« Kapitel B 6 Beschreibung des Oberamts Neresheim Kapitel B 8 »
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Demmingen,
Gemeinde III. Kl. mit 443 Einw., wor. 1 Isr. a. Demmingen, Pfarrdorf, 372 Einw., b. Duttenstein, Schloß. 12 Einw., c. Wagenhofen, Weiler, 59 Einw. – Kath. Pfarrei. 31/8 Stunden südöstlich von der Oberamtsstadt gelegen.
Der freundliche und reinliche Ort liegt am südöstlichen Abhang der jungen Pfalz, dem Donauthale zu, gegen Süden frei und offen und mit herrlicher Fernsicht; auf den andern Seiten erheben sich schützend malerische mit frischen Laubwaldungen bedeckte Hügel; auch die weitere Umgebung ist fruchtbar und lieblich und hat schon die Milde des Donauklimas. Schöne Aussichten gewähren der Lindenrain, der kleine und große Buchberg und besonders der nördlich vom Ort gelegene Sandberg: man blickt über das frisch grünende weite Donauthal hin mit seinen üppigen Fluren, den vielen Klöstern und Schlössern und thürmereichen Städten. Der Ort zerfällt eigentlich in zwei Theile, in den kleineren freundlicheren, der mit Kirche, Pfarrhaus u. s. w. und einer Häuserreihe auf der Anhöhe liegt; der andere Theil des Dorfes zieht sich von da in zwei Häuserreihen den | sanften Bergrücken hinab. Die Häuser sind meist einstöckig, nicht unansehnlich und in der Regel mit Ziegeln gedeckt; die einzelnen Maierhöfe kennzeichnen sich durch Einfahrten und große Hofräume. Die Ortsstraßen sind gut gehalten. Die dem h. Wendelin geweihte Kirche liegt freundlich auf einem Hügel, ist sehr alten Ursprungs, aber ganz in den Zopfstil verändert. An ein langes Schiff schließt sich ein schmälerer quadratischer Chor. Der oben achteckig werdende Thurm steht an der Nordseite des Schiffes und trägt 3 Glocken. Das sehr ansprechende, reich gehaltene Innere prangt mit jonischen Pilastern, Stuckaturen, Wand- und Deckengemälden. Kanzel, Chor- und Beichtstühle sind gut geschnitzt. Der Hauptaltar enthält ein großes neues Bild, Christus am Kreuz mit Maria und Johannes. Außen an der Südwand der Kirche und an der Kirchhofmauer stehen ältere Grabplatten, meist den Fuggerschen Pflegern in Duttenstein angehörig, und am südlichen Eingang in die Kirche liest man 1713. Der jetzige Friedhof liegt außerhalb des Ortes.

Nördlich an der Kirche, deren Unterhaltung auf der Stiftungspflege ruht, steht das sehr stattliche zweistockige Pfarrhaus mit Nebengebäuden und schönem Garten. Es ward im Jahr 1731 errichtet, 1867 mit einem Aufwand von 8000 fl. durchaus umgebaut, und ist von der Kirchenstiftung zu unterhalten.

Das große 1834 erbaute Schul- und Rathhaus enthält neben den Gelassen für den Gemeinderath ein Schulzimmer und die Wohnung des Schulmeisters. Auf dem südöstlich vom Ort gelegenen Kapellenfeld steht eine kleine Kapelle.

Gutes Trinkwasser liefern stets hinreichend 7 laufende, 6 Pump-, 4 Schöpf- und 1 Ziehbrunnen. Im Jahr 1868 wurde mit einem Aufwand von 9000 fl. eine Wasserleitung angelegt, die 6000 Fuß mit eisernen und 4000 Fuß mit thönernen Röhren das Wasser zweier gegen Eglingen hin entspringender Quellen dem Orte zuführt. Früher hatte der Ort öfters Mangel an Wasser. Besonders gutes Wasser liefert der Gemeinde-Pumpbrunnen, während das Steigen des sogenannten Bohnenbrunnens, eines mitten im Ort gelegenen Pumpbrunnens, nach dem Glauben der Leute herannahende Theurung verkündet. Ein großer Feuersee, 4 große Brunnenbassins, und noch 4 Wetten reichen bei Feuersbrünsten das nöthige Wasser. Überdieß fließt der von Duttenstein herkommende Beutenbach einige 100 Schritte östlich vom Ort vorüber, in denselben mündet der Wagenhofer- oder Kirchenbach, und der durch das Reistinger Thälchen fließende Bach ohne Namen greift in den nordwestlichen Theil der Markung ein.

