« Kapitel B 25 Beschreibung des Oberamts Ehingen Kapitel B 27 »
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26. Kirchbierlingen mit Sontheim und Weisel.
a. Kirchbierlingen,

ein kathol., vormals Kl. Marchthalisches, Pfarrdorf auf einer kleinen, längs dem rechten Donauufer sich hinziehenden Erhöhung, in schöner freyer Lage 11/2 St. von Ehingen, mit 232 Einw., F. Tax. Amtsbezirk Obermarchthal, Sitz eines F. Revierförsters, Forstverwalttung Buchau. Grund- und Patronatsherr: F. von Thurn und Taxis. Die Zehnten bezieht ebenderselbe (im Cataster zu 1530 fl.), zum Theil die Pfarrey.

Gefälle: der Staat 33 fl. 52 kr., der Fürst 176 fl. 39 kr., und 49 Sch. 22/3 Sr. Dinkel, 24 Sch. 7 Sr. Haber; Gr. Schenk v. Castell 34 fl. 17 kr., 9 Sch. 23/4 Sr. Dinkel und 7 Sch. 11/4 Sr. Haber; die Stiftungpflege 6 fl. 20 kr., 7 Sch. 73/4 Sr. Dinkel und eben so viel Haber; die Gemeindepflege 10 fl. 20 kr. und ungefähr 11/2 Sch. Früchte.

Die Baulast der Kirche haben nach der Kirchenpflege der Grundherr und die K. Kammer, die des Pfarrhauses der Grundherr. Die Pfarrey ist die größte der Gegend und umfaßt, außer dem Pfarrort, die Filiale Altbierlingen, Berg, Bockighofen, Schaiblinshausen, Sontheim, Weisel und Volkersheim, sie wird gegenwärtig von dem letzten Abt von| Marchthal, Herrn Friedr. Walter, einem ehrwürdigen Greisen, der sich dieselbe bey seinem Rückzug wählte, besorgt. Früher war sie dem Kloster Marchthal einverleibt und wurde von diesem bis 1803 durch einen Klostergeistlichen versehen. Walter hat i. J. 1822 zum Besten von armen Schulkindern eine Stiftung von 500 fl. gemacht, und dieselbe seitdem unter seiner Pflege bis an 7000 fl.[ws 1] vermehrt. Kirchbierlingen kommt mit seiner Kirche schon bey der Schenkung des Grafen Agilolf an das Kl. St. Gallen i. J. 776 unter dem Namen Pilaringa[1], und in der früher schon angeführten Schenkungs-Urkunde des Gr. Chadaloch von 817 vor. Aus diesen Urkunden geht hervor, daß der Ort der alten Gaugrafenfamilie, welche in der Geschichte des Oberamts so häufig vorkommt, gehört habe. Von ihr scheint er an die Herzoge von Allemannien gekommen zu seyn; wenigstens war „Bilringen“ mit der Martinskirche ein Theil des Stiftungsguts, womit Herzog Herrmann II. 992 das Collegiatstift zu Marchthal ausstattete. In der Folge, da das Stift in Zerfall gerieth, kam Kirchbierlingen an die Gr. v. Berg und von Kellmünz, und von letztern deren Antheil an die Pfalzgrafen von Tübingen. Als der Pfalzgr. Hugo 1171 das Präm. Kloster Marchthal stiftete, wies er demselben auch die Kirche zu Billringen an. In dem Stiftungsbriefe sagt er ausdrücklich, daß er die 3 Canonikatpfründen, wozu auch Billringen gehöre, von seiner Großmutter Bertha von Kellmünz geerbt habe. 1174, 1. Juni gegeben zu Rottenacker, schenkte Hugo dem Kloster noch seinen Hof neben dem Gottesacker mit 6 Wohnungen. Den größten Theil der Höfe besaßen indeß die Grafen von Berg und selbst auf die Kirche machten sie Ansprüche. Der Bischof Diethelm von Constanz wies zwar den Gr. Ulrich II. v. Berg 1202 damit zurück, und ebenso sein Nachfolger 1211; allein Ulrich gab nicht nach, und 1216 und 1219 verglich sich Pfalzgr. Rudolph, des Stifters Sohn, mit ihm dahin, daß Ulrich und| seine Erben 1/3 des Kirchensatzes und des Schirmvogteyrechts davon behalten, 2/3 aber dem Kloster gehören sollen. 1254 verzichtete endlich Graf Ulrich (ob derselbe?) nach einer schweren Krankheit, auf alle seine Rechte und Ansprüche an den Kirchensatz und die Vogtey zu Gunsten des Klosters. Theils durch Kauf, theils durch Schenkung erwarb dieses allmählig auch die übrigen Theile von Kirchb., welche die Grafen von Berg und ihre Lehensleute noch besaßen, so daß von 1349 an das Kloster im Besitze von dem ganzen Dorfe war. Urk. 1263, 1292, 1300, 1313, 1322, 1330, 1331, 1345, 1349. Übrigens ist noch ein Überrest der alten Bergischen Herrschaft zu Kirchb. auf die Gr. Schenk von Castell gekommen, woher noch die oben bemerkten Gefälle rühren. Über die vorbeyziehende Römerstraße s. S. 8.
b. Sontheim,

ein kathol. Weiler, an der Biberacher Straße, 1/4 St. von Kirchbierlingen, wovon es Filial ist, mit 83 Einw.; amtliche und grundherrliche Verhältnisse sind in Sontheim und Weisel, welche zusammen 1 Markung und fast 1 Ort bilden, wie in Kirchbierlingen. Die Zehnten bezieht der F. v. Thurn und Taxis, (im Cataster mit 1163 fl.)

Gefälle: Ebend. 127 fl. 14 kr. Geld, 8 Sch. 3 Sr. 3 V. Dinkel, 4 Sch. 2. V. Haber; die Gemeindepflege 27 fl., die Stiftungspflege Kirchbierlingen 1 fl.

c. Weisel,

ein kathol. Weiler, nur einige hundert Schritt von Sontheim, und gleichfalls Filial von Kirchbierlingen, mit 34 Einw. S. Sontheim.

Sontheim und Weisel haben einerley Geschichte. In ältern Zeiten hatten die Orte ihre eigenen Edelleute, welche dieselben von den Grafen von Berg zu Lehen trugen, und sich von Weisel oder nach alter, oder oberschwäbischer Aussprache, Wysel, Wyhsler, auch „von der Halden zu Sondheim“ schrieben, wie z. B. Gerwig, ein Bruder des Wyhslers i. J. 1324 sich von der Halden zu Sondheim nennt. Sie hatten ein Schloß zu Sontheim, auch eines zu Weisel,| dessen i. J. 1261 als einer Burg Erwähnung geschieht, wovon aber jetzt keine Spur mehr vorhanden ist. Allmählig und von 1262 an kam das Kloster Marchtal durch Kauf, Schenkung und Tausch und durch Verzichtleistung der Gr. von Berg und später von Östreich auf die Lehensherrlichkeit, in den freyen Besitz beyder Orte, in dem es bis 1803 war, wo sie an Taxis und 1806 unter W. Hoheit kamen.



  1. Neug. Cod. Dipl. Nr. 66.
Anmerkungen [WS]
  1. Korrektur nach Beschreibung des Oberamts Riedlingen S. 267: Die Stiftung des Prälaten zu Kirchbierlingen hat sich bis an 7000 fl. vermehrt.