BLKÖ:Spannocchi, Peter Leopold Graf

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Špaňhel, Wilhelm
Band: 36 (1878), ab Seite: 60. (Quelle)
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Spannocchi, Peter Leopold Graf (k. k. General der Cavallerie, geb. zu Florenz 25. Juni 1788, gest. zu Wien 9. September 1867). Am 1. September 1803 zum Fähnrich bei Mittrovsky-Infanterie ernannt, wurde er anfangs 1805 zum Unterlieutenant bei Fürst Auersperg-Infanterie befördert. Er machte mit diesem Regiment einen Theil des Feldzuges dieses Jahres in Deutschland mit, und nahm, als Oberlieutenant zu Stipsicz-Huszaren übersetzt, an der Schlacht bei Caldiero und an den Rückzugs-Gefechten am Tagliamento und Isonzo Theil. Den Krieg des Jahres 1809 machte Spannocchi theils bei seinem Regimente, theils als Galopin im Hauptquartier des Erzherzogs Karl mit. Für in der Schlacht bei Aspern bewiesene hervorragende Tapferkeit wurde Oberlieutenant Spannocchi außer seinem [61] Range zum zweiten Rittmeister in seinem Regimente ernannt. Im Jahre 1811 wurde S. in gleicher Eigenschaft zu Kaiser-Kürassiere Nr. 1 übersetzt, wo er 1813 zum Escadrons-Commandanten vorrückte. Er wohnte mit seinem Regimente den Schlachten von Dresden und Leipzig, und dem der letzteren Schlacht vorangegangenen so hartnäckigen Gefechte am 14. October bei Libertpolkwitz bei; focht dann am 16. October bei Posna und dem Universitätswalde, und am 18. bei Libertpolkwitz. Holzhausen und Zuckelhausen, und wirkte bei der Verfolgung des Feindes über Stötteritz thätig mit. Nach der Schlacht von Leipzig kam das Regiment in das Reserve-Corps unter dem General der Cavallerie Erbprinzen von Hessen-Homburg, welches, den fliehenden Feind über den Rhein durch die Schweiz verfolgend, über Newschatel und Pontarlier gegen Dijon vorrückte. Während der weiteren Operationen in Frankreich wohnte S. den Gefechten und Einnahmen von Troyes und Sens-sur-Jonne, dem Gefechte bei Montereau, der Schlacht bei Bar-sur-Aube, dem abermaligen Gefechte bei Troyes, dann jenen bei Mery-sur-Seine und Arcis-sur-Aube, endlich am 253. März der Schlacht von Ferechampenoise und am 30. desselben Monats der Schlacht vor und dem Einzuge in Paris bei. In der Schlacht von Ferechampenoise, hatte sich das Regiment Kaiser-Kürassiere unsterblichen Ruhm erworben, indem es ungeachtet des heftigsten Kreuzfeuers zweier in seiner Fronte und Flanke gestandener Infanteriemassen eine derselben mit solcher Bravour und Tapferkeit attaquirte, daß dieselbe gänzlich niedergehauen wurde. Bei dieser Attaque ward nebst mehreren anderen auch Spannocchi durch einen Streifschuß und Bajonnetstich verwundet. Mit 1. Juni 1814 trat Spannocchi, zum Major und Commandanten der toscanischen Cavallerie ernannt, in die Dienste des Großherzogs von Toscana unter ausdrücklicher Genehmigung Seiner Majestät des Kaisers. Am 25. März 1815 zum Oberstlieutenant und General-Adjutanten bei dem Großherzog befördert, wurde er, als dieser seine gesammten, auf 6000 Mann beantragten Truppen dem gegen Neapel operirenden österreichischen Armee-Corps unter Feldmarschall-Lieutenant Baron Bianchi zur Verfügung stellte, zum Commandanten dieses toscanischen Auxiliar-Corps ernannt. In Würdigung seiner geleisteten Dienste, verlieh ihm der Großherzog den St. Josephs-Orden, im folgenden Jahre auch den St. Stephans-Orden; Seine Majestät der Kaiser aber unterm 18. Mai 1866 den österreichischen Leopolds-Orden. Zu Ende des Jahres 1817 quittirte Spannocchi mit Oberstens-Charakter den toscanischen Dienst, kehrte nach Oesterreich zurück, und wurde als Major zu Schwarzenberg-Uhlanen eingetheilt, und am 1. April 1819 zu Hessen-Homburg-Huszaren Nr. 4 übersetzt. Am 25. Mai 1825 wurde S. zum Oberstlieutenant bei Königin von England-Huszaren Nr. 5, am 9. Juni 1830 zum Obersten und Commandanten von Kaiser-Uhlanen Nr. 4 befördert. Mit seinem neuen Regimente, das eben aus Italien nach Ungarn verlegt wurde, kam S, nach Kecskemet, 1832 nach Alt-Arad in Station, und blieb dort bis zu seiner mit 18. Juni 1835 erfolgten Ernennung zum General-Major und Truppen-Brigadier in Gratz. Im Jahre 1838 kam er in derselben Eigenschaft nach Güns in Ungarn und 1841 als Brigadier und Festungs-Commandant nach Salzburg. [62] Mit 3. November 1844 zum Feldmarschall-Lieutenant und Truppen-Divisionär in Gratz ernannt, wurde er Stellvertreter des Commandirenden in Innerösterreich. Während der kritischen und ereignißreichen Epoche der Jahre 1848/49 befand sich S. in der vorbezeichneten, damals genug schwierigen Stellung, wußte sich aber durch seine Humanität und sein tactvolles Verhalten, ohne dabei der militärischen Ehre etwas zu vergeben, die Sympathien der Bevölkerung zu erwerben. Im März 1849 erfolgte seine Ernennung zum Festungs-Commandanten von Josephstadt. Nach fast vollendeter 54jähriger Dienstzeit in der kaiserlichen Armee trat er am 14. Jänner 1856 mit dem Charakter eines Generals der Cavallerie in den Ruhestand über, den er noch 11 Jahre genoß. Er lebte seit dieser Zeit in Wien, wo er im hohen Greisenalter von 83 Jahren starb. Im Jahre 1825 wurde S. zum Grafen und Magnaten im Königreich Ungarn erhoben, diese Würde am 7. November 1846 auch auf die Erblande ausgedehnt, und ihm das Incolat des Standesherrn in Böhmen verliehen. Im Jahre 1848 wurde er geheimer Rath und zweiter Inhaber des 7. Uhlanen-Regiments Erzherzog Karl Ludwig. Bald nach seinem Tode erschienen die Nekrologe, welche seine militärischen Thaten verzeichneten, später aber aus den Aufzeichnungen eines ehemaligen politischen Gefangenen eine Episode aus der Zeit, da Graf Spannocchi Festungs-Commandant in Josephstadt war. Der Erzähler leitet seine Mittheilung, sie ist in den Quellen genau bezeichnet, mit den Worten ein: „Nicht dem Grafen, nicht dem General und Hofmann, sondern dem Menschen Spannocchi gelte mein Lob. Und Spannocchi war nicht blos Graf, General, Hofmann, sondern auch Mensch in des Wortes edelster Bedeutung“, welche schlichten Worte wohl das einfachste und auch wahreste Epitaph des Verblichenen sein möchten. Der Graf war seit 1826 mit Julie geb. Gräfin Czernovics de Macsa (geb. 15. August 1805) vermält. Ueber seinen Familienstand vergleiche die Quellen.