Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Weindl, Paul Johann
Band: 54 (1886), ab Seite: 26. (Quelle)
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Weindl, Joseph (Ingenieur, geb. in Wien 1813, gest. daselbst 24. Juli 1865). Seine Eltern, achtbare Wiener Bürgersleute, bestimmten ihn für das technische Fach, dessen Studien er am polytechnischen Institute in Wien beendete. An dieser Anstalt bekleidete er 1835–1836 die Assistentenstelle der praktischen Geometrie und trat im September letztgenannten Jahres als Ingenieurpracticant in das Stadtbauamt ein. 1838 wurde er zum Ingenieur ernannt und mit der wichtigen Aufgabe betraut, das Project der Wasserversorgung Wiens zur Ausführung zu bringen. Er tracirte nun die sogenannte „Kaiser Ferdinands-Wasserleitung“, erbaute die Reservoirs und erhielt nach Vollendung dieses schwierigen Werkes 1841 auch die Oberaufsicht der Leitung. Als 1843 die Uebertragung dieser Anstalt an den Stadtmagistrat erfolgte, trat er beim Stadtbauamte als Ingenieur ein. 1846 ward er Hofbaurathsingenieur erster Classe, 1850 k. k. Oberingenieur der Generalbaudirection, worauf seine Verwendung [27] im k. k. Handelsministerium (Eisenbahnbau-Section) und 1851 seine Beförderung zum k. k. Inspector, 1855 zum Oberinspector für die Eisenbahnen im k. k. Handelsministerium erfolgte. In dieser Eigenschaft redigirte und besprach er den mit den bayrischen Staatsbahnen abgeschlossenen Staatsvertrag wegen Anschlusses der Westbahn bei Salzburg. Als aber die Ausführung dieses Projectes technische und financielle Schwierigkeiten bot, wurde er nach München geschickt, um die entsprechenden Abänderungen des Vertrages zu erwirken. Bei Uebergang der Südbahn in die Hände der Privatgesellschaft verließ er den Staatsdienst unter Beibehalt des Titels eines k. k. Oberinspectors und trat in die Baudirection der k. k. priv. südlichen Staats-Eisenbahngesellschaft als Stellvertreter des technischen Directors ein. Unter seiner Oberleitung gelangten die Bahnprojecte der Pragerhof-Kanizsaer, der Kärntner, Agram-Sisseker und Karlstädter und der Padua-Rovigo-Bahn zur Ausführung. Noch war er mit der Collaudirung der Agram-Karlstädter Bahn beschäftigt, als ihn ein Schlagfluß plötzlich aus dem Leben rief. Als 1861 die Wahlen in den Gemeinderath der Großcommune Wien erfolgten, wurde auch Weindl im damaligen 8. Wahlbezirke (Alsergrund) zum Gemeinderathe erwählt. Er galt für einen der tüchtigsten Ingenieure der österreichischen Bahnen. Vom Kaiser wurden seine Verdienste anerkannt durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone und des Ritterkreuzes des Franz Joseph-Ordens. Anläßlich seiner Verhandlungen in München zur Beseitigung der Schwierigkeiten, welche dem Zustandekommen des Staatsvertrages wegen Anschlusses der Westbahn bei Salzburg an die bayerische Staatsbahn entgegenstanden, verlieh ihm auch der König von Bayern den St. Michaelsorden.

Die neuen Väter der Großcommune Wien. Von Moriz Bermann[WS 1] und Franz Evenbach (Wien 1861, 8°.) S. 61.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Moriz Bormann.