

  Meist. Geh.   Meist. Geh.
Bäcker 12 1 Modistinnen 5
Bierbrauereien 9 22 Maurer und Steinhauer 8 6
Barbiere 2 Nätherinnen 6
Buchbinder 2 Nagelschmiede 2 1
Büchsenmacher 1 Nudelfabrikanten 1
Bürstenbinder 2 Rothgerber 13 25
Conditoren 2 2 Seiler 9
Damastweber 1 Sattler 3 2
Dekorationsmaler 1 1 Schäfer 1
Drechsler 4 2 Schmiede 2 2
Essigfabrikanten 1 Schneider 5 2
Färber 1 Schreiner 6 10
Flaschner 1 Schuhmacher 15 20
Frachtfahrer 2 2 Seifensieder 2
Glaser 3 1 Seckler 3 1
Hafner 6 2 Siebmacher 1
Korbmacher 3 Tuch- und Zeugmacher 6
Küfer 7 12 Uhrenmacher 1
Lackfabrikanten 1 1 Wagner 3 1
Lederlakierfabrikanten 4 79 Weber 3
Leimfabrikanten 6 25 Ziegeleien 2 14
Malzfabriken 2 Zimmerleute 2 6
Mehlhändler 1 Zinngießer 2
Messerschmiede 1 2


Handelsgewerbe:
Kaufleute 4 mit 2 Gehilfen.
Kleinhändler 5. |
Krämer 2.
Apotheke 1.
Wirthschaften 11 mit 11 Gehilfen.
Buchdruckerei 1 mit 4 Gehilfen.

Außer den unten angeführten Mühlen besteht noch die Hahnenmühle mit 3 Mahlgängen, 1 Gerbgang und 1 Schwingmühle.

Die Vermögensumstände sind im allgemeinen günstig; es befinden sich ziemlich viele Wohlhabende im Ort, die ein Vermögen von 50–100.000 fl. besitzen, nebenbei herrscht ein guter Mittelstand vor. Der größte Grundbesitz beträgt 50–60 Morgen, der des Mittelstandes 6–10 Morgen und der der unbemittelten Klasse 2–4 Morgen. Gemeindeunterstützung erhalten gegenwärtig 40 Personen, worunter Beiträge für Kinder, alte gebrechliche Personen, Kostgelder, Lehrgelder etc. begriffen sind.

Die große, mit Ausnahme der Egerthalebene und der gegen dieselbe hinziehenden flachen Ausläufer, sehr bergige Markung hat, soweit sie für den Feldbau benützt wird, einen fruchtbaren Boden, der auf dem flachen Terrain hauptsächlich aus Lehm, an den Abhängen aber aus den kalkreichen Zersetzungen des weißen und des braunen Jura besteht; da wo letzterer stark einwirkt, treten theilweise sandige Böden auf. Auf der Hochebene erscheinen neben den kalkreichen Böden auch mit Bohnerz gemengte Lehme. Der Ertrag der Felder wird durch reichliche Düngung, namentlich auch mit Abfällen aus den Gerbereien und Leimsiedereien, wesentlich gesteigert.

Am südlichen Fuß des Ipfs besteht ein Steinbruch im braunen Jura, aus dem gute Bausteine gewonnen werden und auf dem Breitwang liefern zwei Steinbrüche im weißen Jura Straßenmaterial. An dem Beiberg unfern Flochberg befindet sich ein Steinbruch im Juradolomit, der gemeinschaftlich mit Flochberg benützt wird; man gewinnt daselbst Dolomitsand und Juraschutt (Kies).

Die klimatischen Verhältnisse sind sehr verschieden und im Thal beträchtlich milder als auf dem Herdtfeld, zu dem der südliche Theil der Markung gehört. Hagelschlag kommt selten vor, doch hat solcher in den Jahren 1847 und 1849 die Markung ausnahmsweise heimgesucht.

Dem Gewerbe untergeordnet ist die Landwirthschaft, welche mit Fleiß und Umsicht unter Anwendung des ziemlich allgemein gewordenen Suppinger- und Hohenheimer Pflugs, der eisernen Egge und des einfachen Jochs getrieben wird; eine Dreschmaschine befindet sich in Hohenberg und Einzelne machen auch Gebrauch von der Dreschmaschine, welche von Ort zu Ort geführt wird. Zum Anbau kommen die gewöhnlichen Cerealien und von diesen vorzugsweise Dinkel und Roggen, ferner Kartoffeln, Futterkräuter, (meist dreiblättriger Klee), Rüben, | Erbsen, Linsen, Ackerbohnen etc. Von den Getreidefrüchten wird etwa 1/10 des ganzen Ertrags auf der örtlichen Schranne verkauft.

Sehr ausgedehnt ist der Wiesenbau, der meist gutes Futter liefert und den Verkauf eines Theils zuläßt.

Der Obstbau ist im Zunehmen, sein Ertrag befriedigt jedoch das örtliche Bedürfniß nicht; man pflanzt Luiken, Goldparmäne, Lederäpfel, verschiedene Mostbirnen, ziemlich viel Zwetschgen und nur wenig Kirschen (Waldkirschen). Die Gemeinde hat auf Allmanden und an Straßen Obstbäume pflanzen lassen und im Jahr 1868 für 800 fl. Obst verkauft.

Eigentliche Weiden sind in großer Ausdehnung vorhanden; sie werden nebst der Brach- und Stoppelweide an einen fremden Schäfer, der 800–1000 Stück Bastarde laufen läßt, um 500 fl. jährlich verpachtet. Die Pferchnutzung trägt der Gemeinde nur 200 fl. ein, weil viele Bürger das Pferchrecht (für eine Nacht 1 fl. 12 kr.) haben.

Was die Viehzucht betrifft, so ist die der Pferde nicht ausgedehnt und beschäftigt sich mit einem kräftigen Landschlag, dagegen wird die Rindviehzucht mit Eifer und Umsicht getrieben; man hält eine Kreuzung von der Simmenthaler- mit der Anspacher-, theilweise auch Allgäuerrace und hat zur Nachzucht 2 Simmenthaler Farren aufgestellt. Der Handel mit Vieh, namentlich mit gemästetem, ist von Belang.

Die Gemeinde besitzt gegen 11.000 Morgen Waldungen; der jährliche Ertrag wird über Abrechnung des eigenen Bedarfs (Schule, Rathhaus etc.) und des Besoldungsholzes verkauft, was der Gemeindekasse eine jährliche Einnahme von 4–5000 fl. sichert. Die Bewirthschaftung der Waldungen steht unter der Leitung des K. Revierförsters in Michelfeld und für den Forstschutz sind zwei Waldschützen aufgestellt.

Aus Gebäuden und Grund und Boden bezieht die Gemeinde jährlich etwa 700 fl.

Die sämtlichen Einkünfte der Gemeindepflege betragen jährlich 10–11.000 fl., so daß seit Jahren kein Gemeindeschaden mehr umgelegt wird.

Das Vermögen der städtischen Stiftungen beträgt derzeit:

1. Die Hospitalpflege mit 22.895 fl. Kapital neben dem jährlichen Pachtgeld aus Gebäuden und Gütern von 147 fl. 45 kr.

2. Die Armenpflege mit 22.086 fl. Kapital und jährliches Pachtgeld aus Gebäuden und Gütern mit 32 fl.

3. Die Kirchen- und Schulpflege mit 16.985 fl. Kapital und 57 fl. 16 kr. Pachtgeld aus Gebäuden und Gütern.

4. Die Gottesacker-Kirchenpflege an Kapital 1425 fl.

5. Die St. Blasipflege mit 5825 fl. Kapital und 860 fl. jährliches Pachtgeld aus Gütern.

6. Die Stipendiatenpflege mit 6722 fl. Kapital; mit den Zinsen | werden nicht nur Studirende sondern auch andere Bürgersöhne, die ein Gewerbe erlernen, unterstützt.

7. Der Schulfonds mit 2270 fl.

6. Der Baufonds für die Stadtpfarrei mit 5175 fl. Hiebei ist übrigens noch zu bemerken, daß die Hospitalpflege noch eine Baulast abzulösen hat, die 12–13.000 fl. betragen wird; ferner hat die St. Blasipflege noch 3580 fl. von dem Einbau der Kirche herrührende Schulden zu bezahlen, ebenso die Gottesacker-Kirchenpflege 1800 fl., die gleichfalls von dem Einbau der Gottesackerkirche herrühren.

In der Stadt bestehen eine Realschule, an der ein Reallehrer unterrichtet, und zwei Volksschulen, an denen zwei Schulmeister und ein Unterlehrer angestellt sind.

Die Stadt hat das Recht in den Monaten Januar, Februar, April, Mai, Juli, August, Oktober je einen Vieh- und Krämermarkt und im November einen Viehmarkt abzuhalten; überdieß besteht die 2 Tage andauernde sog. Ipfmesse, die je am ersten Sonntag nach dem 11. Juli und den folgenden Montag darauf stattfindet. Die Ipfmesse wurde zum Andenken an einen Besuch, den der verewigte König Friedrich den 11. Juli 1811 auf den Ipf machte, gegründet und wurde seit 1812 auf der Kuppe des Ipfs abgehalten, bis man sie im Jahr 1829 an den Fuß des Ipfs auf den Sechtawasen verlegte; sie war und ist noch jezt eine Art Volksfest, auf der verschiedene Volksbelustigungen, wie Tanz, Musik, Bolzenschießen etc. abgehalten werden, auch finden sich Orgelspieler, Gaukler, Taschenspieler etc. zahlreich ein und Karrusseln und Schaukeln sind für die Jugend aufgerichtet. Die Messe erfreute sich von jeher eines zahlreichen Besuchs, der sich, seit die Eisenbahn eröffnet ist, noch mehr gesteigert hat, so daß die Leute von allen Seiten, öfters 7–8 Stunden weit herbeiströmen.

Was endlich die Spuren aus grauer Vorzeit betrifft, so liegt wohl außer allem Zweifel, daß bei Bopfingen eine namhafte römische Niederlassung stand, welche sich am Fuß des Ipfs bis nach Oberdorf erstreckte, hiefür spricht hauptsächlich der hier sich entwickelnde römische Straßenknoten (s. hier. den allg. Theil Absch. „Alterthümer“). Überdieß fand man in der Nähe von Bopfingen schon öfters römische Münzen und in neuerer Zeit wurden beim Graben eines Kellers im Garten des Löwenwirths Lugmaier altes Gemäuer und zunächst dabei die Reste einer römischen Wasserleitung 8′ tief unter der Oberfläche entdeckt. Auch an der Nordostseite der Stadt fand man römische Ziegel und am nördlichen Fuße des Ipfs wurden 1847 zwischen dem Unken- oder Munkenthal und der Heide die Grundmauern (21/2′ dick) mehrerer römischen Gebäude und eine 3″ hohe Bronzestatuette des Merkur und ein geflügelter Genius von Eisen, der wohl irgendwo als Träger zu dienen bestimmt war, ausgegraben. Bei Oberdorf | stand ein römischer Meilenstein, der leider zu Grunde gieng, und im Ort selbst kam man beim Graben eines Kellers auf Gebäudeschutt und unter diesem auf ein wohlerhaltenes römisches Gefäß, das der Verfasser im Besitz hat. Der südlich von der Stadt gelegene Burgstall, auf dem die Herren von Bopfingen saßen, wird ohne Zweifel ursprünglich eine römische Anlage sein, wofür die Lage im Thal und die viereckige, kastellartige Form desselben spricht. Der ehemalige Burggraben, der unter Wasser gesetzt werden konnte, wurde in neuester Zeit bis auf einen kleinen Rest vollends aufgefüllt. Hiedurch wird eine ehemalige römische Niederlassung bei Bopfingen nachgewiesen sein, die mit namentlich in neuester Zeit aufgestellten triftigen Gründen für das auf der Peutinger Tafel angegebene römische Opie gehalten wird (s. hier. E. Paulus, Erklärung der Peutinger Tafel).

