BLKÖ:West, Moriz

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Wessiken, Joseph
Band: 55 (1887), ab Seite: 169. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Moritz West in der Wikipedia
Moritz West in Wikidata
GND-Eintrag: 117318396, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|West, Moriz|55|169|}}

West, Moriz (Schriftsteller, geb. zu Wien am 6. August 1840). [170] Die Familie des in Rede Stehenden, dessen wahrer Name Moriz Georg Nitzelberger ist, stammt aus der Pfalz, aus welcher seine Eltern nach Wien übersiedelt waren. Daselbst beendete er die juridischen Studien, besuchte alsdann das historische Seminar und erlangte 1863 die juridische Doctorwürde. Wohl war dies weniger nach seinem Sinne, da er sich zu dramatischem Schaffen hingezogen fühlte, worin er durch Grillparzer’s und Bauernfeld’s Urtheile über einige seiner Jugendversuche noch bestärkt ward. Aber die äußeren Verhältnisse wurden bald mächtiger, als der innere Schaffensdrang, und so betrat der junge Poet vorerst die praktische Laufbahn. Nach kurzer Gerichtspraxis zum Secretär der Wiener Unionbank berufen, kam er dann als leitender Director zur Olmütz-Jägerndorfer Bahn, aber fortdauernder Kränklichkeit halber mußte er den Berufsgeschäften entsagen. Er suchte Kräftigung seiner Gesundheit in einem längeren Aufenthalt in Italien und benutzte nun die reichliche Muße, über die er zu verfügen hatte, auf ermuthigendes Zureden Richard Genée’s zu Arbeiten im Gebiete der deutschen Operette, für die er sich besonders veranlaßt fühlte. So schrieb er theils allein, theils in Verbindung mit L. Held und F. Zell (Camillo Walzel, Band LIII, S. 49] die Texte zu den Cantaten: „Kölner Narrenfest“, „Thomasnacht“, dann zu den Operetten und Opern „Joconde“, „Fornarina“, „Nisida“, „Capitain Nicol“, „Africareise“, „Vagabund“, „Bellmann“ und anderen. West arbeitet beinahe ausschließlich für die Componisten Genée, Suppé und Zeller. In der deutschen Bearbeitung des Vaudevilles „Papa’s Frau“ hat er einige Gesangstücke geliefert, die so beliebt wurden, daß sie bald in aller Mund waren, so z. B. „Mädel, gib wohl acht“ – „Das räum ich ein“ u. s. w.