Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Pichler, Ludwig
Band: 22 (1870), ab Seite: 253. (Quelle)
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Pichler, Kaspar (Bildhauer, geb. zu Kufstein in Tirol im Jahre 1801, gest. ebenda 19. Mai 1861). Er war ein Sohn wenig bemittelter Bauersleute und mußte Dienste als Holzknecht verrichten. Die Mußestunden versuchte er mit Schnitzen verschiedener Gebilde auszufüllen, worin er, ohne irgend eine Anleitung, sondern durch eigenes Talent, eine solche Kunstfertigkeit erlangte, daß er die Holzspalthacke bei Seite warf und zu dem Conventualen des Stiftes Fiecht, P. Eberhard Zobel, sich begab, um von ihm durch kurze Zeit in den Anfangsgründen der Zeichenkunst unterrichtet zu werden. Mit diesen Vorkenntnissen ausgerüstet, verfügte er sich nach Meran, wo er ein halbes Jahr bei dem berühmten Bildner Pendl [Bd. XXI, S. 449] Unterricht nahm, worauf er in seinen Heimatsort zurückkehrte, sich nun selbst durch fleißiges Studium, Beharrlichkeit und rastlosen Fleiß zum Künstler heranbildete und von seinen Werken den Lebensunterhalt verschaffte. Aus seiner geschickten Hand sind viele plastische, meist religiöse Gegenstände, insbesondere unübertreffliche Darstellungen des am Kreuze hinscheidenden Heilandes hervorgegangen, die aber um unverhältnißmäßig wohlfeile Preise selbst in’s entfernte Ausland verkauft wurden. So blieb er, ungeachtet er wahre Kunstwerke schuf, die, wenn er einen Mäcen gefunden hätte, der sich seiner angenommen und auf sein Talent Kenner und Freunde aufmerksam gemacht haben würde, ihm reichlichen Lebensunterhalt, ja selbst ein Vermögen hätten verschaffen müssen, immer in sehr ärmlichen Verhältnissen. Sein Nekrologist bemerkt: „So wie Meran auf seinen Pendl, Taufers auf seinen Joseph Anton Haid [Bd. VII, S. 204], so ist auch Kufstein auf seinen am Pfingstsonntag 1861 hingeschiedenen Pichler stolz“. Pichler’s Crucifixe waren von nah und ferne gesucht, und mancher Besteller wartete gern ein Jahr und darüber, um ein solches aus dieses Künstlers Hand zu erhalten. Pichler verstand es, wie selten Einer, den Ausdruck der Liebe und [254] Barmherzigkeit des Schmerzes und der Gottmenschlichkeit und Unschuld seinen Gebilden zu geben. Die religiöse Kunst hat an ihm einen tüchtigen Jünger verloren.

Volks- und Schützen-Zeitung (Innsbruck, 4°.) XVI. Jahrg. (1861), Nr. 64 u. 66. – Fremden-Blatt, herausg. von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1861, Nr. 143.