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Die Anlage der interessanten Verschanzungen auf und an dem Ipf setzen Einzelne in die römische Periode, Andere erst in die Zeit des dreißigjährigen Kriegs; nach den von dem Verfasser im Jahre 1869 angestellten Untersuchungen sind sie entschieden altgermanischen Ursprungs und bestanden wahrscheinlich schon ehe die Römer die Gegend um Bopfingen inne hatten; ob sie aber später von den Römern besetzt waren, läßt sich nicht erweisen, indessen darf man mit Bestimmtheit annehmen, daß die Römer wenigstens einen Wachposten (specula) auf dem Ipf errichtet hatten. Der freistehende Bergkegel Ipf fällt von seiner Kuppe sehr steil ab, mit Ausnahme des östlichen Abhangs, der sich etwas verflacht und von Natur weit leichter zugänglich ist, als der übrige Theil des beinahe unbesteigbaren Bergs. Die ganz ebene ziemlich ausgedehnte Kuppe des Ipfs nähert sich einem Eirund, dessen große von Nord nach Süd gehende Achse 250 Schritte, die kleine von Ost nach West gehende Achse 175 Schritte lang ist. Rings um den äußersten Rand der Kuppe läuft nun ein nur 3–4′ hoher künstlich aufgeworfener Wall und vor diesem ein an mehreren Stellen 30–35′ tiefer in den weißen Jurakalkfelsen mit großem Kraft- und Zeitaufwand eingebrochener Graben, der auf der Westseite des Bergs beinahe senkrecht von der Kuppe einbricht und gegen außen wieder von einem Wall begrenzt wird. Auf der leichter zugänglichen Ostseite ist ein zweiter Wall mit Graben dem Hauptgraben halbmondförmig vorgelegt bis an die steileren Süd- und Nordseiten des Bergs, wo er allmählig ausläuft. Von dem äußeren Wall des an der Ostseite angelegten Doppelgrabens senkt sich der Berg in einer Steigung von etwa 10° und nach 100 Schritten gelangt man abermals an einen Wall, der an der Innerseite 8′, an der Außenseite aber 20′ hoch ist. Von diesem zweiten, beziehungsweise dritten Wall, 280 Schritte weiter gegen Osten, erscheint ein dritter, oder vielmehr vierter, an der Innenseite 10′, an der Außenseite 30′ hoher Wall, vor dem endlich der 8′ tiefe äußerste Graben | hinläuft. Sämtliche an der Ostseite des Ipfs angelegten Vorgräben und Vorwälle laufen halbmondförmig hin und verlieren sich mit ihren beiden Enden an den steilen von Natur unzugänglicheren Nord- und Südseiten des Bergs. Durch diese Vorschanzen war daher die leichter zugängliche Seite dieser uralten Befestigung tüchtig und mit vieler Umsicht vertheidigt. Außer diesen Befestigungen zieht noch auf der Nordseite des Ipfs von dem obersten Ringwall eine Art Laufgraben den steilen Bergabhang hinunter zu einer künstlich schön ausgerundeten Vertiefung, die an der nördlichen Außenseite mit einem Wall umgeben ist. Diese Anlage wird von dem Volk der Löffel genannt, weil sie von Ferne einem runden Löffel mit langem Stiel etwas ähnlich sieht. Zwischen den zwei untersten Vorwällen geht ebenfalls an der Nordseite ein weiterer Laufgraben, anfangs beinahe in der Kurve des Bergs, bis zu einer runden Vertiefung, dort bricht er sich und läuft schräg und ziemlich steil den Abhang hinunter bis zum Löffel; etwa 100 Schritte westlich von dem letzteren befindet sich abermals eine runde an der nördlichen Außenseite umwallte Vertiefung. Welchen Zweck diese langhinziehenden Gräben und kesselartigen Vertiefungen hatten, läßt sich nicht wohl erörtern, vielleicht waren sie zu Verstecken und zu Hinterhalten angelegt worden.

Auf der Kuppe des Ipfs ließ nun der Verfasser an 16 über die ganze Fläche vertheilten Punkten Nachgrabungen anstellen, die alle die gleichen Ergebnisse lieferten, nämlich: nachdem die 1–11/2′ dicke schwarze Humusdecke durchsunken war, kam man auf eine Menge Thierknochen und sehr zahlreiche Bruchstücke von altgermanischen Gefäßen, von Kohlen etc., die auf dem natürlichen aus losen Jurakalktrümmern bestehenden Boden lagen. Die Gefäße sind roh gearbeitet, nicht gebrannt, nur getrocknet, meist roth, im Bruche schwarz, mehrere auch ganz schwarz; einzelne haben Verzierungen, die in eingedrückten schrägen oder rautenförmig sich kreuzenden Linien bestehen und gleichen durchweg den Gefäßen, die nahe beim Ipf in altgermanischen Grabhügeln gefunden wurden, so daß über ihren Ursprung kein Zweifel mehr übrig bleibt.

Aus dem Ganzen geht hervor, daß wir es hier mit einer altgermanischen Befestigung, mit einem großartigen, durch Vorschanzen gedeckten Ringwall zu thun haben, der militärischen und nebenbei religiösen Zwecken diente. Von Bedeutung ist die Volkssage, „daß unsere heidnischen Vorältern auf dem Ipf ihre Götter angebetet und ihnen Opfer dargebracht haben.“ An die Stelle dieser heidnischen Religionsausübung traten nun in frühester Zeit Wallfahrten und Feste, die bis zu den Zeiten der Reformation alljährlich am Ostermontag von Bopfingen und den umliegenden Orten ausgeführt wurden. Auch der Tag dieser Feier deutet auf uraltes Herkommen, da bekanntlich die alten Germanen zur Zeit unsrer Ostern Feste und | Opfer zu Ehren ihrer heilig verehrten Göttin Ostara abgehalten haben. Vielleicht war auch der am östlichen Fuß des Ipfs gelegene Wald „Osterholz“ ein der Göttin Ostara geheiligter Hain. Nach der Reformation hörten die Wallfahrten zum Ipf auf, allein das Ostermontagsfest wurde noch lange nachher abgehalten; bei demselben mußte man jedesmal nicht nur dem Stadtpfarrer von Bopfingen observanzmäßig einen großen Osterfladen (Kuchen) liefern, sondern auch von Flochberg kam ein solcher, was ein Posten in der Bopfinger Stadtrechnung vom Jahr 1550 „für des Pflegers Knecht von Flochberg do er den Fladen bracht“ bekundet.

Im Sechta-Thal bei der Edelmühle lag früher ein 6′ hoher altgermanischer Grabhügel, den der Besitzer der Mühle abtragen ließ und in demselben ein künstlich aufgesetztes Steinlager, nebst vielen Kohlen und Asche fand. Ein sehr ausgedehntes altgermanisches Leichenfeld befindet sich westlich von Meisterstall (siehe hier. die Ortsbeschreibung von Kerkingen).

Bei Anlage der Eisenbahn entdeckte man am Fuß des Sandbergs Reihengräber aus der fränkischen Periode, die neben den menschlichen Skeletten verschiedene Waffen und Schmuckgegenstände enthielten; unter den letzteren befand sich auch eine sehr schön in Filigran gearbeitete goldene Broche.

Sämtliche Überreste sprechen entschieden für die Bedeutung Bopfingens schon in frühester Zeit, nämlich in der altgermanischen, der römischen und der frühmittelalterlichen Periode.

Auf dem Karstein bei Oberdorf soll ein Wartthurm gestanden sein.

Sichere Spuren einer römischen Niederlassung bei Bopfingen sind vorhanden, auch befand sich daselbst eine in’s graue Alterthum zurückgehende deutsche Ansiedlung, wo z. B. Kloster Fulda Güter geschenkt bekam von Rutnit im 8. oder 9. Jahrhundert. Zwei sich kreuzende Straßen von Augsburg her über’s Herdtfeld nach Dinkelsbühl, Rothenburg, Würzburg etc. und vom Remsthal herauf über Aalen nach Nördlingen und Nürnberg gaben dem Ort Bedeutung und Gelegenheit auch zu Handel und Gewerbe. Bopfingen gehörte zum Riesgau; Grund und Boden war in mehreren Händen und zwar gehörte kein unbedeutender Theil den Brenzgaugrafen von Dillingen, deren Besitznachfolger hier die Herrn von Gundelfingen gewesen sind, welche – nachdem Anderes davon an’s Kloster Neresheim gekommen war – a. 1316 noch ihre Mannschaft und Lehenschaft zu Bopfingen in der Pfarrei und im Gericht, an Hofstätten und Gütern vertauschten an die Grafen von Oettingen. Hauptgrundherren waren ohne Zweifel die freien Herren von Flochberg (s. d.), als deren Nachfolger kurz vor 1150 die Hohenstaufen erscheinen, in deren Hand Bopfingen zu weiterer Blüthe und allmählig zur politischen Selbstständigkeit kam. | Nach den ältesten Neresheimer Überlieferungen bekam das Kloster von Bopfinger Einwohnern verschiedene Geschenke, und daß ein Friedericus mercator 100 talenta schenkte, ein Hermannus de Bopfingen 50 talenta argenti zu einem Anniversor, zeigt deutlich, daß es reiche Leute gab.

Die ansehnliche Hohenstaufensche Herrschaft mit den 2 Vesten (castra) Flochberg und Waldhausen und mit der bürgerlichen Ansiedlung (burgus) Bopfingen, war natürlich von der Grafengerichtsbarkeit eximirt und wurde von besonderen kaiserlichen Beamten verwaltet, welche mit Nördlingen, Dinkelsbühl u. a. der Prefectur Nürnberg untergeordnet waren. Denn diese Besitzungen eben hatte Kaiser Friedrich I. seinem Sohne Konrad, dem Herzog von Rotenburg, bei seiner Verheiratung 1188 zugeschieden. Die stattliche Burg Flochberg veranlaßte wohl die Ansiedlung von mehrfachen Familien ritterlicher Dienstmannen in der Umgegend, um jederzeit als Burgmannschaft bei der Hand zu sein und auch bei Bopfingen wurde ein festes Haus erbaut. Daraus, daß von den ritterlichen Herren von Bopfingen einer als Kämmerer, ein zweiter als Marschall des Königs Konrad IV. genannt wird, mag wohl auch geschlossen werden, daß Flochberg hie und da als Residenzschloß den letzten Hohenstaufen diente.