Vicinalstraßen führen von hier nach Mödingen, Eglingen, Reistingen und Ziertheim; die von Duttenstein nach Eglingen berührt die Markung. Zwei hölzerne, von der Gemeinde zu unterhaltende Brücken gehen über die sogenannte Schlichte und über den Kirchbach.

| Die fleißigen und wohlgeordneten Einwohner finden ihre Haupterwerbsmittel in Feldbau, Viehzucht und einigen Gewerben. Schuhmacher und Maurer sind am meisten vertreten, und arbeiten, sowie auch Schreiner und Sattler, nach außen. Eine Bierbrauerei, eine Schildwirthschaft und ein Kramladen bestehen im Ort.

Die Vermögensverhältnisse sind gut zu nennen, der begütertste Bürger besitzt 140, der Mittelmann 40, die ärmere Klasse 4–5 Morgen Feld.

Auf den angrenzenden bayerischen Markungen Reistingen und Mödingen haben hiesige Bürger gegen 200 Morgen.

Die ziemlich große, beinahe zur Hälfte mit Wald bestockte Gemeindemarkung, welche auf 3 Seiten an das Königreich Bayern und nur gegen Norden an die Markung Eglingen grenzt, hat, soweit sie für den Feldbau benutzt wird, eine flachwellige, theilweise hügelige Lage und einen fruchtbaren Boden, der theils aus Lehm, theils aus den Zersetzungen der oberen Meeresmolasse und des Breccienschutts besteht; in der Thalebene haben sich dem Wiesenbau günstige Alluvionen abgelagert, die jedoch an einzelnen Stellen feucht sind und daselbst etwas saures Futter erzeugen.

Das Klima ist weit milder als das des Herdtfelds und gleicht mehr dem Klima der nahen Donaugegend; schädliche Frühfröste und Hagelschlag sind nicht häufig.

Die Landwirthschaft wird gut und fleißig betrieben; der Schwerzsche Pflug ist allgemein eingeführt, die eiserne Egge hat Eingang gefunden und einzelne Dresch- und Futterschneidmaschinen sind vorhanden. Zur Besserung des Bodens wird neben den gewöhnlichen Düngungsmitteln auch Gips, Kompost und Asche verwendet. Zum Anbau kommen die gewöhnlichen Getreidearten, von denen Dinkel und Gerste am besten gedeihen, ferner Kartoffeln, Futterkräuter, Erbsen, Linsen, Wicken, Kraut, Rüben, Flachs und etwas Reps. Von den Getreidefrüchten können über den eigenen Bedarf jährlich 300 Scheffel Dinkel, 1000 Scheffel Gerste und 80 Scheffel Haber nach außen, meist auf den Schrannen in Lauingen und Giengen verkauft werden. Der Wiesenbau liefert meist gutes jedoch nicht reichliches Futter. Die Obstzucht ist unbedeutend; man pflanzt vorzugsweise den Braitlingapfel und die Wasserbirne, von Steinobst Zwetschgen. Der Obstertrag wird im Ort grün und gedörrt verspeist und nur in ganz günstigen Jahren ein Theil desselben gemostet.

Es sind 800 Morgen Realgemeindewaldungen vorhanden, welche an die berechtigten Ortsbürger vertheilt wurden, und aus denen früher jeder 11/2–2 Klafter Holz erhielt.

