BLKÖ:Wenckheim, Joseph Freiherr

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 54 (1886), ab Seite: 270. (Quelle)
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Wenckheim, Joseph Freiherr (Obergespan des Arader Comitates, geb. zu Hermannstadt am 22. November 1778, gest. zu Pesth am 1. März 1830). Sein Vater Franz Xaver [siehe diesen S. 269] war ein ausgezeichneter General, der sich den Maria Theresien-Orden erkämpfte und den Kriegertod auf dem Felde der Ehre fand. Die Mutter, Karoline, war eine Tochter des Feldmarschall-Lieutenants von Rosenfeld, dessen Gattin der berühmten Familie der Berlichingen entstammte. Durch das Beispiel des Vaters angeeifert, erwählte auch Freiherr Joseph den Soldatenstand zu seinem Berufe, aber auf die inständigen Bitten der Mutter, die in ihm eine unentbehrliche Stütze zu finden hoffte und in der Folge auch fand, verließ er die eingeschlagene Laufbahn und begann an der Wiener Universität das Studium der Rechte, nach dessen Beendigung er im Verwaltungsdienste des Preßburger Comitates prakticirte. Aber das sollte nicht lange währen, denn als 1792 an den ungarischen Adel ein Aufgebot erging, trat er beim Insurrectionscorps des Preßburger Comitates als Lieutenant ein. Nach dem Frieden von Campoformio (1797) ging er als Practicant zur ungarischen Statthalterei. Als er sich aber 1800, damals 22 Jahre alt, vermälte, verließ er den Dienst und übernahm von der Mutter die Verwaltung der Güter, sich nun ganz der landwirthschaftlichen Thätigkeit widmend. Auf diesem bis dahin ihm fremden Gebiete half ihm sein rühriger Geist und der ernste Willen über mannigfache Hindernisse hinweg, die sich ihm anfangs entgegenstellten, aber nach und nach faßte er immer festeren Fuß und erwarb sich das Vertrauen der Bevölkerung in solchem Grade, daß ihn die Stände des Békéser Comitates wiederholt zu ihrem Repräsentanten auf dem Landtage erwählten. Dabei aber lag ihm die Sache des Vaterlandes so sehr am Herzen, daß er jedesmal, wenn die Insurrection zu den Waffen rief, seinen Posten in derselben einnahm, und zwar 1805 als Major im Biharer, 1809 als Oberstlieutenant im Békéser und später als Oberst im Torontaler Comitate. In der darauf folgenden Friedensepoche aber widmete er sich ausschließlich der Verwaltung seiner Güter und den Interessen seines engeren Vaterlandes, trat in allen einigermaßen wichtigen Dingen in den Vordergrund, half mit verhandeln und rathen und ging selbst immer mit dem guten [271] Beispiele voran. Auf seinen Gütern führte er alle sich bewährenden Verbesserungen ein, vervollkommnete den Ackerbau, die Schaf- und Pferdezucht, errichtete zu Hörös-Ladány im Békéser Comitate große Anlagen, dann zur Hemmung der Ueberschwemmungen mit beträchtlichen Kosten Dämme und sonstige Vorkehrungen. Unter solchen Umständen nahm auch bei wichtigen Anlässen die Regierung seine Erfahrungen in Anspruch, und ohne seinen Rath gelangte keine Regulirung, keine Wasserleitung im Temeser, Torontaler und Békéser Comitate zur Ausführung. Als 1827 die Probe einer Eisenbahn gemacht werden sollte, übertrug ihm der Erzherzog Palatin die Herstellung derselben. Auf dem Landtage 1827 fiel auf ihn die Wahl zur Commission, welche mit der Umarbeitung der Deputationalwerke vom Jahre 1790 und der Restauration der gesammten Gesetze betraut wurde; der Erzherzog Palatin machte ihn zum Präsidenten der Deputation, welche die Banderialpflichten des ungarischen Adels ausarbeiten sollte, und diese noch in Handschrift vorhandene Arbeit zeigt, wie der Freiherr mit dem Geiste der Zeit vorgeschritten war und an Stelle des abzuschaffenden unbrauchbaren Alten nur Besseres und den vorgeschrittenen Verhältnissen Entsprechendes setzte. Er verfolgte mit Aufmerksamkeit die Verbesserungen der Neuzeit, und seine Studien über die Pferdezucht veröffentlichte er zugleich in deutscher und ungarischer Sprache in der Schrift; „Iden über eine Wiederherstellung der verfallenen ungarischen Pferdezucht und die Mittel, den Zweck in möglichst kürzester Zeit zu erreichen“ [Gondolatok a magyarországi lótenyésztésnek helyreállitásáról és ezen czél elérésére vezető segédeszközökről] (Pesth 1815, 8°.). In seinem Nachlasse aber befand sich eine größere Arbeit „Ueber den Handel Ungarns“, in welcher er Adam Smith’s Untersuchungen über die Natur und die Ursachen des Nationalreichthums mit den eigenen Erfahrungen der neuesten Zeit auf Ungarn anwandte, und welche von Fachmännern als eine ebenso originelle als vortreffliche Leistung bezeichnet wurde. 1819 ernannte ihn der Kaiser zum Administrator des Krassóer, 1823 des Arader Comitates und dann zum Obergespan des letzteren. Der Freiherr verschied in der Vollkraft seines Lebens. Er war zweimal verheiratet, zuerst 1800 mit Marie Freiin von Orczy, welche schon nach zweijähriger Ehe starb, dann 1807 mit Therese Freiin von Orczy. Nur letzterer Verbindung entstammen Kinder, und zwar vier Töchter und der nachherige Minister am kaiserlichen Hofe Béla Freiherr von Wenckheim [s. d. S. 264].

Tudományos Gyüjtemény (Pest 1830) Bd. XII, S. 125.
Porträt. Unterschrift: „Báró Wenckheim Josef. | T. N. Arad Vármegyének. | Feő-Ispánya“. Ferd. Baron von Lütgendorf 1820 sc. (8°. selten).