Als Bopfinger – ohne Zweifel ritterlichen Standes – werden in einer Urkunde von 1153 genannt: Hermannus, Eggehart I., Chounrat, Walther I., Marquart I., Wolftigel und Beringer; 1220 zeugten Marquard II. und Beringer II. von Bopfingen milites und 1239 schenkte miles quidam Eggehardus II. de B.ein Gut in Michelfeld (auf dem Herdtfelde) samt der Vogtei dem Kloster Heiligkreuz, mit seinen Söhnen Rabens und Eggehard III. und IV. Von diesen stammt wohl 1279 Egghardus de Hohenberge (Parcelle auf dem Herdtfeld) dictus de Tunis (etwa von einem festen Haus auf dem jetzigen Tonnenberg bei Aufhausen), welcher 1281/83 kurzweg E. de Tunis heißt und ein Gut in Sechtenhausen, besonders aber ans Kl. Kirchheim sein Steinhaus in Bopfingen samt Gütern ebenda und zu Kirchheim verschenkte. Nochmals ein miles Eggehardus (V.) de Boph. erscheint 1274.

Mit dem Marquart oben setzen wir in Verbindung den Marquardus (III.) miles, camerarius de Bopphingen, der 1262 dem Kl. Zimmern einen Hof zu Kirchheim schenkte und dessen Sohn Marquard IV. anno 1266 sororius heißt des Schenken Gerung von Eringen. Der Kämmerer stiftete 1264 ein Klösterlein in Bopfingen (s. u.), lebte 1270 und war 1272 todt, er hatte Besitzungen in Oberdorf, Itzlingen und Allerheim etc. Ein Marquardus (V.) de B. ist der marschalcus quondam regis Chunradi, welcher 1268 | dem Deutschorden (1274 war Bruder Marqu. (VI.) de Bophingen cellarius des D.-O.-Hauses zu Hüttenheim) Güter schenkte in Wessingen, Oberdorf und Bopfingen (2 Häuser und Hofstätten). Nach alten Überlieferungen hatte Johann von Emershofen um 1290 zur Gemahlin eine „Marschalkin von Bopfingen“, wodurch sich erklärt, wie die Herren von Emershofen zu ihren ansehnlichen Besitzungen in und um Trochtelfingen gekommen sind.

Andere Herren von Bopfingen waren nach Würzburg gekommen und hatten Besitzungen in dortiger Gegend; 1271–1290 werden Heinrich, Reinhard und Johann von Bopf. genannt (Reg. Boic., 3, 375, Wibel II., 107, III.) Heinrich und Reinhard ausdrücklich als cives herbipolenses, und so auch Guntherus dictus de Bfg. 1291. Von diesen stammen verschiedene geistliche Herrn, z. B. Albert v. B., procurator consistorii herbip. 1291, Eberhard v. B. can. et custos novi monasterii (1316–53); Konrad v. B., Keller in Heilsbronn 1367; Heinrich v. B., Dominikanerprior in Mergentheim 1370 u. a. m.

Vielleicht mit dem Walther I. von 1153 hängt zusammen der Ritter Walther II. v. B., welcher 1284 in der Stadtkirche begraben wurde und Stammvater des lange Zeit blühenden Geschlechts der Ritter von Bopfingen geworden ist (im Wappen blaue und weiße sog. Eisenhütlein unter einem rothen Schildeshaupt). Der Kürze wegen stellen wir diese Herren in einem Stammbaum zusammen, lediglich nach Urkunden. Ein Gerung von Bopfg. wird 1319 zwischen ritterlichen Herrn aus der Gegend von Giengen genannt.

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Walther II., officialis in Bopfingen † 1284.
Walther III., Ritter, 1290– c. 1320.
Minister in Bopfig. 1298–1303.
Vogt in Hohenburg a. Kessel 1314.
Ulrich I., Ritter
1290–1332.
Walther IV. jun. 1319,
Ritter, ötting’scher
Landrichter 1333.
Walther V.
Abt zu
Neresheim
† 1368
Walther VI.
Canonicus 1333
Propst 1359
zu Feucht-
wangen.
Ulrich II.
1332 v. Güssenbg.
1334. 40 zu
Wörth 1352 sen.
1365 †.
Rudolf I., 1368 †
zu Bopfingen 1350
zu Duttenstein c. 1360.
h. Anna v. Schwabsberg 1342.
Walther VII.
Domherr in
Augsburg 1352.
Ulrich III.
1352 jun.
1371 sen.
Philipp
1350.
Heinrich I.
1368-86.
Rudolf II.
1372–1410
h. Walpurg v. Merkingen.
Ulrich IV. 1371 jun.
zu Oberdorf 1385.
Agnes
Äbtissin zu
Kirchheim
1405-30.
Heinrich II.
zu Eselsburg
1392–1414
h. (eine
Adelmann).
Ulrich V. 1406
Vogt zu Baldern
1428–45, in Utz-
memmingen
1453.
Heinrich III.
1410–43
Hofmeister zu
Eichstädt
1412–18
h. Margarethe v. Schopfloch.
Walther VIII.
Domherr in
Ausburg
1438.
Rudolf III.
1423, 1465 †
hohenloh. Lehensmann,
Vogt zu Ellwangen,
h. Margaretha.
Sigmund
1434-46.
Anna 1437,
Agnes 1437.
Rudolf IV. 1465 bis
† 1489 zu Ellwangen
Anna † 1490
h. 1. E. v. Stetten.
 2. H. v. Berlichingen.

Rudolf V. –1513,
Vogt zu Ellwangen 1503.

Von den Stammbesitzungen werden gelegentlich erwähnt die Burg vor dem südlichen Stadtthor samt Gütern und Rechten in und bei der Stadt (z. B. Badstube, Ziegelstadel), in Oberdorf, Osterholz, Pflaumloch, Flochberg und Beiberg; auf dem Herdtfeld zu Riffingen (Kirchsatz, Beuren und abgegangene Höfe, z. B. Mittelbuch, Neuselbuch, Dithmarswinden u. a.; bei Baldern eine Holzmark. Neu erworben wurden – die Burg Wörth im O.A. Ellwangen (mit welcher im Zusammenhang stehen mögen Besitzungen in Ratstatt und O.-Roden), Duttenstein, die Eselsburg (O.A. Heidenheim) und Lehengüter im Hohenlohe’schen. Von der Vogtei Walthers III. auf Hohenburg a. d. Kessel mag eine Besitzung in Lutzingen herkommen. Dieser Walther war auch vom Kl. Reichenau beauftragt, mit dem Schutz seiner Eigenleute an der Kessel im Ries und auf dem Herdtfeld.

Um der Wappengleichheit willen sind die sog. Hahnen von | Bopfingen ein Nebenzweig der eben besprochenen Herren von Bopfingen mit Gütern in und bei Bopfingen, besonders in Oberdorf, Utzmemmingen und in Balgheim, zum Theil gundelfingische, später öttingische Lehen; von ihnen hatte sicherlich der abgegangene Hahnenhof hinter dem Ipf seinen Namen. Ihr Stammbaum ist:
Strenuus vir Heinricus,
dictus Gallus 1310
und sein Bruder Albert Hahn 1314.

Heinrich Hahn v. Bopfingen,
H. de Bopfingen im Siegel, 1314–48.
Heinrich,
1366.
Hans Hahn, Amman zu Bopfingen 1366,
auch Johann v. Bopfingen 1357–84,
zu Nördlingen 1384.

Hans Hahn der junge 1382– † 1389.

Ein bisher stets mit dieser Familie vermischtes Geschlecht bildet eine Linie der zu Bopfingen, Nördlingen und Wallerstein angesessenen sog. Einkürn (mit einem Falken auf einer Hand sitzend im Wappen). Der älteste bekannte minister in Bopfingen Sifrid 1274 mag recht gut identisch sein mit – oder Vater von Sifridus minister de Nördlingen 1283 ff., dictus Einkürn 1291, der einen Bruder Heinrich (minister in Nördlingen 1294 u. 99) hatte und einen Sohn Walther 1292. Jedenfalls wird 1296 und 98 ein Sifridus dictus Ainkürn als Bopfinger Bürger genannt. 1339 lebte Walther der Einkürn, Bürger zu Bopfingen, gleichbedeutend wohl mit dem Walther von Bopfingen, der 1328 im Nördlinger Rathe saß. 1358 werden Walther Einkürn und sein Bruder Heinrich genannt und von 1364 an erscheint Heinrich von Bopfingen mit dem Wappen der Einkürn – unter den Nördlinger Rathsgeschlechtern. Sein Stammbaum entwickelt sich folgendermaßen:

Heinrich v. Bopfingen – 1409,
Rathsherr zu Nördlingen 1373.
? Hans 1387. Paul Bopfinger 1394–1433.
Bürgermeister zu Nördlingen 1421.

Hieronymus I. Bopfinger, Bürgermeister 1436. 46,
Städtehauptmann, fällt bei Eßlingen 1449.

Hieronymus II., Rathsherr 1493–95.

Bei der Sitte der alten Zeit, Männer von ihrem Heimatort zu benennen, kann nicht auffallen, wenn zu Nördlingen und an anderen Orten verschiedene N. N. „von Bopfingen“ oder „Bopfinger“ auftauchen, welche gewiß nicht alle mit diesen Familien im Zusammenhang stehen.

| Einer neuen Familie gehört der Heinricus de Bopfingen an, dictus Juvenis, der 1291 einen Hof und andere Güter in Ohmenheim und Dossingen an’s Kloster Kaisersheim verkaufte und 1313 wieder erscheint als Heinricus dictus Junge – neben einem Heinricus dictus senior de Bopfingen.

Zu den angesehensten Familien gehörte auch die des Berthold von Aufkirchen, der von 1283–91 minister de Bopfingen gewesen ist und noch 1298 als Bopfinger Bürger genannt wird, sein Sohn Conrad Ufkircher 1291, 1303, mit seinen Brüdern Berthold und Heinrich 1311. – Aus späterer Zeit wollen wir noch des erbar vesten Hans Flochberger gedenken, der im Anfang des 15ten Jahrhunderts mit einem Bruder Fritz Bürger war in Bopfingen.