Eigentliche Weiden sind gegen 30 Morgen vorhanden, sie werden nebst der Brach- und Stoppelweide theils an den Ortsschäfer, theils | an fremde Schäfer, welche den Sommer über 5–600, im Winter 2–300 Stück Schafe laufen lassen, verpachtet, was der Gemeindekasse durchschnittlich 600 fl., während die Pferchnutzung 200 fl. jährlich einträgt.

Die Pferdezucht und Pferdehaltung, die sich mit einem gewöhnlichen Landschlag beschäftigt, ist von Belang, auch die Rindviehzucht befindet sich in gutem Zustande; früher wurde nur Landrace gezüchtet, in neuerer Zeit aber wird diese mit der Simmenthaler- und Landrace gekreuzt. Zwei Zuchtstiere (Kreuzung von Simmenthaler- und Landrace) sind aufgestellt. Ein ziemlich ausgedehnter Handel mit Vieh wird, namentlich nach Bayern (Dillingen und Lauingen) getrieben.

Die Zucht der Schweine ist sehr beträchtlich und erlaubt einen namhaften Verkauf an Ferkeln und aufgemästeten Schweinen; man züchtet theils die englische, theils die bayerische Race. Man züchtet auch viel Geflügel, namentlich Gänse, die meist in das Oberland abgesetzt werden.

An Stiftungen sind vorhanden: eine Schulfondsstiftung mit 1700 fl., eine Armenstiftung mit 3400 fl. und eine Kirchenstiftung mit 36.000 fl., letztere zur Bestreitung der Kultbedürfnisse und der Bauverbindlichkeit an der Kirche und dem Pfarrhaus.

Etwa 1/2 Stunde südwestlich von Demmingen unfern der Straße von Demmingen nach Dattenhausen stand auf einem frei aus der Ebene sich erhebenden runden Hügel eine Burg, die „alte Bürg“ genannt, von der noch der rings um die Hügelkuppe gehende Burggraben und wenig Mauerreste sichtbar sind. Ursprünglich sollen die Herren von Dillingen, später die Herren von Ziertheim hier gewohnt haben. Wann die Burg abgegangen, ist nicht bekannt, dagegen sicher, daß sie im Jahr 1570/72 schon Ruine war. Im Jahr 1577 hatten 4 Bauern von Demmingen das Gut gepachtet, nachdem der Bauhof am Fuß des Hügels abgetragen war. Die letzten Trümmer der Burg wurden gegen Ende des 17. Jahrhunderts zum Aufbau der Ökono[mie]gebäude in Duttenstein verwendet.

Die Volkssage erzählt, daß in dem zwischen Demmingen und Ziertheim gelegenen Walde „Vogte“ der sog. Vogtenmann umgehe; er sei ein schwarzer Mann ohne Kopf, der plötzlich aus einer Waldklinge gegen Ziertheim hervorkomme und auf dem Richtwege bis zu des Zimmermanns Holz (eine Waldparzelle) zurenne, und so die ganze Nacht hin und hergehe, wobei er fortwährend wehklage; er soll in neuerer Zeit nicht mehr so oft wie früher gesehen werden.

Zu der Gemeinde gehören:

b. Duttenstein, ein fürstlich Thurn und Taxissches Jagdschloß, 1/2 Stunde nordöstlich vom Mutterort innerhalb des Wildparks gelegen.

