BLKÖ:Stay, Benedict

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 37 (1878), ab Seite: 273. (Quelle)
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Stay, Benedict (Dichter und Schriftsteller, geb. zu Ragusa im Jahre 1714, gest. zu Rom 25. Februar 1801). In einer Jesuitenschule seines Vaterlandes Dalmatien erzogen und herangebildet, zeigte er frühzeitig nicht gewöhnliche Talente, welche alsbald die Aufmerksamkeit seiner Landsleute auf ihn lenkten. So erlangte er denn auch bald Zutritt zu den wissenschaftlichen Abenden, welche der Literaturfreund Michael Anton Sorgo [Bd. XXXVI, S. 25] in seinem Hause abzuhalten pflegte, und an welchen damals Alles theilnahm, was sich an geistigen Größen in Dalmatien vorfand oder das Land bereiste. Im Alter von 20 Jahren war S. in den classischen Sprachen, namentlich in der lateinischen, so bewandert, daß ihm die metrische Behandlung irgend eines Stoffes keine Mühe machte. So hatte er denn auch, durch die Lectüre der Geschichte von Flandern angeregt, ein episches Gedicht über die Expedition Alexander Farnese’s in jungen Jahren vollendet. Als er an einem der literarischen Abende im Hause Sorgo eine Episode daraus: „Die Belagerung von Antwerpen“, vorlas, [274] war Alles einig in Lob und Bewunderung der schwungvollen Dichtung. Von diesem Erfolge angeregt, wendete sich S. der ihm mehr zusagenden philosophisch-didaktischen Richtung der Poesie zu und begann damals ein größeres philosophisches Gedicht über die Philosophie des Cartesius, welche zu jener Zeit in den Schulen gelehrt wurde. Auch dasselbe gelang über alle Erwartung gut und fand allgemeinen Beifall. Stay zählte damals 24 Jahre. Dieser Dichtung folgte eine andere über Newton’s Philosophie. Während dieser poetischen Arbeiten setzte er aber seine Berufsstudien und zwar jene der Theologie mit allem Eifer fort, insbesondere sich in das der Kirchengeschichte vertiefend. Im Jahre 1742, damals 28 Jahre alt, unternahm er eine Reise nach Rom; dort erhielt er eine Professur an der königlichen Universität in Turin und eben im Begriffe, sich an seinen Bestimmungsort zu verfügen, wurde er von Cardinal Silvius Valenti Gonzaga aufgehalten, und erhielt durch dessen Vermittlung die Lehrkanzel der Beredsamkeit an der „Sapienza“ in Rom. In Rom fehlte es ihm nicht an Gelegenheit, sich neue Freunde zu erwerben, unter denen Passionei und Giacomelli, zwei damals in wissenschaftlichen Kreisen gefeierte Namen, genannt seien. Auch die Aufmerksamkeit der Päpste seiner Zeit wendete sich ihm zu, und Clemens XIII. verlieh ihm das Secretariat der lateinischen Schulen in Rom und sein Nachfolger Clemens XIV. ernannte ihn 1769 zum Vorstand des Secretariats der Breven an die Fürsten, wobei er ihm zugleich die Stelle des Canonicus von Santa Maria maggiore, seines Hausprälaten, Consultors des Index und des Datarius der Penetenzierie verlieh. In diesen Stellungen verblieb Stay auch unter Papst Pius VI., der ihm übrigens eben nicht geneigt schien. Als dann Pius VII. den päpstlichen Stuhl bestieg, stellte S., als er zum Fußkuß vorgelassen wurde, in Anbetracht seines bereits vorgerückten Alters, die Bitte um Entlassung aus seinen Diensten. Der Papst beauftragte ihn zunächst mit der Abfassung der Bulle über die Wiederherstellung der päpstlichen Regierung, dann gewährte er ihm die