Nach dem Ende der Hohenstaufen galt Bopfingen entschieden als Reichsgut und wurde von einem Reichsbeamten verwaltet, jedenfalls seit König Rudolf wieder etwas Ordnung in die Reichsangelegenheiten gebracht hatte. Aus Urkunden bekannt sind: Sifridus minister de Bopfingen 1274/78; Waltherus officialis de Bopfg. 1281; Bertholdus minister de Bopfingen 1283. 84. 90. 91; Waltherus de Bopfingen miles et minister civitatis ejusdem 1298. 1303. Fridericus minister 1311. Kaiser Adolf hatte die Vogteien und Schultheißenämter zu Dinkelsbühl, Bopfingen u. a. m. an den Burggrafen von Nürnberg verpfändet und übergab sie 1295 dem Grafen Ludwig von Oettingen gegen 1500 Pfd. Heller. Der locale Amtsname war Amman, je mehr aber die Bedeutung der Bürgermeister wuchs, desto mehr wurde der Amman blos erster Gerichtsbeamter und von König Rupert erhielt die Stadt das Privileg, daß ein jeweiliger Bürgermeister dem Amman den Blutbann verleihen möge.

Daß auch Bopfingen vom Kaiser Ludwig begünstigt wurde, zeigt eine Urkunde von 1322, worin er den Bürgern von Bopfg. wieder zustellt, was ihnen an Holz, Wiesen und Äckern mit Gericht abgesprochen worden war; er weist die Kläger an des Kaisers Gericht.

Wann sich in Bopfg. das Bürgermeisteramt herausbildete, ist nicht genau bekannt. In Urkunden wird genannt z. B. 1290: B. minister et universitas civium; 1299: W. minister consules (die Rathsherren) et communitas civium; 1303: W. minister, consules et scabini. Hier also scheint dem herrschaftlichen Amman bereits ein doppeltes Collegium an der Seite zu stehen, die Rathsherren (consules) für die gesamte Verwaltung, die Richter (scabini) zur Handhabung der gesamten Rechtspflege, zu welcher damals noch vieles heuzutag Polizeiliche gehörte. In einer Urkunde von 1353 verzichten N. gen. Mötinger, der Amman zu Bopfg., der Rath und die Gemeinde auf die Steuern, welche das Kloster Kirchheim hätte zahlen müssen.

Von innern Unruhen sind diese Veränderungen, scheint es, nicht | begleitet gewesen, denn wie es keine Zünfte gab von Bedeutung, so war auch kein zahlreiches und einflußreiches Patriciat vorhanden; die Ritter von Bopfingen hielten sich ganz zum Landadel. Darum sank auch das vom Rath abhängig gewordene Ammanamt immer mehr in Bedeutungslosigkeit und hörte eine Zeit lang ganz auf. Bürgermeister und Rath bildeten zugleich die Gerichtsbehörde, und seit K. Karl IV. und K. Wenzel 1373/1398 der Stadt B. Exemtion von allen fremden Gerichten gewährt hatten (zuerst – Klagen gegen die Stadt selbst, dann blos den Fall der Justizverweigerung ausgenommen), bedrohte der Rath seine Bürger und Unterthanen mit doppelter Strafe, wenn sie vor einer fremden Herrschaft sich stellen oder strafen lassen. K. Wenzel 1398 und K. Rupert 1401 erlaubten, daß sie alle schädlichen Leute in ihrem Gebiete fahen und wenn am Orte selbst kein geschworen Halsgericht ist, in ihrer Stadt richten mögen, auch jeden Bürger um alle Missethat strafen. Befreiung von den westfälischen oder heimlichen Gerichten verlieh 1428 Papst Martin 20 schwäbischen Städten worunter Bopfingen. Hatte Bopfingen ursprünglich zur Reichs-Landvogtei Nürnberg gehört, so wurde es doch bald mit Niederschwaben verbunden, aber längere Zeit noch in der Weise, daß neben der Landvogtei Niederschwaben besonders genannt wurde: „die Landvogtei über die 3 Städte Nördlingen, Bopfingen und Dünkelsbühl“ oder „die Vogtei und das Pflegamt Nördlingen“ z. B. 1358 u. 1366. Besondere kaiserl. Privilegien aus älterer Zeit sind nicht mehr bekannt; eine allgemeine Bestätigung der erworbenen Rechte und Gnaden gab K. Ludwig 1314. 1322, K. Karl 1352. 55, K. Wenzel 1376. 87. 98, K. Rupert 1401, K. Sigmund 1413. 33, K. Albrecht II. 1438, K. Friederich 1440, 42, 68, Max 1495, Karl V. 1522 u. s. w. Die Gerichtsprivilegien von 1398 und 1401 sind schon erwähnt, K. Friedrich III. gab, neben Bestätigung der alten Privilegien, zum Dank für aufgewendete Kriegskosten die nähere Bestimmung 1468: daß man die Stadgemeinde selbst rechtlich belangen müsse vor ihrem Amman und 4 Rathspersonen aus 4 benachbarten Reichsstädten. Auch noch etliche Jahrmärkte darf die Stadt einführen – und Mühlen bauen an der Eger und Sechta, nur Andern ohne Schaden.

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Die Anlässe, welche fast überall zu Conflikten zwischen den Städten und benachbarten Dynasten führten, fehlten auch in B. nicht, namentlich die Aufnahme von Leibeigenen in den Bürgerverband, welcher frei machte, jedenfalls wenn so ein Leibeigener in Jahr und Tag nicht reclamirt worden war. Schon 1274 befahl K. Rudolf den Städten Nördlingen, Bopfingen u. s. w. keine hörigen Leute der Grafen von Oettingen aufzunehmen, aber dergleichen Gebote wurden wenig beachtet. Das kaiserliche Regiment war in jenen Zeiten bemüht, durch Landfriedenseinigungen Ruhe und Verträglichkeit zu erhalten und so finden wir auch Bopfingen, gleich andern schwäbischen | Reichsstädten, verbunden mit Fürsten und Herren, z. B. 1307, 1333 ff. Bald aber drohte den für Oettingen besonders gelegenen 2 Städten Bopfingen und Dinkelsbühl eine große Gefahr; Kaiser Karl selbst tauschte sie mit allen ihren Rechten und Freiheiten, Würden und Zubehörden als rechtes Erblehen (um 16.000 Pfd. Heller) an die Grafen von Oettingen gegen deren Landgrafschaft im untern Elsaß. Zum Glück wurde 1352 dieser Vertrag wieder aufgehoben, die 2 Städte aber schlossen gewiß um so inniger an die damaligen Städtebündnisse sich an, um dergleichen Gefahren vorzubeugen, wie denn K. Karl z. B. a. 1373 die Städte Donauwörth, Nördlingen, Dinkelsbühl und Bopfingen für 100.000 Goldgulden an die Herzoge von Bayern verpfändete bis 1374. König Rupert nahm 1401 die schwäbischen Städte in seinen Schirm und versprach u. a. auch Bopfingen, sie nicht zu verpfänden. Aber dergl. Versprechungen waren auch von seinen Vorgängern oft gemacht und oftmals doch mißachtet worden. Die Städte mußten sich durch eigene Kraft schützen. Um so mehr that es Noth, unter sich in engere Verbindung zu treten, nach Umständen zugleich mit allerlei Fürsten und Herren. Zu dergleichen Städtebündnissen trat Bopfingen z. B. 1356, 75, 76, 77 (32 Städte), 81 (die Zahl wachsend in den folgenden Jahren), 92, 95, 99; 1402, 05, 07, 13, 16, 19 (gegen Bayern), 27, 33, 40 (1446 waren es 31 Städte) 1466, wo Kaiser Friedrich seinen allgemeinen Landfrieden verkündigte mit Aufhebung alles Fehderechts. Als im Februar 1488 der schwäbische Bund zu Stande kam, war Bopfingen gleich unter den Theilnehmern.

In die Feindseligkeit der Städte mit den Grafen von Württemberg, wegen ihrer bedenklichen Handhabung der Landvogtei, waren natürlich auch die Bopfinger verflochten, wenn gleich nicht so nahe berührt. Im Kriege gegen Graf Eberhard 1360 kam Kaiser Karl selbst 23–24. August durch Bopfingen. Die Bündnisse 1376/77 waren nochmals vorzugsweise gegen das Umsichgreifen jenes Landvogts gerichtet, welchem der Kaiser eben viele Schultheißenämter und Vogteien verpfändet hatte. Der neue Landvogt 1378, Herzog Friedrich von Bayern, versprach den schwäbischen Städten und so namentlich auch Bopfingen seinen Schirm. Späterhin traten die Städte 1394/95, 1400 und noch öfter mit den jetzt nicht mehr Gefahr drohenden württemb. Grafen in Einigung und die Bopfinger halfen z. B. 1422 den Hohenzollern erobern, wahrscheinlich auch bei vielen Zügen gegen einzelne Raubburgen; (gegen die Schlegler schon 1395).

Mit den Besitzern der Burg zunächst am „Schulthor“ lebte Bopfingen nicht im besten Einvernehmen; die Stadt klagte z. B. 1320 am öttinger Landgericht, daß Ulrich von Bopfingen ihre Bürger eingenommen, Häuser und Städel gezimmert habe, wo es ihm nicht gebührte, Güterstücke nicht versteuere u. dergl. Auch das 1320 und | 1331 von Kaiser Ludwig ausgebrachte Privilegium: daß Niemand vor der Stadt bauen solle, der nicht gleiche Lasten tragen will mit den Bürgern, war wohl gegen die Herren von Bopfingen hauptsächlich gerichtet; ebenso der Punkt in einem Privileg Karls IV. von 1373: Was in der Stadt Markung liegt und vor Alters gesteuert hat, soll forthin mit der Stadt heben und legen und soll sich Niemand entziehen, auch wenn Jemand kein Bürger wäre. Zwar verbündete sich Rudolf von Bopfingen 1352 mit der Stadt und räumte ihr ein Vorkaufsrecht ein auf seiner Burg; aber die Zeiten änderten sich und mit Vergnügen wurde darum in dem großen Städtekrieg 1386/87 die Gelegenheit ergriffen und die unbequeme Burg erobert, zerstört und einer von Steinberg mit seinem Knecht auf dem Markte enthauptet. Daraufhin verkauften die Pfleger von Rudolfs von Bopfingen Kindern den Burgstall mit Gemäuer und Graben, Garten und Hofreit um 300 fl. an die Stadt, Feldgüter und nutzbare Rechte ausgenommen. Das Privilegium, daß Niemand vor der Stadt oder an ihrem Graben Bäue mache wider der Stadt Willen, ließ man sich zu weiterer Sicherheit 1398 erneuern. – Die ehemals zur Reichsburg Flochberg gehörigen Marställe und Städel in Bopfingen waren an Oettingen gekommen und hatten auch Streitigkeiten verursacht, bis durch Vermittlung des Städtebunds die Grafen um 370 Pfund an die Stadt verkauften a. 1362. Den Hahnen von Bopfingen war das Ammanamt der Stadt verpfändet gewesen um 300 fl. von Karl IV. und Hans von Bopfingen überließ es um 500 fl. der Stadt 1384, welche seitdem im Besitz blieb und so innerhalb ihrer Mauern immer vollständiger Selbstherrin wurde. Zwar die Bopfinger Stadtsteuer von 80 Pfd. Heller, auf welche z. B. K. Ludwig u. 1340 dem Ritter von Bopfingen 400 Pfd. angewiesen hatte, war a. 1417 von K. Sigmund an die Grafen von Oettingen verpfändet worden; dieses Verhältniß aber hätte, obwohl keine Auslösung erfolgte, die Stadt wenig incommodirt. Sehr bedenklich dagegen war, daß die Grafen von Oettingen auf ihr von K. Sigmund erneuertes Landgerichtsprivilegium hin anfiengen, auch der Reichsstadt ihre Exemtion streitig zu machen. Die festlichen Züge an Ostern auf den Ipf gaben schon z. B. 1458 Anlaß zu Differenzen und in immer engere Grenzen wollte die Jurisdiction und Landeshoheit der Stadt eingeschränkt werden. Durch einen Vertrag von 1522 wurde der Stadt zuletzt nur zugestanden – auf 10 Jahre zunächst und so von Zeit zu Zeit, Frevel zu bestrafen, soweit der Stadt Gärten gehen, gegen eine Abgabe von 10 fl. jährlich. Noch ihm Jahr 1802 ließ Oettingen Jurisdictionssäulen vor den Thoren der Stadt aufrichten. Schon 1449 bedurfte es einer besondern Vermittlung mit Graf Ulrich von Oettingen (und 1454 klagten die Oettinger gegen Bopfingen beim kaiserl. Kammergericht). | Im damaligen Städtekrieg hatte auch Bopfingen dem Markgrafen Albrecht von Ansbach abgesagt und er zog nun selbst in der Nähe vorbei, im December, bei welcher Gelegenheit die Stadt von der Burg Flochberg aus beschossen wurde. Die Bopfinger bei den Städten im Felde hatten Niemand verloren, weder durch Tod noch Gefangenschaft. Dagegen 1478 und 1480 nimmt sich K. Friedrich der Stadt an, weil sie durch Darstreckung von Leib und Gut in des Reiches Kriegsläufen und dergl. in merklichen Schaden und Abnehmen gekommen. Die Nachbarstädte sollen Bopfingen in Schutz und Schirm nehmen, daß sie nicht vergewaltigt werde, und bei Städteeinungen von ihr nehmen ohne Beschwerung ihrer Armut.