| Auf einem vom lieblichen Waldthale des Beutenbachs im Halbkreis umschlossenen felsigen Hügelvorsprung erhebt sich malerisch und in tiefer Abgeschiedenheit das stattliche noch ganz mit Mauern umgebene Schloß. Von dem sehr ansehnlichen Park gelangt man durch das gegen Südosten stehende Thor in den noch im Thälchen gelegenen, geräumigen äußeren Hof, an dessen Südseite ein langgestrecktes Ökonomiegebäude, das auch die Wohnung des Bauhofmeisters enthält, liegt. Von dem äußeren, mit Gebäuden besetzten und mit einer Mauer umgebenen Hofe führt nun ein steil ansteigender Weg zu dem eigentlichen nordwestlich gelegenen Schlosse, das noch ganz von Mauern mit Halbrondelen und von einem zum Theil in den Felsen gebrochenen Graben umfriedigt ist. An dem gegen Osten stehenden inneren Thor liest man die Jahreszahl 1564. Das Schloß selbst ist ein großes vierstockiges Steinhaus mit Erkerthürmchen an den Ecken und zwei hohen Zinnengiebeln, dessen wohnlich einfaches Innere in den Gängen mit Geweihen geziert ist, in dem geräumigen Speisesaal sind zwei Hirschgeweihe von sehr seltener Art angebracht. Unten im Vestibul sieht man rechts über einer mit der Jahreszahl 1572 versehenen Thüre den Gedenkstein des Christoff Stadler, Pfleger zu Duttenstein, seines Alters 93 Jahr, in allem 66 Jahr Fugger’scher Diener, † den 7. April 1600. Er ist in Jägertracht dargestellt mit Waidtasche, Hifthorn und Schweinsfeder, zu seinen Füßen ein Hund. Der kleine von dem Schloß umfangene innerste Hof zeigt auf zwei Seiten durch zwei Stockwerke hindurch zierliche, jetzt leider vermauerte Säulenarkaden im Renaissancestil, unten mit toskanischen, oben mit jonischen Säulen, die einst einen gar hübschen und freundlichen Eindruck gemacht haben mögen. Im Jahr 1831/32 wurde das Schloß neu eingerichtet als Zufluchtsstätte vor der drohenden Cholera. An dasselbe wurde in neuerer Zeit die Wohnung des Parkjägers angebaut. Der Forstgehilfe wohnt im Schloß.

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Im Jahr 1817 ließ der Fürst von Thurn und Taxis um das Schloß einen 13355/8 Morgen großen Wildpark anlegen, wobei das zum Schloß gehörige 1395/8 Morgen haltende Bauhofgut mit eingeschlossen und besonders umfriedigt wurde; zu dem Gut gehört überdieß noch der 217/8 Morgen große außerhalb des Wildzauns auf der Markung Eglingen gelegene sog. Reichenbachacker. Die gut im Stand gehaltenen Waldungen des Wildparks sind mit den nöthigen Straßen und Richtstätten durchzogen und in der Nähe des Schlosses zu hübschen Anlagen umgeschaffen, auch befindet sich daselbst eine ansehnliche Forstbaumschule. In einem der zwei unfern des Schlosses gelegenen Weiher werden Karpfen gezogen. Der Park beherbergt 200–300 Stücke Damwild, das vertraut bis an die Wege und an das Schloß herankommt, und weil der Fürst den Zutritt gerne gestattet, so bietet er einen besuchten Ausflugsort den Bewohnern | der Umgegend, die bei dem Bauhofmeister gute Erfrischung finden. Das zu dem Bauhof gehörige Gut ist in Selbstadministration des Fürsten und wird von einem angestellten Bauhofmeister in 7 Rotationen rationell bewirthschaftet; der aufgestellte Viehstand beträgt gegenwärtig 4 Pferde und 40 Stück Rindvieh (Montafoner Race). Die hier eingerichtete Käserei liefert gute Käse für die Umgegend.

Auf einem südöstlich vom Schloß gelegenen Hügel stand ehemals ein Waldbruderhaus, dessen letzter hochbetagter Bewohner im 17. Jahrhundert von Raubmördern erschlagen wurde. Im Jahr 1815 wurde die Klause abgebrochen und an dessen Stelle ein Tempelchen erbaut. Nahe dabei stand ein Denkmal auf dem Platze, wo einst ein Graf v. Falkenstein von einem wilden Eber getödtet wurde.

c. Wagenhofen, der kleine, meist aus strohbedachten Häusern bestehende Ort liegt anmuthig hinter Obstgärten versteckt nur etwa 10 Minuten nordöstlich von Demmingen.

