BLKÖ:Rhédey, Johann Graf

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Vorwort (Band 26)
Band: 26 (1874), ab Seite: 1. (Quelle)
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Rhédey, Johann Graf (k. k. General-Major und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Kis-Rhede in Siebenbürgen, Geburtsjahr unbekannt, gest. zu Wien 10. Jänner 1768). Ein Sohn des Grafen Ladislaus aus dessen Ehe mit Maria Toroczkaj, trat im Jahre 1733 in die kaiserliche Armee und zeichnete sich im Türken- und Erbfolgekriege so aus, daß er im Mai 1752 Major im Infanterie-Regimente Nr. 51, damals Stephan Graf Gyulay, und bei Beginn des siebenjährigen Krieges Oberstlieutenant im Infanterie-Regimente Graf Haller Nr. 31 wurde. Bei der Belagerung von Schweidnitz im Winter 1757 that sich R. besonders hervor. Schon während des Baues der Laufgräben bewies er großen Muth und Entschlossenheit, noch mehr aber bei dem auf die Nacht vom 11/12. November anbefohlenen Hauptsturme, bei welchem R. mit drei Grenadier-Compagnien das Striegauer Fort angriff. Der Feind empfing die Angreifenden mit einem Kugelregen, der ganze Reihen niederschmetterte, aber es kam noch schlimmer, als die unter den Füßen der Stürmenden befindlichen Flatterminen losgingen und viele Grenadiere lebendig begruben. Schreck und Entsetzen waren grenzenlos. Aber Graf Rhédey behielt in diesem gräßlichen Augenblicke seine volle Geistesgegenwart: die Bestürzten ermunternd, die Zerstreuten und Flüchtenden sammelnd und neu ordnend, begeisterte er dieselben zu erneuertem Angriffe und bemächtigte sich der Höhe des Glacis und der Vorwerke; als ihn und die Seinen am Vorgraben der Feind mit Piken und Morgensternen empfing, siegte er auch hier nach verzweifeltem Kampfe; nun wurden die Gräben überstiegen, die Pallisaden und spanischen Reiter niedergeworfen und die Kanonen in den Außenwerken gegen den Feind gerichtet. Jetzt galt es, in den tieferen Hauptgraben zu gelangen, der das innerste Bollwerk von den Außenwerken schied. Um auf den herbeigeholten Leitern in den Graben herabzusteigen, ging nicht an, da die Leitern viel zu kurz waren. Rhédey sprang also mit seinen Grenadieren hinab und vertheidigte sich, von allen Seiten beschossen, mit den Handgranaten so lange, bis die übrigen Colonnen die Festung erstiegen und die preußische Besatzung zwangen, sich zu ergeben. Noch zeichnete Graf Rhédey in der Schlacht bei Breslau (22. November 1757) sich aus, in welcher er mit gefälltem Bajonnete die feindlichen Verschanzungen nahm, und im Jahre 1758 bei Domstadl (30. Juni), wo er bei der durch Daun ausgeführten Wegnahme des großen preußischen Convoi ungemeine Bravour bewies. Der Graf wurde für seine Waffenthaten in der 5. Promotion (am 23. Jänner 1760) mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Im nämlichen Jahre wurde er auch zur ungarischen Garde [2] übersetzt, bei welcher er – nachdem er schon im April 1758 Oberst geworden – im Jahre 1761 General-Major wurde und als solcher starb. Seine Ehe mit Clara Gräfin Bethlen (gest. 1758) war kinderlos.

Hirtenfeld (J. Dr.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 94 u. 1729. – Neue militärische Zeitschrift, herausg. von Schels (Wien, 8°.) Jahrgang 1811, Bd. III, S. 71. – Vasárnapi ujság, d. i. Sonntags-Zeitung (Pesth, 4°.) 1865, Nr. 25.