Schon a. 1400 waren von allen schwäbischen Reichsstädten blos Buchhorn, Isny und Buchau noch geringer angelegt als Bopfingen. Zur Handels- und Gewerbsstadt hatte es sich nicht ausgebildet (dazu war Nördlingen auch zu nahe), auch die kaiserl. Erlaubniß 1486 weitere Märkte einzurichten, konnte nicht helfen, eine Schranne nicht aufkommen. Die Landwirthschaft war nicht besonders erträglich, das Gebiet der Stadt sehr klein. Dagegen erhoben die Kaiser nicht selten große Anforderungen; Karl IV. z. B. verlangte 1373 von Bopfingen 1000 fl. (die Quittung vom 7 Juni lautet 1500 fl.) extra (zur Bezahlung der Kaufsumme für die Mark Brandenburg) und ähnlich noch öfter. Die Bestätigung eines schon länger bestehenden Zolls a. 1366 (6 Heller vom beladenen Wagen, 3 Heller vom Karren, 1 Heller vom Haupt Vieh) samt der Erlaubniß, einen (weiteren) Zoll aufzurichten, soweit ihre Mark und Zente geht, auf 10 Jahre, 1373, oder 1480 die Verleihung eines Zolls bei Hohenberg mit 4 Pfennig von jedem Pferde, das Kaufmannsgut fährt oder trägt, (1/4 des Ertrags dem Kaiser) konnte wenig helfen. Den Hauptertrag mußte doch die Steuer geben, welche jeder Einwohner von seinem Vermögen zu geben hatte und das 1366 eingeführte, 1373 bestätigte Umgeld. Wichtig war ein Privileg K. Ludwigs von 1336, bestätigt 1350 und 1398, wodurch Bopfingens Bürger alle vom Hauptrecht oder Fall befreit wurden; nur das Bestgewand soll dem Leibherrn gegeben werden; ein Zeichen, daß die Stadtbürgerschaft sich damals von der Leibeigenschaft noch nicht ganz zu befreien vermocht hatte. Die Grafen von Oettingen erkannten dieses Privileg 1337 ausdrücklich an. – In den Jahren z. B. 1410, 1433 fanden wir noch Spuren, daß Bopfingen hie und da Geld ausleihen konnte, 1478 aber – hauptsächlich durch die vielen Kriege des Reichs – stack die Stadt in vielen und schweren Geldschulden und der Kaiser forderte eine Anzahl anderer Reichsstädte auf, 6000 fl. zu leihen, damit Bopfingen nicht gar durch seine vielen Verbindlichkeiten vom Reiche weg in fremde Hände komme.

Für den Krieg hatte Bopfingen im Rathhaus eine Waffenkammer, | worin a. 1445 nicht blos Sturmhauben, Panzer und Koller, Krebs und Schilderlin waren, Hauben und Achseln, Schwerter und Spiese, Armbrüste und Winden, Pfeile u. s. w., sondern auch Doppelhaken und Musketen, Sättel und Zeug. Waffenpflichtig war jeder Bürger, und als bei einem Angriff auf die Stadt Fritz Funk floh, so daß ein Mitgeselle gefangen wurde, hat man ihn um 50 fl. gestraft und aus dem Rathe gestoßen; der Kaiser gewährte ihm 1466 einen Ehrenrestitutionsbrief. Auf dem schwäbischen Bundestag wurden Bopfingen dem Kaiser zur Hilfe gegen die Franzosen 3 Fußknechte angesonnen, mit Krebs und Spieß; nach einem Beschluß von 1488 sollte Bopfingen in Rüstung haben 2 Pferde und 20 Mann zu Fuß; 1499 zum Schweizerkrieg 1 Reiter und 4 Fußgänger. An Geld zahlte Bopfingen als Reichshilfe z. B. 1508 – 120 fl. Der Reichsmatrikularanschlag war 66 fl. für einen Römermonat a. 1521, a. 1545 – 24 fl. und 1549 bittet die Stadt um Ermäßigung.

Unter den Einwohnern der Stadt waren jedenfalls schon vor 1385 auch Juden, welche an den Kaiser Judensteuer und den goldenen Opferpfennig zu bezahlen hatten; 2 Bopfinger Juden zahlten 1338 – 20 fl. an Conrad von Weinsberg. Bald nachher sind wahrscheinlich diese Juden ausgetrieben worden, weil erst um 1480 wieder ein Nördlinger Jude je auf ein paar Jahre aufgenommen worden ist unter der Bedingung: Christen gegenüber Recht zu geben und zu nehmen vor dem Amman, Zins zu nehmen von 1 fl. – 1 Pfennig, von 1/2 fl. oder weniger – 1 Heller höchstens in der Woche; allerlei benannte Waaren darf er nicht führen, auf ihm verpfändete Güter hat die Stadt das Auslösungsrecht, das Umgeld hat er zu bezahlen und 15 fl. jährl. Schutzgeld; 8 Tage vor und nach Ostern muß die Familie Fenster und Läden geschlossen halten und zu Haus bleiben, darf auch an christlichen Feiertagen nicht öffentlich arbeiten. Auch diese Familie wurde nicht lang geduldet und Bopfingen erlangte ein Privileg, daß kein Jude in der Stadt wohnen dürfe, von Karl V. 1545 ein weiteres, daß ohne Wissen des Bürgermeisters kein Jude einem Bürger aus der Stadt steuerbare Güter leihen darf. Wer Judenschulden macht, wurde 1563 mit Verlust des Bürgerrechts bedroht. Alles Hausiren in der Stadt selber war verboten (neu eingeschärft 1635), nur unter den Thoren dürfen die Juden schachern.

Von der großen Bewegung der Geister im 16ten Jahrhundert wurde Bopfingen nicht stark berührt. Zwar dem Bauernheer zogen Bürger zu, welche nachher abgestraft wurden und neuen Bürgereid schwören mußten. Die vorhandenen Regungen evangelischen Sinns wurden ziemlich niedergehalten und erst 1545/46 nahm die Stadt die augsburgische Confession an.[1] Die Abgesandten zum Ulmer Convent im September | 46 sollen „um ihres kleinen Verstands und Armuth willen fleißig aufmerken auf andere Hochverständige und sollen bitten, die von Bopfingen als neue und junge Religionsverwandte gnädig zu bedenken.“ Am 25. Nov. wurde eine Schaar niederländischer Reiter mit Hilfe der flochberger Besatzung zurückgeworfen, am 26. kam der Kaiser selbst mit seinem Heerhaufen. Nun ergab sich die Stadt und muß 300 fl. zahlen, die Spanier aber plünderten, tödteten und verwundeten, schändeten und mißhandelten die Bevölkerung in einer Weise, daß Karl V. selbst gesagt haben soll: Par Dio, dem Städtlein haben wirs grob gemacht. Der Bischof von Augsburg drang 1548 auf Annehmung des Interim und die Stadt beugte sich, bat auch gerade den Bischof um Fürsprache beim Kaiser, als er sich 1550 wieder näherte mit Kriegsvölkern.

Karl V. reformirte nun auch 1552 die Verfassung. Statt eines Bürgermeisters jährlich wechselnd, waren früher schon 3 Bürgermeister, im Jahre wechselnd, gewählt worden, welche mit den 2 ältesten Rathsherrn „Geheimen“ den engeren Rath bildeten, dazu 7 Rathsherrn und der Stadtschreiber (bisweilen auch Kanzler z. B. 1479/80) oder Syndikus, ein Mann von der Feder, während alle übrigen Bürgersleute waren. Der Kaiser ordnete nun an, daß die Bürgermeister und Geheimen katholisch sein sollen, oder dieser wahren Religion am nächsten. Wer einmal gewählt ist, soll nicht mehr entsetzt werden; die altherkömmliche jährliche Wahl wird blos noch pro forma (um Lichtmeß) vorgenommen durch 2 Geheime und 3 Rathsherrn, der gesamte Rath wählt gleich einen Ersatzmann aus der Bürgerschaft und theilt die Würden aus, aber auch ohne Wechsel, wo nicht außerordentliche Umstände wären.