Die am Südende des Orts in dem noch ummauerten Kirchhof gelegene kleine friedliche Kirche zur Mutter Gottes stammt aus gothischer Zeit und hat gegen Osten einen starken zweistockigen massiven Thurm, dessen unteres Geschoß von einem Rippenkreuzgewölbe überspannt wird und die Stelle des Chors vertritt. Von den auf dem Thurme hängenden zwei Glocken ist 1823 eine umgegossen worden. Im Jahr 1869 wurde die Kirche gründlich erneuert und ihr Chor auf Kosten des früheren Pfarrers von Demmingen F. X. Steck mit Fresken im gothischen Stil sehr schön und ansprechend ausgeschmückt; man liest hier die Inschrift: Anno domini 1869 Parochus F. X. Steck. Pictor A. Fraidel. Die drei Altäre wurden theils durch eine von Pfarrer Steck veranstaltete Sammlung, theils von der hiesigen Stiftungspflege bestritten. Hinter dem hübschen von Maintel in Horb auch im gothischen Stil gefertigten Hochaltar sieht man an der Ostwand des Thurms einen Stein eingemauert, worauf ein Engel den Wappenschild der Herren v. Hürnheim hält und die noch leserliche Jahreszahl 1513 angebracht ist. Ferner liegt auf dem Boden des Schiffes eine stark abgetretene Grabplatte mit dem Oettingen’schen Wappen und der Jahrszahl 1363. Das flachgedeckte, einfache Schiff der Kirche hat gegen Westen einen spitzbogigen Eingang und die nördlich an den Thurm stoßende Sakristei ein altes Tonnengewölbe. Im Jahr 1657 brannte die Kirche theilweise ab, 1823 wurde sie samt dem Thurm ausgebessert. Ihre Unterhaltung ruht auf der hiesigen Stiftungspflege.

Gutes Trinkwasser ist hinreichend vorhanden.

Die Einwohner, welche in die Schule und Kirche nach Demmingen gehören, nähren sich von Feldbau, Viehzucht und Taglohnarbeiten; ihre Vermögensverhältnisse gehören zu den mittelmäßigen.

| Die natürlichen und landwirthschaftlichen Verhältnisse gleichen denen im Mutterort.

Der Ort war früher größer und bildete eine eigene Pfarrei; am Sonntag nach St. Johann Bapt. war die Kirchweih, welche die Einwohner heute noch an diesem Tage in der Stille feiern. Im Jahre 1823 litt Wagenhofen stark durch Brandunglück.

In dieser Gemeinde liegt die Versuchung nahe, auszugehen von der „Altebürg“, jenem kegelförmigen Berge südwestlich von Demmingen. Der Sage nach soll die Burg Duttenstein zuerst hier gestanden sein, was ein Rest von Überlieferung sein könnte, der Herrensitz sei einst hier gestanden. Ein abgegangener Hof „zu Köpfingen“ und das Gut Marlishausen im Reistinger Thal sollen früher zur Altebürg gehört haben; da nun Köpfingen vom Grafen Adelbert v. Dillingen ans Kloster Neresheim verschenkt wurde, so denken wir am natürlichsten, der Bezirk habe zu den Dillingen’schen Besitzungen gehört. Sichere Nachrichten beginnen erst mit dem 14ten Jahrhundert, wo die ritterl. Herren von Eglingen die hauptsächlichsten Besitzer sind. Zu Demmingen hatten sie 1319 ein öttingensches Lehen und Duttenstein mit Wagenhofen verkauften Heinrich, Ulrich und Degenhard von Eglingen 1324 ganz an die Grafen v. Oettingen.

Gleich nachher saßen die Ritter Gundolt und Cunrad, die Hoppinger zu Tutenstein 1339, zunächst wohl als ötting. Burgmannen; diesen folgte Rudolf von Bopfingen zu Tuttenstein, 1368 † und 1385 Konrad v. Knörigen vom Tutenstein. Dieser versprach 1391 dem Kloster Kirchheim 31 Schillinge jährlich aus dem Zehnten zu Hohenwang, so lang er und seine Erben den Duttenstein haben. Schon 1402 verkauften aber die Knörigen Duttenstein an Herdegen von Hürnheim und 1425 wurden Georg und Rudolf von Hürnheim (s. VII. 1.) mit Duttenstein und Wagenhofen vom Herzog Ludwig von Bayern belehnt, dem sie wohl zum Schutz gegen etwaige Anfechtungen dieses Lehen aufgetragen hatten.

