BLKÖ:Wrabecz, Franz

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Wrabecz, Joseph
Band: 58 (1889), ab Seite: 139. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Franz Wrabecz in Wikidata
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Wrabecz, Franz|58|139|}}

Wrabecz, Franz (Maler, geb. zu Böhmisch-Brod in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, gest. in Preßburg im Jahre 1799). Ein Sohn des Böhmisch-Broder Schulrectors und Organisten Wenzel und ein Bruder Antons, Josephs und Wenzel Joachims, über welche die vorangegangenen Lebensskizzen und die folgende Näheres berichten. Franz blieb lange Zeit im Elternhause, und da er zum Lernen und überhaupt zu einer entsprechenden Beschäftigung wenig Lust zeigte, wurde er zu Arbeiten im Garten und auf den Feldern des Vaters verwendet. Aber der Anblick der schönen Natur, die sich ihm unter der verschiedenartigsten Beleuchtung darbot, und in deren Betrachtung er durch nichts gehindert wurde, weckte das Talent zur Malerkunst in ihm, in der er sich später ausbildete und die er zu seinem Berufe erwählte. Zuerst versuchte er sich auf landschaftlichem Gebiete und zeichnete eine Ansicht seiner Vaterstadt, aus Eigenem, ohne irgend einen Unterricht erhalten zu haben. Als der Vater das auf einem Großfolioblatte ausgeführte Bild betrachtete, erkannte er sofort das Talent des Knaben und schickte den damals Fünfzehnjährigen nach Prag, wo derselbe zunächst ein Schüler Neuräuther’s wurde, bei dem er einige Jahre lernte. Darauf ging er nach Wien und trat in die k. k. Akademie der bildenden Künste. Ohne Mittel – denn der Vater konnte ihn nur sehr kärglich unterstützen – erhielt er ebenso in Würdigung seines ausgesprochenen Talentes, wie seines freundlichen und anstelligen Wesens allerseits Beihilfe, und da seine Arbeiten allgemein Beifall fanden, wurde er bald in weiteren Kreisen bekannt, und es kam ihm eine Einladung nach Preßburg zu, wo er mehrere Arbeiten in Fresco und in Oel ausführen sollte. Nachdem er längere Zeit in dieser Stadt verweilt hatte, stellte man an ihn den Antrag zum Antritte einer der damals in Ungarn auf herrschaftlichen Gütern und in Stadtgemeinden sehr in Aufnahme gekommenen Landmesserstellen. [140] Nun als k. k. Landmesser in Preßburg angestellt, nahm er auch seinen bleibenden Aufenthalt daselbst, wurde viel beschäftigt und gewann als Mensch und Künstler bald einen ausgezeichneten Ruf, erwarb sich ein Haus, einiges Vermögen und verheiratete sich mit der Tochter eines dortigen Malers, die selbst mit Geschick die Kunst ihres Vaters übte. Seine meisten Arbeiten, Oelbilder, geometrische Zeichnungen und Pläne, finden sich in Ungarn, vorherrschend in der Stadt Preßburg, deren Kirchen mehrere Werke seines Pinsels enthalten. Auch seine Vaterstadt Böhmisch-Brod hat mehrere Werke von Wrabecz aufzuweisen, und zwar die ehemalige Capucinerkirche zu Sancta Maria Magdalena ein großes Altarblatt, gemalt 1766 bei Gelegenheit eines Besuches seiner Vaterstadt; auch die Seitenaltäre derselben Kirche hat er mit seinen Bildern geschmückt; ferner besitzt Böhmisch-Brod von ihm ein Frescobild, darstellend den h. Gotthard, mit einer Ansicht der beiden Kirchenthürme, welche sich am Hause genannt „zum grünen Baum“ noch zu seiner Zeit, also in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, befanden. Franz Oppel, sein Neffe mütterlicherseits, dessen unser Werk im XXI. Bande, S. 73 gedenkt, war sein Schüler. Nach Nagler wäre Wrabecz in Prag gestorben, für welche Angabe alle Anhaltspunkte fehlen. Sämmtliche Quellen, die seiner gedenken, bezeichnen ihn als einen geschickten Künstler, auffällig ist nur, daß Paul von Ballus, der in seiner Schrift „Preßburg und seine Umgebungen“ (1823) Künstler und Gelehrte, welche in dieser Stadt gelebt und gewirkt, mit großer Ausführlichkeit aufzählt, weder unseren Künstler noch Oppel erwähnt, der auch in und für Preßburg Mehreres gemalt hat. Alexander Patuzzi in den Verzeichnissen der Künstler und Schriftsteller Oesterreichs, die dem zweiten Bande seiner bei Wenedikt in Wien erschienenen „Geschichte Oesterreichs“ angehängt sind, führt unseren Maler unter dem unrichtigen Namen Franz Wrabenz auf.

Tschischka (Franz). Kunst und Alterthum im österreichischen Kaiserstaate geographisch dargestellt (Wien 1836, Fr. Beck, gr. 8°.) S. 408. – Nagler (G. K. Dr.). Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839), E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. XXII, S. 109. – Slovník naučný. Redaktoři Dr. Frant. Lad. Rieger a J. Malý, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger und J. Malý (Prag 1872, I. L. Kober, Lex.-8°.) Bd. IX, S. 1272 [nach diesem hätte Wrabecz seine Ausbildung an der Prager Akademie erhalten, dem ist nicht so, er erhielt sie an der k. k. Akademie der bildenden Künste in[WS 1] Wien].

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: an der in (ergänzt: k. k. Akademie der bildenden Künste.