Der Rath ist die hohe Obrigkeit, übt die Gerichtsbarkeit, verwaltet die Stadt und die öffentlichen Einkünfte; die Besoldungen waren klein, aber ein paar Mahlzeiten gebräuchlich, ein Fischessen und ein Hahnenessen im Spital. Der Syndikus führt Protokoll, macht die Schreibereien und hat berathende Stimme. Das Siegel der Stadt (z. B. 1284 ff. genannt) zeigt den einköpfigen Reichsadler, in spätern Zeiten mit einem blauen Herzschildchen, worauf eine goldene Hafte. Zu den Rathssitzungen erschien man (1607) mit einem Degen an der Seite. Die althergebrachten Ordnungen und Gewohnheiten der Stadt waren zusammengestellt in einem „Merzending“ oder „Merzenrecht“ (weil jährlich am 1. Merz verlesen), das 1550 und 1750 revidirt und hie und da mit Zusätzen bereichert worden ist (19 Abschnitte: von Bürgerannahme, Heiraten, Kindern, Steuer, Käufen und Verkäufen, Landgütern, Verpfändung, Vergantung, Inventuren und Theilungen, Bürgerwache, Handwerken, Umgeld, Waage und Maß, Schatzung und Geschau, Hirtenamt, Bauamt, Feueranstalten, Zoll, Polizeiordnungen). Besondere Ordnungen gab es noch für den | Bürgereid und die Steuerangelobung, eine Eheordnung (vor 1611) u. a. m. Ein besonderer Amman wurde 1655 wieder – nach langer Zeit – aus dem Rath erwählt, gewöhnlich der jüngste Rathsherr, welcher zugleich Lieutenant der Stadtmiliz ist und polizeiliche Funktionen hat und einem untergeordneten „Stadtgericht“ mit 3 Assessoren aus der Bürgerschaft präsidirt, auch die Jurisdiction über die Unterthanen auf dem Lande besorgt. Die sämtlichen Rathsmitglieder theilten sich in ein Kriminalgericht, Einigungsgericht, Steuergericht, Theilungsgericht, Untergangsgericht; es bestand eine Bierschatzung und Brodschatzung u. dgl. m. Bei Rechtsfragen consultirte man auswärtige Juristen, gewöhnlich zu Nördlingen und ließ sich durch solche Consulenten auch auf Reichs- und Kreistagen vertreten, wo Bopfingen die 37ste resp. 27ste Stelle einnahm.

Die bewaffnete Macht der Stadt bestand früher aus Doppelsöldnern mit Rüstung, Schlachtschwertern und Hellebarten und aus Hakenschützen theils mit, theils ohne Sturmhüte, wozu noch einfache Knechte ohne Rüstung. Späterhin stellte die Stadt Hellebardire, Musketire und einige Mann mit Schlachtschwertern (noch 1665). Zuletzt ist zu unterscheiden zwischen den Contingentssoldaten (2 Dragoner und Infanterie, 1 Korporal, 1 Gefreiter, 11 Gemeine bei Regiment Württemberg und Baden-Durlach) und der Bürgermilitz, befehligt vom Stadtamman. Unter jedem Thor waren als Wache 1 Soldat und 2 Bürger, alle zusammen unter 1 Wachtmeister. Die Bürger übten sich einigermaßen in den Waffen durch Scheibenschießen und es wurden hie und da öffentliche Schießen gehalten und Musterungen vorgenommen. Natürlich war Bopfingen nicht im Stande, unter den neueren Kriegsverhältnissen einem ernstlichen Feinde zu widerstehen, wie schon der 30jährige Krieg mit Schrecken zeigte. Finanziell hatte sich die Stadt erholt, auch 1626 einen kaiserl. Schutzbrief erworben und zuerst machten bloße Durchmärsche nicht zu viel Beschwerde.

Nach dem Restitutionsedict wurde auch Bopfingen von einer kaiserl. Commission heimgesucht und bei ihrem Sträuben durch öttingenschen Landsturm 1.–8. Nov. 1630 blokirt und zur Ergebung genöthigt. Das Jahr 1631 brachte massenhafte kaiserl. Durchmärsche und Quartiere, 1632 und 1633 die Schweden mit neuen Anforderungen; 1634 zieht das ganze Heer Herzog Bernhards von Weimar zum Entsatz von Nördlingen herbei und schlägt auf dem Breitwang sein Lager; nach verlorener Schlacht dauert die Plünderung und Mißhandlung in Bopfingen wochen lang fort; durch Seuchen und Flucht nahm die Bevölkerung um 2/3 ab, grade aber die grassirende „Pest“ bewahrte einige Zeit vor weiterer Einquartierung u. s. w. Das Jahr 1635 brachte nochmals eine Plünderung durch kaiserl. Reiter, aber auch den Prager Frieden, der Bopfingen einschloß. Auch weiterhin nahmen die Durchzüge und Requisitionen kein Ende und die Unsicherheit war | zeitweise so groß, daß Jeder „zu seinem Pflug sich selber einen Musketier bestellen“ sollte; aber doch gewährte die Stadtmauer immer wieder einigen Schutz und die Landleute flüchteten dahin manchmal mit Vieh und Habe (1646 einmal 582 Personen, 208 Ochsen, 262 Kühe, 43 Kälber, 45 Gaisen, 27 Schweine u. s. w.), 1645 den 24/25. Juli besetzten und plünderten Franzosen die Stadt und übten schändliche Mißhandlungen, so daß der endliche Frieden um so größere Freude erweckte, wenn gleich Bopfingen noch 3204 fl. Friedensgeld an die Schweden zahlen mußte.

Die späteren Reichskriege forderten nicht blos Contingentskosten, Opfer bei Durchzügen u. dgl., 1673 brachten die Soldaten auch eine hitzige Krankheit in die Stadt, woran Viele starben, und 1688 trieben die Franzosen unter Feuquières Contributionen ein, womit sie auch 1702 von Ulm aus drohten. 1703 Ende Septembers kam das Korps des Feldmarschalls Styrum auf ein paar Wochen in die Gegend. Ein Besuch der Franzosen 1704 brachte zwar nicht die drohende Plünderung, nahm aber Contribution und Geißeln und nach dem Sieg bei Höchstädt kam mit einem preußischen Lazareth die rothe Ruhr. Wiederum Truppendurchzüge waren 1746, 1759 und 60.

Alle diese Erlebnisse hatten die Finanzen der Stadt tief beschädigt und der Hilfsquellen waren es so wenige; den von Kaiser Friedrich III. gewährten Zoll zu Hohenberg hatte Oettingen gewaltsam abgethan, alle Märkte waren eingegangen etc., so daß nur die Steuer übrig blieb, die zu verschiedenen Zeiten von 100 fl. 6 Batzen (z. B. 1595) bis 25 Batzen (z. B. 1566) betrug. Nach dem 30jährigen Krieg schätzte Bopfingen seine Kriegskosten in den letzten 20 Jahren auf 350.000 fl. und bat dringend um Ermäßigung des Reichsanschlags, der nun auf 24 fl. gestellt wurde, 1683 auf 17 fl., 1728 auf 20 fl.; das Kammerziel betrug 13 Reichsthlr. 651/2 Krzr. Nach dem 7jährigen Krieg waren ca. 140.000 fl. Schulden vorhanden und das Rechnungswesen in großer Unordnung. Nun machte der Stadtschreiber Haak einen Vorschlag zu Ersparnissen und Verbesserungen 1763, welcher Combinirung des Diaconats mit dem Präceptorat, Verkauf und Besteuerung der Hospitalgüter, Bleiche und Ziegelhütte u. dgl. umfaßte. Bürgermeister Schazmann (persönlich interessirt) brachte 13 Bürger zusammen, welche bis zum Reichshofrath protestirten, über die Zertrümmerung des Kirchen- und Schulwesens, Verschleuderung des Stadtvermögens u. s. w. klagten, vergeblich. Ein vom Kaiser ratificirter Ökonomieplan trat ins Leben, welcher das Bürgeraufnahms- und Schutzgeld erhöhte, 30 kr. jährlich Bürgergeld einführte, die Holzgaben herabsetzte u. dgl., so daß schon 1790 blos noch 68.000 fl. Schulden übrig waren. Aber nun kamen die Revolutionskriege, wo im August 1796 und 24. Juni 1800 die Stadt mitten in die Operationen hineinfiel und vom 9.–19. August 1796 über 42.000 fl. | aufwenden mußte für beide Theile; 1800 während des Gefechts am 24. Juni drohte Verderben durch viele Pulverwägen in der Nähe der Stadt und der französische Kriegskommissär drohte Magistrat und Syndicus arretiren und prügeln zu lassen. In wenig Jahren wuchs die Schuldenmasse wieder auf 124.000 fl. an und 1802–03 gieng auch die bisherige Selbstständigkeit verloren, indem Bopfingen durch den Reichsdeputationshauptschluß überlassen wurde an Bayern, das übrigens die alte Verwaltung durch Magistrat und Syndikus zunächst bestehen ließ, nur in wichtigeren Fällen sie an das Landgericht Nördlingen als „Stadtkommissariat“ weisend. Der neue Souverän nahm als Staatseinkünfte in Anspruch: Nachsteuer und Gerichtssporteln, Umgeld, Zoll und Accise, Leder- und Metzgerzoll, Judenzoll, Schrannenaccis, Schutzgelder, Buß und Frevel vom Land, dazu natürlich die eigentliche Steuer, welche von 100 fl. auf ein Simplum betragen hatte: vom Bürger 30 kr., vom Pfahlbürger und Unterthanen 45 kr., erhoben aber wurden im Jahr gewöhnlich auch 3 Extrasteuern, also 4 im Ganzen. Die Feudalgefälle der Unterthanengüter gehörten fast alle den geistlichen Pfründen und dem Spital, die Stadt selbst besaß außerhalb ihrer Markung ca. 500 Morgen Wald. Eine Ausscheidung auch der Schulden wurde 1807 durch eine bayrische Commission angefangen, aber nachdem Bopfingen 1610 an Württemberg abgetreten worden war, erst 1818 wieder aufgenommen. Württemberg verlegte nach Bopfingen das Unteramt Baldern und eine Unteramtsarztstelle, ein Postamt, eine Salzfactorei und ein Oberzollamt, 1826 ein Amtsnotariat. Auch für Chausseebau wurde gesorgt.

Von der Industrie und dem Nahrungsstand der Reichsstadt in ihren letzten Jahren gibt wohl noch eine Aufnahme von 1807 Auskunft. Es gab damals 1 Accoucheur, 3 Chirurgen, 2 Bader, 1 Hebamme, 1 Apotheker, 1 Handelsmann, 1 Galanteriehändler, 1 Eisenhändler, 9 Krämer, 4 Huckler, 2 Geflügel- und Federnhändler, 3 Grünwarenhändler, 1 Gärtner, 1 Buchbinder, 30 Zeugmacher, 15 Lodweber, 6 Decken- und Gurtmacher, 5 Leineweber, 3 Tuchmacher, 1 Färber, 2 Seidewirker, 1 Strumpfstricker, 30 Rothgerber, 3 Weißgerber, 2 Lederlakier, 2 Sattler, 2 Seckler, 2 Kürschner, 2 Hutmacher, 20 Schuster, 9 Schneider, 4 Bortenwirker, 1 Knopfmacher, 1 Kammmacher, 3 Schlosser, 3 Kupferschmiede, 2 Hufschmiede, 1 Nagelschmied, 1 Büchsenmacher, 2 Gürtler, 4 Müller, 1 Lebküchner, 14 Bäcker, 13 Metzger, 2 Branntweinbrenner, 8 Bierbrauer, 3 Faßbinder, 2 Zimmerleute, 4 Maurer, 1 Ziegler, 3 Hafner, 1 Kaminfeger, 2 Schreiner, 3 Glaser, 3 Drechsler, 1 Wagner, 1 Korbmacher, 6 Seiler, 3 Fuhrleute, 2 Boten, 3 Hirten, 1 Schweinschneider, 3 Musikanten, 10 Taglöhner.

