BLKÖ:Polsterer, Adalbert Johann

Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 23 (1872), ab Seite: 88. (Quelle)
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Polsterer, Adalbert Johann (Schriftsteller, geb. zu Geißenfeld in Bayern 18. Juni 1798, gest. zu Gratz 6. Mai 1839). Der Sohn eines k. k. österr. Verpflegsverwalters, der in Folge der Kriegsereignisse sich in Bayern einige Zeit aufhielt, und mit seinen Eltern schon sechs Monate nach seiner Geburt in die österreichischen Staaten, 1805 auch nach Wien und zwei Jahre nachher nach Salzburg kam, wo er, 9 Jahre alt, seinen Vater durch den Tod verlor. Die Mutter zog nun mit ihm nach Brünn, wo er die Normalschulen besuchte und bald darauf, 1809, in ihre Heimat am Rhein, von da 1810 nach Holland und 1811 wieder nach Gratz, wo sie bis zu ihrem Tode verblieb. Während seines Aufenthaltes am Rhein und in Holland hatte er zwar die Schule besucht und auch Holländisch und etwas Französisch gelernt, war aber doch im Unterrichte so [89] weit zurück, daß er erst 1811 in das Gymnasium zu Gratz eintreten konnte. Er vollendete hier sowohl dieses, als auch das erste Jahr der Rechtsstudien, worauf ihn 1820 sein Oheim und Vormund nach Padua berief. Hier studierte er zwar fort, benützte aber seinen Aufenthalt in Italien auch, um dieses Land so viel als möglich kennen zu lernen. Er ging öfters nach Venedig, Verona, Mantua und Mailand und zog 1821 mit den österreichischen Truppen nach Neapel. Er fuhr über Mantua, Modena, Bologna, Florenz und Rom dahin, schloß sich hier an mehrere Officiere an, mit denen er nach Pästum und in Calabrien bis Reggio, aber leider nicht nach Sicilien kam. Auf der Rückreise blieb er noch längere Zeit in Florenz und Rom und kam endlich trotz mancherlei Mühseligkeiten bei Beschränktheit seiner Mittel wohlbehalten wieder in Padua an. Auf den Wunsch seiner Mutter kehrte er wieder nach Gratz zurück und setzte seine juridischen Studien fort, verlegte sich aber außerdem auf Geschichte, Sprachen und artistische Gegenstände, zu denen er in Italien Anregung gefunden. 1823 supplirte er die Lehrkanzel der Geschichte am Lyceum zu Gratz und wurde noch im Herbste desselben Jahres nach Professor Schneller’s Abgang dessen provisorischer Nachfolger. Er lehrte nun fast drei Jahre Welt- und österreichische Geschichte, dann auch Numismatik, Heraldik und Diplomatik. 1825 bereiste er zum zweiten Male Italien, und besuchte wieder Florenz, Rom und Neapel. Er gab nun das Lehramt auf und hielt sich einige Monate in Wien auf, kehrte aber wieder nach Gratz zurück, um eine Geschichte und Topographie dieser Stadt zu schreiben. Am 1. November 1827 kam er wieder nach Wien und erhielt eine Anstellung im k. k. Central-Bücher-Revisionsamte, beschäftigte sich aber außerdem mit kleineren Aufsätzen für Zeitschriften. Dieses Amt verließ er im Mai 1828, um die Ausbildung des später berühmten Pianisten und Tonsetzers S. Thalberg zu übernehmen, in dessen Gesellschaft er wieder interessante Reisen unternahm, und zwar durch Deutschland, Frankreich und Italien. So lebte er fast sieben Jahre in den angenehmsten und ehrenvollsten Verhältnissen, bis 1835 ein Blutsturz ihn nöthigte, seine Stellung aufzugeben. Eine Pension sicherte seine Existenz und so hoffte er nach seiner Herstellung manches vorbereitete Werk vollenden zu können. Er ging wieder nach Gratz, von dort nach Bad Rohitsch und übernahm 1837 nach dem Abgange des Professors Likawetz im December 1837 die Vorlesungen aus der Philosophie und deren Geschichte, aber schon nach vier Monaten mußte er krankheitshalber das Amt aufgeben. In dieser Zeit vermälte er sich und nur der musterhaften sorgsamsten Pflege seiner Gattin war es gelungen, noch zwei Jahre ihm das Leben zu erhalten; 1837 besuchte er das Tobelbad und redigirte nach seiner Rückkehr die „Gratzer Zeitung“ und das damit verbundene Unterhaltungsblatt „Der Aufmerksame“. Dann erlag er, noch nicht 41 Jahre alt, seinen Leiden. Außer kleineren Aufsätzen in Zeitschriften erschienen von ihm gedruckt: „Grätz und seine Umgebungen, historisch-topographisch-statistisch dargestellt; mit 4 lithographischen Ansichten, 1 Panorama und 1 Plan“ (Gratz 1827, gr. 12°.); – „Chariton, eine Sammlung gehaltvoller Stellen aus lateinischen, deutschen, französischen und englischen Classikern“ (ebd. 1827); – „Hyères in der Provence“ (Wien 1834). Vollendet als Manuscript hinterließ er ein „Kleines lateinisches Lesebuch [90] für Anfänger nach der Interlinearmethode“; – außerdem befanden sich, jedoch unvollendet, in seinem Nachlasse ein „Kunstlexikon für Maler und Bildhauer“; – „Wegweiser in Rom und dessen Umgebungen“; – „Historisch-biographisches Lexikon von Italien“; – „Reise durch die Schweiz nach dem südlichen Frankreich“; – „Eine Chrestomathie für die Syntaxis“ und zahlreiche poetische und andere kleinere Arbeiten.

Der Aufmerksame (Gratzer Blatt) 1839, Nr. 59. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1836, Beck, 8°.) Bd. IV, S. 244. – Feierstunden (Wiener Unterhaltungsblatt, gr. 8°.) 1835, S. 969. – Engelmann’s „Bibliotheca medica-chirurgica et anatomico-physiologica. Sechste gänzlich umgearbeitete Auflage der Bibliotheca medico-chirurgica von Enslin“, S. 436.