Im Dorf Demmingen erwarb 1271 das Frauenkloster Maria Mödingen ein Gut vom Kloster Neresheim und das Kloster Ochsenhausen verkaufte 1295 ein Gut an Neresheim. Hauptbesitzer müssen die Herrn von Hürnheim gewesen sein, wenn Demmingen gemeint ist 1418, wo Chunrat Taubenschacher genannt wird zu der Zeit der von Hürnheim Amtmann zu Tüenningen. Ein Rudolf v. Stein aber gen. von Eglingen verpfändete zu Ende des 15. Jahrhunderts seine Besitzungen in villa Temmingen um 1141/2 Pfd. an Neresheim, und verkaufte es bald darauf fest an die Herrn v. Hürnheim zu Duttenstein. Nun war der ganze Gemeindebezirk in denselben Händen und von Conrads v. Hürnheim-Wellstein Söhnen heißt 1493 f. Herdegen „zum Duttenstein“, bald nachher saß aber da sein Bruder | Wolf und dessen Sohn Wolfgang Philipp, der 1546 seinem Flecken Demmingen und Wagenhofen, zu Duttenstein gehörig 500 fl. testirte.

Bei Demmingen (Tomingen) war von Alters her eine „Landschranne“, des Landgerichts Höchstädt, d. h. eine Gerichtsstätte, wo mit 7 Rittern sollte Gericht gehalten werden. Ebendarum sprach Pfalz Neuburg die Landeshoheit an, welche – nach längerem Sträuben – Wolf Philipp v. Hürnheim anerkannte und in bayrische Landsäßigkeit sich begab, wofür er Schutz und Schirm zugesichert erhielt und mit dem Wildbann bei Faimingen belehnt wurde. Der kinderlose Wolf Philipp vermachte 1546 seine Besitzungen seinen Vettern von der Haheltinger Linie und zwar Schloß Duttenstein mit Zubehör dem Hans Walther von Hürnheim, Kaiser Karls V. Rath und Truchseß, der nun auch „von Duttenstein“ heißt und vom Kaiser für seine Unterthanen die Befreiung von fremden Gerichten erhielt 1549. Doch schon 1551 verkaufte Hans Walther seine Besitzungen – Duttenstein samt dem Dorfe Diemingen, Niederalfingen, Stettenfels u. a. m. an die Fugger um 250.000 fl.

Die Fugger wurden von Pfalz-Neuburg belehnt und kauften sich 1554 von der pfälzer Landsteuer frei.

Die Grafen Fugger-Nordendorf verkauften c. 1727 dieses Gut an Thurn und Taxis (s. VII, 1) und der Kaiser erhob nun dasselbe zur gefürsteten Grafschaft, als kaiserl. Lehen. Nochmalige pfälzische Steueransprüche u. dgl. wurden 1768 abgekauft. Mit dem übrigen Bezirk kam diese „gefürstete Grafschaft“ 1806 unter bayerische, 1810 unter würtemb. Hoheit.

Die Pfarrei Demmingen bestand schon im 14. Jahrhundert und hatte 1584 Streit mit der Pfarrei Ziertheim über die pfarrlichen Grenzen. Das Patronat gehörte dem Kl. Neresheim, wurde später dem Domkapitel Augsburg überlassen und zuletzt von Thurn und Taxis erworben.

Die Mutterkirche zum h. Wendelin litt 1656, 90, und 1731 durch Brand und wurde dann neu aufgebaut. Die ehemalige selbstständige Pfarrei in Wagenhofen soll zur Reformationszeit mit Demmingen vereinigt worden sein. Auf Schloß Duttenstein war die Kapelle dem h. Kolomann geweiht.



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