BLKÖ:Reyer, Franz Thaddäus Ritter von

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Reyer, die Familie
Band: 25 (1873), ab Seite: 400. (Quelle)
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Reyer, Franz Thaddäus Ritter von (Bankier, geb. zu Malborget in Kärnthen im J. 1761, gest. zu Triest 17. Jänner 1846). Der Sohn mittelloser Eltern, wollte er sich nach beendeten philosophischen Jahrgängen dem geistlichen Stande widmen und hatte bereits die theologischen Studien zurückgelegt, als ihn die Bekanntschaft mit einer einflußreichen Persönlichkeit, die in dem jungen Manne Fähigkeiten erkannte, die ihn für einen entsprechenderen Beruf eigneten, [401] sein Vorhaben aufgab, um seinem Gönner nach Triest zu folgen. Dort trat er in das Handlungshaus Strohlendorf, in welchem R. bald eine solche Geschicklichkeit und Verwendbarkeit an den Tag legte, daß er gleich nach Beendigung des Krieges, durch den die vereinigten Staaten ihre Unabhängigkeit erkämpft hatten, ungeachtet seiner Jugend zum Superkargo eines Schiffes ernannt wurde, welches von dem Hause Strohlendorf mit verschiedenen[WS 1] Producten, deren Verkauf Reyer anvertraut ward, nach Baltimore gesendet wurde. Während seines mehrmonatlichen Aufenthaltes in Amerika fand R. nicht nur Gelegenheit, seine Kenntnisse in Handelssachen in wesentlicher Art zu bereichern, sondern auch mehreren bedeutenden Persönlichkeiten der jungen Republik, unter Anderen dem berühmten Benjamin Franklin, näher zu treten. Bald nach seiner Rückkehr nach Triest errichtete er selbst ein Handlungshaus, welches, wiederholt seine Firma wechselnd, seit Beginn des laufenden Jahrhunderts jene von Reyer und Schlick führte und alsbald den Ruf eines der ausgezeichneten Großhandlungshäuser der Monarchie zu sein, durch die Solidität seines Gebarens erlangte. Nachdem also R. schon im Jahre 1788 börsemäßiger Handelsmann in Triest geworden, gewann er durch sein solides Vorgehen in Mercantilsachen so sehr die Achtung und das Vertrauen sowohl der Behörden wie seiner Mitbürger, daß er im Jahre 1805 zum Mitgliede der Handelsconsulta, im Jahre 1806 zum Assessor bei dem k. k. Apellations-, Mercantil- und Wechselgerichte, im Jahre 1807 einstimmig zum dirigirenden ersten Börsendeputirten erwählt wurde. Diesen Posten bekleidete er zu wiederholten Malen, wurde überdieß häufig zur Theilnahme an Commissionen für öffentliche Zwecke berufen. Im Jahre 1808 ernannte ihn die Stadt Triest aus eigenem Antriebe und einhellig zum Patrizier und Mitgliede des großen Consiglio nobile. Zu verschiedenen Malen, wie in den Jahren 1808, 1810 und auch später, fiel auf ihn die auszeichnende Wahl, Mitglied von Deputationen zu sein, welche die Huldigungen der Stadt Triest zu den Füßen des Thrones überbrachten. Als im Jahre 1809 Triest in französische Hände überging, übersiedelte R. mit seinem Geschäfte nach Wien, wo ihm wesentlich das Verdienst gebührt, dem großen Transito-Handel die Bahn gebrochen zu haben. Zuerst von ihm nämlich war und in ausgedehntester Weise der bedeutende Waarenzug von Amerika und England anfangs durch die russischen Häfen und Polen, dann durch die Türkei und Ungarn nach Wien und von da durch Deutschland, ja selbst nach Frankreich, was unter den damaligen Umständen mit nicht geringen Schwierigkeiten und Gefahren verbunden war, eingeleitet und fortgeführt worden. Durch dieses Unternehmen, ebenso kühn als großartig, hat Reyer seinem Namen in der Geschichte des europäischen Mercantilwesens eine bleibende Stelle gesichert. Nachdem Triest wieder in den Besitz Oesterreichs gelangt war, kehrte auch R. dahin zurück und förderte nun mit gleicher Energie den Aufschwung des überseeischen Handels ebenso durch Auffindung neuer Wege, wie durch vervollkommnete Benützung der alten. Zur Centralisirung der ausgedehnten transatlantischen Correspondenz errichtete R. in London eine eigene Filiale, stellte eigene Agenten in Amerika, Westindien und anderen fernen Ländern auf und unterhielt in den bedeutendsten Handelsplätzen angesehene [402] und wichtige Verbindungen. Um die Bedeutung und den Einfluß seines großartigen Geschäftes besser würdigen zu können, mögen hier die Angaben der Summen stehen, welche innerhalb sechs Jahren die Ein- und Ausfuhr der von dem Handlungshause Reyer verfrachteten Waaren betrugen. Jene der seewärts eingeführten Waaren erhob sich nämlich von 1827 bis Mitte 1832 auf 14,533.456 fl. C. M. und jene der seewärts ausgeführten auf 3,315.807 fl. C. M., worunter