erbetene Entlassung, jedoch mit Beibehalt aller Würden und Bezüge. Stay erreichte das hohe Alter von 87 Jahren. Die Zahl seiner durch den Druck veröffentlichten Werke ist nicht groß. Ihre Titel sind: „Philosophiae versibus traditae libri VI“ (Venedig 1744, 8°., neue Auflagen zu Rom 1747 und Venedig 1749); es ist dieß die oben erwähnte metrische Behandlung der Philosophie von Descartes; – „Philosophiae recentioris versibus iraditae libri X cum adnotationibus et supplementis Rog. Boscowich, Tomi 3“ (Roma 1755, 1760, 1792, neue Ausgabe aller drei Theile Rom 1792); darin behandelt Stay die Newton’sche Philosophie; – Luca Stulli gab heraus „Le tre descrizioni del teremoto di Ragusa del 1677 di Gradi, Rogacci e Stay. Versione in versi dal latino (Venezia 1828, Antonelli, 8°,); eine deutsche Uebersetzung ohne Nennung des Uebersetzers und eine illyrische von A. Rocci erschienen in Wien 1844 bei den Mechitaristen. Die „Biblioteca di fra Innocenzo Ciulich nella libreria de’ RR. PP. Francescani di Ragusa“, von welcher unter gleichem Titel der Katalog (Zara 1860, Gubernial-Druckerei 8°.) gedruckt erschienen ist, enthält von Stay [275] „In funere Friderici Augusti III. Poloniae regis“ (Romae 1766, Salomoni); – „Oratio in funere Clementis XIII.“ (ib. 1769); –*„Elegia de tumultu Galliae ann. 1791“; – *„Carmina nonnulla Benedicti Stay et Faustina Gagliuffi“; – *„Dicatio librorum philosophiae Benedicti Stay Benedicto XIV.“ Autograph des Dichters; – *„In laudem Caroli Zeni Patricii Veneti carmen“; – „Sanct. D. N. Clementis XIV. Allocutio habita in Consistorio secreto ann. 1770 a Ben. Stay conscripta“ (Romae 1770); – „Oratio in funere Clementis XIII. habita in Basilica Vaticana“ (Romae 1791, Salomoni); – *„Elogio di Leone X. recitato nell’ Archiginnasio di Roma“ [die mit einem Stern bezeichneten sind Handschriften]. Stay ist als philosophischer Dichter in lateinischer Sprache eine anerkannte Größe. Seine beiden obengenannten poetischen Umschreibungen der philosophischen Systeme von Descartes und Newton werden als Meisterwerke ihrer Art bezeichnet. In einem von dem Gubernial-Secretär Baldassare de Cattanj verfaßten handschriftlichen Büchlein, betitelt: „Notizie delle principali città, terre, ed isole di Dalmazia, Ragusa ed Albania in occasione dell’ august. viaggio in queste parti delle II. RR. et AA. Maestà di Francesco I. e Carolina Augusta, finde ich Seite 197 die von dem oben angegebenen Todesdatum abweichende Notiz, daß Benedict S. zu Rom am 11. Mai 1777 gestorben sei. Ueber Stay’s zwei Brüder Christoph und Franz vergleiche die Quellen.

Galleria di Ragusei illustri (Ragusa 1841, Piet.-Franc. Martechini, kl. Fol.) [die darin enthaltene Lebensskizze ist von Tommaseo verfaßt]. – Fabroni (Angelus), Vitae italorum doctrina excellentium. Vol. XIX, p. 2 et s.Tommaseo (Nicol.), Studj critici (Venezia 1843) Parte II, p. 209. – Bizzarro (Giovanni de), In morte di Benedetto Stay insigne filosofo e poeta. Ode libera (Venezia 1802, Cominotti, 8°.). – Esercizio academico sulla morte di mons. Stay, tenuto 1’ anno 1802, nel collegio delle scuole pie (Ragusa 1802). – Ueber seine zehn Bücher der neueren Philosophie vergleiche man das „Giornale de’ letterati“ (Pisa 1792) Bd. 88, p. 23 u. f.
Porträt. Unterschrift: Benedetto Stay. A. Nardello (Prem. Litografia Antonelli kl. Fol.).