BLKÖ:Stutterheim, Friedrich Heinrich Ludwig von

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
fertig
Band: 40 (1880), ab Seite: 237. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Stutterheim, Friedrich Heinrich Ludwig von|40|237|}}

Stutterheim, Friedrich Heinrich Ludwig von (k. k. General, geb. um das [238] Jahr 1770, gest. im Frühjahr 1811). Ob er von der alten Adelsfamilie der Stutterheim, welcher der Maria Theresien-Ordensritter und Feldmarschall-Lieutenant Karl Freiherr von S. angehört, abstammt, kann nicht bestimmt werden. [Vergleiche über die Familie Stutterheim die Quellen Seite 243.] Friedrich trat in jungen Jahren in die kaiserliche Armee, in welcher er es in erstaunlich kurzer Zeit zu hoher Würde brachte. Besonders zeichnete er sich im österreichisch-russischen Feldzuge in Italien 1798–1800 aus. So machte er im September 1799 bei Constanz den vor Zürich geschlagenen Russen unter Korsakow und den Condéern Luft und rettete sie vor völliger Vernichtung durch die Franzosen und die von diesen irregeleiteten und zum Kriege gezwungenen Schweizer; im darauffolgenden Jahre aber betheiligte er sich an den kühnen Streifzügen, welche Degenfeld, Mier, Merveldt und Walmoden mit so glänzenden Erfolgen ausführten. Als dann Ende 1800 nach Thugut’s Demission Johann Philipp Graf Stadion das Portefeuille der auswärtigen Angelegenheiten übernahm, zog ihn dieser in sein Cabinet, wo er mit publicistischen und diplomatischen Arbeiten betraut wurde, welche in jenen bedrängnißvollen Tagen sich nöthig erwiesen und eines gewandten Kopfes und einer so geschickten Feder, wie er sie führte, bedurften. Ein Historiograph schreibt bezüglich der diplomatischen Verwendung S.’s: „Er wurde während des preußisch-russischen Krieges, der mit der Schlacht von Jena nicht minder unglücklich begann, als ein Jahr vorher der österreichische bei Ulm, bei verwickelten diplomatisch-militärischen Sendungen gebraucht. Zweimal hatte er die Aufgabe zu lösen, das große Unheil der kriegerischen Ergebnisse wenigstens von der kaiserlichen Armee, die sich trotz aller Niederlagen mit einer Bravour ohne Gleichen geschlagen, abzuwälzen. Er hatte die beispiellose Schmach von Ulm und die Verwirrung von Austerlitz halb und halb (leider nicht ganz) nach ihren wahren Ursachen darzustellen und nach dem Frieden von 1809 mußte er die Fruchtlosigkeit der edelsten Begeisterung und ungeheurer Anstrengungen darlegen. Früher noch, im Frühling 1808, beim Auflodern des spanischen Aufstandes, vollführte S. den Auftrag, die Friedensliebe und fatalistische Unterwerfung einer „gewissen kriegerisch gekleideten, aber unkriegerischen Partei“ zu überwinden, was ihm auch gelang, da er ein Evangelium verkündete, von dem er selber durchdrungen war“. Bei diesen verschiedenen und höchst heiklen diplomatischen Sendungen bekundete er großes Geschick und führte sie meist mit entsprechendem Erfolge aus. Als ihn daher im Frühjahre 1811 ein plötzlicher Tod dahinraffte, wurde sein allzu früh beendetes Wirken, wie es in einem ihm gewidmeten Nachrufe kurz, aber bedeutsam lautet: „bedauert von der Armee, vermißt in der Diplomatie und innig beklagt von vielen gediegenen Freunden“. Die Gräffer’scheOesterreichische National-Encyklopädie“ schreibt ihm die Autorschaft des gehaltvollen, anonym erschienenen Werkes „Der Krieg“ zu. Andere Quellen bezeichnen als Verfasser dieser Schrift den Feldmarschall-Lieutenant Karl Freiherrn von Stutterheim, über den eine besondere Biographie folgt (S. 241). Es laufen aber in den biographischen Mittheilungen über die Stutterheim, deren nicht weniger denn sechs (sicher fünf) in der kaiserlichen Armee mit Auszeichnung dienten und drei, Franz, [239] Joseph und Karl, mit dem Maria Theresien-Orden ausgezeichnet wurden, mitunter Verwechslungen in einzelnen Angaben vor, welche bei Benützung der Quellen Vorsicht gebieten. Meine Bedenken über diesen Friedrich und den späteren Karl [S. 200] spreche ich in den Quellen [S. 244] offen aus.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien, 8°.) Bd. V, S. 234.