Das Gebiet der Stadt umfaßte zunächst die Markung, auf welcher jenseits des Grabens die Grafschaft Oettingen die peinliche | Gerichtsbarkeit, Jagdrecht, Geleit, Mühlaufsicht u. dgl. ansprach und erzwang, und 63 Selden, 3 Lehen und 3 Mühlen in Oberdorf, besetzt mit 90 Unterthanen, den Hof Hohenberg mit 3 Unterthanen. Weiter gehörten als steuer- und frohnbar nach Bopfingen in
Höfe. 0Selden. 0mit Unter-
00thanen.
Trochtelfingen 5 9
Itzlingen 1 2
Dirgenheim 1 3 4
Flochberg 8 9
Herdtfeldhausen 1 1 3
Kerkingen 4 4
Ohmenheim 1 1
Riffingen 1 2 3
Röttingen 1 2 3
Zöbingen 1 1
im O.A. Ellwangen in
Walxheim 1 2 3
Rimpach 1 1
Schneidheim 1 8 14
Zipplingen 1 1

Einzelne steuerbare Güter lagen auf den Markungen von Sechtahausen, Aufhausen, Kirchheim, Meisterstall, Osterholz, Wöhrsberg.

Die Markung der Stadt hatte strittige Weidgänge, welche bereinigt wurden z. B. 1339 mit dem Kloster Kirchheim, mit Flochberg 1500, mit Aufhausen 1714.

Kirchliches. Bei der St. Blasienkirche war schon in sehr alten Zeiten eine Pfarrei und kamen dazu mehrere Kaplaneien. Das Patronatrecht war (mit Flochberg?) an die Grafen von Oettingen gekommen, welche dasselbe 1358 dem Kloster Kirchheim schenkten, was Kaiser Karl IV. 1361 bestätigte; die Incorporation war gleich erfolgt. Von dem bedeutenden Zehentertrage hauptsächlich wurde nun der Pfarrer besoldet.

Graf Johann von Helfenstein, Domdekan zu Straßburg, schenkte der Kirche 1465 eine „obere Röhre“ vom Leib des h. Blasius, welche bald nachher bei Graf Ulrich von Oettingen Wunder wirkte, „als er darob getrunken“ bei einem verschwollenen Hals. Ablaßbriefe waren vorhanden schon von den Jahren 1299, 1317 u. a.

Zu Bopfingen hatte ursprünglich ein augsb. Landkapitel seinen Sitz und die Stadtpfarrer waren oft Dekane, z. B. Dekan Chunrad c. 1280–1311, Hr. Ludwig (Anhans) c. 1360–1400, 1409 war † Ulrich Renner, 1422 Jakob Leutgeb, Pfarrer zu Bopfingen, 1517 Kaspar Vischer. 1311 wird auch genannt Hr. Chunrad des Dekans socius, sein Kaplan und D. Chunradus Sahse clericus, also ein Frühmesser. Nach einer bischöflichen Bestimmung von 1324 sollte | der Pfarrer 2 Helfer haben und die Frühmesse in Bopfingen. Bekannt ist ein St. Marienaltar (1317) mit einer Liebfrauenkaplanei (vor 1396) und ein St. Michaelsaltar (1318) mit Pfründe, eine St. Nikolauskaplanei wurde 1378 gestiftet, eine Maria Magdalenenpfründe 1357 vom Bischof confirmirt, eine Meßpfründe in der Kapelle der h. Apostel Philippus und Jakobus und der 10.000 Märtyrer auf dem Kirchhof bei der Pfarrkirche wurde gestiftet 1405, eine St. Katharinenkaplanei bestand 1485. Das wären also mindestens 6 Meßpfründen bei der Stadtkirche. Dazu kam beim Siechenhaus eine St. Johanniskapelle mit Kaplanei und im Spital die h. Geistkaplanei.

Das Patronat dieser Pfründen gehörte zum größeren Theil auch dem Kloster Kirchheim, die Stadt schloß mehrere Verträge ab über Nomination und Präsentation einiger dieser Pfründen (1417 und 57, 85). Eine hieß die Stadtpfründe, wahrscheinlich die St. Magdalenenpfründe, deren Patronat die Stadt 1439 von Rudolf und Sigmund von Bopfingen erwarb und 1444 mit dem Kloster sich vertrug. 1502 wurde auch mit dem Pfarrer ein Vertrag über eine Frühmesse geschlossen. Alle diese Pfründen hatten mancherlei Einkünfte in der Umgegend. Eigenthümlich war das Verhältniß zur Pfarrei Herdtfeldhausen. Ritter Kuno v. Killingen stiftete 1384 dahin einen Wald für einen Frühmesser, der auch eine Messe lesen soll auf dem St. Michaelsaltar in Bopfingen und nach bischöflicher Urkunde von 1395 soll der Pfarrer (besser wohl Frühmesser) in Herdtfeldhausen dem Pfarrer zu Bopfingen beigegeben werden und vier Messen wöchentlich zu Bopfingen lesen, zwei in Herdtfeldhausen (s. d.).

Von Brüderschaften der Einwohner ist eine der Bäcker und Müller bekannt von 1497.

Ein Kloster wollte Hr. Marquard Kämmerer von Bopfingen auf einem ihm erblich zustehenden Grundstück in der Stadt stiften und das St. Margarethenkloster zu Augsburg schickte auf Bitten etliche Schwestern, um das neue Kloster zu begründen. Doch die Umstände waren nicht günstig und Bischof Hartmann von Augsburg erlaubte der Priorin und den Schwestern zur h. Agnes in Bopfingen ihr Besitzthum an das Kloster Kirchheim zu verkaufen, welchem 1283 Eggehard von Tunis sein Steinhaus und andere Besitzungen in Bopfingen schenkte, so daß wir uns nicht wundern, wenn das Kloster 1353–54 Hofstätten und viele Güter in Bopfingen (damals steuerfrei gemacht) besaß, welche jedoch von der Stadt erworben wurden. Von den einstigen Erwerbungen Fulda’s zeigt sich später keine Spur mehr; Kl. Zimmern besaß 1254 eine Mühle, Kl. Neresheim hat 1566 das sog. Neresheimer Haus mit Hof, Stadel und Garten etc. an die Stadt um 800 fl. verkauft. Ein Haus und Gült zu Bopfingen | besaß auch 1361, 78 das Augustinerkloster zu Gmünd, und etliche andere geistliche Stiftungen besaßen wenigstens Gefälle.

Zur Reformationszeit regte sich auch in Bopfingen der Sinn für’s Evangelium und die Stadtkaplanei wurde einem evangelischen Prädicanten Idler eingeräumt, der vielen Beifall fand, aber nach dem Bauernkrieg vom Rath wieder entlassen wurde, bei theilweisem Widerstreben der Bürgerschaft und so, daß ein zahmer Prädicant nachher noch in evangelischem Sinn predigen durfte 1529. Ja dieser Mann Vogler wurde später Stadtpfarrer, wo ihn dann bald ein Kapellan bei der Äbtissin von Kirchheim als evangelisch verklagte. 1546 unter dem Einfluß der verbündeten evangelischen Städte, trat Bopfingen ganz zur augsburgischen Confession und in den schmalkaldischen Bund, was beim Durchzug des Kaisers selbst mit seinem Heer schwer mußte gebüßt werden. Auf Andringen des Bischofs nahm die Stadt 1548 das Interim an, wenn auch mit Widerstreben, so daß der evangelische Pfarrer Vogler erst 1549 entlassen wurde. Unter schweren Anklagen der Unsittlichkeit wurde 1552 der katholische Pfarrer entlassen und nach dem Passauer Vertrag auf Wiederanstellung eines evangelischen Pfarrers gedrungen, auch die Nürnbergische Kirchenordnung eingeführt, wie es der Rath als Inhaber der hohen Obrigkeit vom Patron forderte. 1630, nach dem Restitutionsedikt, erzwang eine kaiserliche Commission die Wiedereinsetzung eines katholischen Pfarrers und die Leute mußten sich mit Auslaufen in fremde Kirchen und heimlicher Benützung besonders des Goldburghauser Pfarrers zur Sakramentsspendung behelfen, bis die Schweden den katholischen Pfarrer 1632 wieder verjagten, der jedoch 1635 zurückkam, aber in Folge des Prager Friedens für immer weichen mußte.

Schon 1520 waren in Bopfingen neben dem Stadtpfarrer 2 Kaplane und so später 2 Diaconi, von welchen der eine, scheints, zugleich als Präceptor verwendet wurde. Die Besoldung der Geistlichen verursachte vielen Streit (ein Zwischenvertrag 1668) mit dem widerwilligen Patron und dem Kloster Kirchheim, so daß endlich eine Vertauschung des Patronatrechtes an den Rath gegen das ihm zustehende Patronat zu Dirgenheim 1774 zu Stand kam, – nicht mit allen Cautelen, so daß die Stadt, welche glaubte, die Kirchenbaulast sei dem Kloster geblieben, den Prozeß hierüber 1821–25 verlor.

Der Parochialverband hat sich in Folge der Reformation etwas geändert. Die Holz- und Wiesmühle und Meisterstall wurden von den kathol. Grundherrn abgerissen, wogegen Bopfingen seinen Hof Hohenberg zur Stadt wies. Die Pastoration der Evangelischen zu Kapfenburg wurde 1842 zuerst dem Bopfinger Diaconus übertragen, welcher zugleich Pfarrer ist von Oberdorf.

Zur Leitung der geistlichen Angelegenheiten war ein Consistorium angeordnet, welches (nach einem Beschluß von 1642) bestand aus | 2 Bürgermeistern, 2 Heiligenpflegern, 2 Geistlichen, 1 vom Stadtgericht und – als Ehegerichtsschreiber – dem Syndicus; später aus den 3 Bürgermeistern, 2 Geheimen, den 2 Geistlichen und dem Syndicus als Actuar. Die Candidaten ließ man durch den Nördlinger Hauptpastor oder einen öttingischen Superintendenten examiniren und ordiniren. Neben den Geistlichen war ein Bürger Parentator, d. h. Hochzeitlader und Leichenbitter, welcher auch den Lebenslauf verfertigte.

Der Kirchhof war ursprünglich bei der Stadtkirche, mit einer besondern Kapelle und hatte 1471 die päpstliche Begnadigung erlangt, daß auch justificirte Leute dürfen darin begraben werden. 1544 wurde vor der Stadt ein Gottesacker gekauft, 1617 das Kirchlein darin erbaut, unter Mithilfe der Äbtissin-Patronin. Daß der Rath die Jurisdiction über den Kirchhof den öttingschen Ansprüchen gegenüber preisgegeben hatte, verursachte 1777/78 Zerwürfnisse mit der Bürgerschaft.