sich nahezu eine halbe Million für das vom Aerar angekaufte Quecksilber befand, das Uebrige aber für Kärnthner Stahl, ungarischen Hanf, Hadern, Antimon, Venetianer Glaswaaren, Dalmatiner und Istrianer Felle u. a. verausgabt wurde. Als Director und Mitglied mehrerer Assecuranzkammern war er auch nach dieser Richtung hin auf Belebung des Handels und der Industrie bedacht. Zur Zeit, als er als Präsident an der Spitze des Triester Handels-Gremiums stand, trat daselbst die Azienda assicuratrice, ein Institut in’s Leben, das alsbald einen ungeahnten Aufschwung nahm und zur Stunde zu den solidesten Assecuranz-Gesellschaften der Monarchie zählt, dessen Bedeutung und Wichtigkeit nicht im geringsten geschmälert ward, nachdem in den letzten Jahren eine Menge Versicherungs-Institute aller Orten und aller Art wie Pilze aus dem Boden schossen. Im Jahre 1818 brachte R. die in Wiener-Neustadt bestandene Zuckerraffinerie käuflich an sich. Dieselbe erzeugte bis dahin jährlich etwa 3–4000 Pfund Rohzucker. Kaum hatte R. die Raffinerie übernommen, als er durch großartige Neubauten, Einführung neuer Maschinen und verbesserter Methoden in der Erzeugung in kürzester Zeit das Geschäft in so ansehnlicher Weise hob, daß jährlich 40.000 Pfund erzeugt und dem Staate jährlich an 300.000 fl. C. M. in Zöllen bezahlt wurden; abgesehen davon, daß die Fabrik eine Waare lieferte, die an Schönheit und Güte von keiner anderen übertroffen wurde. Als es sich darum handelte, in Triest die Dampfschifffahrts-Gesellschaft in’s Leben zu rufen, stellte R. sich als Präses an die Spitze dieses Unternehmens. Bis wenige Jahre vor seinem Ableben blieb er auch Vorstand der General-Direction des österreichischen Lloyd, dieses Institutes, das auf die Entwickelung des Handels und der Industrie in Oesterreich nach verschiedenen Richtungen einen so wohlthätigen Einfluß geübt, und das erst in den letzten Jahren, nachdem wieder die italienische Partei in Triest das Uebergewicht zu gewinnen beginnt, zu sinken anfängt und wohl endlich und leider allen Einfluß verlieren wird. Vorstehende, nur oberflächliche, aber auf sprechenden Thatsachen beruhende Skizze gibt wohl annäherungsweise ein Bild des verdienstlichen Wirkens R.’s; was er aber an Wohlthaten im Stillen geübt, wie er Tausende von Arbeitern in Zeiten beschäftigt, in welchen Handel und Gewerbe stockten, wie er, wenn es zu helfen galt, mit ansehnlichen Mitteln beisprang, wie er ein werkthätiges Mitglied der verschiedensten Vereine und Humanitäts-Anstalten war, das Alles entzieht sich der Schilderung und kann nur obenhin angedeutet werden. Seine vielseitigen Verdienste fanden nicht nur in der Stadt, in welcher R. seit Jahren lebte und welche ihn bei allen Anlässen zu Rathe zog und durch Vertrauensstellen oder Würden, wie dieß im Vorstehenden angedeutet worden, ehrte, verdiente Anerkennung, auch höchsten Ortes wurde dieses verdienstvolle Wirken beachtet und [403] R. zuerst im Jänner 1826 in den erbländischen Adel-, später aber, im Jänner 1834, in den Ritterstand erhoben. Ueberdieß haben ihn die Stände Kärnthens, seines Vaterlandes, unter ihre Mitglieder aufgenommen, und die Stadt Wiener-Neustadt, in welche er durch den Betrieb seiner ausgedehnten Zuckerraffinerie[WS 2] ein so reges Handelsleben gebracht, hat ihm das Ehrenbürgerrecht verliehen. Franz Thaddäus von Reyer war seit 1792 mit Constantia gebornen Edlen von Millesi vermält. – Constantia von R. zählte in Triest zu den ersten und edelsten Frauen der Stadt. Sie genoß die Verehrung aller Stände, und Erzherzog Johann , Feldmarschall Radetzky gehörten zu ihren Freunden. Mit den schönsten Frauentugenden verband sie sonst die edelsten Gaben des Geistes, und als die würdige Matrone im hohen Alter von 90 Jahren am 14. November 1859 das Zeitliche segnete, gab sich die Theilnahme der Bevölkerung, in der sie sich alle Herzen durch schrankenloses Wohlthun gewonnen, in ungeheuchelter Weise kund. Sie hatte ihren Gatten um 13 Jahre überlebt.

Adelstands-Diplom ddo. 24. Jänner 1826. – Ritterstands-Diplom ddo. 27. Jänner 1834. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, Voigt, kl. 8°.) XXIV. Jahrg. (1846), I. Theil, S. 70. – All’ egregila e nobile Famiglia Reyer (Trieste 1853, 4°.) [mit der Abbildung im Stahlstich des für die Familie Reyer gearbeiteten, den Engel der Auferstehung darstellenden Monumentes von Luigi Ferrari].

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: verschienenen.
  2. Vorlage: Zuckerrafferinerie.