Die erste Spur von einer Schule in Bopfingen gibt 1357 die Erwähnung des Schulthors bei der Burg. 1423 zeugte der ehrbar und gelehrt Ulrich Haynolt, Schulmeister zu Bopfingen; 1459 Hans Gugger, Schulmeister, und 1466 wird gedacht eines Hans Prunc Schulthorwart und Organist. Die Schule dieser Zeit lehrte etwas Latein und Singen für die Zwecke des Cultus. Das deutsche Volksschulwesen kam erst nach der Reformation in Aufnahme. Karl V. in seiner Ordnung für Bopfingen 1552 verlangt auch, der Rath soll ein fleißiges Aufsehen auf den Schulmeister haben, damit die Kinder zum wahren Glauben erzogen werden und verhütet werde, was dem wahren Glauben zuwider.

Von einem Organist und Cantor hören wir schon vor der Reformation (z. B. 1455 und 1522); zur Zeit des Passauer Vertrags erscheint ein Präceptor und ein scholae collaborator et cantor, wie denn noch im 17. Jahrhundert der Rath ein besonderes Gewicht auf das Singen legte. Von 1567 haben wir einen „Kurzer Unterricht, wie eine teutsche Schul zu Bopfingen möchte ordentlich angerichtet werden, von Isaak Ammerbacher, auf Verlangen ausgefertigt.“ Es ist darin vom Schulbesuch der Mädchen und vom Schreiben die Rede; Hauptsache ist – Singen, Aufsagen und Bet-Übungen. Wohl möglich, daß jetzt erst eine eigentliche deutsche Schule eingerichtet wurde. Späterhin finden wir gewöhnlich: 1) einen Präceptor, der meist Theologe war und aufs Diaconat vorrückte (er hatte bisweilen einen Provisor); 2) einen Knabenschullehrer, der zugleich Cantor und Meßner ist und 3) einen Mädchenschullehrer, oft zugleich Organist. Zwischenhinein wirkten auch Schulfrauen, z. B. 1642, wo der Rath beschließt, lieber eine Mannsperson anzustellen.

Pfarrer Hummel 1552–61 führte die Kinderlehre ein. Pfarrer Hack † 1702 fertigte ein Schulspiel zu Ehren der Auferstehung | Christi; G. A. Herrenschmid † 1714 entwarf eine neue Schulordnung, welche unter seinem Nachfolger G. M. Weiler † 1743 verbessert wurde. Den Kindern zu Ehren wurde ein Ruthen- oder Gregori-Fest gefeiert. Wir hören aber Klagen über unfleißigen Schulbesuch, besonders im Sommer. Der Rath führte deßwegen 1757 Neglectenverzeichnisse ein, welche alle 4 Wochen vor dem Consistorium sollten abgerügt werden. Zur pecuniären Unterstützung entstand die St. Nicolaischulpflege und Mädchenschulpflege.

Seit 1810 wurden die württembergischen Schulgesetze eingeführt, 1845 das neue Schulhaus gebaut.

Die Stiftung des Hospitale spiritus sancti extra muros ist nicht bekannt; 1379 kaufte es 1/4 von Dürgenheim mit Vogtei und den Kirchsatz und erwarb allmählig Güter und Einkünfte zu Bopfingen, Pflaumloch, Ohmenheim, Rüffingen, Weiler-Merkingen, Kerkingen, Oberdorf, Walxheim, Riepach, Schneidheim, Zipplingen u. a. O. Es hatte eine Kapelle mit Kapellan 1373. Nachdem es im Städtekrieg abgebrannt worden war, gestattete der Bischof von Augsburg 1395 den Wiederaufbau und nochmals neugebaut wurde es 1600. Schon 1635 war aber das Gebäude so ausgeraubt und beschädigt, daß man es ganz stehen und liegen ließ. Später hergestellt kams nochmals in Abgang, um 1700 waren keine Pfründner mehr darin und 1808 wurden das Haus und das Kirchlein verkauft, worin man blos noch an den Pfingstmontagen einen Gottesdienst einst gehalten hatte. Das Kirchlein wurde nun theilweise abgebrochen, theilweise zur Stadtwage verwendet.

Das Siechenhaus oder Armenhaus, auch Leprosen- und Lazarethhaus, vor der Stadt mit einer St. Johanniskapelle (Siechenkapelle) wurde gleichfalls verkauft und ist jetzt ein Bierkeller.

Auch ein Seelfrauenhaus bestand einst, 1813 abgebrochen; noch besteht aber eine Seelhauspflege mit einem Kapital und so ist dann überhaupt von den verschiedenen Wohlthätigkeitsanstalten übrig geblieben: eine Hospitalpflege, Heiligengeistpflege, Lazarethpflege, Reichalmosenpflege, Montags- und Freitags-Armenbüchsenpflege und Wittwen- und Waisenpflege, auch eine Stipendiatenpflege.

Zu der Gemeinde gehören:

b. Hohenberg, hat 3/4 Stunden südwestlich von Bopfingen eine freie hohe Lage auf dem Herdtfeld, mit herrlicher Aussicht gegen das Ries, während gegen Westen und Osten vorliegende Waldungen eine Fernsicht nicht gestatten. Den Weiler bewohnen 4 Bauernfamilien, wovon die evangelischen nach Bopfingen, die katholischen nach Unter-Riffingen eingepfarrt sind. Das nöthige Trinkwasser ist vorhanden.

Das Klima ist rauh und der Ort den Winden, namentlich von Norden her, sehr ausgesetzt. Die Bodenverhältnisse (Zersetzung des | weißen Jura und Lehm mit Bohnerz gemengt) gehören zu den mittelmäßigen.

c. Holzmühle, mit 2 Mahlgängen und einem Gerbgang und einer Ölmühle, liegt 1/2 Stunde unterhalb Bopfingen an der Eger.

d. Wiesmühle, mit 4 Mahlgängen, einem Gerbgang, einer Schwing-, Säg-, Gips- und Lohmühle ist nur 1/8 Stunde unterhalb Bopfingen an der Eger gelegen.

Über die Eger giengen schon 1421 zwei Brücken, die eine an den Ipf, die andere von Stein unterhalb der Wiesmühle. Diese erscheint schon z. B. 1303 in Urk., 1378, 1472 u. s. w. Durch Tausch kam sie 1546 an’s Kloster Kirchheim.

Die Holzmühle bestand jedenfalls schon 1472 und gehörte auch dem Kloster Kirchheim, 1781 verkauft um 6500 fl.

1350 wird auch eine Weihermühle bei Bopfingen erwähnt (was übrigens ein anderer Name für die Wiesmühle sein könnte, bei welcher ein Weiher lag,) 1405 eine Walkmühle, identisch mit der Stadtmühle, welche 1465 vom Rath als Erblehen ausgegeben wurde mit Bestimmungen über das Waschen und Walken. Der Lohn von einem Stück Tuch soll sein 6 Pfennige und 8 Pfennige für die Stadt u. s. w.

Beim Weiler Hohenberg auf dem Herdtfelde stand ursprünglich ein festes Haus, von welchem Herr Eggehardus de Hohenberge 1279 (später de Tunis) sich nannte, dem Stamm der Herrn von Bopfingen (s. o.) angehörig. Die nächsten Besitzer sollen die Gußregen (s. Trochtelfingen) gewesen sein, 1375 war Schenk Wilhelm von Schenkenstein damit belehnt – vom Kloster Ellwangen. Der Hof „Hohenberg ober Bopfingen“ (auch „ob dem Schenkenstein“ und „auf dem Herdtfelde“ genannt) wurde 1361 von Dorothea von Schenkenstein an Albrecht von Rechberg verkauft um 700 fl. und kam später in die Hände der Grafen von Oettingen, welche ohnedieß eine Gült da hatten. Graf Wilhelm aber vertauschte den Hof samt Zubehör und den (abgeg.) Wendenhof an die Stadt Bopfingen gegen deren Hof und Rechte zu Flochberg 1471, geeignet von Ellwangen. Kaiser Friedrich III. verwilligte da der Stadt einen Zoll, welchen die Grafen von Oettingen 1642 gewaltsam abtreiben wollten, die Zollsäule abhauen ließen u. s. w. Daß Bopfingen eine Zeit lang Musketiere als Wächter aufstellte und in Speier klagte, half nichts, weil Oettingen die Zollknechte gefangen wegführte, den Verkehr seiner Unterthanen mit Bopfingen verbot und dgl. m. – 1626 entstand eine große Brunst durch Brandstiftung und 1636 war der Hof ganz verlassen. Die Stadt administrirte ihm eine Zeit lang selber; 1807 wurde er förmlich getheilt zu 1/2, 1/4, 1/4.

Kirchlich gehörte der Hof Hohenberg zur Pfarrei Unter-Riffingen, wurde aber nach der Reformation von Bopfingen in die Stadt gewiesen.

| Vom Ipfberge (vergl. S. VII., die Antiquitäten) ist geschichtlich zu erwähnen, daß – vielleicht als Nachklang uralter heidnischer Feier am Frühlings-Sonnenwendtage – am Ostermontag ein festlicher Zug der Bürgerschaft auf die Kuppe des Bergs gieng, wo ein Tanz gehalten wurde. Der Stadtpfarrer hatte dabei die Obliegenheit, Osterfladen auszutheilen und der Hospital lieferte einen Trunk Weins. – Manchmal hatten die Grafen von Oettingen freundnachbarlich Theil genommen, als aber die Streitigkeiten anfiengen über die angesprochene gräfliche Jurisdiction, erzwangen sie auch auf dem Ipf die Handhabung des Friedensgebots und die Aufführung des Tanzes durch einen der Herrn Grafen oder den Vogt von Flochberg.

Die religiöse Feier gieng mit der Reformirung Bopfingens ab, eine Volkslustbarkeit aber und ein Markttreiben erhielt sich noch länger. In Kriegszeiten pflegte Bopfingen auf dem Ipf eine Spähwacht aufzustellen, was die öttingen’schen Landesoberherrn später nicht mehr dulden wollten.

Bei seinem Besuch der neugewonnenen Lande bestieg König Friedrich von Württemberg am 9. Juli 1811 auch den Ipf. Große Verehrung genießt der Berg als Wetterscheide; für Bopfingen leitet er die Gewitter meistens ab.

Zunächst bei der Stadtmauer, vor dem Schulthor, lag einst die 1377 zerstörte Burg der Herrn von Bopfingen, jetzt Burgstall genannt.

Bei der Siechenkapelle stand der Galgen und das Hochgericht. 1811 wurde die 1615 erbaute „Köpfstatt“ abgerissen und zum Wegbau verbraucht.



  1. Einiges Nähere s. in: Zwei Schilderungen aus der Geschichte der ehemaligen Reichsstadt Bopfingen, von Stadtpfarrer Richter. 1862.


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